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TEST GRÜNE MISCHFONDS: ZU WENIG KLIMASCHUTZ


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 27.09.2018

Nachhaltige Investmentfonds boomen. Schließlich versprechen ihre Anbieter Anlegern ein gutes Gewissen und eine gute Performance. Doch nach wie vor sind längst nicht alle Fonds so sauber wie sie vorgeben.


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Foto: gece33/getty images

ÖKO-TEST RÄT

► Die beste Gewähr für einen wirklich sauberen grünen Fonds ist ein strenges Auswahlverfahren, das möglichst alle unsere Mindestausschlusskriterien beachtet.
► Bei gleich guter Nachhaltigkeitsperformance versprechen kostengünstige Fonds den besseren Ertrag.
► In die engere Auswahl gehören nur Fonds, deren Anlagestrategie mit Ihren persönlichen Wünschen übereinstimmt. ...

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► Die beste Gewähr für einen wirklich sauberen grünen Fonds ist ein strenges Auswahlverfahren, das möglichst alle unsere Mindestausschlusskriterien beachtet.
► Bei gleich guter Nachhaltigkeitsperformance versprechen kostengünstige Fonds den besseren Ertrag.
► In die engere Auswahl gehören nur Fonds, deren Anlagestrategie mit Ihren persönlichen Wünschen übereinstimmt. Achten Sie dabei auf aktuelle Nachhaltigkeitsprofile. Sind die Daten älter als ein Jahr, gilt: Finger weg. Der Fonds kann seine Strategie längst geändert haben.

Rund 171 Milliarden Euro waren in Deutschland Ende vergangenen Jahres in nachhaltigen Investments angelegt. „Das ist ein neuer Rekord”, freut sich Volker Weber, Vorsitzender des Forums nachhaltige Geldanlagen (FNG). Als Fachverband der Anbieter hat das FNG den Markt seit 13 Jahren genau im Blick. Daher weiß Weber auch: Gemessen am Volumen des konventionellen Kapitalmarkts handelt es sich bei den nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien gemanagten Anlagen lediglich um eine Marktnische mit einem Anteil von bescheidenen drei Prozent. Immerhin: Vor zehn Jahren machten ESG-Anlagen noch magere 0,5 Prozent des gesamten Anlagevolumens aus. Der Anteil nachhaltig investierter Gelder hat sich seither also versechsfacht – und kommt peu a peu aus seiner Nische heraus. Haupttreiber sind nach wie vor institutionelle Anleger. Von Privatanlegern stammen dagegen nur rund neun Prozent aller nachhaltigen Anlagen in Deutschland. Doch auch hier zeigt der Trend mit einem Wachstums von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr nach oben.


Halten alle Anbieter der grünen Mischfonds, was sie versprechen? Nein. ÖKO-TEST hat einen Blick ins Depot geworfen.


Dass Privatanleger immer öfter auf grüne Geldanlagen setzen, liegt allerdings auch daran, dass sich der Markt gewandelt hat. Früher war das Angebot an grünen Investmentfonds überwiegend aktienlastig. Doch Deutschlands Sparer sind extrem risikoscheu. Schon in der konventionellen Geldanlage greifen sie bei Aktien und Aktienfonds nur zögerlich zu.

Inzwischen werden aber auch immer mehr nachhaltige Renten- und Mischfonds angeboten. Letztere gelten bei privaten Anlegern als reizvolle Alternative, insbesondere seit Sparanlagen und Zinspapiere aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase kaum noch Erträge bringen. Am Markt für konventionelle Fonds sind Mischfonds zum Beispiel schon seit sechs Jahren der absolute Absatzrenner, wie der Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) erst Anfang August berichtete. Aus gutem Grund: Hier müssen sich die Anleger nicht selbst um die Aufteilung der Gelder auf verschiedene Assetklassen, wie Aktien und Anleihen, je nach Börsenlage kümmern. Das übernimmt das Fondsmanagement: eine komplette Fonds-Vermögensverwaltung aus einer Hand, die auch für den schmalen Geldbeutel geeignet ist. Wenn die auch noch mit Nachhaltigkeitskriterien kombiniert wird – das kommt bei Anlegern mit Interesse an einer „sauberen“ Geldanlage offenbar bestens an.

Grund genug für ÖKO-TEST, den Markt für nachhaltige Investmentfonds unter die Lupe zu nehmen. Wir haben 79 welt- oder europaweit anlegende Aktienfonds sowie 30 Mischfonds von insgesamt 48 Fondsgesellschaften untersucht, die allesamt aktiv gemanagt werden.

Bei allen achteten wir nicht nur auf die Qualität des Auswahlverfahrens sowie darauf, wie präzise die Anlagekriterien gesetzt werden, sondern auch, ob sie den von ÖKO-TEST vorgegebenen Katalog von Mindestausschlusskriterien beachten. Dazu hat ÖKO-TEST anschließend noch einen Blick in die Depots geworfen, um zu prüfen, ob die Fonds in der Praxis auch halten, was sie auf dem Papier versprechen. Die Angaben zu den Mischfonds finden Sie in diesem Heft. Die Aktienfonds folgen in der kommenden Ausgabe.

Grün statt braun: Verbraucher, die nachhaltige Mischfonds suchen, wollen lieber in erneuerbare Energien investieren und nicht in die Kohleindustrie und andere fossile Brennstoffe.


Foto: NanoStockk/getty images


Nur vier der 30 untersuchten grünen Mischfonds konnten im ÖKO-TEST rundum überzeugen.


DAS TESTERGEBNIS:

Größeres Angebot, bessere Qualität? Fast ein Drittel der untersuchten Mischfonds ist noch keine fünf Jahre alt, die Hälfte der neuen Fonds wurde sogar erst in den vergangenen drei Jahren aufgelegt. Das zeigt, wie stark Mischfonds bei umweltbewussten Anlegern gefragt sind. Allerdings konnten nur vier der 30 untersuchten Fonds wirklich rundum überzeugen – und schafften es aufs Siegertreppchen. Der Oddo Werte Fonds rutschte zwar auch noch knapp auf den ersten Rang. Er schwächelt aber bei den von ÖKO-TEST vorgegebenen Mindest-Ausschlusskriterien.
Beschämend wenig Transparenz. Eigentlich gilt Transparenz als unverzichtbarer Bestandteil von Nachhaltigkeit. „Sie ist ein Kernelement für das Verständnis des Nachhaltigkeitsbegriffs und des Qualitätsanspruchs des Anbieters”, schreibt zum Beispiel das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in seiner aktuellen Stellungnahme zu dem Gesetzespaket der EU-Kommission, die ein Gütesiegel für ESG-Anlagen entwickeln will. Momentan gilt das FNG-Nachhaltigkeitsprofil als Mindeststandard. Das zweiseitige Informationsblatt soll Anlegern ermöglichen, sich kurz und knapp über die ESG-Anlagestrategie des jeweiligen Fonds zu informieren und als Auswahlhilfe dienen. Schließlich setzt jeder Fonds unterschiedliche Schwerpunkte – vor allem im Bereich der Ausschlusskriterien. Das Problem: Längst nicht alle Fondsgesellschaften halten ihre Anlegerinformationen auf dem neuesten Stand.So musste ÖKO-TEST entsetzt feststellen, dass die FNG-Profile bei elf der 30 untersuchten Mischfonds noch aus den Jahren 2015/2016 stammten. Einige Fonds hatten zwischenzeitlich ihre Anlagestrategie komplett geändert, das Researchunternehmen gewechselt, bisweilen das Auswahlverfahren verbessert und die Ausschlusskriterien verschärft. Doch die veralteten FNG-Profile verraten davon nichts. Das ist mehr als ärgerlich. Echte Transparenz und vor allem eine kundenfreundliche Informationspolitik sieht anders aus.
Dichtung und Wahrheit. Transparenz allein ist noch kein Gütesiegel für eine nachhaltige Anlagepolitik. Das musste auch ÖKO-TEST bei den weiteren Untersuchungen feststellen. Die Anbieter verraten zwar, was sie machen. Aber wie gut die Qualität ihres Auswahlverfahrens sowie die praktische Umsetzung sind, bleibt im Dunkeln. Das lässt sich nur durch einen Vergleich der Auswahlmethoden prüfen, wobei erst der anschließende kritische Blick ins Depot wirklich zuverlässig die Spreu vom Weizen trennt.
Mehr als die Hälfte der Fonds mit strengen Maßstäben. Immerhin 16 der 30 untersuchten Mischfonds konnten im Test mit einem sehr strengen, qualitativ hochstehenden ESG-Auswahlverfahren überzeugen. Weitere vier kommen hier immerhin auf Rang zwei. Der JSS Sustainable Portfolio – Balanced Fonds und der Green Benefit-Nachhaltigkeit Plus-Fonds, landen dagegen nur auf Platz drei.

GLOSSAR

Best-in-Class: Anlagestrategie, bei der – basierend auf ethisch, ökologischen und sozialen Kriterien (ESG-Kriterien) – die besten Unternehmen innerhalb einer Branche ausgewählt werden. Bei den getesteten Fonds wird das Best-in-Class-Verfahren zudem meist mit Ausschlusskriterien für unerwünschte Branchen/Tätigkeiten, wie zum Beispiel Atomenergie, Waffen/Rüstung, kombiniert. In Wertpapiere von Unternehmen, die in diesen ausgeschlossenen Bereichen tätig sind, wird dann nicht investiert.
Best-in-Class +: In diesem Fall wird das Best-in-Class-Auswahlverfahren weiter verschärft, indem zum Beispiel schon die Branchen nach Nachhaltigkeitskriterien gewichtet werden oder wenig nachhaltige Branchen ganz ausgeschlossen sind. Des Weiteren stehen nur Titel zur Auswahl, die eine überdurchschnittliche ESG-Bewertung aufweisen und kein Ausschlusskriterium verletzen.
Positiv-Negativ-Kriterien: In diesem Fall kommen nur Wertpapiere von Unternehmen in die engere Auswahl, die bestimmte Positivkriterien erfüllen, zum Beispiel in besonders nachhaltigen Branchen wie erneuerbare Energien, umweltfreundliche Mobilität oder ähnlichen tätig sind und/oder über eine überdurchschnittliche ESG-Bewertung verfügen. Gleichzeitig dürfen diese Unternehmen nicht gegen die Negativ- bzw. Ausschlusskriterien verstoßen.
Positiv-Negativ-Kriterien +: In diesem Fall wird das Positiv-Negativ-Auswahlverfahren durch zusätzliche Hürden verschärft, indem mehrere Positivkriterien, wie umweltfreundliche Branche plus überdurchschnittliche ESG-Bewertung für die Vorauswahl gebündelt werden. Oder die Branchenauswahl ist strikt auf ausschließlich nachhaltige Branchen beschränkt. Gleichzeitig gelten strenge Ausschlusskriterien in allen ESG-Bereichen.

Das liegt aber lediglich daran, dass sie den Katalog der von ÖKO-TEST gesetzten Mindestausschlusskriterien nur unzureichend erfüllen. Das kann, muss aber nicht immer von Nachteil sein. Der Green Benefit setzt zum Beispiel ausschließlich auf Wertpapiere aus nachhaltigen Branchen und nicht auf Mischkonzerne. Nach eigenem Ermessen kommt er daher ohne umfangreiche Ausschlusskriterien aus. Das zeigt sich auch beim Blick ins Depot. Weil das blitzsauber ist, rutschte der Fonds insgesamt hoch auf Rang 2.
Sauberes Etikett, schmutziger Inhalt. Andere Mischfonds präsentieren sich dagegen auf dem Papier als tiefgrüne Fonds mit knallharten Ausschlusskriterien. Der Blick ins Depot verrät jedoch, dass die vermeintlich hohen Hürden in der Praxis deutlich tiefer liegen. Unterm Strich entpuppten sich sogar fast zwei Drittel der untersuchten Mischfonds (60 Prozent) mehr oder weniger als Mogelpackung, die nicht so sauber sind wie sie versprechen. Allein bei elf Fonds, die sich beim ESG-Screening als absolute Saubermänner präsentierten, fanden wir unter den Top-Ten-Titeln zumindest einen, bisweilen sogar gleich mehrere höchst fragwürdige Investments. Dabei sind die Top-Ten-Titel eigentlich das Aushängeschild für jeden Fonds. Hier sollte sich also zeigen, wie ernst es die jeweilige Fondsgesellschaft mit der Nachhaltigkeit nimmt. Doch die Liste der fragwürdigen Werte darunter ist lang und erschreckend: Wir fanden Wertpapiere von Unternehmen, die zu den 100 größten Luft- oder Wasserverschmutzern der Welt zählen, auf der Liste der 100 größten Verursacher von Treibhausgaseffekten zu finden sind oder gar zu den größten Waffenproduzenten der Welt gehören. Außerdem entdeckten wir Titel von Banken, die immer noch in die Finanzierung von weltweit geächteten Streubomben verstrickt sind oder zu den größten Geldgebern der Kohleindustrie oder anderer fossiler Brennstoffe gehören. (Einzelheiten siehe Kasten auf S. 99).

Der Softwareentwickler Dassault Systèmes ist Schwester der Dassault Aviation Groupe, Rang 60 der 100 größten Waffenproduzenten der Welt – und für ÖKO-TEST ein fragwürdiger Titel.


Foto: Michel Euler/picture alliance/AP Photo

Wie misst man Nachhaltigkeit? Allerdings sind nicht alle Fonds betroffen. Ein Blick in die Tabelle auf S. 102 zeigt, dass ein Höchstmaß an Mindestausschlusskriterien weitgehend vor Fehlinvestments schützen kann. Das gilt insbesondere, wenn zugleich ein unabhängiger Beirat die Auswahl überwacht. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Das liegt auch daran, dass Ratingagenturen die Nachhaltigkeit von Mischkonzernen bisweilen unterschiedlich einstufen. Oder deren Tochtergesellschaften werden separat bewertet, obwohl der Mutterkonzern in höchst fragwürdige Tätigkeiten verstrickt ist.
Klimaschutz Fehlanzeige. Zehn der 30 untersuchten Mischfonds schließen fossile Brennstoffe bei der Geldanlage keinesfalls aus (Einzelheiten siehe Tabelle auf S. 100). Das gilt selbst für tiefgrüne Fonds, wie zum Beispiel den Oddo Werte Fonds oder für den Fair World Fonds, der sich nach den Kriterien von Brot für die Welt für die Bewahrung der Schöpfung stark macht – wozu eigentlich auch der Kampf gegen den Klimawandel gehört. Die großen Unterschiede der Fonds beim Umgang mit dem Thema Klimawandel sind umso überraschender, weil selbst große Konzerne mittlerweile reagieren und etwa aus der Finanzierung von Kohle-Investments aussteigen, wie unlängst die Münchner Rückversicherung. Nur bei den grünen Fonds sind noch nicht alle dabei. Deshalb kommen Anleger nicht umhin, bei der Fondsauswahl ganz genau auf diesen Punkt bei den Ausschlusskriterien zu achten.
Nachhaltigkeit zahlt sich finanziell aus. Mit einer durchschnittlichen Rendite von 1,2 Prozent pro Jahr (in den vergangenen drei Jahren) und 4,0 Prozent im Schnitt der vergangenen fünf Jahre schneiden die Nachhaltigkeitsfonds genauso ab wie globale Mischfonds herkömmlicher Prägung. Die haben nach Angaben des BVI im gleichen Zeitraum durchschnittlich 1,2 bzw. 3,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt. Einige grüne Top-Fonds, wie zum Beispiel der Ökoworld Rock’N’Roll-Fonds, können die Durchschnittswerte mit 3,73 Prozent Ertrag im Drei-Jahres-Zeitraum und 6,23 Prozent Ertrag im Fünf-Jahres-Zeitraum sogar locker übertreffen. Noch besser sieht es bei den Fonds auf Rang 2 aus. Hier schneiden gleich fünf Fonds überdurchschnittlich gut ab.
Extrem teuer. Top-Fonds, wie zum Beispiel der Ökoworld Rock’N’Roll Fonds, sind mit Verwaltungskosten von 2,61 Prozent plus einer erfolgsabhängigen Gebühr von zuletzt 0,43 Prozent pro Jahr, bisweilen extrem teuer. Es bleibt das Geheimnis von Ökoworld, wie der Fonds bei solchen Kostensätzen bislang trotzdem gute Erträge erwirtschaften konnte. Denn üblicherweise gilt: Je niedriger die Kosten des Fonds, desto höher sind die Chancen der Anleger auf Gewinn. Wer daher zwischen der Anlage in kostengünstigen, aber weniger nachhaltigen ETF oder tiefgrünen, dafür aber teuren Fonds schwankt, dem bieten sich Stiftungsfonds als Kompromiss an. Der Superior Ethik 3 Fonds von Security ist mit Verwaltungskosten unter einem Prozent zum Beispiel vergleichsweise günstig – bei bislang guten Erträgen und moderatem Risiko.

PROBLEMATISCHE TITEL IN SAUBEREN FONDS

Diese Werte unter den Top-Ten-Titeln führten zur Abwertung

Quelle: Eigene Zusammenstellung auf Basis der Studien von Facing Finance, „Dirty Profits 6“, Mai 2018, Facing Finance, Urgewald, „Dirty Profits – Unser Geld für Rüstungsexporte in Kriegs- und Krisengebiete“, Juli 2018, Banktrack, „Banking on the Climate Change“, 2018, Unfriend Coal, Urgewald, Greenpeace Switzerland, Rainforest Action Network u.a., „Insuring Coal No More“, November 2017, Stockholm International Peace Research Institute (Sipri), „Top 100 Arms producing and military services companies in the world“ 2017, Political Economy Research Institute (PERI), „Top 100 Toxic Water Polluters“, „Top 100 Toxic Air Polluters“, „Top 100 Toxic Greenhouse Polluters“, jeweils 2018, Pax, „Worldwide Investments in Cluster Munitions“, Hall of Shame, Mai 2017, Global Compact, „Expelled Participants”, 2016–2018, Transparency International, Korruptionswahrnehmungsindex 2017, „Unfreie Staaten“, Freedom House 2018.

DIE MINDESTKRITERIEN

Wenn Anleger nach einer grünen Geldanlage suchen, wollen sie zugleich die Gewissheit haben, dass sie mit ihrem Geld keine fragwürdigen Geschäfte finanzieren. ÖKO-TEST hat daher folgende Mindest-Ausschlusskriterien definiert. Ausgeschlossen sind:

Bei Aktien

► Tierversuche
► Umweltschädliches Verhalten, massive Umweltzerstörung
► Verstöße gegen Gesetze wie Umweltrecht, Bilanzbetrug
► Waffen und Rüstung:
geächtete Waffen, wie Streubomben und Landminen (0 Prozent vom Umsatzanteil), konventionelle Waffen/Rüstung
► Produktion von Atomenergie, Kernkomponenten für Atomkraftwerke
► Gentechnik:
gentechnisch veränderte(s) Tiere oder Saatgut

Bei Aktien und Anleihen

► Kernenergie
► Verletzung der zehn Prinzipien des Global Compact, insbesondere systematische Verletzung von Menschenrechten, systematische Verletzungen von Arbeitsrechten (massive Verletzung der vier grundlegenden Prinzipien der ILO Deklaration), ausbeuterische Kinderarbeit, Korruption und Bestechung
► fossile Brennstoffe

Bei Anleihen (Staaten)

► Verstöße gegen Atomwaffensperrvertrag
Nicht-Ratifizierung des Kyoto-Protokolls oder des Pariser Klimaabkommens
► Verstöße gegen das Biodiversitätsabkommen (bzw. Nicht-Ratifizierung der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt)
► Unfreie Staaten (gemäß Freedom House Ranking) Zu wie viel Prozent der jeweilige Fonds diese Mindestausschlusskriterien erfüllt, zeigt die Tabelle auf Seite 103.

Abkürzungen/Glossar: n. m. = nicht möglich
TER = Gesamtkosten für die Verwaltung des Fonds (ohne Transaktionskosten).
Performance Fee: Erfolgsabhängige Verwaltungsvergütung des Fonds. Diese Kosten sind in der TER nicht enthalten, kommen also noch dazu.
Anmerkungen: 1) Die Höhe der Performance Fee beträgt bis zu 5 % der über 5,00 % hinausgehenden Wertentwicklung des Fonds. Zusatzkosten zuletzt 0,18 % p.a.2) Auswahlverfahren basiert auf den ethischen Leitlinien und Grundsätzen des Franziskanerordens sowie den umfassenden Kriterien des Frankfurt Hohenheimer Leitfadens.3) Die Höhe der Performance Fee beträgt 15 % des 5 % übersteigenden Wertzuwachses pro Jahr, aber nur wenn der bisherige Höchststand (All Time High Water Mark) überschritten wurde. Zusatzkosten zuletzt 0 %.4) Angaben mit Unsicherheit behaftet, weil Anbieter trotz mehrfacher Aufforderung nicht auf die Bitte zur Datenüberprüfung geantwortet hat.5) Ehemals „Swisscanto (LU) PF Green Invest Balanced (EUR) A”, seit 13. August 2018 teilweise verschmolzen mit dem früheren Swisscanto (LU) PF Green Invest Yield (ISIN LU0288150856), seither gelten auch verschärfte Nachhaltigkeitskriterien. Diese sind bei der Bewertung des ESG-Auswahlverfahrens und der Ausschlusskriterien bereits berücksichtigt.6) Die Höhe der Performance Fee beträgt 10 % vom Wertzuwachs am Quartalsende, aber nur, wenn der bisherige Höchststand überschritten wurde (High Water Mark), Zusatzkosten zuletzt 0,43 % p.a.7) Die Höhe der Performance Fee beträgt 20 % des Mehrertrags im Vergleich zu der herangezogenen Geldmarktanlage, max. 0,5 %. Das gilt aber nur, wenn der bisherige Höchststand überschritten wurde (High Water Mark). Zusatzkosten zuletzt 0,35 %,8) Angaben mit Unsicherheit behaftet, da Anbieter Testteilnahme ablehnt.
Legende: Anbieter mit gleichem Gesamturteil sind 1) nach der Note Nachhaltigkeit, 2) nach der erzielten Prozentzahl „Mindestausschlusskriterien erfüllt“ und 3) bei gleichem Gesamturteil alphabetisch sortiert. Das Gesamturteil setzt sich aus der Bewertung des Auswahlverfahrens und der Bewertung der problematischen Titel zusammen. Um zu prüfen, ob das Auswahlverfahren auch streng umgesetzt wird, haben wir die Top-Ten-Titel jedes Fonds unter die Lupe genommen und geprüft, ob sich darunter problematische Werte befinden. Dazu zählen Wertpapiere, die zum Beispiel zu den größten Waffenherstellern, Luft- oder Wasserverschmutzern der Welt gehören, maßgeblich in die Finanzierung von umweltschädlichen Fossil Fuels oder anderen schmutzige Geschäfte verstrickt sind (siehe Kasten „Problematische Titel“, S. 99). Grundsätzlich gilt: Fonds mit problematischen Titeln unter den Top Ten können keinen ersten Rang erreichen. Schon ein problematischer Wert unter den Top Ten führt hier zur Abwertung um einen Rang. In allen anderen Fällen setzt sich die Gesamtnote zu 70 Prozent aus der Bewertung des Auswahlverfahrens und zu 30 Prozent aus der Bewertung problematischer Titel zusammen. Die Note der letzteren Bewertung ergibt sich aus der Anzahl der gefundenen Problemtitel unter den Top-Ten-Titeln des Fonds. Sofern nur ein einziger Problemtitel gefunden wurde, gab es die Note 2. Jeder weitere Problemtitel führt zu einer Verschlechterung der Note um eine Stufe, sodass ab 5 Problemtiteln die Note 6 vergeben wurde. Die Bewertung des Auswahlverfahrens beruht auf dem Testergebnis für die Qualität des jeweiligen Verfahrens. Für die Auswahl nach dem Best-in-Class-Verfahren gab es sechs Punkte, sofern es mit Ausschlusskriterien kombiniert wurde, die sich auf mindestens zwei der drei ESG-Bereiche erstrecken, und acht Punkte, wenn die Ausschlusskriterien alle Bereiche abdecken und gleichzeitig nur Titel mit positivem ESG-Score oder nachhaltigem Kerngeschäft berücksichtigt wurden. Das gleiche gilt für die Auswahl nach Positiv- und Negativkriterien in Kombination mit Ausschlusskriterien. Auch wenn nach Best-in-Class-Ansatz mit strengeren Anforderungen bei unliebsamen Branchen ausgewählt wird, die Ausschlusskriterien aber nicht alle ESG-Bereiche abdecken, gab es maximal acht Punkte. Zehn Punkte wurden dagegen vergeben, wenn das Best-in-Class-Verfahren mit höheren Kriterien für unliebsame Branchen verbunden war oder ausschließlich Unternehmen aus ESG-Branchen in die Auswahl kamen oder wenn durch zusätzliche Positivkriterien (zum Beispiel ausschließlich Unternehmen mit 50 Prozent Umsatz in Umweltschutzbereichen) oder zusätzliche Negativkriterien (wie den Ausschluss bestimmter Branchen) eine stärkere Fokussierung ausschließlich auf besonders nachhaltige Anlagen erreicht wird. Das Gleiche gilt für die Auswahl nach Positiv- und Negativkriterien, wenn hier mehrere Positivkriterien für die Vorauswahl gebündelt werden oder wenn die Branchenauswahl strikt auf nachhaltige Sektoren beschränkt ist und zugleich strenge Ausschlusskriterien in allen ESG-Bereichen angewandt werden. Bis zu zehn Zusatzpunkte konnten erworben werden, wenn der Fonds eine (oder mehrere) renommierte ESG-Research-Agenturen einbindet, und zwei, wenn es einen Nachhaltigkeitsbeirat gibt. Danach wurde für jeden ESG-Bereich separat geprüft, ob und wie stark der Fonds den von ÖKO-TEST gesetzten Katalog an Mindest-Ausschlusskriterien erfüllt. Für die Erfüllung zu mindestens 86,11 Prozent gab es zehn Pluspunkte, bis 72,22 Prozent gab es acht, bis 58,34 Prozent sechs, bis 44,45 Prozent vier und bis 30,56 Prozent einen Pluspunkt. Anschließend wurden die Punkte aus dem Bereich des Auswahlverfahrens addiert, die Differenz zwischen der höchsten und niedrigsten Punktzahl ermittelt, jeweils in sechs gleich große Klassen geteilt und mit einem Rang für das Auswahlverfahren bewertet.
Zusätzlich wurden die Fondskosten bewertet. Das Ergebnis floss aber nicht in die Gesamtnote ein. Zur separaten Bewertung der Fondskosten haben wir zunächst die Gesamtkosten der Fonds ermittelt. Sofern der Fond eine Performance Fee erhebt, wurden die im vergangenen Jahr erhobenen erfolgsabhängigen Kosten zu den ausgewiesenen fondsinternen Gesamtkosten der Fonds (TER) addiert. Anschließend wurde der Durchschnittswert dieser Gesamtkosten für die jeweilige Fondsgruppe berechnet. Dieser Wert repräsentiert den Marktdurchschnitt. Danach haben wir die Differenz zwischen den höchsten und niedrigsten Kosten in der jeweiligen Fondsgruppe ermittelt und in sechs gleich große Klassen geteilt, wobei die Durchschnittskosten jeweils in die Mitte von Rang 3 fallen müssen. Je nachdem in welche Klasse die Gesamtkosten des jeweiligen Fonds fallen, wurden die Kosten dann mit „sehr niedrig“, „niedrig“, „mäßig“, „erhöht“, „hoch“ oder „sehr hoch“ bewertet. Die Angaben zur Rendite wurden dagegen nicht bewertet, denn sie hängen auch davon ab, wie viel Risiko der Fonds bei der Erzielung von Erträgen eingeht. Die jeweilige Risikoklasse ist in den Tabellen ausgewiesen. Sie entspricht den gesetzlich vorgeschriebenen Angaben aus den wesentlichen Anlegerinformationen (KID), die Anleger rechtzeitig vor dem Kauf erhalten müssen. Dabei werden Fonds in sieben Risikoklassen eingeteilt, die von sehr niedrig (Klasse 1) bis sehr hoch (Klasse 7) reichen.
Stand: September 2018, Renditen und Portfoliobewertung (Top-Ten-Titel) per 30.06.2018.

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