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TEST Graue Wandfarbe: Fifteen Shades of Grey


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 4/2017 vom 06.04.2017

Einst Inbegriff der Tristesse, heute en vogue: 15 graue Innenwandfarben überzeugen in unserem Test mit „gut“ und „sehr gut“. Zu bemängeln gibt’s an der Heimwerkerware nur wenig.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen, Ausgabe 4/2017

Mit Grau als Wohntrend gelang Loriot in den Achtzigern noch ein absurder Scherz: „Mausgrau, staubgrau, Aschgrau, Steingrau, Bleigrau, Zementgrau?“ So befragt der Komiker in Ödipussi als Raumausstatter ein trauriges Rentnerpaar zu dessen Farbvorlieben. Heute ist die Unfarbe, mit der eben auch karg, öde, trist und depressiv assoziiert wird, angesagter denn je. Das zeigt sich in vielen Wirtschaftssparten: 2015 etwa waren die meisten ...

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... neu zugelassenen Autos laut Bundeskraftfahrtamt grau lackiert. Und den Technikfetisch schlechthin, das iPhone, verkauft Apple seit 2016 neben hellem Silbergrau auch in dunklem Anthrazit.

Selbst zu Hause ist die reizarme Farbe kein Witz mehr. Grau und Beige seien 2016 die eindeutigen Bestseller unter den abgetönten Wandfarben gewesen, sagt Produktmanagerin Katharina Tillmann von den Deutschen Amphibolin-Werken, die unter anderem Marken wie Alpina, Caparol und Rühl herstellen. Leicht angegraute Töne seien genauso gefragt wie intensives Anthrazit. Auch die Konkurrenz bestätigt das: „Greige, Taupe, Steingrau und lichtes Grau“ gehörten mittlerweile zu den meistverkauften Wandfarben der Marke Dulux, heißt es vom Chemiekonzern Akzo-Nobel. Noch vor wenigen Jahren sei die Farbe im Innenraumdesign kaum genutzt worden. Als ÖKO-TEST in den Jahren 2007 und 2013 nach Farbtrends fragte, dominierten noch Braun- und Gelbtöne die Verkaufsränge.


Autos, Smartphones und jetzt auch Wandfarbe: Grau liegt im Trend


Das Pantone Institute of Color, das seit den 60er-Jahren einen der weltweit wichtigsten Farbkataloge für Grafiker und Designer herausbringt, deutet das Graurevival als Antwort auf die Finanzkrisen unserer Zeit. Den unaufdringlichen und verlässlichen Grauschattierungen sei seit 2008 ein starkes Comeback über alle Designbereiche hinweg gelungen, erläutert Farbforscherin Laurie Pressman, Vizepräsidentin des US-Unternehmens. Denn Grau drücke ein Bedürfnis nach Sicherheit und Schutz aus – vor der hektischen und chaotischen Gesellschaft, in der wir leben.

Auf Wänden funktioniert der neutrale Farbton allein stehend, aber auch als Kontrast, um Farben zum Leuchten zu bringen: „Grau wird häufig das Arbeitstier der Designer genannt, weil sich immer eine Schattierung findet, die mit einer Farbe im Regenbogen harmoniert“, sagt Pressman. Zu viel Grau könne in Räumen aber auch zu ernsthaft und monoton wirken, so die Expertin. Empfehlenswert sei daher, es immer mit anderen Farben zu kombinieren und die Oberflächenstruktur zu variieren.

ÖKO-TEST rät

■.Nicht belastet und weitgehend sauber deklariert: Zwölf grau abgetönte Wandfarben können wir mit „sehr gut“ empfehlen.
■. In allen Produkten sind die Mengen eingesetzter Konservierer aus unserer Sicht unbedenklich. Isothiazolinone-Allergikern empfehlen wir dennoch, sich vorsorglich konservierungsmittelfreie weiße Wandfarbe direkt im Baumarkt abtönen zu lassen. Welche Produkte sich dafür eignen, erfahren Sie in unserem Test Wandfarbe (ÖKOTEST Ratgeber Bauen und Wohnen 2016).
■.Trotz der guten Ergebnisse: Lüften Sie während des Streichens und in den ersten Tagen danach. Halten Sie sich während des Trocknens nicht im Raum auf. Renovieren Sie, wenn möglich, in der warmen Jahreszeit. Sie können so intensiver lüften und sparen Heizenergie.

Von Greige über Taupe bis Steingrau: Für die Nuancen grauer Wandfarbe existieren unzählige Namen.


Foto: eggeeggjiew/iStock/Thinkstock

Bei aller Gestaltungsfreude: Wandfarben können nicht unerhebliche Risiken für Mensch und Natur in sich bergen. Denn großflächig in Wohnräumen verstrichen, setzen sich Verbraucher ihnen über Jahre direkt aus: „Um die Innenraumluft nicht unnötig zu belasten, müssen sie daher besonders schadstoffarm sein“, betont Anke Oehm vom Umweltbundesamt (UBA). Die Liste der potenziellen Gefahren ist lang. Giftige Lösungsmittel und krebsverdächtiges Formaldehyd können etwa ausdünsten, eingesetzte Konservierungsstoffe können allergische Reaktionen auslösen. Enthaltene Weichmacher, Schwermetalle oder gar giftige Alkylphenolethoxylate belasten nach der Entsorgung die Pflanzen- und Tierwelt.

Wie gut, dass die meisten Gebinde auf dem Markt mittlerweile Der Blaue Engel ziert. Die Prüfkriterien des Umweltzeichens verbieten über die gesetzlichen Vorgaben hinaus ein ganzes Register an Schadstoffen. Sie erlauben nur bestimmte Konservierer und begrenzen den Formaldehydgehalt streng. Auch wie viel Innenwandfarbe maximal ausgasen darf, gibt das Siegel vor. Nicht immer ist der Engel allerdings ein Garant für einwandfreie Tünche. Das zeigen unsere Tests der vergangenen Jahre. Wiederholt stießen wir auf Problemstoffe: in Farbeimern ohne und mit der blauen Marke, die von einer unabhängigen Jury im Auftrag von Umweltministerium und UBA vergeben wird. Wie steht’s also zurzeit um die Qualität in Baumärkten? ÖKOTEST hat 15 streichfertige graue Wandfarben eingekauft und überprüft.

Das Testergebnis

.… macht Lust aufs Pinselschwingen: Zwölf Farbgebinde können wir mit „sehr gut“ empfehlen. Mit den drei „guten“ Grautönen können Sie ebenfalls getrost Ihre Wände streichen. Sie sind überwiegend frei von Problemstoffen. Auch die Etiketten sind mittler weile weitgehend verbraucherfreundlich gestaltet.

Streichtipps vom Profi

… für die Vorbereitung:
■. Dispersionsfarbe spritzt und tropft. Decken Sie Möbel und Fußböden großflächig ab. Auch Fußleisten und Elektroinstallationen kleben Sie am besten vollständig ab.
■. Prüfen Sie vor dem Streichen, ob der Untergrund tragfähig ist. Kleine Unebenheiten, Löcher und Risse können Sie mit Spachtelmasse aus dem Baumarkt ausbessern.
■. Rühren Sie abgetönte Farbe vor dem Aufbringen mit einem Stock oder Heizkörperpinsel durch, um einen maximal gleichmäßigen Farbton zu erzielen.

… zur Streichtechnik:
■. Fürs Streichen der Wandhauptfläche empfiehlt sich ein Farbroller. Randbereiche um Türrahmen, Fensternischen und Wandecken malen Profis vor der Hauptfläche mit einer kleinen Rolle, genannt Mäuschen, oder einem Heizkörperpinsel aus.

■.Hilfreich ist ein Abstrichgitter, das Sie am besten schräg in den vollen Farbeimer einhängen. Tauchen Sie die Rollen nie vollständig in die Farbe, sondern berühren Sie nur die Oberfläche. Fahren Sie dann mit der Rolle über das Gitter und wiederholen Sie den Vorgang, bis die Rolle vollständig und gleichmäßig mit Farbe benetzt ist.

… für ein deckendes Ergebnis:
■. Streichen Sie graue Dispersionsfarbe direkt auf bereits gestrichenen Untergrund. Es spielt keine Rolle, ob er weiß oder bereits farbig gestrichen ist. Feste, unbeschädigte, weiß gestrichene Raufaser lässt sich ebenfalls problemlos grau überstreichen. Neue Gips- oder Putzflächen müssen mit einem Tiefengrund vorbehandelt werden. Sonst saugt der Putz nicht gleichmäßig und es gibt matte Stellen.
■. Graue Wandfarbe deckt in der Regel sehr gut. Falls das Ergebnis nicht überzeugt, warten Sie mit einem zweiten Anstrich, bis die erste Farbschicht ausgetrocknet ist. Ideale Trocknungszeit ist ein Tag, mindestens vier bis fünf Stunden sollten Sie der Farbe aber Zeit geben.

… für saubere Ränder:
■.Mit einer Beschneiderolle mit Abstandhalter gelingt es, sauber und scharfkantig zu streichen. Der Halter verhindert, dass man mit der Rolle näher als einen eingestellten Millimeterbereich in eine Ecke fährt.
■. Perfekt gelingen Farbkanten durch richtiges Abkleben von Raumecken, Türrahmen und Fußleisten. Überstreichen Sie das Kreppband und die Bandkante zur neuen Farbfläche hin zunächst mit dem Weiß der Wand. Die graue Farbe kann dann beim Streichen nicht mehr unschön unter das Band laufen.

Experte „Selbermischen ist wie Lotto spielen“

Foto: privat

„Weiße Farbe selbst mit Vollfarbe oder Pigmenten abzutönen ist Lotterie. Gewünschte Farbstiche gelingen nur selten. Wer ein bestimmtes Grau will, kommt um fertig abgetönte Eimer oder die computergestützten Mischbatterien im Baumarkt nicht herum. In diesen Farben stecken auch Anteile von Ocker und Olivgrün. Das verleiht dem Grau nicht nur Wärme, es deckt auch besser.“

Peter Hoffmann ist Malerund Lackierermeister an der AugustBebelSchule in Offenbach.

■ Kaum belastet: An den grauen Farben gibt’s nur wenig auszusetzen. Anders als noch in vergangenen Tests ließen sich keine krebsverdächtigen Formaldehyd/-abspalter mehr in den Eimern nachweisen. Zwar sind alle Produkte mit Isothiazolinonen konserviert, die Allergien auslösen können. Doch in keinem Produkt übersteigen die Mengen unsere Abwertungsgrenze.
■ Reizpotenzial: In zwei Farbeimern waren problematische Glykole nachweisbar. Das sind flüchtige organische Verbindungen (VOC), die in die Raumluft verdunsten können. Die VOC-Mengen lagen in beiden Fällen zudem über der Vorgabe des Blauen Engels, der auf den Eimern prangt. Das macht sie zu Mogelpackungen. VOC sind bei Anstrichfarbe mit Lösemitteln gleichzusetzen. Reichern Sie sich im Raum in kritischen Mengen an, können sie Augen, Haut und Atemwege reizen sowie Kopfschmerzen und Benommenheit auslösen.
■ Was konserviert denn nun? Eigentlich erfreulich: Auf vier Produkten ist der Konservierer Chlorisothiazolinon deklariert. Doch in keinem Produkt im Test wies das beauftragte Labor das potente Allergen nach. Auf der Verpackung der Modern Living Hochdeckende Innenwandfarbe ist „Methyl-Benzyl-Isothiazolinon“ zu lesen – eine Bezeichnung, die chemisch wenig Sinn ergibt. Der Anbieter Mömax meint damit wohl einen Mix der nachweisbaren Konservierer Methylisothiazolinon und Benzisothiazolinon.
■ Schludrig bedruckt: Auf der Einfach Schöner Farbwelten Innenwandfarbe matt sind die Entsorgungshinweise mit dem bloßen Auge kaum lesbar. So wird vorbeugender Umweltschutz zur Farce. Das Umweltbundesamt bestätigte uns: Auch für den Blauen Engel sind Hinweise wie „Nicht in die Kanalisation, Gewässer oder Erdreich gelangen lassen“ auf Wandfarben „in gut lesbarer Form“ anzubringen.

Grünes Licht für graue Farbe: Die 15 getesteten Produkte erwiesen sich als überwiegend unproblematisch.


Foto: jodiejohnson/iStock/Thinkstock

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: BIT = Benzisothiazolinon, CIT = Chlormethylisothiazolinon (auch MCI abgekürzt), MIT = Methylisothiazolinon.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 142.
Anmerkungen: 1) Laut Anbieter wird das Produkt seit Dezember 2016 in neuer Aufmachung, aber gleichbleibender Rezeptur verkauft. Die getestete Version befinde sich im Abverkauf.2) Produkt ist laut Anbieter nicht im 2,5-Liter-Gebinde erhältlich, daher basiert die Preisberechnung pro Quadratmeter Anstrichfläche auf dem Preis und der angegebenen Reichweite für das getestete 1-Liter-Gebinde.3) Laut Verpackung enthält das Produkt „Methyl-Benzyl-Isothiazolinon“ und Methyl isothiazolinon. Im Labor wurden jedoch die Isothiazolinone Methylisothiazolinon sowie Benzisothiazolinon nachgewiesen.4) Laut Anbieter wird das Produkt in neuer Aufmachung verkauft, die Umstellung der Gestaltung ist, Stand: Februar 2017, abgeschlossen. Auf das neue Produktetikett ist ein Kreis mit der Aufschrift „matt / hohe Deckkraft, tropf- und spritzgehemmt“ gedruckt.5) Weiterer Mangel: Anforderungen des Blauen Engels im Hinblick auf flüchtige organische Verbindungen und ihre Deklaration nicht erfüllt, obwohl das Produkt den Blauen Engel trägt.6) Chlormethylisothiazolinon deklariert, aber nicht nachweisbar.7) Preisberechnung pro Quadratmeter Anstrichfläche basiert auf dem Preis für 2,5-Liter-Gebinde und auf der angegebenen durchschnittlichen Reichweite für die getesteten 1-Liter-Gebinde, hochgerechnet auf 2,5 Liter.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt . Unter dem Testergebnis Inhaltsstoff e führt zur Abwertung um eine Note: mehr als 1.000 mg/kg problematische Glykole (Ethylenglykole). Unter dem Testergebnis Deklaration führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) falsche Angabe der Konservierungsmittel (hier: chemisch falsche Schreibweise eines Isothiazolinongemischs: hier „Methyl-Benzyl-Isothiazolinon“); b) schlecht lesbare Hinweise zur Entsorgung. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: Anforderungen des Blauen Engels in Bezug auf flüchtige organische Verbindungen und ihre Deklaration nicht erfüllt, obwohl das Produkt den Blauen Engel trägt. In das Gesamturteil gehen das Testergebnis Inhalts stoff e zu 70 Prozent und das Testergebnis Deklaration zu 30 Prozent ein. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoff e.
Preisberechnung basiert, wo nicht anders vermerkt, auf der Gebindegröße 2,5 Liter und der vom Hersteller angegebenen durchschnittlichen Reichweite, Stand: September 2016.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „N1704“ eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 2/2017. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden


Foto: Jzhuk/iStock