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TEST Haaröle: Wenig Natürliches


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2015 vom 05.06.2015

Nicht nur die Haut, auch die Haare sollen von Pflegeölen profitieren. Glanz und Glätte wird versprochen. Doch pflanzliche Öle sind eher die Ausnahme: In vielen konventionellen Produkten stecken in erster Linie Silikonöle.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness, Ausgabe 6/2015

Vom „Wunder-Öl mit schwerelosen Pflege-Ölen” ist auf einer Verpackung die Rede, vom „Anti-Stroh-Effekt” und von „veredelnder” Haarpflege auf anderen. Und nach Herstellerangaben sind die Produkte auch noch universell anwendbar: Viele von ihnen können demnach sowohl im feuchten als auch im trockenen Haar verteilt werden, außerdem als „Styling-Finish”. Die Produzenten versprechen ...

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... vielseitige Pflege, Schutz vor Strapazen oder sogar Reparatur. Und Kunden vertrauen darauf: Pflegeöle fürs Haar sind in Mode. Das bestätigt Ansgar Bannert vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. Die Hersteller hätten sich in diesem Bereich zuletzt breit aufgestellt.

Seiner Meinung nach gibt es viele Gründe, warum Haaröl so gut ankommt. Einer der wichtigsten: Die Anwendung suggeriere „sofortige Hilfe”. „Das Haar fühlt sich direkt geschmeidiger an, es glänzt, man kann problemlos mit den Fingern hindurchgleiten”, sagt Bannert. Außerdem sei die Pflege mit dem Öl unkompliziert: Man muss es nicht lange einwirken lassen, nicht auswaschen. Pauschal will Ansgar Bannert Haaröl allerdings nicht bewerten: „Es gibt sehr gute Produkte mit wertvollen pflegenden Inhaltsstoffen, aber es gibt auch völligen Schwachsinn.”

Während Silikone aus immer mehr Shampoos verbannt werden, nutzen die Hersteller von konventionellen Haarölen die synthetischen Stoffe häufig – und zwar in erheblichen Mengen. Silikone stehen ganz vorn auf der Liste der Inhaltsstoffe, machen demnach also einen großen Teil des Produkts aus – selbst dann, wenn auf der Verpackung mit natürlichen Inhaltsstoffen geworben wird.

Für Heike Käser, die ihr umfangreiches Wissen über Öl auf der Website www.olionatura. de zusammengetragen hat, ist das keine Überraschung. Sie erklärt, warum die Silikone den Herstellern gerade beim Haaröl so gelegen kommen: „Weil es keine Fette sind. Die Silikone geben dem Haaröl die gewünschte Konsistenz, ohne zurückzufetten.” Sie breiteten sich schnell auf der Haaroberfläche aus, machten das Haar seidig, glatt und schön – ohne dass es aussieht, als habe man es zu lange nicht gewaschen. Denn diese Gefahr besteht durchaus, wenn man natürliche Öle nicht sparsam genug aufträgt.

Silikone glätten das Haar nur optisch, ohne es zu pflegen

Silikone legen sich jedoch wie ein Film über die Schuppenschicht des Haars. Sie füllen brüchige Stellen zwar aus und glätten – „aber eben nur optisch, ohne das Haar wirklich zu pflegen”, erklärt Heike Käser. Und Silikone lassen sich teilweise nur schwer auswaschen. Das kann zu Problemen beim Färben und Tönen führen. Es komme vor, dass Farbe dann nicht mehr bis in die Faserschicht durchdringt, so Ansgar Bannert.

Foto: AND-ONE/iStock/Thinkstock

Hinzu kommt, dass Silikone nach Expertenmeinung für den Menschen zwar nicht gesundheitsschädlich, für die Umwelt aber problematisch sind, denn sie sind biologisch nur schwer abbaubar. Um zu erfahren, was Hersteller in ihre Haaröle mischen, haben wir 19 Produkte – davon drei Naturkosmetika – in die Labore geschickt.

Das Testergebnis

Überwiegend gut: Die häufigste Bewertung im Test lautet „gut”, achtmal konnten wir dieses Gesamturteil vergeben. Produkte der zertifizierten Naturkosmetik sind noch besser, sie schneiden mit „sehr gut” ab. Aber es gibt auch Ausreißer nach unten. Das teuerste Produkt im Test sowie ein Haaröl aus dem Hause Unilever bewerten wir mit „ungenügend”.
Pflanzliche Öle machen sich rar. Obwohl die meisten Produkte auf Etikett und Umkarton mit zum Teil exotischen und kostbaren Zutaten wie „afrikanischem Macadamia Öl” (Dove), „Arganöl” (Douglas, Artist/Müller Drogeriemarkt, Redken) oder Monoi-Öl (Guhl) werben, steckt in allen konventionellen Haarölen in erster Linie Silikonöl – mit Ausnahme des Klettenwurzel Haar-Öls von Beiersdorf. Diese Ausnahme ist allerdings alles andere als rühmlich – hier führt aus Erdöl hergestelltes Paraffinöl die Liste der Inhaltsstoffe an. Allein die Naturkosmetikhersteller setzen ausschließlich pflanzliche Öle ein.
Zweifelhafter Sonnenschutz: In fünf Haarölen kritisieren wir die eingesetzten UV-Filter. Da das Öl sowieso nur sparsam und in die Spitzen gegeben werden soll, ist der Sonnenschutz wohl auch weniger fürs Haar als fürs Produkt gedacht. Es soll wohl die Rezeptur in den häufig durchsichtigen Flaschen stabil halten. Doch einige chemische UV-Filter sind hormonell wirksam.
Das stinkt uns: Das L’Oréal-Öl, die Öle von Pantene und Dove sowie das Moroccanoil enthalten problematische Duftstoffe. Die Substanzen Cinnamal, Lyral und Hydroxycitronellal können Allergien auslösen. Künstlicher Moschusduft und Cashmeran wiederum reichern sich im menschlichen Fettgewebe an. Das Moroccanoil enthält eine große Menge Diethyl phthalat. Die Substanz wird von der Haut aufgenommen und beeinflusst ihren Schutzmechanismus.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glosssar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 224. Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 2) Bedenklicher UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamate. 3) Bedenklicher UV-Filter Octocrylene. 4) Bedenkliche UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamate und Benzophenone-3. 5) Der deklarationspflichtige Duftstoff Citronellol ist deklariert, ließ sich aber analytisch nicht nachweisen. 6) Die deklarationspflichtigen Duftstoffe Citronellol und Geraniol sind deklariert, ließen sich aber analytisch nicht nachweisen.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) mehr als 1.000 mg/kg Diethylphthalat; b) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschus-Verbindungen (künstlicher Moschusduft) und/oder mehr als 10 mg/kg Cashmeran; c) die bedenklichen UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamate und/oder Benzophenone-3; d) Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Cinnamal). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Lyral, Hydroxycitronellal); b) der bedenklicheUV-Filter Octocrylene; c) mehr als 1 % Paraffine/Erdölprodukte/Silikonverbindungen. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: Umkarton, der kein Glas schützt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend” ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochene) Wirkung der Produkte nicht überprüft haben. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein”, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze” der jeweiligen Testmethode. Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „N1506” eingeben.
Bereits veröffentlicht und Stand der Ergebnisse: ÖKO-TEST-Magazin 9/2014. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Einkauf der Testprodukte: April 2014.

ÖKO-TEST rät

■ Silikonöle sind deklariert. Sie erkennen sie beispielsweise an folgenden Bezeichnungen: Cyclopentasiloxane, Cyclomethicone, Dimethiconol, Dimethicone oder Trisiloxane.
■ Natürliche Öle und Wachse in Kosmetika heißen unter anderem Argania Spinosa Kernel Oil (Arganöl), Canola Oil (Rapsöl), Cocos Nucifera Oil (Kokosnussöl), Elaeis Guineensis Oil (Palmöl), Glycine Soja Oil (Sojabohnenöl), Helianthus Annuus Seed Oil (Sonnenblumenöl), Juglans Regia Oil (Walnussöl), Macadamia Ternifolia Seed Oil (Macadamianussöl), Olea Europaea Fruit Oil (Olivenöl), Passi flora Incarnata Oil (Passionsblumenöl), Prunus Amygdalus Dulcis Oil (Süßmandelöl), Punica Granatum Seed Oil (Granatapfelöl), Simmondsia Chinensis Seed Oil (Jojobaöl).

So haben wir getestet

Der Einkauf
Kosmetika haben wir in allen gängigen Vertriebskanälen eingekauft: in Drogerien, Supermärkten, Discountern, Parfümerien und Apotheken, aber auch bei Onlineversendern. Wann immer möglich haben wir neben konventionellen Produkten auch zertifizierte Naturkosmetik getestet. Die großen Konsumgüterhersteller wurden ebenso berücksichtigt wie die Eigenmarken der Drogerien. Preislich haben wir eine große Spanne abgedeckt, es finden sich also sowohl sehr günstige als auch teure Produkte in den jeweiligen Tests.

Die Inhaltsstoffe
Ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe verrät: Kosmetika sind Mischungen einer ganzen Reihe von Substanzen. Da gibt es beispielsweise PEG/PEG-Derivate, die als Tenside fungieren, aber die Haut auch durchlässig für Fremdstoffe machen können. Dann chemische UV-Filter, von denen einige in Verdacht geraten sind, wie ein Hormon zu wirken. Doch steckt tatsächlich nur das drin, was draufsteht, oder sind – absichtlich oder unabsichtlich – weitere Stoffe enthalten? Um das zu klären, haben wir die Produkte in verschiedenen Laboren untersuchen lassen, zum Beispiel auf kritische Konservierungsmittel, die Allergien auslösen können oder im Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken. Viele Produkte enthalten Parfüm. Darin können allergieauslösende Duftstoffe stecken, aber auch künstlicher Moschusduft, der durch die Haut in den Körper gelangt und sich im Fettgewebe anreichert.

Den allergenen Duftstoffen auf der Spur: Die aufbereiteten Proben werden der gaschromatografischen Analyse zugeführt.


Foto: Labor

Die Weiteren Mängel
Die Flasche ist aus Kunststoff – trotzdem verwendet der Hersteller einen zusätzlichen Umkarton? Belastet eine chlorierte Verbindung wie PVC in der Verpackung die Umwelt? Und gibt der Hersteller – trotz Nachfrage – keine Auskunft, welche Farbstoffe er genau in Lippenstift, Nagellack oder Make-up einsetzt? Mikroplastik, das die Hersteller anstelle pflanzlicher beziehungsweise mineralischer Grundstoffe in Peelings einsetzen – das alles verbuchen wir unter Weitere Mängel.

Die Bewertung
Für uns sind nur Kosmetika sehr gut, die keine bedenklichen und/oder umstrittenen Inhaltsstoffe enthalten und idealerweise auch frei von weiteren Mängeln sind. Stoffe, die krebsverdächtig sind, im Anhang der Kosmetikrichtlinie als verbotene Substanzen zu finden sind oder auf der Kandidatenliste der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) für besonders besorgniserregende Stoffe stehen, bekommen dabei einen kräftigen Punktabzug. UV-Filter, von denen wir aus Tierversuchen wissen, dass sie hormonaktiv wirken können, bewerten wir strenger als UV-Filter, für die es bisher „nur” Hinweise aus Zellversuchen gab. Eine Rolle spielt auch, ob ein Kosmetikum auf der Haut bleibt oder nur kurz mit ihr in Kontakt kommt und wieder abgespült wird. Wesentlich für das Gesamturteil ist daher das Testergebnis Inhaltsstoffe. Summieren sich die Weiteren Mängel jedoch zu sehr auf, verschlechtern diese das Gesamturteil um eine oder gar zwei Noten.


Foto: Jessmine/Shutterstock.com