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TEST Getreidebreie: Was Richtiges essen


ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2017 vom 14.09.2017

Zwei Esslöffel Getreideflocken oder -grieß aus der Packung, etwas Milch dazu und ein bisschen Obst: Fertig ist die Babybeikost. Die als Getreidebrei vermarkteten Produkte können Eltern schnell zubereiten und lecker aufpeppen. Aber sind die Produkte auch frei von Schadstoffen? Nicht alle.


Artikelbild für den Artikel "TEST Getreidebreie: Was Richtiges essen" aus der Ausgabe 9/2017 von ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: elkor/iStock

Für Essanfänger ist jede Geschmacksrichtung eine Sensation. Produkte wie Babykekse oder Stracciatella-Brei sprechen also zunächst einmal die einkaufenden Eltern an. Eher schlicht kommen die Instantgetreidebreie daher. Dafür sind sie aber mit den Ernährungsempfehlungen für Säuglinge kompatibel. „Die ...

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... Getreideflocken ohne Schnickschnack wie Zucker oder fertiges Milchpulver sind eines der vernünftigsten Fertigprodukte fürs Breialter“, sagt eine ÖKO-TEST-Kollegin. Aus der Breizeit ist ihr vierjähriger Sohn bereits raus, aber sie erinnert sich noch an das gute Gewissen beim Zubereiten der Getreide-Obstund Milch-Getreide-Breie.

Aus der Packung kommt das Getreide als Flocken oder Grieß. Milch und/oder Wasser und Obst mischen die Eltern selbst hinzu und sind dadurch in der Früchteauswahl flexibel. Als Produkte für Säuglinge und Kleinkinder unterliegen die Getreidebreie der EU-Richtlinie für Getreidebeikost. Das hat zur Folge, dass bestimmte Nährstoffe wie Vitamin B1 in ausreichender Menge enthalten sein müssen und dass zum Beispiel für Arsen in Reis strenge Grenzwerte gelten. Gut kontrolliert, auf wenige Zutaten begrenzt und fast immer in Bio-Qualität: Das klingt allerdings vernünftig.

Als Getreide kommen bei den Herstellern Hafer, Dinkel, Weizen, Hirse oder Reis in die Tüte, selten gemischt. Hirse und Reis werden aber oft kombiniert. Beide Getreidesorten sind glutenfrei. Lebensmittel ohne Gluten haben eine große Fangemeinde auch außerhalb der Gruppe, die aufgrund einer Zöliakie-Erkrankung kein Gluten verzehren darf. Für die Säuglingsernährung hat das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) erst 2016 die Empfehlungen zur Einführung glutenhaltiger Lebensmittel überarbeitet. Weder der Zeitpunkt des Erstkontaktes noch das Vorhandensein von Muttermilch bei der Gluteneinführung beeinflussten das Risiko für die Entstehung einer Zöliakie, heißt es im Ernährungsplan für das erste Lebensjahr.


Im Rahmen der Beikost Gluten zunächst in kleinen Mengen einführen


„Eltern können Gluten im Rahmen der Beikost zunächst in kleinen Mengen geben und diese Menge dann steigern. So kann der Milch-Getreide-Brei zunächst zum Beispiel mit Hafer zubereitet werden“, sagt Monika Cremer vom Netzwerk Gesund ins Leben. Hafer enthalte weniger Gluten als Weizen oder Dinkel. Ist eine glutenfreie Ernährung nötig, ist Hirse eine gute Alternative zu Reis, der – wie unsere aktuellen Tests von Reis und Reiswaffeln zeigen – häufig mit krebserregendem anorganischem Arsen belastet ist.

Getreidebreie haben eine natürliche Süße und schmecken Essanfängern prima ohne Zucker.


Foto: Dash_med/iStock/Thinkstock

Wir wollten wissen, ob auch Reisbreie belastet sind und welche anderen Schadstoffe in Hafer und Co. stecken. 19 Produkte, darunter nur ein konventionelles, haben wir für Sie eingekauft und ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

Den Kindern etwas Gutes tun: Mit den acht „sehr guten“ und „guten“ Getreidebreien im Test ist das kein Problem. Reine Reisbreie sind allerdings nicht darunter.
Arsen, wir haben ein Problem! Immer wieder weisen die von uns beauftragten Labore krebserregendes anorganisches Arsen in Reis und Reisprodukten nach. Richtig angegangen wird das Problem aber anscheinend nicht. Von acht Getreidebreien mit Reisanteil sind vier reine Reisbreie. Diese sind erwartungsgemäß auch besonders stark belastet. Drei davon überschreiten sogar den Grenzwert für anorganisches Arsen in Reis, der für die Herstellung von Lebensmitteln für Babys und Kleinkinder verwendet wird. Der Grenzwert gilt aber nur für die Ausgangsware, nicht für die verarbeiteten Produkte, die häufig höher belastet sein können. Das liegt wohl unter anderem daran, dass durch das Erhitzen des Reises Flüssigkeit verloren geht, wodurch sich die Arsengehalte etwas konzentrieren. Reis ist im Gegensatz zu anderem Getreide auch deshalb so belastet, weil das Wasser, mit dem die Produzenten die Pflanzen fluten, hohe Gehalte an Arsenverbindungen aufweist.
Abgeschmiert? In mehr als der Hälfte der Breie hat das Labor gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH/POSH) nachgewiesen. MOSH sind Mineralölbestandteile, die sich im Körper anreichern können und in Tierversuchen zu Organschäden geführt haben. Das Mineralöl kann über Altpapier, das für Lebensmittelverpackungen recycelt wird, oder bereits bei Gewinnungs- und Verarbeitungsprozessen durch den Einsatz von Schmierölen ins Lebensmittel gelangen. Alle von uns eingekauften Breie sind zusätzlich durch Innenbeutel, meist aus Aluminium, geschützt. Polyolefinische Kunststoffe dienen häufig als Siegelschicht. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) konnte eine gesundheitliche Bewertung von POSH bislang nicht vorgenommen werden. Analytisch kann man sie nicht von MOSH unterscheiden. In unserem Test sind die gemessenen Gehalte von MOSH und/oder POSH in drei Produkten stark oder sehr stark erhöht.
Null Toleranz! Wenn etwas in einem Babyprodukt gar nichts zu suchen hat, dann ist das zugesetzter Zucker wie im Pomps Kindergrieß. Getreidebreie enthalten bereits von Natur aus Zucker. Außerdem wird bei den Breien häufig süßes Obst untergerührt. Zusätzlicher Zucker erfüllt demnach überhaupt keinen Zweck und bringt keinerlei Vorteile. Im Gegenteil. Stark gesüßte Speisen bergen die Gefahr einer frühen Prägung auf die Geschmackspräferenz „süß“. Kinder könnten somit auch künftig Süßes bevorzugen, was die Entstehung von Übergewicht und Karies fördert.

Zu Recht zugesetzt ist dagegen Vitamin B1 (auch Thiamin genannt). Denn die Hersteller erreichen mit den meisten Getreidearten – auch wenn Vollkorngetreide prinzipiell ein guter Vitamin-B1-Lieferant ist – nicht den gesetzlich vorgeschriebenen Gehalt an Thiamin, weshalb sie das Vitamin zusetzen. Ein Thiaminmangel kann in seiner extremen Form unter anderem zu einer Herzinsuffizienz führen. Alle von uns getesteten Produkte erfüllen die in der Beikost-Richtlinie geforderten Werte. Der analysierte Vitamin-B1-Gehalt des Holle Bio-Babybreis Dinkel ist allerdings um mehr als 25 Prozent geringer als der deklarierte Gehalt. Das gibt Punktabzug unter den Weiteren Mängeln.
Deklaration verbessert: Im Gegensatz zum vergangenen Getreidebrei-Test 2013 haben wir dieses Mal weniger an der Verpackung zu bemängeln. Allerdings werten wir beim Humana Getreidebrei Grieß, Bio den fehlenden Zusatz „Den Brei nicht in der Mikrowelle erhitzen“ ab. In der Mikrowelle kann der Brei leicht überhitzen.

So reagierten die Hersteller

■ AnbieterHolle listet in seiner Stellungnahme eine Vielzahl an Maßnahmen auf, die die Produzenten getroffen hätten, um die Migration von Kohlenwasserstoffen aus Verpackungen zu verringern. Sehr geringe Spuren fänden sich allerdings ungeachtet dessen noch immer in Babynahrung. Holle begründet dies unter anderem damit, dass die Kohlenwasserstoffe bereits durch die Rohmaterialien in das Produkt gelangten.
■ LautAlnatura werden in ihrer Produktion keine mineralölhaltigen Schmierfette oder Druckfarben eingesetzt. Die MOSH/POSH-Werte seien daher mit großer Wahrscheinlichkeit auf die allgemeine Umweltbelastung zurückzuführen beziehungsweise auf POSH, die beim Versiegeln der Folienbeutel entstehen könnten.

Von der Hand in den Mund. Wann das Kind bereit für den ersten Brei ist, kann individuell sehr unterschiedlich sein.


Foto: olegmalyshev/stock.adobe.com/Fotolia

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: MOSH = gesättigte Mineralöl-Kohlenwasserstoffe; POSH = gesättigte Polyolefin-Oligomere-Kohlenwasserstoffe.Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 222.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Das Produkt wird mit der Aussage „ohne Farb- und Konservierungsstoffe laut Gesetz“ beworben.2) Weiterer Mangel: Der analysierte Vitamin-B1-Gehalt weicht übermäßig vom deklarierten Gehalt ab.3) Weiterer Mangel: Fehlender Hinweis, den Brei nicht in der Mikrowelle zu erwärmen.4) Weiterer Mangel: Überflüssiger Hinweis auf Flaschenfütterung.5) Laut Anbietergutachten wurde in einer chargengleichen Probe etwas weniger anorganisches Arsen gefunden. Dieser Wert würde allerdings ebenfalls zu einer Abwertung um zwei Noten führen.6) Laut Anbietergutachten wurde in einer chargengleichen Probe etwas weniger anorganisches Arsen gefunden. Dieser Wert würde nur zu einer Abwertung um zwei Noten führen. Das von uns beauftragte Labor bestätigte unser Ergebnis.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) zugesetzter Zucker; b) ein Gehalt an anorganischem Arsen von mehr als 100 μg/kg (in der Tabelle „stark erhöht“); c) ein Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/ POSH) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 4 mg/kg (in der Tabelle „sehr stark erhöht“). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein Gehalt an anorganischem Arsen von mehr als 50 bis 100 μg/kg (in der Tabelle „erhöht“); b) ein Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in der Tabelle „stark erhöht“). Zur Abwertung um eine Note führt: ein Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 0,5 bis 2 mg/kg (in der Tabelle „erhöht“). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) die Auslobung von Selbstverständlichkeiten („ohne Farbund Konservierungsstoffe laut Gesetz“); b) ein analysierter Vitamin-B1-Gehalt, der um mehr als 25 Prozent geringer ist als der deklarierte Gehalt; c) der fehlende Hinweis, den Brei nicht in der Mikrowelle zu erwärmen (Überhitzungsgefahr); d) der überflüssige Hinweis, den Brei im Fläschchen zu füttern. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de → Suchen → „N1709“ eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 3/2017. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

■ Das jeweilige Getreide – am besten als Vollkorn – und Vitamin B1: Mehr muss ein Getreidebrei nicht enthalten. Schauen Sie dafür auf die Zutatenliste. Um geschmackliche Vielfalt zu erreichen, können Sie immer wieder die Getreidesorte wechseln oder das beigefügte Obst variieren.
■ Reis ist glutenfrei, aber häufig mit Arsen belastet. Wer sein Kind glutenfrei ernähren will oder muss, kann auf Hirse setzen.
■ Stillen Sie auch nach der Beikosteinführung weiter. Die Milchmahlzeiten können Sie dann nach und nach durch Breimahlzeiten ersetzen.