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TEST Haaröle Bad-Hair-Day


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2014 vom 29.08.2014

Pflegeöle fürs Haar erobern die Badezimmer. Viele schneiden im Test gut ab. Zufrieden sind wir trotzdem nicht, denn in fast allen konventionellen Produkten stecken Silikone, die nicht so gut pflegen wie pflanzliche Öle und zudem die Umwelt belasten.


Artikelbild für den Artikel "TEST Haaröle Bad-Hair-Day" aus der Ausgabe 9/2014 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: imago/Sven Simon

Vom „Wunder-Öl mit schwerelosen PflegeÖlen“ ist auf einer Verpackung die Rede, vom „Antl-utroh-Effekt“ und von „veredelnder“ Haarpflege auf anderen. Und nach Herstellerangaben sind die Produkte auch noch universell anwendbar: Viele von ihnen können demnach sowohl im feuchten als auch im trockenen Haar verteilt werden, außerdem als ...

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... „Styling-Finish“. Die Produzenten versprechen vielseitige Pflege, Schutz vor Strapazen oder sogar Reparatur. Und Kunden vertrauen darauf: Pflegeöle fürs Haar sind in Mode.


Haaröle versprechen Soforthilfe. Doch braucht man die überhaupt?


Das bestätigt Ansgar Bannert vom Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks. Die Hersteller hätten sich in diesem Bereich zuletzt breit aufgestellt. Seiner Meinung nach gibt es viele Gründe, warum Haaröl so gut ankommt. Einer der wichtigsten: Die Anwendung suggeriere „sofortige Hilfe“. „Das Haar fühlt sich direkt geschmeidiger an, es glänzt, man kann problemlos mit den Fingern hindurch gleiten“, sagt Bannert. Außerdem sei die Pflege mit dem Öl unkompliziert: Man muss es nicht lange einwirken lassen, nicht auswaschen. Pauschal will Ansgar Bannert Haaröl allerdings nicht bewerten: „Es gibt sehr gute Produkte mit wertvollen pflegenden Inhaltsstoffen, aber es gibt auch völligen Schwachsinn.“

Während Silikone aus immer mehr Shampoos verbannt werden, nutzen die Hersteller von konventionellen Haarölen die synthetischen Stoffe häufig – und zwar in erheblichen Mengen. Silikone stehen ganz vorn auf der Liste der Inhaltsstoffe, machen demnach also einen großen Teil des Produkts aus – selbst dann, wenn auf der Verpackung mit natürlichen Inhaltsstoffen geworben wird.

Für Heike Käser, die ihr umfangreiches Wissen über Öl auf der Webseite olionatura.de zusammengetragen hat, ist das keine Überraschung. Sie erklärt, warum die Silikone den Herstellern gerade beim Haaröl so gelegen kommen: „Weil es keine Fette sind. Die Silikone geben dem Haaröl die gewünschte Konsistenz, ohne zurückzufetten.“ Sie breiteten sich schnell auf der Haaroberfläche aus, machten das Haar seidig, glatt und schön – ohne dass es aussieht, als habe man es zu lange nicht gewaschen. Denn diese Gefahr besteht durchaus, wenn man natürliche Öle nicht sparsam genug aufträgt. Silikone le- gen sich jedoch wie ein Film über die Schuppenschicht des Haars. Sie füllen brüchige Stellen zwar aus und glätten – „aber eben nur optisch, ohne das Haar wirklich zu pfl egen“, erklärt Heike Käser.

Und Silikone lassen sich teilweise nur schwer auswaschen. Das kann zu Problemen beim Färben und Tönen führen. Es komme vor, dass Farbe dann nicht mehr bis in die Faserschicht durchdringt, so Ansgar Bannert.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung stuft Silikone als „nicht gesundheitsschädlich“ ein. Das Umweltbundesamt aber schließt Risiken für die Umwelt nicht aus, so Marcus Gast, Experte für Waschund Reinigungsmittel. „Silikone sind biologisch schwer abbaubar, sie geraten über unsere Badezimmer ins Abwasser – und gegebenenfalls über Klärschlamm als Dünger wieder in die Natur.“

Um zu erfahren, was Hersteller in ihre Haaröle mischen, haben wir 19 Produkte – davon drei Naturkosmetika – in die Labore geschickt.

Das Testergebnis

Überwiegend gut: Die häufi gste Bewertung im Test lautet „gut“, achtmal konnten wir dieses Gesamturteil vergeben. Produkte der zertifi - zierten Naturkosmetik sind noch besser, sie schneiden mit „sehr gut“ ab. Aber es gibt auch Ausreißer nach unten. Das teuerste Produkt im Test sowie ein Haaröl aus dem Hause Unilever bewerten wir mit „ungenügend“.
Pfl anzliche Öle machen sich rar. Obwohl die meisten Produkte auf Etikett und Umkarton mit zum Teil exotischen und kostbaren Zutaten wie „afrikanischem Macadamia Öl“ (Dove), „Arganöl“ (Douglas, Müller Drogeriemarkt, Redken) oder MonoiÖl (Guhl) werben, steckt in allen konventionellen Haarölen in erster Linie Silikonöl – mit Ausnahme des Klettenwurzel Haar-Öls von Beiersdorf. Diese Ausnahme ist allerdings alles andere als rühmlich – hier führt aus Erdöl hergestelltes Paraffi nöl die Liste der Inhaltsstoffe an. Allein die Naturkosmetikhersteller setzen ausschließlich pfl anzliche Öle ein.
Zweifelhafter Sonnenschutz. In fünf Haarölen kritisieren wir die eingesetzten UVFilter. Da das Öl sowieso nur sparsam und in die Spitzen gegeben werden soll, ist der Sonnenschutz wohl auch weniger fürs Haar als fürs Produkt gedacht. Es soll wohl die Rezeptur in den häufi g durchsichtigen Flaschen stabil halten. Doch einige chemische UVFilter sind hormonell wirksam.
Das stinkt uns: Das L’OréalÖl, die Öle von Pantene und Dove sowie das Moroccanoil enthalten problematische Duftstoffe. Die Substanzen Cinnamal, Lyral und Hydroxycitronellal können Allergien auslösen. Künstlicher Moschus-Duft und Cashmeran wiederum können sich im menschlichen Fettgewebe anreichern. Das Moroccanoil enthält eine große Menge Diethylphthalat. Diethylphthalat wird von der Haut aufgenommen und beeinfl usst ihren Schutzmechanismus.

ÖKO-TEST rät

• Silikonöle sind deklariert. Sie erkennen sie beispielsweise an folgenden Bezeichnungen: Cyclopentasiloxane, Cyclomethicone, Dimethiconol, Dimethicone oder Trisilocane.
• Natürliche Öle und Wachse in Kosmetika heißen unter anderem Argania Spinosa Kernel Oil (Arganöl), Canola Oil (Rapsöl), Cocos Nucifera Oil (Kokosnussöl), Elaeis Guineensis Oil (Palmöl), Glycine Soja Oil (Sojabohnenöl), Helianthus Annuus Seed Oil (Sonnenblumenöl), Juglans Regio Oil (Walnussöl), Macadamia Ternifolia Seed Oil (Macadamianussöl), Olea Europaea Fruit Oil (Olivenöl), Passiflora Incarnata Oil (Passionsblumenöl), Prunus Amygdalus Dulcis Oil (Süßmandelöl), Punica Granatum Seed Oil (Granatapfelöl), Simmondsia Chinensis Seed Oil (Jojobaöl).

So haben wir getestet

Der Einkauf
19 Haaröle von günstig (zum Beispiel das Klettenwurzel Haar-Öl von Beiersdorf) bis exklusiv – etwa das Moroccanoil Behandlung, das für sich beansprucht, die „Haarpfl egeindustrie revolutioniert“ zu haben. Eingekauft haben wir in Drogerien, Parfümerien und im Naturwarenladen.

Die Inhaltsstoff e
Arganöl, Jojobaöl, Macadamiaöl, Rosmarinöl – und was noch? Uns interessierte eben nicht nur, womit die Hersteller ihre Produkte anpreisen, sondern was sonst noch in den vermeintlichen Wunderölen steckt. Daher ließen wir die Produkte im Labor unter anderem auf 38 Duftstoff komponenten untersuchen, die zum Teil Allergien auslösen können, zum Teil aber sogar als nerven- und erbgutschädigend gelten. Außerdem hat sich ein Labor genau angeschaut, ob neben den beworbenen pfl anzlichen Ölen nicht auch Erdöl mit verkauft wird.

In den meisten Produkten stecken nicht nur pfl anzliche Öle, sondern auch Silikonöle aus der Chemieküche.

Die Bewertung
Hochwertige Öle, die frei von Schadstoff en sind – das ist unser Anspruch an die Haaröle. Wo problematische Duftkomponenten oder bedenkliche UV-Filter eingesetzt werden, werten wir streng ab. Wenn synthetische Substanzen die Aufgabe von natürlichen, pfl anzlichen Ölen übernehmen, gibt es ebenfalls Punktabzug. Dabei legen wir an teure wie an günstige Produkte die gleiche Messlatte an.