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TEST Handtaschen aus Kunstleder: Hundsmiserabel


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2016 vom 31.03.2016

Vegan liegt im Trend. Auch bei Handtaschen setzen viele Kundinnen inzwischen bewusst auf Lederimitat statt auf echte Haut. Nicht nur das unvermeidbare Tierleid, auch bei der Herstellung eingesetzte, giftige Chemikalien werfen ein schlechtes Licht auf das Material Leder. Wir wollten wissen, ob Kunstlederhandtaschen als Alternative taugen – und wurden bitter enttauscht.

Artikelbild für den Artikel "TEST Handtaschen aus Kunstleder: Hundsmiserabel" aus der Ausgabe 4/2016 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 4/2016

Die Kamera hält starr auf das Rind, das mit aufgerissenen Augen festgezurrt zwischen den gehäuteten Kadavern seiner Artgenossen steht. Zwei Männer legen ihre Arme um seinen Hals. In einem barbarischen Akt menschlicher Muskelkraft bricht ...

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... schließlich das Genick des Tieres.

Der Schauplatz ist austauschbar, das Grauen bleibt: Ein kleiner Marderhund windet sich in einer engen Gitterbox. Ein vergeblicher Versuch, vor der Hand des Händlers zu fliehen, die ihn im nächsten Moment herauszerrt. Ein kurzer Hauch von Freiheit, bevor der Mann mit einer Eisenstange auf den kleinen Schädel drischt und dem halb betäubten Tier unter den Blicken seiner Kunden das Fell vom Leib reißt.

Wegen Szenen wie diesen entscheiden sich mehr und mehr Menschen für eine vegane Lebensweise – weit über den Aspekt der Ernährung hinaus. Schonungslose Dokumentationen haben den Konsumenten hierzulande in all ihrer grausamen Deutlichkeit vor Augen geführt, dass der schöne Schein der Modeindustrie vor allem bei tierischen Materialien dem Blick hinter die Fassade selten standhält. Auch ÖKO-TEST hat immer wieder über die Qualen berichtet, die Tiere für die Gewinnung von Pelz und Leder erleiden müssen. Aber auch über die unwürdigen Umstände, unter denen Menschen für die Lederproduktion schuften: Arbeiter, die in Gerbereien Bangladeschs durch schäumende, graubraune Giftbrühe waten, ihre Haut gezeichnet vom ständigen Kontakt mit den ätzenden und reizenden Substanzen. Um ihr Überleben zu sichern, stehen ganze Familien Tag für Tag im chemikalienverseuchten Gerbesud. Die giftige Suppe aus Schwermetallen, Bioziden und anderen toxischen Sub stanzen landet schließlich ungefiltert in Flüssen und Seen. Diese Entwicklung hat dafür gesorgt, dass auch in der Modeindustrie inzwischen einige Anbieter gezielt den Vegan-Joker ausspielen. Der kanadische Hersteller Matt & Nat etwa wirbt mit der Aussage „No animals were hurt making this bag.“ – „Keine Tiere wurden für die Herstellung dieser Tasche verletzt.“ Immer mehr Kundinnen greifen aus ethischen Gründen ganz bewusst zur Kunstlederhandtasche – in der Hoffnung, damit den grausamen Produktionsbedingungen entgegenzuwirken und letztlich auch aus Selbstschutz ein weniger mit Chemikalien durchtränktes Produkt zu kaufen. Eine Zielgruppe mit Zukunft für die Taschenfabrikanten. Optisch und haptisch setzen die Imitathersteller dennoch voll auf den Lederlook. Shopper, Umhängetaschen und Clutches aus Kunstleder sehen denen aus Tierhaut oft zum Verwechseln ähnlich, fühlen sich geschmeidig an und sind einwandfrei verarbeitet. Die suggerierte Wertigkeit kommt an: Die optische Ähnlichkeit sei mit ein Grund, warum immer mehr Kundinnen Lederimitat akzeptierten, heißt es in der Taschenstudie 2015 des Fachmagazins Textilwirtschaft.


Optisch lassen sich Leder und Kunstleder kaum noch unterscheiden


Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen modische, freche Marken wie Fritzi aus Preußen oder Suri Frey, die mit ihren Designs vor allem eine jüngere Zielgruppe ansprechen sollen. Kunstledertaschen sind zudem mit einem durchschnittlichen Preis von rund 80 Euro deutlich günstiger zu haben. Für ein vergleichbares Echtledermodell muss die Kundin im Schnitt mehr als das Doppelte hinblättern, die obere Spitze des Preissegmentes kratzt an der 700-Euro-Marke.

Doch so täuschend echt es auch aussieht: Lederimitat besteht in der Regel aus Polyester, überzogen mit einer Beschichtung aus Polyurethan – also aus Kunststoffen auf Erdölbasis, bei deren Verarbeitung ebenfalls eine Vielzahl problematischer Sub stanzen eingeschleppt werden können. Um zu erfahren, wie es um die Materialien der Kunstledertaschen bestellt ist, haben wir eine Auswahl von insgesamt 15 Exemplaren beliebter Marken in die Labore geschickt.

Zu viele Handtaschen? Gibt’s nicht! Aus ethischen und finanziellen Gründen entscheiden sich immer mehr Kundinnen für Lederimitatmodelle.


Foto: jackf/Shutterstock

Das Testergebnis

Ernüchternd! Wer glaubte, mit der Kunstlederhandtasche eine gute Alternative zu Leder gefunden zu haben, wird bitter enttäuscht: Neun Modelle, also mehr als die Hälfte der getesteten Taschen, fallen mit „ungenügend“ durch. Drei weitere schneiden mit „mangelhaft“ nur geringfügig besser ab. Lediglich zwei Exemplare schaffen es auf „befriedigend“, eines auf „ausreichend“.
Mit Sack und PAK. Ausnahmslos in jeder der Handtaschen wies das von uns beauftragte Labor mindestens erhöhte Gehalte polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK) nach. In der H&M Handtasche, helles taupe, der Suri Romy, altrosa und in der Tamaris Romina, rot sind sie sogar so stark erhöht, dass wir sie besonders rigoros abwerten. PAK sind eine Gruppe von Substanzen, die bei Verbrennungsprozessen entstehen können. Einige Vertreter sind als krebserregend, andere als krebsverdächtig eingestuft. Belastete Produkte erkennt man häufig an ihrem eindringlichen Geruch.
Auch Zinn ist drin. Spuren zinnorganischer Verbindungen wurden ebenfalls in allen Taschen nachgewiesen. Die Anna Field Handtasche, schwarz weist allerdings die mit großem Abstand höchsten Konzentrationen auf, darunter auch das bedenkliche Dioktylzinn. Es gehört zu den Vertretern, die als sehr giftig gelten und in der Umwelt meist nur schwer abbaubar sind. Bereits sehr kleine Mengen genügen, um das Immun- und Hormonsystem von Tieren und vermutlich auch des Menschen zu beeinträchtigen.
Heavy Metal. In den vier Handtaschen von L.Credi, Gerry Weber, Guess und Tom Tailor hat das Labor so hohe Chromwerte gemessen, dass wir skeptisch wurden: Handelt es sich hier möglicherweise gar nicht um Kunstleder, sondern um mit Chrom VI belastetes echtes Leder? Deshalb ließen wir die Exemplare noch einmal genau darauf prüfen und können Entwarnung geben: Die besonders giftige Chromverbindung wurde im Nachtest nicht gefunden. Trotzdem werten wir den hohen Gesamtchromgehalt ab – ebenso wie aus unserer Sicht problematische Mengen Blei und Cadmium sowie des löslichen Halbmetalls Antimon. Antimon kann die Haut reizen. Die giftigen Schwermetalle Blei und Cadmium haben in Handtaschen nichts zu suchen und werden spätestens im Moment der Entsorgung der Tasche zum Umweltproblem.

Für Allergiker nicht geeignet: Ein Ausflug mit den Taschen der Marken H&M, Suri Frey, Tamaris und Tom Tailor kann für empfindliche Personen nicht nur langfristig, sondern auch ganz akut zu einem Gesundheitsproblem werden: Aus Metallteilen wie Ösen oder Druckknöpfen, die an diesen Taschen angebracht sind, hat sich in der Laborprüfung Nickel gelöst. Nickel ist eines der häufigsten Kontaktallergene und kann bei sensibilisierten Menschen heftige Immunreaktionen auslösen. Einige der nachgewiesenen Nickelgehalte überschreiten um ein Vielfaches den in der Bedarfsgegenständeverordnung angegebenen Grenzwert für Teile mit unmittelbarem oder längerem Hautkontakt. Da die nickelhaltigen Teile der betroffenen Handtaschen aber bei vorhersehbarem Gebrauch nur kurz und sporadisch mit der Haut in Kontakt kommen, werten wir sie nur um zwei Noten ab.
Natürlich? Nicht! Wer die Umweltverschmutzung durch Gerbeabwässer der Lederproduktion kritisiert, kann sich auch bei Kunstlederhandtaschen nicht entspannt zurücklehnen. In neun von 15 Taschen stecken PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen. Sie bilden in der Müllverbrennung gesundheitsschädliche Dioxine und belasten die Umwelt bei Herstellung und Entsorgung. Auch sonst können Verbraucher bei Produkten auf Erdölbasis nicht auf eine umweltfreundliche Herstellung hoffen.

So reagierten die Hersteller

■ Mehrere Hersteller – unter anderemzLables , Hersteller der Zalando-Marke Anna Field,H&M undTamaris – berufen sich darauf, dass sie die gesetzlichen Grenzwerte einhalten. Das ist zwar richtig, doch ÖKO-TEST bewertet bedenkliche Substanzen aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes oft deutlich strenger als der Gesetzgeber.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen :1) Weiterer Mangel: Optische Aufheller im Etikett oder in innen liegenden Teilen ohne direkten Hautkontakt.2) Eingeschränkte Reibechtheit im Hauptmaterial.3) Eingeschränkte Reibechtheit im Futter.4) Laut Herstellerangaben wird PVC bis 2017 durch alternative Materialien ersetzt.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoff e führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) ein stark erhöhter Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoff en (PAK) von in der Summe mehr als 1.000 μg/kg, wobei jede Einzelverbindung einen Gehalt von mehr als 100 μg/kg aufweist; b) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 μg/kg der zinnorganischen Verbindung Dioktylzinn. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 μg/kg einer oder mehrerer PAK-Einzelverbindungen, wenn diese sich nicht auf mehr als 1.000 μg/kg summieren; b) eine Nickelabgabe aus Metallteilen von mehr als 0,5 μg/cm²/Woche; c) mehr als 30 mg/kg Formaldehyd; d) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 μg/kg zinnorganischer Verbindungen (hier Monooktylzinn), falls nicht schon höhere Werte zur Abwertung geführt haben. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein bis zwei problematische Schwermetalle (hier: mehr als 90 mg/kg Blei; mehr als 100 mg/kg Chrom; 5 bis 50 mg/kg Cadmium); b) mehr als 1 mg/kg Antimon im Eluat; c) mehr als 1.000 mg/kg Ersatzweichmacher (hier: Diethylhexylterephthalat); d) mehr als 10 mg/kg phosphororganische Verbindungen (hier: Triphenylphosphat, TCPP, TDCPP); e) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Produkt. Unter dem Testergebnis Materialprüfung führt zur Abwertung um eine Note: eine Reibechtheit bei trockenen Textilien schlechter als Note 4 auf der Skala: Note 5 = beste Note bis Note 1 = schlechteste Note und/oder eine Reibechtheit bei nassen Textilien schlechter als Note 3 auf der Skala: Note 5 = beste Note bis Note 1 = schlechteste Note. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: optische Aufheller im Etikett oder in innen liegenden Teilen ohne Hautkontakt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoff e und dem Testergebnis Materialprüfung. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoff e um eine Note.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1604“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Dezember 2015.

ÖKO-TEST rät

• Echtes Leder ist häufig stark mit Schadstoffen belastet – ein Verzicht ist daher sinnvoll. Kunstlederhandtaschen sind allerdings keine Alternative. Unser Test zeigt: Auch sie stecken meist voller schädlicher Substanzen.

• Stofftaschen gibt es in modernen und ausgefallenen Designs. Die kann man vor dem Tragen zumindest in die Waschmaschine stecken und damit mögliche Problemstoffe etwas reduzieren.

• Beutel oder Körbe aus Naturfasern wie Hanf, Bast, Leinen oder Jute sind ebenfalls eine Möglichkeit, Schadstoffe zu vermeiden – mit dem Stylefaktor einer modischen Handtasche können sie allerdings nur bedingt mithalten.

Kompakt

Leder vs. Lederimitat
An Bekleidung müssen bereits kleinste Mengen Leder, Pelz, Wolle oder Horn laut Textilkennzeichnungsverordnung mit dem Satz „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ kenntlich gemacht werden. Taschen fallen allerdings nicht unter diese Kennzeichnungspflicht. Der Laie kann echtes Leder oft nicht auf den ersten Blick von einem gut gemachten Imitat unterscheiden. Wünschenswert wäre, dass auch Taschen künftig unter die Kennzeichnungspflicht fallen und die Hersteller so per Gesetz zu mehr Transparenz verpflichtet werden. Wollen Verbraucher aber schon jetzt im Laden auf Nummer sicher gehen, können sie einige Punkte beachten:
1. Suchen Sie nach einemEtikett im Inneren der Tasche , auf dem die Materialien angegeben sind. Steht dort zum Beispiel Polyester, Polyvinyl oder Polyurethan, lässt das auf Lederimitat schließen.
2. Schnittkanten anfassen: Bei echtem Leder sind diese etwas rau und fransig, bei Kunstleder sind sie in der Regel glatt und fest.
3. Dass man Leder sofortmit der Nase erkennen kann, stimmt nicht ganz. Lange gelagertes Leder verliert seinen charakteristischen Geruch. Als Indiz kann ein fehlender Ledergeruch deshalb zwar dienen, nicht aber als eindeutiger Beweis, dass es sich um Kunstleder handelt.
4. Rückseite betrachten: Besteht die untere Schicht aus einem Kunststoffgewebe, hat man es mit Imitat zu tun. Ist es eine zusammenhängende, feste und weiche Haut, handelt es sich um Leder. Bei Taschen ist der Blick auf die Rückseite allerdings meist durch das fest vernähte Innenfutter versperrt.
5. Ein weiteres Indiz kanndie Haptik sein: Echtes Leder ist meist etwas weicher und fühlt sich wärmer an, wohingegen Kunstleder steifer und kühler ist. Um wirklich sicher zu gehen, reicht dieser Anfasstest alleine aber nicht aus.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Kleidung, Schuhe und Accessoires bestellen viele Kunden inzwischen im Internet. Deshalb haben auch wir einige Modelle in den bekannten Onlineshops bestellt. Andere Taschen haben wir im Laden um die Ecke gekauft. Die Auswahlkriterien beim Material waren dabei eindeutig: Kunststofftaschen sollten es sein, die in Lederoptik daherkommen. Die Preise reichten von 39,90 bis zu stolzen 129,95 Euro.

Die Inhaltsstoffe

Getestet wurde auf viele Substanzen, die häufig in Kunststoffprodukten zu finden sind und die gesundheitlich und ökologisch äußerst bedenklich sind. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), zinnorganische und phosphororganische Verbindungen, Formaldehyd, Schwermetalle und Weichmacher – das alles und noch viele weitere Parameter mehr standen auf der Prüfliste der von uns beauftragten Labore.

Die Materialprüfung

Platzregen, heiße Sommertage oder den Zusammenstoß mit einer schroffen Hauswand: Handtaschen müssen im Alltag einigen Belastungen standhalten. Die Freude wird jedoch schnell getrübt, wenn das Material sich bereits nach kurzer Zeit in Wohlgefallen auflöst oder auf die Kleidung und den Tascheninhalt abfärbt. Deshalb wurden die Taschen auch auf ihre Schweiß- und Reibechtheit hin untersucht.

Die Bewertung

In diesem Test gab es einiges zu rechnen, denn bei einem Großteil der Kunstledertaschen summieren sich ziemlich viele Minuspunkte. Am strengsten werten wir stark erhöhte Mengen an PAK und zinnorganischen Verbindungen ab. Aber auch Metallteile, die allergisierendes Nickel abgeben, und Materialien, die krebserregendes Formaldehyd oder hohe Konzentrationen an Weichmachern enthalten, sehen wir kritisch. Bei all den verschiedenen Schadstoffen ist es fast ärgerlich, dass die Notenskala nur bis zur Sechs reicht. Einige dieser „Drecksäcke“ hätten durchaus eine schlechtere Bewertung verdient.

Allergisierend: Für empfindliche Menschen kann der Kontakt mit nickelhaltigen Metallteilen unangenehm werden.


Foto: ÖKO-TEST


Foto: HomeArt/Shutterstock