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TEST Haftpflichtversicherungen: Mit einem Bein im Schuldenturm


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2015 vom 27.11.2015

Eine private Haftpflichtversicherung ist unverzichtbar. Sie sichert die Existenz – von Schädigern wie von den Opfern. Trotzdem sind rund 17,6 Millionen Menschen nicht oder viel zu gering abgesichert.


Artikelbild für den Artikel "TEST Haftpflichtversicherungen: Mit einem Bein im Schuldenturm" aus der Ausgabe 12/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: picture alliance/Bildagentur-online

Einen Großbrand verursachten vier Kinder in Meitingen bei Augsburg. Der Schaden an einer landwirtschaftlichen Halle und Fahrzeugen wird auf zwei Millionen Euro geschätzt. Laut Polizei hatten die Kinder im Alter von 12 bis 13 Jahren den Schaden fahrlässig verursacht. In diesem Alter gelten Kinder in der Regel als voll deliktfähig. Auch wenn sie kein eigenes Geld haben, ...

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... müssen sie den Schaden begleichen. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch können sie bis 30 Jahre lang für eine Zahlung herangezogen werden – sobald sie eigenes Einkommen haben. Eltern sollten ihre Kinder daher unbedingt über eine private Haftpflichtversicherung schützen. Wer ohne diesen wichtigen Schutz einen Dritten schädigt, muss mit jedem Heller und Cent seines Privatvermögens Schadenersatz leisten.

Bei der privaten Haftpflichtversicherung geht es nicht um den Rotweinfleck im Abendkleid oder die zerstörte Vase des Nachbarn. Es geht um Millionen von Euro, um Schäden, die für jeden den Ruin bedeuten. Trotzdem riskieren immer noch 15 Prozent der Haushalte in Deutschland Kopf und Kragen: Sie haben keine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Das hat das Statistische Bundesamt für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ermittelt. Danach sichern sich vor allem viele Geringverdiener nicht ab. Dabei ist der private Haftpflichtschutz für jeden erschwinglich – wie unser Test zeigt.


Millionen Altkunden ohne Schutz bei Großschaden


Umgerechnet sind über 12,1 Millionen Deutsche ohne jeden Schutz. Doch es kommt noch schlimmer. Viele Menschen haben Altverträge mit viel zu geringen Versicherungssummen. Wie Ruth Meier (Name von der Redaktion geändert) aus Düsseldorf. Vor 37 Jahren hatte sie bei der HUK-Coburg die Police abgeschlossen und die Beitragsrechnung jedes Jahr fein säuberlich im Ordner abgeheftet – aber niemals gelesen. „Wir informieren unsere Kunden mit der Beitragsrechnung, wenn die Deckungssumme unterhalb von drei Millionen Euro liegt“, sagt Pressesprecher Holger Brendel. Und das ist bei Frau Meier der Fall. Die Absicherung für Personen- und Sachschäden beträgt nämlich nur 511.291,89 Euro – die krumme Summe kommt aus der Umstellung von einer Million D-Mark in Euro. Laut GDV gab es in den vergangenen Jahren bereits eine Reihe von Personenschäden bis fünf Millionen Euro. „Deutlich höher fallen aber Sachschäden aus“, sagt GDV-Sprecherin Una Großmann. Rund acht Prozent der HUK-Coburg Kunden haben eine Absicherung von unter drei Millionen Euro. Auf ganz Deutschland hochgerechnet glauben somit wahrscheinlich rund 5,5 Millionen Menschen, dass sie sicher sind. Sie irren. Und das ist brandgefährlich. „Reicht die Versicherungssumme nicht aus, um den Schaden zu bezahlen, haftet der Betroffene mit seinem ganzen Vermögen“, warnt Georg Pitzl, Versicherungsberater aus Bobingen bei Augsburg. Immerhin einer hat nun die Konsequenz gezogen: Frau Meiers 22-jähriger Sohn hat die Rechnung gelesen und seine Mutter sensibilisiert. Jetzt ist die Familie mit 50 Millionen Euro geschützt.

Auch ÖKO-TEST empfiehlt eine möglichst hohe Absicherung und hat aktuell nur Angebote getestet, die mindestens einen Zehn-Millionen- Schutz bieten. Zudem soll die Police wie eine persönliche Vollkasko auch dann leisten, wenn der Versicherte von einem anderen geschädigt wird, der zu den rund 30 Prozent Versicherungsmuffeln gehört, eine ganz magere Altpolice hat oder mittellos ist. Forderungsausfalldeckung heißt dieser Zusatzschutz. Für die Analyse der Angebote haben wir für Familien 33 Bereiche untersucht und bewertet, für Senioren und Singles sind es 30 Bereiche. Die Übersicht und Erläuterung zu allen untersuchten Leistungssegmenten fi nden Sie kostenlos im Internet (siehe: Mehr zum Thema). Insgesamt hat ÖKO-TEST 263 Familien-, Senioren und Single tarife unter die Lupe genommen. Dabei stellten sich 52 Versicherer und Konzeptanbieter dem Test, nur wenige Assekuranzen wollten nicht teilnehmen.

Bei Gefälligkeiten , wie einem Umzug, haften die freiwilligen Helfer nicht. Vielfach gibt es trotzdem Geld, wenn jemand etwas fallen lässt und eine hochwertige private Haftpfl ichtversicherung hat.


Foto: imago/Jochen Tack

Das Testergebnis

Niemand ist schlecht. Kein Angebot wurde schlechter als Rang 4 eingestuft. Alle Tarife beinhalten nämlich wesentliche Grundleistungen. Daher ist selbst ein mit Note 4 bewerteter Tarif wertvoll und deutlich besser als gar keine Absicherung.
Preiswerter Rettungsanker. Die günstigste Police für Familien, die Exclusiv Fair Play der Schwarzwälder Versicherung kostet gerade einmal 48 Euro pro Jahr und erreicht leistungsmäßig immerhin den 3. Rang. Der günstigste Schutz für ein Senioren-Paar, die Komfort 60Plus von Prokundo für rund 39 Euro erreicht nur den 4. Rang, doch für gut einen Euro mehr pro Jahr gibt es mit dem Einfach gut Senior der Haftpfl ichtkasse Darmstadt schon „guten“ Schutz. Supergünstig für Alleinlebende ist Basis der Gothaer, die pro Jahr gerade einmal rund 42 Euro kostet und ebenfalls „Rang 2 – gut“ abschneidet.
Auch das teuerste Angebot ist noch bezahlbar. Die Preisunterschiede am Markt sind aber saftig. So möchte die Signal Iduna im Tarif Exklusiv von Familien pro Jahr 179 Euro und vom Single 161 Euro. Das Seniorenpaar zahlt 151 Euro im Tarif Top der Mannheimer. Damit sind diese Angebote fast vier Mal so teuer wie die günstigsten Tarife – und doch ein Schnäppchen. Denn sie können vor dem Schuldenturm retten.
Topangebote. Für Familien bei Preis und der Leistung „sehr gut“ sind die Tarife Premium von Degenia sowie Prima Sorglospaket und Prima Plus der Swiss Life Partner. Die Jahresprämie liegt bei 77 Euro für 15 Millionen Euro Schutz, das zweite Angebot der Swiss Life schützt sogar für Schäden bis 20 Millionen Euro. Topleistung und Toppreise für Senioren bieten der Einfach Besser Senior für rund 52 Euro und der Einfach Besser Plus Senior für knapp 60 Euro der Haftpfl ichtkasse Darmstadt sowie der Premium 60+ der Degenia für 62 Euro und Best Selection der Janitos für 64 Euro. Für Singles erreichen gleich sieben Tarife einen sehr guten Leistungs- und Preisrang.
Vollendeter Schutz. Insgesamt 18 Familiengebote erreichen nicht nur die Note „sehr gut“, sondern bieten gleichzeitig einen perfekten Forderungsausfallschutz. Hier wird für den Kunden selbst dann eine Leistung erbracht, wenn der Schädiger mittellos ist. Das gilt bei diesen Angeboten sogar dann, wenn der Schädiger vorsätzlich handelt – also beispielsweise im Zorn zuschlägt. Gleichzeitig ist die verpfl ichtende gerichtliche Feststellung der Mittellosigkeit des Täters kostenfrei möglich, weil eine zusätzliche Rechtsschutzversicherung gilt. Für Senioren und Singles gibt es 17 solch vollendeter Angebote.
Lücke beim Hundeangriff . Fünf Anbieter – die Cosmos Direkt, die Medien, die Nürnberger, die Stuttgarter und die Schleswiger – leisten sich im wichtigen Forderungsausfallschutz ein Manko. Sie schützen nicht in jedem Fall, wenn der Schaden von einem Hund ausgeht. Daher wurden diese Angebote um eine Note abgewertet.
Höchste Summe wählen. Verbraucher sollten durchaus den höchsten am Markt erhältlichen Schutz von derzeit 50 Millionen Euro wählen. Die Topabsicherung kostet kaum einen Aufpreis. Von Familien verlangt die VHV (Tarif Klassik-Garant Exklusiv) gerade einmal 94 Euro und bietet dafür auch noch „sehr gute“ Leistungen. Für Senioren hat die Haftpfl ichtkasse Darmstadt (Tarif Einfach Besser Plus Senior) mit 59 Euro das günstigste Angebot auf Leistungsrang 1, für Singles mit 65 Euro die VHV (Tarif Klassik-Garant Exklusiv).

Uwe Schmidt-Kasparek

Mehr zum Thema

Die detaillierten Testergebnisse bekommen Sie kostenlos unter www.oekotest.de _ Suchen _ „M1512“ eingeben.

Anmerkungen: 1) Der Tarif ist nur für Singles ohne Kind erhältlich. Es handelt sich um einen Direkttarif, der zu diesen Preisen nur online abgeschlossen werden kann. 2) Der Tarif ist für Singles mit maximal einem Kind erhältlich. 3) Der Tarif sieht eine Leistungsgarantie vor. Danach wird die höchste Leistung bezahlt, die es bei Mitbewerbern am deutschen Markt gibt. Zudem werden alle Schäden übernommen, die in diesem Tarif nicht versichert sind, für die es im Markt aber Schutz gibt. Den Nachweis für höhere Leistungen oder Versicherbarkeit muss der Kunde erbringen. 4) Günstigere Angebote gibt es für Immobilienbesitzer. 5) Es handelt sich um einen Direkttarif, der zu diesen Preisen nur online erhältlich ist. 6) Sind Einzelleistungen mit Summen begrenzt, will der Versicherer dennoch die höchste am Markt auffindbare Summe bezahlen. Der Versicherer stellt dies im Schadenfall für seine Kunden fest. Als Höchstsumme gilt immer die allgemeine Deckungssumme. Im vorliegenden Tarif sind das 50 Mio. Euro.

Legende: Tarife mit dem gleichen Rang sind nach Gesamtpunktzahl und nach Jahresprämie geordnet. Zur Ermittlung des Ranges wurde die Differenz zwischen höchster und niedrigster Gesamtpunktzahl in vier gleichgroße Klassen geteilt. Zur Ermittlung des Preisniveaus wurde die Differenz zwischen höchstem und niedrigstem Jahresbeitrag in den jeweiligen Modellfällen in vier gleichgroße Klassen geteilt.
Stand: November 2015.
DieTestmethode finden Sie unter www.oekotest.de _ Suchen _ „M1512“ eingeben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

• Entscheidend ist der Preis. Als Leistung sollte die Police einen Zehn-Millionen-Schutz bieten und eine Forderungsausfalldeckung.

• Überprüfen Sie Ihren bestehenden Vertrag. Oft können die Summen ohne Beitragserhöhung angepasst werden.

• Für den Urlaub braucht man keine gesonderte Police: Die private Haftpflicht gilt weltweit.