Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 19 Min.

TEST Hähnchenfleisch: Hühner sind arme Schweine


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2013 vom 25.10.2013

Ein Salat mit Hähnchenbrust gilt als leicht und gesund. Für die Hähnchen, die die Brust liefern, ist er allerdings tödlich. Doch unser Test zeigt: Schlimmer als der Tod ist das kurze Leben, das die Tiere haben. Im Fleisch haben wir zudem viele gefährliche Keime und eklige Mängel gefunden.


Sie heißen Appenzeller Spitzhaube, Deutscher Sperber oder Thüringer Barthuhn und sind vom Aussterben bedroht. So gab es vom Bergischen Schlotterkamm im Jahr 2009 gerade noch 66 Hähne und 296 Hennen. Denn die alten Rassen haben keinen Platz in der modernen Hühnerindustrie, wo Rassen wie Ross 308 gemästet werden. Diese ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2013 von Leserbriefe: Schreiben Sie uns. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe: Schreiben Sie uns
Titelbild der Ausgabe 11/2013 von Nachwirkungen: REAKTIONEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: REAKTIONEN
Titelbild der Ausgabe 11/2013 von Neue Produkte: Tops & Flops. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Produkte: Tops & Flops
Titelbild der Ausgabe 11/2013 von Tierhaltung: Wer braucht den Zoo?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Tierhaltung: Wer braucht den Zoo?
Titelbild der Ausgabe 11/2013 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Titelbild der Ausgabe 11/2013 von TEST Haferflocken: Zarte Flocken in Öl. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Haferflocken: Zarte Flocken in Öl
Vorheriger Artikel
Meldungen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel TEST Haferflocken: Zarte Flocken in Öl
aus dieser Ausgabe

... Tiere werden kaum noch als Lebewesen wahrgenommen. So heißt es selbst auf der Öko-Internetseite www.oekolandbau.nrw.de: „800 Hennen der Linie Hubbard ISA JA 57 wurden mit 100 Hähnen der Linie Hubbard ISA I 77 eingestallt. Das Endprodukt dieser beiden Linien ist das langsam wachsende extensive Freilandmasthähnchen ISA 757.“

Etwa 1.200.000.000 (1,2 Milliarden) „Produkte“ werden jedes Jahr in Deutschland gemästet. Schnell wachsende Rassen wie Ross 308 erreichen schon nach gut 30 Tagen ihr Schlachtgewicht, nicht ganz so schnelle wie Sasso sind nach etwa 40 Tagen schlachtreif, langsam wachsende wie ISA 757, die in Bio-Ställen zum Einsatz kommen, brauchen etwa 60 Tage. Auch kein langes Leben. Aber ist es zumindest ein gutes?

Nein, sagt der Verein Animal Rights Watch. „Im Bio-Sektor ist die Massentierhaltung ebenso angekommen wie in der konventionellen Landwirtschaft. 4.800 Tiere pro Stall, 21 Kilo Masthuhn pro Quadratmeter – das ist das Leben der Bio-Hähnchen nach EU-Norm jenseits der idyllischen Verbrauchervorstellung.“

Das sehen die Bio-Verbände – wen wundert es – anders. „Bio-Masthühner leben in abwechslungsreichen Stallanlagen mit Sitzstangen und Sandbad. Für Bioland-Hühner gibt es zusätzlich einen Wintergarten. Dort können sie im Sand nach Körnern picken, ihr Gefieder mit einem Staubbad pflegen oder in der Sonne baden“, beschreibt Bioland seine Sicht der Hähnchenmast.

Auch für Naturland ist die Bio-Hühnerwelt in Ordnung: „Mittags wird gerne ein Sonnen- und Staubbad genommen und etwas gedöst. Eigene oder gegenseitige Gefiederpflege, Fuß- und Flügelstrecken sowie Flügelschlagen gehören zum Komfortverhalten. Damit die Tiere auch auf dem Öko-Hof all diese Verhaltensweisen ausleben können, muss der Bauer viel Zeit investieren“, heißt es in einer Information des Verbandes.


Hühner haben im Stall weniger Platz als die Größe dieser ÖKO-TEST-Seite


Auf der Internetseite von Animal Rights Watch (www.biowahrheit.de) sind allerdings Bilder zu sehen, die eine andere Bio-Welt zeigen. Sie sind zwar schon ein wenig älter, aber Animal Rights Watch hat uns aktuelle Aufnahmen von beklagenswerten Zuständen in einem – nach Angaben der Organisation – Bio-Betrieb zur Verfügung gestellt. Markus Fadl von Naturland will sich zu den Bildern nicht äußern, auf andere Veröffentlichungen reagiert der Verband verschnupft („Filmaufnahmen, die bei nächtlichen Einbrüchen gedreht worden sein sollen“).

Dabei ist bei Naturland selbst nachzulesen, dass es durchaus Probleme gibt. So hat der Verband im Dezember 2012 einem Legehennenbetrieb fristlos gekündigt. Die Tierrechtsorganisation Peta hatte aufgedeckt, dass dort „in eklatanter Art und Weise tierschutzrechtliche Bestimmungen“ missachtet wurden, schreibt Naturland in einer Pressemitteilung.

ÖKO-TEST rät

• Das Testergebnis ist eindeutig: Wenn überhaupt, dann sollte man Bio-Hähnchenfleisch kaufen. Das Label Für mehr Tierschutz – Einstiegsstufe auf dem Produkt Wiesenhof Privathof bietet hingegen noch zu wenig Verbesserungen für die Tiere. Auch Produkte mit dem FairMast-Siegel sind wenig empfehlenswert.

• Frisches Hähnchenfleisch gehört zu den leicht verderblichen Lebensmitteln. Sie sollten es daher immer deutlich vor Ende des aufgedruckten Verbrauchsdatums kaufen, durchgehend kühlen und innerhalb von wenigen Tagen verarbeiten. Das gilt einmal mehr für Hähnchenprodukte mit Haut.

• Um Keimübertragungen in der Küche zu vermeiden, rohes Geflügelfleisch nicht mit anderen Lebensmitteln in Kontakt bringen, den Fleisch- und Tropfsaft sorgfältig entsorgen und Geschirr und Hände gründlich reinigen. Wer Hähnchenfleisch dann auch noch vollständig durchgart, braucht bedenkliche oder resistente Keime nicht zu fürchten.

Foto: [M] Pressefoto Wiesenhof Privathof; SOKO Tierschutz

Foto: SOKO Tierschutz

Foto: SOKO Tierschutz

Werbung und Wirklichkeit? Oben zwei der Bilder, die die Soko Tierschutz heimlich aufgenommen hat. Auf unsere Bitte um Stellungnahme schrieb Wiesenhof: „Die Filmaufnahmen der Soko Tierschutz zu Privathof Geflügel stammen von einem Betrieb aus Süddeutschland. Dieser Mastbetreib hat bei sämtlich gemessenen Tierschutzindikatoren die im Standard des Tierschutzlabels vorgegebenen Grenzwerte im Durchschnitt bei Weitem unterschritten. Zur Einstreu: Die Bilder zeigen eindeutig eine lockere Einstreu in Form von granulierten Strohpellets vermischt mit Strohhalmen, die vermutlich aus den als Beschäftigungsmaterial vorhandenen Strohballen herausgezogen wurden. Es sind keinerlei vernässte oder verkrustete Einstreubereiche erkennbar. Die Qualität der Einstreu entspricht somit dem Standard Tierschutzlabel Punkt 2.2 c).“ Zur Verlustrate bei den Hähnchen im Test bekamen wir keine Stellungnahme, aber das Bild unten, das laut Wiesenhof „Privathof-Tiere am Ende der Mast“ zeigt.

Foto: SOKO Tierschutz

Auch Bioland, den zweiten großen Verband in unserem Test, haben wir wegen der Bilder angefragt – und keine Antwort bekommen.

Mastanlagen mit Hunderttausenden von Tieren, über 40.000 auf engstem Raum in einem Stall zusammengepfercht, Antibiotika im Übermaß: Die Zustände in der konventionellen Hähnchenmast werden nicht nur von Tierschützern und grünen Politikern seit Langem kritisiert. Auch Bürger vor Ort wehren sich zunehmend gegen neue Mastställe oder Schlachthöfe wie im niedersächsischen Wietze, wo im modernsten und größten Betrieb Europas jeden Tag 432.000 Hähnchen geschlachtet werden können.

Ganz spurlos sind die Auseinandersetzungen an der Geflügelindustrie nicht vorrübergegangen, auch wenn der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft und die Informationsgemeinschaft Deutsches Geflügel auf ihrer Internetseite www.deutschesgefluegel.de versuchen, auf heile Welt zu machen. Dort „öffnet der 26-jährige Landwirt und Geflügelhalter Malte Eickhoff dem Verbraucher die Türen zu seinem Hähnchenstall und ermöglicht einen Einblick in seine tägliche Arbeit“. Beim virtuellen, interaktiven Stallrundgang präsentiert er einen Musterbetrieb, der mit der von Kritikern gut dokumentierten Wirklichkeit nichts zu tun hat.

Doch zumindest ein Teil der Hähnchenindustrie hat erkannt, dass sie ein Problem hat und etwas tun muss. Aber was? Das ist auch eine Frage des Geldes. Und das ist knapp. Nach einer Berechnung der Deutschen Landwirtschaftsgemeinschaft aus dem Jahr 2009 – und seither ist es sicherlich nicht besser geworden – verbleiben einem Mäster an einem Hähnchen 21 bis 23, nach Abzug der Kosten für die Stallanlagen sogar nur noch sieben bis zehn Cent. Es wäre wirtschaftlich also nicht möglich, den Tieren doppelt so viel Platz im Stall zu gönnen. Das soll die Zustände nicht rechtfertigen, es soll nicht einmal für Verständnis werben. Aber es zeigt, dass sich nichts ändern wird und kann, solange das Kilo Fleisch für unter drei Euro verschleudert wird.

Mit einem Jahresumsatz von 2,1 Mrd. Euro ist die Firma Wiesenhof im niedersächsischen Visbek Marktführer in Sachen Hähnchenfleisch. Sie stand und steht in der Kritik, auch wenn sie selbst keine Mastanlagen betreibt. Wiesenhof lässt nämlich über 800 Landwirte „in bäuerlichen Betrieben“ für sich mästen und weist daher regelmäßig Kritik mit dem Hinweis zurück, für die Zustände seien die Vertragspartner verantwortlich. Außerdem habe die Firma in zehn Jahren 900 Millionen Euro investiert, einen Großteil davon, um Tierschutz, Umweltschutz und Hygiene zu verbessern.


Ein Mäster verdient zehn Cent am Hähnchen, da muss es die Masse machen


Ein Resultat ist die neue Linie Privathof. „Dieses Konzept“, schreibt die Firma, „zeichnet sich durch ein Mehr an Tierwohl aus: Eine langsamer wachsende Rasse, längere Aufzuchtdauer, geringere Besatzdichte und Auslauf in einem überdachten Wintergarten sind wesentliche Merkmale. Strohballen, Picksteine und Sitzstangen im Stall sollen darüber hinaus dazu beitragen, dass die Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen besser ausüben können.“ Vom deutschen Tierschutzbund gibt es dafür das Label Für mehr Tierschutz. Der Zusatz „Einstiegsstufe“ deutet allerdings an, dass die Hürde nicht allzu hoch liegt. So dürfen Herden mit bis zu 30.000 Tieren wesentlich größer sein als in der ökologischen Mast, wo höchstens 4.800 Tiere erlaubt sind. Grünauslauf ist nicht vorgeschrieben, während jedem Bio-Masthuhn immerhin vier Quadratmeter Wiese zustehen. Wie in der konventionellen Schnellmast bekommen die Privat hof-Tiere zudem fast ihr ganzes, etwa 40 Tage kurzes, Leben lang Futter mit Medikamenten gegen Kokzidiose. Die Krankheit wird durch Parasiten ausgelöst, bis zu 80 Prozent der infizierten Tiere sterben an blutigem Durchfall.

Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz – das ist „ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Rechte der Tiere, der Umwelt und des Verbraucherschutzes einsetzt“ – hält nichts von Wiesenhof und auch nichts von der neuen Produktlinie. Mülln hat sich in der Vergangenheit wiederholt mit der Firma bzw. dem Mutterkonzern PHW angelegt. Im August hatte sein Team gefilmt, wie Puten in einem zum PHW-Konglomerat gehörenden Betrieb bei der Verladung zum Schlachthof gequält und misshandelt wurden. Kurz darauf erwischte Mülln einen Hähnchenmäster, der noch lebende Tiere in einen Container für Tierkadaver warf. Außerdem erstattete er Anzeige gegen drei für Wiesenhof arbeitende Betriebe, weil die gemästeten Hähnchen seiner Meinung nach sogenannte Qualzuchten sind. Die sind nach dem Tierschutzgesetz verboten, weil die Tiere wegen der Überzüchtung absehbar leiden. So können sich viele Hühner vor allem in den Tagen vor der Schlachtung kaum noch schmerzlos bewegen.

Mehr zum Thema

In der Januarausgabe ÖKO-TEST haben wir Putenfleisch untersucht. Den Test finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1311“ eingeben.

Wie gut ist Bio? Nach Angaben von Animal Rights Watch wurde dieses Bild kürzlich in einem Bio-Betrieb aufgenommen.


Foto: Animal Rights Watch

Aktuell hat uns die Soko Tierschutz Bilder eines Privathof-Betriebs zur Verfügung gestellt. Sie zeigen unter anderem stark verdreckte Einstreu und offenbar seit Längerem verendete Tiere. Außerdem sei die Verlustrate mit über 2,7 Prozent schon am 25. Masttag recht hoch. Was Wiesenhof dazu sagte, lesen Sie auf Seite 34.

Für das Label Tierschutz kontrolliert gut sind die Vergabebedingungen ähnlich wie für das Tierschutzlabel von Wiesenhof. Fleisch mit dem Siegel wird bei Kaufland unter dem Namen FairMast vertrieben. Doch es stellt sich die Frage, was fair ist an dieser Art der Mast, auch wenn das Label von der anerkannt kritischen Organisation Vier Pfoten verantwortet wird. So gibt es keine Herdenobergrenzen, obwohl große Herden anfällig für Krankheiten sind. Nicht nur für Kokzidiose, gegen die auch Tierschutz kontrolliert gut-Hühner fast ihr ganzes Leben lang Medikamente über das Futter bekommen. Die empfindlichen Viecher sind, besonders wenn sie dicht an dicht gehalten werden, anfällig für die mareksche Lähmung, die bis zu 60 Prozent der erkrankten Tiere dahin rafft. Die Gumboro-Krankheit (infektiöse Bursitis), die Newcastle-Disease und infektiöse Bronchitis bedrohen ebenfalls die Bestände. Gegen Newcastle, zu Deutsch Geflügelpest, ist eine Impfung gesetzlich vorgeschrieben. Auch gegen die anderen Krankheiten gibt es Impfstoffe, doch vor allem den gegen Kokzidiose lehnen die konventionellen Mäster ab. Sie zweifeln an der dauerhaften Wirksamkeit und verfüttern Medikamente. Die Bio-Erzeuger, die das nicht dürfen, impfen die Tiere – und kommen gut damit klar. Insgesamt sterben nicht mehr, sondern eher weniger Bio- als konventionelle Hähnchen während der Mast.


Konventionelle Hühner bekommen fast ihr ganzes Leben lang Arzneimittel


Wir wollten wissen, ob sich die unterschiedlichen Haltungsmethoden in den Testergebnissen niederschlagen und haben 14 Hähnchenkeulen – neun von konventionell und fünf von ökologisch gemästeten Tieren – untersuchen lassen. Außerdem haben wir den Anbietern einen umfangreichen Fragebogen zur Haltung, zum Futter und zu den Medikamenten geschickt.

Das Testergebnis Tierhaltung

■ Zuerst das Positive: Anders als Puten werden den Hähnchen die Schnäbel nicht gekürzt. Der Grund: Sie leben nicht lange genug, um Aggressionen zu entwickeln und sich durch Federpicken gegenseitig zu verletzen.
Lidl und Frikifrisch sind Testsieger im Bereich Informationspolitik. Beide haben unseren Fragebogen schon im ersten Anlauf vollständig beantwortet und uns auf die Frage, wie wir die Angaben zum Antibiotikaeinsatz verifizieren können, Nachweise übersandt bzw. angeboten.
Wiesenhof mauert . Aus dem Wiesenhof- bzw. PHW Firmenkonglomerat stammen fünf der Marken im Test: die Bauernglück Hähnchenschenkel von Aldi Nord, die Wiesenhof Privathof Hähnchenschenkel und die Hähnchen Keulen, die Gut & Günstig Hähnchen Keulen von Edeka sowie die Metzgermeister Frische Hähnchenkeule von Real. Von wem die Tiere gemästet wurden, wollten uns die Anbieter nicht sagen. Über den Grund können wir nur spekulieren. Aber es fällt auf, dass drei der Herden am wenigsten artgerecht gehalten wurden. Sie hatten keinen Auslauf ins Grüne, keinen überdachten „Wintergarten“ für schlechtes Wetter, nicht einmal Tageslicht haben sie in ihrem 34 Tage kurzen Leben gesehen. Jeden Quadratmeter Stall müssen sich 17 bis 18 Tiere teilen, das heißt, ihnen steht nicht einmal Platz von der Größe einer ÖKOTEST- Seite zu. Wie viele Tiere solche Zustände nicht überleben, wollte uns Wiesenhof nicht sagen.

Foto: Rainer Stellpflug

Bei seinen nicht angekündigten Besuchen aller Bio-Mäster hat Rainer Stellpflug, Bruder von ÖKO-TEST-Chefredakteur Jürgen Stellpflug, einwandfreie Zustände vorgefunden. Das Bild oben hat er auf dem Hof des Mästers der Schröders Bio Hähnchenkeule aufgenommen.


Weniger Antibiotika? Glaubt man den Antworten auf unseren Fragebogen, ist der Einsatz von Antibiotika drastisch zurückgegangen. So haben nur drei Anbieter angegeben, dass die Tiere ein- oder zweimal ein Antibiotikum bekommen haben. Das sind nur 33 Prozent der konventionell gemästeten. Dagegen waren es noch im vergangenen Jahr in Niedersachsen 76 Prozent der Masthühnchen, in Nordrhein-Westfalen 83 Prozent der Mastdurchgänge. Für den Rückgang haben wir einleuchtende Erklärungen bekommen. So schreibt uns Real, der Lieferant habe „bereits seit über zehn Jahren ein umfangreiches Antibiotikakontrollprogramm“.
Dazu gehöre eine firmeninterne Datenbank, in der alle Behandlungen gespeichert und ausgewertet würden. „Auffälligkeiten bei Betrieben, in bestimmten Regionen oder auch bei bestimmten Tierärzten“ würden überprüft und „ggf. entsprechende Korrekturmaßnahmen eingeleitet“. Allerdings bekamen wir von Real keinen Nachweis über die Gabe von Antibiotika. Denn: „Dieses Kontrollprogramm können Sie nicht über den Fragebogen verifi- zieren.“ Dabei wäre es nicht schwer, Belege vorzulegen. Denn jede Behandlung muss in einem Stallbuch dokumentiert werden, die Aufzeichnungen sind fünf Jahre lang aufzubewahren.

Keine Lebewesen? Die Soko Tierschutz hat einen Wiesenhof-Mäster angezeigt, weil kranke oder verletzte, aber noch lebende Hühner in einem Container für Tierkadaver „entsorgt“ hat.


Foto: SOKO Tierschutz

Reserveantibiotikum im Hühnerstall . Durch den massenhaften und falschen Einsatz von Antibiotika bei Menschen wie bei Tieren sind viele Krankheitserreger inzwischen resistent, das heißt, herkömmliche Antibiotika wirken nicht mehr. Für diese Fälle stehen Medizinern so genannte Reserveantibiotika zur Verfügung – auch als „kritische“ Antibiotika bezeichnet. Diese Wirkstoffe gehören in einen Panzerschrank und sollten nur eingesetzt werden, wenn nichts mehr hilft. Denn sonst werden, das ist unschwer vorherzusagen, Keime auch gegen diese Mittel resistent. Daher ist es umso unverständlicher, dass eine der Herden in unserem Test mit dem Reserveantibiotikum Enrofloxacin behandelt wurde.
Fragwürdiges Label bei Rewe . 82.000 Tiere in zwei Ställen, 20 auf einem Quadratmeter, sind möglicherweise der Grund, warum Rewe uns den Mäster erst auf Nachfrage nannte. Trotz der wenig artgerechten Zustände hat Rewe seine Ja! Hähnchenschenkel mit dem firmeneigenen Siegel Pro Planet bedruckt. „Es kennzeichnet Produkte, die Umwelt und Gesellschaft während der Herstellung, Verarbeitung oder Verwendung weniger belasten“, schreibt der Handelsriese auf seiner Internetseite. Bevor ein Produkt das Label erhalte, werde eine „Hot-Spot-Analyse“ durchgeführt. Dabei muss herausgekommen sein, dass der Anbau der Futtermittel ein Hot-Spot, also ein besonders großes Problem ist. Denn das Pro-Planet-Label gibt es für das Ja!-Fleisch, weil die „Futtermittel umweltschonend angebaut“ wurden, „ohne Gentechnik“. Allerdings haben alle Anbieter im Test angegeben und zumeist mit Verträgen belegt, dass sie gentechnikfreies Futter vorschreiben. Das ist auch nicht schwer, weil Hühner vor allem Getreide und Mais bekommen. Von Sojaschrot, der Hauptquelle von Gen-Technik, würden sie wegen des hohen Ölgehaltes verfetten. So entsteht der Eindruck, dass Rewe sich ein leicht lösbares Problem vorgenommen hat, um ein werbewirksames Label auf die Verpackung drucken zu können, das von den wirklichen Problemen in der Tierhaltung ablenkt.

Unvorstellbar und doch normal : Dicht an dicht stehen in der konventionellen Mast die Hühner – bis zu 40.000 in einem Stall, bis zu 20 auf einem Quadratmeter. Am Ende der gut 30 Tage dauernden Mast ist die Einstreu total verdreckt, viele Tiere sind krank.


Foto: SOKO Tierschutz

Bio ist besser, aber noch nicht gut . In ökologischen Betrieben sind höchstens 4.800 Tiere pro Herde zulässig und nicht mehr als zehn Hühner pro Quadratmeter Stall. Bei den von uns untersuchten Beständen waren es zwischen 6,1 und 9,5. Das sind wesentlich weniger als in der konventionellen Mast, aber auch Öko-Mästereien haben nichts mit „Bauernhofromantik“ gemein, sagt selbst Markus Fadl von Naturland. Keine befriedigende Erklärung haben wir von den Bio-Verbänden auf die Frage bekommen, warum das Mindestschlachtalter von 81 Tagen nur für schnellwachsende Rassen gilt. Für langsame gibt es keine Vorschriften, und so endete ihr Leben nach kurzen 50 (Rewe Bio Bio-Hähnchenschenkel) bis 68 Tagen (Bio Hähnchenkeulen frisch von Freiland Puten Fahrenzhausen). Trotzdem sind wir der Meinung, dass Bio-Mast gegenüber der konventionellen im Vorteil ist. Und wir haben uns ohne vorherige Anmeldung die Ställe vor Ort angesehen. Verstöße gegen die Richtlinien der Bio-Verbände, wie sie von Animal Rights Watch dokumentiert wurden, haben wir nicht vorgefunden.
Was uns darüber hinaus aufgefallen ist? Während Wiesenhof unsere Frage nach der Mästerei nicht verstehen wollte (siehe Abbildung Seite 41), hat Rewe in den Zeiten von NSA den Datenschutz entdeckt. Auf unsere Bitte, die Angaben zum Einsatz von Antibiotika fürs Ja!-Hähnchenzu belegen, schrieb uns die Firma: „Für einen weiteren Einblick in die Stallpapiere hat der Mäster aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zugestimmt.“ Von Geka (Bauernglück Hähnchenschenkel, Aldi Nord) sowie Real bekamen wir die Auskunft, dass noch keine endgültigen Angaben zur Verlustrate vorliegen. Dabei wird, soweit wir wissen, in Mästereien jeden Tag protokolliert, wie viele Tiere verendet sind. Außerdem weiß ein Mäster, wie viele Küken er eingestallt und wie viele Hähnchen er geliefert hat. Daher drängt sich der Verdacht auf: Die Mast haben so viele Tiere nicht überstanden, dass man es vorzieht, keine Auskunft darüber zu geben.

Experte: Kritische Antibiotika minimieren

„Enrofloxacin gehört zu den medizinisch kritischen Antibiotika, die auch beim Menschen eingesetzt werden. Der Einsatz bei Tieren fördert daher auch Resistenzen gegen diese Humanantibiotika und sollte sich auf Notfälle beschränken. Ein Notfall ist dann gegeben, wenn Tiere aus Tierschutzgründen behandelt werden müssen.“

Prof. Dr. Thomas Blaha ist Epidemiologe an der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Das Testergebnis Inhaltsstoffe

Verdorben und verkeimt . Auch um die Qualität der untersuchten Hähnchenschenkel stand es vielfach nicht zum Besten. So fielen besonders die Bio-Hähnchenkeulen, frisch von Freiland Puten Fahrenzhausen wegen massiv erhöhter Keimgehalte und abweichender Gerüche in allen drei eingekauften Chargen negativ auf. Im Fleisch der Bio-Metzgerei Packlhof und von Frikifrisch steckten vermehrt gesundheitsgefährdende Keime. Aber es geht auch besser: So sind die Hähnchenkeulen von Schröder’s Bio nahezu frei von Mängeln und damit Testsieger in der Rubrik Inhaltsstoffe.
Gesundheitsrisiko Campylobacter . Der Keim, der beim Menschen Durchfall und Fieber auslöst, wurde in rund einem Drittel der insgesamt 42 untersuchten Chargen nachgewiesen. Das deckt sich mit Untersuchungen, wonach rund 40 Prozent der Mastgeflügelbestände in Deutschland mit dem Keim belastet sind. Geflügelfleisch gilt damit als wichtiger Auslöser für Infektionen mit Campylobacter. So gehen nach Angaben der Lebensmittelbehörde EFSA in der EU 20 bis 30 Prozent aller Campylobacter-Erkrankungen auf das Konto von Hühnerfleisch. Umso mehr überrascht die Reaktion einiger Hersteller. Danach würde ein positiver Campylobacternachweis bei rohem Geflügelleisch keine Gefahr für den Verbraucher darstellen, da bei bestimmungsgemäßem Verbrauch Gefügel nur durchgegart verzehrt würde. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Erhitzen tötet das Bakterium zwar sicher ab, es kann durch eine unsachgemäße Zubereitung im Haushalt aber auf Salat oder andere roh verzehrte Lebensmittel übertragen werden und auf diese Weise zum Verbraucher gelangen. „Dieser Infektionsweg ist von enormer Bedeutung – gerade auch für Campylobacter“, resümiert Fleischexperte Dr. Detlef Horn vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper. Fleisch mit Campylobacter kann daher unter den Inhaltsstoffen bestenfalls „ausreichend“ abschneiden. Insgesamt soll der Keim aber verstärkt bekämpft werden. Auch Grenzwerte auf EU-Ebene sind in Planung.
Salmonellen und Listerien in zwei Marken . Auch diese typischen Geflügelkeime können zu schweren Erkrankungen führen. Das Labor fand beide Erreger im Bio-Fleisch von Freiland Puten Fahrenzhausen und Salmonellen in den Ja! Hähnchenschenkeln. Sie missachten damit EU-Vorgaben – wobei diese strenggenommen nicht für Hähnchenschenkel gelten, sondern für Geflügelzubereitungen. Doch egal, ob Schenkel oder Zubereitung, für den Verbraucher macht das letztlich keinen Unterschied. Allerdings wird nicht jeder gleich krank. Anfällig sind vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, etwa kranke oder alte Menschen, aber auch Kinder.

Heile Hühner-Welt : So sieht, das wollen der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft und die Informationsgemeinschaft Deutsches Geflügel den Verbrauchern weismachen, die Welt der Hähnchenmast aus.


Screenshot: http://www.deutsches-gefluegel.de/erzeugung/wir-die-erzeuger/gefluegelhof

Keine Antwort ist auch eine . Wo ist das Tier geschlüpft (Ort/Brüterei) fragten wir und bekamen von Wiesenhof Auskunft: Brüterei Süd in Regenstauf. Die gleiche Frage nach der Mästerei beantworte die Firma nicht, weil „nach unserem Verständnis nur der Ort des Betriebs angefragt“ wurde. Mehr, als dass die Mästerei in Munnigen liegt, erfuhren wir auch auf Nachfrage nicht. Warum wohl?


Jede Menge Verderbniskeime . Dazu zählen vor allem Pseudomonaden und Enterobakterien. E.-coli-Bakterien zeigen hingegen eher eine mangelnde Betriebshygiene an. Die Keimzahlen im Test überschreiten in vielen Fällen Richt- oder Warnwerte der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiolgie. Proben mit Warnwertüberschreitungen konnten allenfalls „befriedigend“ ausfallen. Gründe für überhöhte Keimzahlen können unter anderem Unterbrechungen der Kühlkette oder eine zu lang bemessene Verbrauchsfrist sein. Auch Hähnchenhaut ist oft per se keimbelasteter als etwa ein Stück Brustfilet.
Von leicht abweichend bis fäkalisch . Mit diesen wenig appetitlichen Vokabeln beschrieben geschulte Experten den Geruch vieler Hähnchenschenkel am Ende der Verbrauchsfrist. Der unangenehme Geruch ist ein Zeichen fortschreitenden Verderbs und zunehmender Keimzahlen. Was auffällt: Fleisch mit Campylobacter oder Salmonellen war am Geruch nicht unbedingt zu erkennen, sondern sensorisch völlig in Ordnung.
Blaue Flecken post mortem . Auf den Keulen von Edeka, Lidl sowie bei Rewe wurden vereinzelt Hämatome festgestellt. Diese seien aber erst nach der Schlachtung entstanden, erklärten die Hersteller auf Nachfrage.

So reagierten die Hersteller

Freiland Puten Fahrenzhausen erklärte, den Produktionsbetrieb und die Kühlkette bis zum versandfertigen Produkt umgehend überprüft zu haben. Auffälligkeiten seien nicht festgestellt worden. Man wolle dennoch einige Punkte umstellen und hoffe, bereits Mitte Oktober verbesserte Ergebnisse vorlegen zu können.

Adressen

■ Soko Tierschutz (http://soko-tierschutz.org/de). Aus der Selbstdarstellung: „Wir durchbrechen die Verschleierungstaktiken und Tricks der Tierbranche und zeigen, wie es in den Ställen, bei Tiertransporten und in den Bunkern der Tierversuchsindustrie wirklich aussieht.“
■ Animal Rights Watch (www.die-tierfreunde.de). Aus der Selbstdarstellung: „Wer das Leid der Tiere mindern will, muss es für die Menschen sichtbar machen. Mit sorgfältigen Recherchen, sachlicher Information und innovativen Aktionen engagieren wir uns gegen Verschleierung und Verdrängung – und für die Anerkennung von Tierrechten.“
■ PETA (www.peta.de). Aus der Selbstdarstellung: „PETA setzt sich schwerpunktmäßig in den vier Bereichen der Gesellschaft ein, in denen besonders viele Tiere, besonders stark und besonders lang leiden: in der Intensiv- und Bio-Tierhaltung, in der Textil- und Bekleidungsindustrie, in Tierversuchslabors und in der Unterhaltungsindustrie.“
■ Albert Schweitzer Stiftung (http://albert-schweitzerstiftung.de). Aus der Selbstdarstellung: „Ehrfurcht vor allem Leben lehrte und praktizierte Albert Schweitzer. Seiner Maxime ist die Stiftung verpflichtet.“

So haben wir getestet

Der Einkauf

Im Test: 14 mal frisches Hähnchenfleisch, wobei dieses Mal Produkte mit Haut und dabei vorzugsweise frische Hähnchenschenkel im Fokus standen. Eingekauft wurden Eigenmarken der Discounter und Supermärkte sowie Markenprodukte von Wiesenhof und Friki. Da es insbesondere um die Tierhaltung gehen sollte, wählten wir selbstverständlich auch Produkte aus, die mit speziellen Tierschutzlabeln – etwa des Deutschen Tierschutzbundes – werben oder eine besonders schonende Tierhaltung vermuten lassen, wie das Fairmast-Siegel. Fünf Bio-Produkte komplettierten den Testeinkauf.

Die Tierhaltung und Transparenz

Informationen zu den Haltungsbedingungen ermittelten wir für Charge A mithilfe eines Fragebogens. Im Einzelnen fragten wir die Hersteller nach der Rasse der gemästeten Hähnchen, nach dem Namen der Mästerei, der Besatzdichte und der Anzahl der Tiere pro Herde. Weiter wollten wir wissen, ob die Tiere Grünauslauf hatten, ob sie Impfungen, Antibiotika oder gentechnisch veränderte Futterbestandteile bekamen. In einem zweiten Fragebogen baten wir um Belege für die gemachten Aussagen. Den Bio-Ställen statteten wir unangekündigt Besuch ab, weil wir uns vergewissern wollten, ob die Tiere wirklich besser gehalten werden.

Die Inhaltsstoffe

Die Qualität der Hähnchenkeulen ließen wir anhand mikrobiologischer und sensorischer Tests am Ende der Verbrauchsfrist prüfen. Zuvor waren die Produkte unter kontrollierten Bedingungen eingekauft und im Labor bei bis zu vier Grad gelagert worden. So sehen es die Herstellerangaben auf den Packungen vor. Weil es bei der Belastung mit Keimen immer wieder einmal Ausreißer gibt, untersuchten wir jeweils drei Produktchargen. Eine Charge wurde zusätzlich auf Rückstände von Antibiotika untersucht. Auf der Agenda stand auch das derzeit viel diskutierte Thema Antibiotikaresistenzen. Verdächtige Keime ließen wir in hochspezialisierten Laboren prüfen. Dabei galt es festzustellen, inwieweit die Keime auf Antibiotika noch ansprechen.

Die Weiteren Mängel

Rohes Hähnchenfleisch kann mit krank machenden Keimen belastet sein. Bei der Zubereitung sollten daher einige wichtige Regeln beachtet werden, die auch auf den Verpackungen genannt werden sollten. Das haben wir uns näher angesehen.

Die Bewertung

Tierhaltung und Produktqualität wurden zunächst getrennt bewertet – leider oft mit sehr schlechten Ergebnissen. Keine Frage, dass das Gesamturteil dann in vielen Fällen auch nicht besser sein konnte. So fallen selbst Bio-Keulen mit „guter“ Tierhaltung bestenfalls „ausreichend“ aus, weil sie am Ende zu viele Keime enthielten.

Bis auf die Knochen . Die Sensorikexperten schauten auch nach Hämatomen – ein Hinweis auf eine schlechte Behandlung der Tiere?


Foto: Labor

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 172.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Weiterer Mangel: drei von vier Hinweisen für eine gute Küchenhygiene fehlen. 3) Weiterer Mangel: einer von vier Hinweisen für eine gute Küchenhygiene fehlt. Laut Anbieter wurde dieser Hinweis bereits ergänzt. 4) Laut Anbietergutachten waren in einem chargenähnlichen Produkt keine Salmonellen, Listerien und Campylobacter nachweisbar. 5) Produkt ist mit dem Label „Tierschutzkontrolliert: gut“ gekennzeichnet. 6) Produkt ist mit dem Label „Für mehr Tierschutz –Einstiegsstufe“ gekennzeichnet.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge der Anbieter aufgeführt. Unter dem Testergebnis Tierhaltung/Transparenz führt zur Abwertung um jeweils einen Minuspunkt (dabei haben wir uns an den Kriterien der EG-Öko-Verordnung und den Erzeugerrichtlinien der Bio-Verbände orientiert): a) schnellwachsende Rassen; b) keine Angabe der Mästerei; c) Alter des Tieres bei der Schlachtung unter 81 Tage; d) Besatzdichte über 10 Tieren oder über 21 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter Stall am Ende der Mast; e) Herdengröße über 4.800 Tiere; f) kein Tageslicht; g) kein Grünauslauf; h) kein Schlechtwetterauslauf; i) Angaben zur Antibiotika nicht belegt; j) Kokzidiostatikum im Futter; k) keine Angabe der Verlustrate. Zur Abwertung um jeweils 0,5 Minuspunkte führten: a) langsamer wachsende Rassen; b) Angabe der Mästerei nur auf Nachfrage; c) Belege zu Antibiotika nur auf Nachfrage; d) ungenaue Angaben zur Verlustrate („sehr niedriger einstelliger Bereich“). Bei bis zu zwei Minuspunkten lautet das Testergebnis Tierhaltung/ Transparenz „gut“, bei bis zu vier „befriedigend, bei bis zu sechs „ausreichend“, bei bis zu acht „mangelhaft“, darüber „ungenügend“. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) der Nachweis von Salmonellen; b) der Nachweis von Campylobacter; c) ein Gehalt an Listeria monocytogenes von mehr als 100 KBE/g; d) eine „sehr starke“ Belastung mit Verderbnis- und/oder Hygienekeimen, was der Überschreitung eines Warnwerts der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) und mehr als zwei Überschreitungen von Richtwerten nach DGHM entspricht. Zur Abwertung um drei Noten führt: eine „starke“ Belastung mit Verderbnis- und/oder Hygienekeimen, was der Überschreitung eines Warnwertes nach DGHM und ein bis zwei Überschreitungen von Richtwerten nach DGHM entspricht. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) eine „deutliche“ Belastung mit Verderbnis- und/oder Hygienekeimen, was der Überschreitung eines Warnwertes nach DGHM oder mehr als zwei Überschreitungen von Richtwerten nach DGHM entspricht. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) eine „geringe“ Belastung mit Verderbnis- und/oder Hygienekeimen, was ein bis zwei Überschreitungen von Richtwerten nach DGHM entspricht; b) ein abweichender Geruch, wenn die Belastung mit Verderbnis- und/oder Hygienekeimen als „gering“ eingestuft wurde. In allen anderen Fällen führten die sensorischen Mängel nicht zu einer zusätzlichen Abwertung. Die Empfehlungen der DGHM für rohes und gewürztes oder mariniertes Geflügelfleisch (Stand: Entwurf einer Empfehlung vom 18.04.2013) beziehen sich auf folgende Mikroorganismen: aerobe mesophile-Koloniezahl, Enterobacteriaceae, E. coli, Pseudomonaden, koagulase-positive Staphylokokken, Salmonellen, Listeria monocytogenes. Das Testergebnis Inhaltsstoffe beruht auf den Einzel-Testergebnissen der untersuchten drei Chargen, wobei jeweils die Durchschnittsnote ermittelt wurde. Es wurde kaufmännisch gerundet. Das Testergebnis Inhaltsstoffe kann nicht besser als „ausreichend“ sein, wenn eine Charge mit gesundheitsgefährdenden Keimen (Salmonellen und/oder Listerien und/oder Campylobacter) belastet ist. Sind zwei Chargen mit gesundheitsgefährdenden Keimen belastet, kann das Testergebnis nicht besser als „mangelhaft“ sein. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: das Fehlen von drei von vier empfohlenen Hygienehinweisen für die Küchenpraxis. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) das Fehlen von einem von vier empfohlenen Hygienehinweisen für die Küchenpraxis. Ein Testergebnis Weitere Mängel das „ausreichend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1311“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: August 2013.Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.