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TEST HAARKUREN UND -MASKEN: Spitzenkräfte


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 23.06.2022

RATGEBER

1 Sämtliche Haarkuren mit Naturkosmetik-Siegel sind im Test „sehr gut“. Aber auch unter den konventionellen schneiden etliche mit Bestnote ab.

2 Packen Sie das Haar in ein Handtuch, während die Kur einwirkt – die feuchte Wärme verstärkt den Pflegeeffekt.

3 Eine Alternative zur Haarkur sind Haaröle, die nach der Wäsche auf dem Kopf bleiben. Allerdings stecken manche Öle voller Silikone. oekotest.de/12408.

Artikelbild für den Artikel "TEST HAARKUREN UND -MASKEN: Spitzenkräfte" aus der Ausgabe 7/2022 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Sommer,Sonne, Salzwasser. So schön die Urlaubszeit für uns ist – die Haare kommen nicht immer erholt zurück aus den Ferien. Hitze, UV-Strahlen und das ständige Aufquellen der Schuppenschicht beim Baden entziehen ihnen Feuchtigkeit und hinterlassen im schlimmsten Fall Defekte in der Haarstruktur. Erst recht, wenn die schon durch Färben, Glätten oder falsches Styling vorgeschädigt war. Hier kommt die „Power-Reparatur“ ins Spiel, die „Tiefenpflege-Maske“ oder „Wunder-Kur“. Solche und ...

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... ähnliche Wirkungen tragen die 42 Haarkuren und -masken unseres Test bereits im Namen.

Naturkosmetik in Bestform

Dabei kann bei etlichen von gesunder Erholung keine Rede sein. Von neun „mangelhaften“ und „ungenügenden“ Haarpflegeprodukten raten wir ab, fünf weitere sind nur Mittelmaß. Zum Glück gibt es eine ganze Reihe tadelloser Alternativen: 27 Haarkuren und -masken glänzen mit „sehr gut“, darunter alle 17 Produkte mit Naturkosmetik-Zertifikat.

„Eine Extraportion Haarpflege geht auch ohne Silikone und synthetische Polymere. Gut für die Haare, gut für die Umwelt.“

WISSEN

DIY: Haarkuren aus der Küche

Eine Haarkur können Sie auch ganz leicht selbst mischen, denn der Kühlschrank gibt Einiges her für die Haarpflege. Milcheiweiß aus Joghurt kittet kleine Haarschäden, Lecithin aus dem Eigelb schützt das Haar vor dem Austrocknen, Honig beruhigt die Kopfhaut und die Lipide in pflanzlichen Ölen glätten die Schuppenschicht.

Für brüchiges Haar und Spliss: 50 Milliliter Olivenöl im Wasserbad erwärmen, 1 Esslöffel Honig dazu geben, abkühlen lassen. Ein Eigelb mit einem Schneebesen unterrühren, Haarkur auf den Längen und Spitzen verteilen, nach 20 Minuten mit lauwarmem Wasser ausspülen. Mit Kokos- anstelle des Olivenöls wirkt die Kur etwas leichter.

Für normales Haar: Eine halbe Orange auspressen, mit 5 Esslöffeln Naturjoghurt und 1 Esslöffel Honig verrühren. Auf das feuchte Haar auftragen, 15 Minuten einwirken lassen, mit warmem Wasser ausspülen.

Für mehr Glanz:

Zwei Eigelb, eine halbe Tasse Bier und 1 Esslöffel Zitronensaft in einem Schälchen mischen, ins feuchte Haar verteilen, nach 20 Minuten ausspülen. Keine Sorge: Der Biergeruch verfliegt beim Trocknen.

Moschusdüfte unter Verdacht

Was sind die Probleme bei den anderen Marken? Erstens: die Parfümierung. Der künstlich erzeugte Moschusduft Galaxolid steckt in fünf Kuren und Masken, in der Bear Fruits Avocado Hair Mask x3 fand das Labor mit Tonalid sogar eine weitere Moschus-Verbindung. Galaxolid und Tonalid reichern sich aber nicht nur in der Umwelt, sondern auch im menschlichen Fettgewebe an. Was sie dort bewirken, dazu läuft im Rahmen des EU-Aktionsplans CoRAP eine Neubewertung der beiden Duftstoffe: Anlass ist der Verdacht, dass sie das Hormonsystem beeinträchtigen könnten. Doch das Ergebnis lässt noch auf sich warten.

Konservierung: Ganz reizend

Kritikwürdig finden wir außerdem die Konservierung diverser Kuren. In drei „ungenügenden“ Produkten hat das von uns beauftragte Labor das Konservierungsmittel Chlormethylisothiazolinon (CIT) nachgewiesen. Aufgrund seines allergenen Potenzials darf CIT in der EU nur noch in Kosmetik angewendet werden, die von der Haut gespült wird. In unseren Augen wird es Zeit, dass Hersteller es auch dort ersetzen.

CIT gehört zu den halogenorganischen Verbindungen, einer Gruppe von Stoffen, die in der Umwelt schwer abbaubar sind und von denen einige als hautreizend oder allergieauslösend gelten.

In sechs weiteren Produkten fanden sich ebenfalls halogenorganische Verbindungen – welche das genau sind, können wir aufgrund unserer Methode jedoch nicht genau sagen. In einigen Fällen passt der Befund zu deklarierten halogenorganischen Konservierungsstoffen wie Chlorphenesin und Chlorhexidin Digluconat.

Schutz geht, Reparatur nicht

Wer setzt sich heute noch mit einem dicken Turban ins Bad und lässt die Haarkur geduldig 20 Minuten einwirken? Offenbar immer weniger Frauen. Der Trend geht zu kürzeren Einwirkzeiten bis hin zur 1-Minute-Expresskur.

Weniger als ein Viertel der Test-Produkte empfehlen mehr als fünf Minuten Einwirkzeit. Damit verwischen die Grenzen zwischen Spülung und Haarkur. Einige Produkte können laut Anwendungsempfehlung auch im Haar bleiben, sie können sowohl als Haarkur verwendet und ausgespült werden oder als Pflegefluid zum Einsatz kommen. Wie pflegen die Masken und Kuren das Haar? Sie enthalten natürliche oder synthetische Öle, die für Glanz und Kämmbarkeit sorgen indem sie das Haar umhüllen. Oder Stoffe wie Keratin und Panthenol, die tiefer in das Haar eindringen und es geschmeidig machen.

Auf längere Sicht können die Kuren so vor weiteren Defekten schützen. Was sie jedoch nicht schaffen: Bereits entstandene Schäden in der Haarstruktur zu „reparieren“. Auch wenn zahlreiche Produkte im Test genau das behaupten. Einige tragen in unseren Augen allzu dick auf und stellen Ergebnisse in Aussicht wie „sofortige Reparatur – für 90 Prozent weniger Haarbruch“ oder „hilft Schäden von sechs Monaten in einer Anwendung zu reparieren“.

Das wollten wir ohne Beweis nicht durchgehen lassen und haben um Studienbelege gebeten. Doch die blieben uns die Anbieter schuldig.

Silikone und andere Kunststoffe

Eine Reparatur zumindest simulieren: Das ist die Stärke von Silikonölen, denn die flüssigen Kunststoffe legen sich als dünner Film ums Haar und kitten kleine Schäden.

Auf Dauer können sie das Haar aber beschweren und verhindern, dass echte Pflegestoffe ins Haarinnere gelangen. Wir kritisieren Silikonöle und andere flüssige Kunststoffe, weil sie sich in der Umwelt teils sehr langsam abbauen. Von 25 konventionellen Haarkuren in unserem Test enthalten laut Deklaration noch immer 12 Silikone. Die „ungenügende“ Haarliebe by Dominokati Haarkur Mähnenzähmer schreibt „ohne Silikone“ auf den Tiegel.

Stimmt zwar, aber die Rezeptur enthält dafür andere synthetische Polymere – und die können der Umwelt ähnliche Probleme machen.

So haben wir getestet

Wir haben 42 Haarkuren und Haarmasken eingekauft, davon sind 17 Naturkosmetik-Marken. Pro 25 Gramm, was in etwa der Menge einer Anwendung entspricht, gaben wir zwischen 17 Cent und 3,31 Euro aus.

Für einen ausgiebigen Schadstoff-Check schickten wir die Produkte in verschiedene Labore um festzustellen, ob Formaldehyd/-abspalter, halogenorganische Verbindungen sowie Duftstoffe mit allergenem oder gesundheitsgefährdendem Potenzial enthalten sind. Wir ließen auch die Gehalte an Konservierungsstoffen wie Parabenen und Isothiazolinonen messen. Über die deklarierten Inhaltsstoffe erfassten wir unter Hormonverdacht stehende chemische UV-Filter und Butylhydroxytoluol (BHT); außerdem PEG/PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. Schließlich interessierten uns ökologische Aspekte. Sind schwer abbaubare synthetische Polymere und/oder Silikone enthalten? Von den Herstellern forderten wir Nachweise für die Verwendung von Rezyklat in ihren Plastikverpackungen an. Für weniger als 30 Prozent Rezyklat oder keinem ausreichenden Nachweis für den Rezyklatanteil ziehen wir unter den weiteren Mängeln eine Note ab.

Fett gedruckt sind Mängel.

Abkürzungen: CIT: Chlormethylisothiazolinon; BHT: Butylhydroxytoluol Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.

Anmerkungen: 1) Citral deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen. 2) Citronellol deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen. 3) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 4) Enthält Silikon/e 5) Laut Anbieter ist das Produkt nun auch in einer 200-ml-Spenderflasche für 8,40 Euro verfügbar. 6) Laut Anbieter wird das Produkt in der zweiten Jahreshälfte 2022 ausgelistet. 7) Laut Anbieter wurden für die Nachproduktion (Verfügbar seit Mai 2021) geringe Druckdatenelemente geändert, die Rezeptur und die EAN-Nummer blieben dabei unverändert. Bei den nachgewiesenen halogenorganischen Verbindungen handele es sich „um den Eintrag eines technisch unvermeidbaren Stoffs“; der Rohstoff Cetrimoniumchlorid werde mit Methylchlorid synthetisiert. 8) Laut Anbieter wird das Klima-neutral-Logo zukünftig auf der Verpackung integriert werden, das Produkt sei bereits klimaneutral. 9) Laut Anbieter wurde die Gestaltung der Rückseite leicht verändert, die Rezeptur sei dabei gleich geblieben. 10) Laut Anbieter wurde das Climate-Partner-Logo auf der Verpackung integriert. 11) Laut Anbieter wird das Produkt in den Monaten Juni /Juli 2022 ausgelistet. 12) Laut Anbieter wird die Verpackung voraussichtlich ab Kalenderwoche 35 mit Recyclingmaterial-Anteil verfügbar sein. 13) Weiterer Mangel: Auslobung „Bis zu 95 % weniger Haarbruch“ ohne Nachweis einer ausreichenden Studie. 14) Weiterer Mangel: Auslobung „Hilft Schäden von 6 Monaten in einer Anwendung zu reparieren“ ohne Nachweis einer Studie. 15) Weiterer Mangel: Auslobung „Macht die Haare bis zu 10x widerstandsfähiger gegen Haarschäden. * im Vergleich zu einem Shampoo ohne Pflegestoffe“ ohne Nachweis einer Studie. 16) Weiterer Mangel: Auslobung „Sofortige Reparatur – Für bis zu 90 % weniger Haarbruch“ ohne Nachweis einer ausreichenden Studie.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) halogenorganische Verbindungen (CIT, Chlorphenesin, Chlorhexidin Digluconat oder andere); b) ein gemessener Gehalt von mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolid/HHCB und/oder Tonalid/AHTN; in der Tabelle „künstlicher Moschusduft“); c) PEG/PEG-Derivate in einem Produkt, welches laut Deklaration auch als Leave-in-Kur bzw. Overnight-Kur angewendet werden kann (hier: Syoss Repair Boost 4-in-1 Haarkur). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PEG/PEG-Derivate in Produkten, die ausschließlich wieder abgespült werden sollen; b) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal); c) BHT.

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: Silikone (hier: Dimethiconol, Dimethicone, Amodimethicone, Bis-Hydroxy/Methoxy Amodimethicone, Amodimethicone/Morpholinomethyl Silsesquioxane Copolymer, Bis-Aminopropyl Dimethicone, Hydroxypropyltrimonium Hydrolyzed Rice Protein/Siloxysilicate, Bis(C13-15 Alkoxy) Pg-Amodimethicone) und/oder weitere synthetische Polymere als Kunststoffverbindungen (hier: Polyquaternium-37, Polyquaternium-47, Acrylates/

Stearyl Methacrylate Copolymer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu; b) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; c) eine spezifische Auslobung zur Reparatur der Haare, ohne dass uns vom Anbieter eine unserer Ansicht nach ausreichende und unabhängige Studie zur Bestätigung der Auslobung vorgelegt wurde.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben, außer einer Studienabfrage bei Produkten mit konkreten Auslobungen zur Reparatur der Haare.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2207.

Einkauf der Testprodukte: März – April 2022.

Dieser Test löst den Test Haarkuren aus dem ÖKO-TEST Magazin 11/2018 und dessen Wiederveröffentlichung im Ratgeber Kosmetik 2019 ab.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.