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TEST Haarstyling-Produkte: Halt mal


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ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 09.06.2022
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Foto: Ollyy/Shutterstock

RATGEBER

1 Naturkosmetik hat in diesem Test klar die Nase vorn: Von zehn „sehr guten“ Haarstyling-Produkten sind acht zertifiziert.

22 Teuer ist bei Haarstyling nicht unbedingt gut: Das Produkt mit dem höchsten Preis im Test ist auch das mit den meisten Abzügen.

3 Stylinghilfen ins feuchte oder trockene Haar? Bei Haarpasten und -cremes geht in der Regel beides, bringt aber unterschiedliche Ergebnisse bezüglich Halt und Glanz. Einfach ausprobieren.

A uchein „natürlicher Strubbeleffekt“ kommt nicht von allein. Und bleibt erst recht nicht bis zum Abend. Ein Klecks Modellierpaste kann das aber richten, so verspricht zumindest der Kosmetik-Konzern L’Oréal. Und liegt damit im Styling-Trend, denn angeblich sind die Frisuren – zumindest die der Männer – nach den Frisörschließungen länger geworden und brauchen jetzt ein weicheres Styling. Die akkurat gegelte Kurzhaarfrisur ist also out? Wohl kaum, denn die ...

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... Umsätze für Haargel sind in den letzten beiden Jahren nur marginal gesunken. Wir haben den großen Rundumschlag gemacht und sie alle eingekauft – vom Haargel für den unzerstörbaren 48-Stunden-Look bis zur Frisierpaste für den „undone style“.

Rund ein Drittel fällt durch

51 Tuben und Tiegel für alle Geschlechter haben wir auf ihre Inhaltsstoffe und die Verpackung hin getestet und kommen zu einem dreigeteilten Ergebnis: Die Tabelle ist rot, gelb und grün fast zu gleichen Teilen. Zehn Haarstyler können wir ohne Abstriche mit „sehr gut“ empfehlen, neun immerhin noch mit „gut“. Ein gutes Drittel fällt jedoch mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. Die Bestnote schafften fast nur Naturkosmetik-Produkte.

In den Cremes, Gels und Pasten auf den hinteren Rängen summiert sich so einiges an problematischen Verbindungen. Zum Beispiel eine ganze Reihe von Konservierungsstoffen, die wir kritisch sehen. Allen voran Formaldehyd/-abspalter, die das Labor in drei Produkten nachwies. Beim Syoss Max Hold Gel High Shine und bei Wella Shockwaves Tuff Stuff Heat&Sweat Proof Gel, 5 passt das auch zur Deklaration: Dort steht mit DMDM Hydantoin ein Konservierungsmittel, das nach und nach Formaldehyd freisetzt. Formaldehyd kann Kontaktallergien auslösen und schon in geringen Mengen die Schleimhäute reizen. Die EU plant derzeit strengere Regeln für die Warnung vor Formaldehyd in Kosmetika. Da ist es stimmig, dass das Syoss-Gel laut Anbieter bald ohne DMDM Hydantoin auf den Markt kommen soll.

Die Konservierung hat es in sich

Die Liste kritikwürdiger Konservierer im Test ist aber noch länger: Die halogenorganische Verbindung Chlorphenesin, die die Haut irritieren kann, das hormonverdächtige Antioxidans Butylhydroxytoluol (BHT) oder Propylparaben, das die Frisiercremes der Marken Brisk und Fan haltbar macht. Die EU hat Propylparaben wegen des Verdachts auf eine hormonelle Wirkung streng reglementiert und sein Einsatz ist heute sehr viel seltener geworden. Nichts gegen traditionelle Haarstyling-Produkte, zumal die EU-Vorgaben eingehalten werden – Frisiercremes gab es schließlich schon vor 100 Jahren –, aber bitte mit zeitgemäßer Rezeptur.

Flüssiges Plastik spielt zentrale Rolle

Da stehen einem buchstäblich die Haare zu Berge: Kaum ein konventionelles Haarstyling-Produkt kommt ohne synthetische Polymere aus. Die löslichen Kunststoffe bilden einen dünnen Film auf dem Haar und sorgen maßgeblich für Stand und Festigkeit. Mit der Haarwäsche gelangt das Flüssigplastik allerdings in die Umwelt, wo es sich zum Teil nur schwer wieder abbaut. Dass Haarstyling auch ohne aus Erdöl hergestellte Kunststoffe geht, zeigt die Naturkosmetik. Brettharte Looks sind dort aber eher nicht drin.

WISSEN

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Das ist die Stärke von Haargelen mit hohem Haltegrad. Die wasserbasierten Rezepturen der Gele lassen sich nicht umstylen, dafür aber leicht auswaschen. Nachteil: Haargel steht im Ruf, das Haar auf Dauer auszutrocknen. Auch Clays lassen sich nach dem Aushärten nicht mehr neu frisieren. Sie enthalten meist Tonerde und bringen außer Halt auch Volumen ins Haar.

Umstylen möglich

Haarwachse geben ebenfalls guten Halt, eignen sich wegen ihrer fettigen Wachsbasis aber eher dafür, dichtes oder trockenes Haar zu zähmen. Haarwachs lässt sich immer wieder umstylen, dafür aber auch nicht so gut auswaschen.

Haarpasten beschweren die Frisur weniger als Wachs, verleihen mehr Volumen und eignen sich deshalb besser für feines Haar. Noch leichter und natürlicher bändigen Stylingcremes: Sie taugen deshalb auch gut für längere und lässigere Frisuren.

Außen Kokosnuss, innen Mineralöl

Viele Styling-Produkte mit höherem Fettanteil im Test enthalten Paraffine. Die Erdöl-Fette können sich in Leber, Niere oder Lymphknoten sammeln und im ungünstigsten Fall mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) verunreinigt sein.

Darunter können sich krebserregende Stoffe befinden. Das Labor fand MOAH in 14 Produkten – vorwiegend in Haarwachsen, -pasten und -cremes. Besonders unangenehm fällt dabei das Swiss-o-Par Kokos Haarwachs auf: Das Wachs mit der großen Kokosnuss auf dem Deckel besteht zu rund der Hälfte aus Paraffinöl und seine MOAH-Belastung ist um ein Vielfaches höher als die der anderen Produkte. Wenig natürlich ist auch der synthetische Moschusduft Galaxolid, den das Labor in diesem Haarwachs aufspürte. Galaxolid breitet sich überall in der Umwelt aus und gilt als gewässerschädigend.

Apropos unangenehm auffallen: Unter den zahlreichen „ungenügenden“ Haarstylern ist die Goldwell Stylesign Creative Texture Matte Rebel, 3 die mit den meisten Abzügen. Die Liste ihrer Problemstoffe ist ebenso rekordverdächtig wie ihr Preis: Mit 27,50 Euro pro 150 Gramm ist sie das teuerste Produkt im Test. Fotos: Anja Wägele; Andriiii/Shutterstock Illustration: Olga Agureeva/Shutterstock

„Haarsträubend: Fast kein konventionelles Haarstyling- Produkt im Test kommt ohne f lüssige Kunststof fe aus.“

Heike Baier ÖKO-TEST-Redakteurin

So haben wir getestet

Wir haben 51 Hairstyling-Produkte in Drogerien, (Bio-)Supermärkten, Discountern, Reformhäusern und Friseursalons eingekauft. Darunter neunmal zertifizierte Naturkosmetik. 32 Stylingund Haargele mit stärkeren Halte-Versprechen und 19 Haarpasten, -wachse, Frisiercremes und Pomaden landeten in unseren Einkaufskorb. Bei der Auswahl der Marken haben wir uns an Daten aus der Marktforschung orientiert.

Die von uns beauftragten Labore haben nach Formaldehyd/-abspaltern, halogenorganischen Verbindungen, problematischen Konservierungsmitteln und Duftstoffen gefahndet. Sie haben Verpackungen auf chlorierte Verbindungen überprüft und die Liste der Inhaltsstoffe auf umstrittene PEG-Verbindungen, bedenkliche UV-Filter und synthetische Polymere gecheckt. Produkte mit Paraffinen haben wir auf Mineralölbestandteile mit eventuellem Krebspotenzial analysieren lassen. Zudem wollten wir von den Anbietern wissen, ob die Plastiktuben und -tiegel recyceltes Plastik enthalten und haben die Nachweise bis zur vorliegenden Charge zurück verfolgt.

Für das Stylen und Modellieren der Haare braucht es aus unserer Sicht keine bedenklichen oder problematischen Stoffe – deshalb werten wir solche Substanzen ab. Ein Umkarton, synthetische Polymere in der Rezeptur sowie kein oder zu wenig recyceltes Plastik in Plastikverpackungen – oder fehlende Nachweise hierzu – verschlechtern das Gesamturteil.