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TEST Haferdrinks: Eine Tasse Klimaschutz


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 28.10.2021

TEST Haferdrinks

HAFERDRINKS

Artikelbild für den Artikel "TEST Haferdrinks: Eine Tasse Klimaschutz" aus der Ausgabe 11/2021 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

RATGEBER

1

Die Produkte mit Bio-Label sind frei von phosphathaltigen Zusatzstoffen.

2

Wenn Sie Kuhmilch in Rezepten eins zu eins durch die von Natur aus süße Hafermilch ersetzen, können Sie auch gleich etwas Zucker weglassen.

3

Wer die Oktoberausgabe von ÖKO-TEST verpasst hat, findet unseren aktuellen Test von veganem Joghurt unter oekotest.de/12139.

Gut 70 Prozent weniger schädliche Klimagase – so viel spart die Produktion von Hafermilch im Vergleich zu Kuhmilch ein. Gut für die Umweltbilanz ist außerdem, dass Hafer regional erhältlich ist. Er wächst in den gemäßigten Breiten, und sein Anbau verbraucht so relativ wenig Wasser. Und natürlich leiden für Hafermilch ganz sicher keine Kühe.

Auch unsere Testergebnisse sprechen für diesen Milchersatz: Alle Produkte haben die Prüfung von Geschmack und Mundgefühl bestanden – und die meisten sind auch top in Sachen Inhaltsstoffe. 27 von ...

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... 32 Marken können wir rundum mit „sehr gut“ empfehlen. Besonders erfreulich: Die Drinks waren weder mit dem Schwermetall Cadmium noch mit dem bedenklichen Pestizid Glyphosat belastet. Wir kritisieren lediglich unnötige Vitaminzusätze und umstrittene phosphathaltige Zusatzstoffe. Am schlechtesten schneiden mit Gesamturteil „befriedigend“ die Markenprodukte Oatly! Hafer Calcium und Alpro Hafer original ab.

Auf den Verpackungen steht übrigens oft nur „Hafer“ oder „Haferdrink“ und nie „Hafermilch“. Das liegt daran, dass die Hersteller in Produktnamen für rein pflanzliche Produkte kein „-milch“ mehr schreiben dürfen. Wir sprechen hier weiter von Hafermilch, weil das dem normalen Sprachgebrauch entspricht. Raten Sie mal, welcher der beiden Begriffe im Duden zu finden ist!

Tatsächlich genießen Verbraucher und Verbraucherinnen die Flüssigkeit ja nicht hauptsächlich als puren „Drink“, sondern setzen sie vielfältig ein: im Kaffee, im Müsli, im Kuchenteig und, und, und.

In vielen Rezepten kann Pflanzenmilch Kuhmilch prima ersetzen. Die Nährwertzusammensetzung ist aber ganz anders. So liegt der Eiweißgehalt von Hafermilch bei höchstens einem Drittel dessen, was Kuhmilch an Eiweiß zu bieten hat. Vor allem: Pure Hafermilch ist keine Calciumquelle. Für Veganer ist es deshalb naheliegend, Pflanzenmilch mit zugesetztem Calcium zu verwenden.

Calcium mit und ohne Phosphat

Die Hafermilch Alpro Hafer ohne Zucker enthält den unproblematischen Zusatz Calciumcarbonat. Anders das andere Alpro-Produkt Alpro Hafer original und das Oatly! Hafer Calcium. Hier stehen Calciumphosphate und TriCalciumphosphate in der Zutatenliste. Und die Oatmølk Barista enthält Kaliumphosphat als Säureregulator. Große Mengen an Phosphat schaden den Nieren. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) schätzt, dass die Europäer mittlerweile bis zu 30 Prozent der Phosphate über Zusatzstoffe in Lebensmitteln aufnehmen. Aus unserer Sicht sind die phosphathaltigen Zusatzstoffe eine unnötige Belastung.

Bio mit Calciumzusatz ist nicht erlaubt

Wir haben für diesen Test auch sieben Bio-Produkte prüfen lassen, die als Calciumquelle Algen enthalten. Was die Inhaltsstoffe angeht, gibt es aus ÖKO-TEST-Sicht nichts auszusetzen. Allerdings ist rechtlich noch nicht abschließend geklärt, ob oder unter welchen Umständen Bio-Produkte mit Mineralien aus Algen angereichert sein dürfen (siehe Kasten Seite 45). Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, die geprüften Produkte nur zu nennen und kein Gesamturteil zu vergeben.

„Fast nur Bestnoten! Hafermilch ist ein sauberes Produkt.“

Meike Rix ÖKO-TEST-Redakteurin

Fragwürdige Vitaminzusätze

Die Zusätze von Vitamin B2 (Riboflavin) und Vitamin D in drei von vier konventionellen Produkten halten wir für überflüssig. Vitamin B2 nehmen Veganer auch natürlicherweise mit pflanzlichen Lebensmitteln wie Getreidekeimen, Vollkornprodukten und Gemüse wie Brokkoli oder Grünkohl auf. Die Versorgung mit Vitamin D hängt hauptsächlich davon ab, ob man in der Zeit zwischen März und Oktober regelmäßig bei Tageslicht draußen war, weil die Haut das Vitamin selbst bildet und der Körper eine Reserve speichert.

Schmeckt anders gut

Die Sensorikexperten waren mit den meisten Drinks hoch zufrieden. Hafermilch schmeckt anders als Kuhmilch, nämlich nach Hafer und normalerweise leicht bis deutlich süß. Einen kleinen Abstrich, aber immer noch ein „gut“ im Testergebnis Sensorik gibt es für sieben Produkte mit leicht bitterem Nachgeschmack. Das ist für Hafer milch zwar normal, für sehr empfindliche Gaumen aber störend.

Hafermilchschaum

Drei Produkte im Test heißen „Barista“. Barista ist eigentlich der Kaffee-Experte an der Bar, der Espresso und Latte macchiato zaubert. Barista-Hafermilch will also Schaum für Cappuccino und Co können. Die Prüfer im Labor haben das Aufschäumen stichprobenweise an den drei Baristaund an zwei „normalen“ Produkten ausprobiert. Ergebnis: Es klappt! Der Schaum war zwar nicht so dicht und cremig wie der von Kuhmilch, aber auch nach sechs Minuten waren noch zwei Drittel und mehr von der Schicht vorhanden. Auch die beiden nicht als Barista beworbenen bildeten Schaum. Allerdings braucht es für guten Schaum mehr als Hafer. Konventionelle Baristaprodukte enthalten oft Zusatzstoffe wie hier die Oatmølk Barista mit dem Kaliumphosphat. Bio-Produkte arbeiten mit Öl: Laut einem Bio-Hersteller sollen ein veränderter Sonnenblumenölanteil sowie längeres Fermentieren des Hafers dem Schaum dienen. Wer also Hafermilchschaum mag, greift zu Barista oder zu Produkten mit Öl auf der Zutatenliste.

Natürlich süß

Hafermilch ersetzt prima Kuhmilch in Kaffee, Müsli und in vielen Koch- und Backrezepten. Als Durstlöscher ist sie trotz der Bezeichnung „Drink“ in den Produktnamen nicht empfehlenswert. Die Produkte sind zwar frei von Zuckerzusätzen, enthalten aber trotzdem oft um die fünf Prozent Zucker aus der Fermentation des Hafers.

Was heißt denn hier glutenfrei?

Hafer enthält kein Gluten, er hat von Natur aus eine andere Eiweiß struktur als die glutenhaltigen Getreide Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste. Einige Produkte im Test sind trotzdem explizit als glutenfrei ausgelobt.

Damit versichern die Hersteller, dafür gesorgt zu haben, dass es keine Übergänge aus anderem Getreide während der Ernte oder Produktion gegeben hat. Wer „glutenfrei“ auslobt, muss dafür sorgen, dass insgesamt nicht mehr als 20 Milligramm Gluten pro Kilogramm im Produkt stecken. Das ist wichtig für Menschen mit Zöliakie. Reinen Hafer vertragen die meisten von ihnen. Wer nicht an Zöliakie leidet, aber Gluten einfach so meiden möchte, kann genauso gut zu den Produkten ohne spezielle Auslobung greifen.

Im Test: 32-mal ungesüßte Hafermilch, drei davon mit Calciumzusatz. Das Bio-Angebot an Hafermilch ist deutlich größer, dementsprechend sind nur vier konventionelle Produkte dabei. Bezahlt haben wir für einen Liter zwischen 95 Cent und 2,65 Euro. In spezialisierten Lebensmittellaboren ließen wir unter suchen, ob die Haferdrinks mit dem in der Umwelt weit verbreiteten Schwermetall Cadmium belastet sind. Außerdem standen Pestizide auf dem Prüfprogramm, die in der Getreideproduktion eingesetzt werden, darunter das umstrittene Glyphosat. Und wir ließen im Labor untersuchen, ob gesundheitlich problematische Rückstände aus Desinfektionsmitteln wie Chlorat und Perchlorat in den Hafermilchen stecken. Die Verpackungsangaben haben wir uns daraufhin angesehen, ob wesentliche Informationen wie der Gehalt der Hauptzutat Hafer zu finden sind. Sensorikexperten verkosteten die Produkte und bewerteten Aussehen, Geruch, Konsistenz und Geschmack.

Bio nur noch ohne Calcium?

Die hier abgebildeten sieben Bio-Haferdrinks mit Calcium haben wir ebenfalls getestet, vergeben aber kein Gesamturteil. Alle hätten nach den Laborergebnissen sowohl im Testergebnis Inhaltsstoffe als auch in der Geschmacksprüfung mit „sehr gut“ abgeschnitten. Allerdings war zu Redaktionsschluss unklar, ob die Drinks bei Erscheinen dieser Ausgabe überhaupt noch im Handel sein dürfen. Hintergrund ist ein bereits 2005 vom Land Nordrhein-Westfalen begonnener Rechtsstreit mit dem Pflanzendrinkhersteller Natumi. Der Streitpunkt ist, ob Natumi in Bio-Soja- und Reisdrinks ein Pulver aus kalksteinartigen Ablagerungen der Alge Lithothamnium calcareum einsetzen darf. Darüber hat derzeit das Bundesverwaltungsgericht zu entscheiden, welches erst einmal den Europäischen Gerichtshof befragte. Der urteilte, der Zusatz sei in einem Bio-Drink nicht zulässig (EuGH, Urteil vom 29.4.2021, Az. C‐815/19). Bio-Lebensmittel dürfen nur in wenigen Ausnahmen mit isolierten Mineralstoffen angereichert sein – nämlich dann, wenn wie in Babynahrung eine Anreicherung gesetzlich ausdrücklich vorgeschrieben ist. Weil Calcium in veganem Milchersatz aber nun einmal sinnvoll ist, behalfen sich Bio-Hersteller bisher mit besagtem Pulver. Ob es allerdings künftig noch Bio-Drinks mit Calcium aus Algenzusatz geben darf, ist noch offen.

Fett gedruckt sind Mängel. Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 190. Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Deckeldichtung. 2) Weiterer Mangel: eine fehlende quantitative Angabe (QUID) der wertgebenden Zutat Hafer. Laut Anbieter ist geplant, dass die prozentualen Anteile direkt hinter dem Rohstoff im Zutatenverzeichnis genannt werden. 3) Laut Anbieter wird der Artikel Anfang nächsten Jahres auf die Eigenmarke Food For Future umgestellt und erhalte die neue EAN 21202292. Im Rahmen des Verpackungsrelaunchs werde zudem eine deklaratorische Verminderung des Zuckergehalts erfolgen. 4) Laut Anbieter wird der Artikel im Laufe dieses Jahres im Rahmen eines Verpackungsrelaunchs auf die Marke Rewe Bio vegan umgestellt und erhalte die neue EAN 4337256257398.

5) Laut Anbieter hat sich mit der neuen Ausführung des Etiketts die Deklaration geringfügig geändert, darunter auch der angegebene Salzgehalt von 0,08 g / 100 ml. 6) Laut Anbieter wird die Auslobung „ohne Zuckerzusatz“ auf dem Dekor künftig mit dem Zusatz „Enthält Zucker aus der Haferfermentation ergänzt.“

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) Zusatz von anderen Vitaminen als B12 (hier: Vitamin B2, Vitamin D); b) phosphathaltige Zusätze (hier: Tricalciumphosphat,

Calciumphosphat, Kaliumphosphat). Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um eine Note: Mangel im Geschmack, beschrieben als „leicht bitter“.

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: eine fehlende quantitative Angabe (QUID) der wertgebenden Zutat Hafer oder der zusammengesetzten Zutat „Haferbasis“, ohne die für den Verbraucher nicht eindeutig ersichtlich wird, wie viel Hafer das Enderzeugnis enthält. Zur Abwertung um eine Note führen: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in Deckeldichtung.

Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Testergebnisse Sensorik und Weitere Mängel, die „gut“ sind, verschlechtern das Gesamturteil nicht.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2111

Einkauf der Testprodukte: Juli 2021. Dieser Test löst die Haferdrinks aus dem Test Pflanzendrinks im ÖKO-TEST Magazin 3/2019 und dessen Wiederveröffentlichungen im Spezial Vegetarisch und Vegan 2019 und im Jahrbuch für 2020 ab.

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