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TEST | HARDWARE-SYNTHESIZER: SEQUENTIAL: PROPHET XL


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Keys - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 31.01.2019

Mit dem Prophet X schuf Dave Smith 2018 einen Synthesizer, der Samples mit virtuell-analogen Oszillatoren und analoger Nachbearbeitung verbindet und all das über eine intuitive Bedienoberfläche steuerbar machte. Mit ihrem unerhört umfassenden Sample-Fundus spricht diese Klang erzeugung natürlich auch geschulte Tastenspieler an, weshalb das Instrument nun auch mit gewichteter 76-Tasten-Klaviatur verfügbar ist.


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Der Test zum Prophet XL könnte an dieser Stelle schnell abgehakt werden. Es handelt sich um den gleichen Synthesizer, den wir in Ausgabe 10/18 der KEYS testeten. Der einzige ...

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... Unterschied: Das Modell XL verfügt über eine erweiterte Klaviatur mit 76 Tasten. Dabei handelt es sich um ein Premiumprodukt aus dem Hause Fatar mit gewichteten Tasten, das pianistisches Spielgefühl aufkommen lässt und eine verbesserte Dynamikumsetzung gestattet. Hiermit spricht Sequential vor allem Musiker an, die die hochwertige SampleBibliothek direkt mit einer gewichteten Klaviatur spielen möchten, was sowohl live als auch im Studio ein echtes Entscheidungskriterium für entsprechend geschulte Musiker sein kann. Gleichzeitig agiert die Klaviatur schnell genug und ist zweifellos auch für das Spiel von zackigen Synthesizer-Linien oder Percussions fähig. Qualitativ würde ich das Produkt auf einer Höhe mit höherwertigen Controllern und Instrumenten mit 88 Tasten einordnen, jedoch unterhalb der Holzklaviaturen der Hersteller Kawai und Yamaha.

Klangerzeugung

Der duotimbrale Prophet X/XL lässt sich je nach Betriebsart acht- bis 32-stimmig spielen. Bei der Klangerzeugung setzt er auf eine Kombination aus je zwei sample-basierten und virtuell-analogen Oszillatoren, die um eine stereophone analoge Filter- und Verstärkersektion sowie eine mehrstufige Effektsektion komplettiert werden. Zwei Dinge sind dabei bemerkenswert: Die Sample-Engine bietet mit 150 GB Sample-Material aus dem Hause 8DIO einen Fundus an Klängen, mit denen konventionelle ROM-basierte Hardware-Synthesizer kaum mithalten können. Dazu lassen sich Multi-Samples optional zukaufen und inzwischen sogar eigene Samples in das Gerät laden – hierfür sind weitere 50 GB Kapazitäten reserviert.
Die zweite Besonderheit ist die Bedienoberfläche, die mit unzähligen Reglern und Tastern unmittelbaren Zugriff auf die meisten Parameter der Klangerzeugung, die Modulatoren und die Effekte bietet. Tatsächlich war ein sample-basierter Klangerzeuger noch nie so intuitiv manipulierbar! Die Sample-Oszillatoren nutzen je ein stereophones Multi-Sample aus dem kategorisierten Fundus der internen SSD-Festplatte. Der Wechsel erfolgt dabei quasi ohne Wartezeit. Die ergänzenden virtuellanalogen, im Panorama verteilbaren Oszillatoren bieten die Standardwellenformen mit variabler Symmetrie und möglicher Synchronisation. Auch ein gestackter Sägezahn für breite Klänge fehlt nicht. Klangfülle bietet insbesondere die achtstimmige Betriebsart, in der das Instrument mit Stereofiltern und VCAs arbeitet, an die sich eine doppelte digitale Effektsektion mit einer Auswahl von Delays, ModulationsEffekten, Distortion, Hochpassfilter, Ring-Modulator sowie Feder- und Plattenhall anschließt. Der duotimbrale Prophet X/XL ermöglicht zwei unabhängige Klänge (Layer), die sich schichten, splitten oder einzeln über MIDI adressieren lassen. Aus dem Gerät gelangt man über zwei Stereoausgänge und einen Kopfhörerausgang. Die MIDI-Steuerung erfolgt über die obligatorischen DIN-Buchsen oder USB-MIDI. Modulationen sind über je vier loopbare DADSR-Hüllkurven sowie ebensoviele temposynchronisierbare und in der Phasenlage verschiebbare LFOs möglich. An Spielhilfen sind Pitch- und Modulationsrad, zwei Touchslider und Pedaleingänge vorhanden, dazu eine umfassende MIDI-Implementation. Neben festen Zuweisungen können pro Layer 16 Modulationsverknüpfungen über eine umfassende Matrix mit variabler Intensität erfolgen. Schließlich bieten die Instrumente pro Part auch extern synchronisierbare Arpeggiatoren und geradlinige, (polyphone) Step-Sequencer.

Erstkontakt

Sequential hat ganz bewusst ein betont geradliniges Instrument konzipiert. Zwar legt der schwarze, gleichermaßen edle und robuste Prophet XL äußerlich mehr Fokus auf die längere Klaviatur – er ist dennoch weiterhin klar als Synthesizer erkennbar. Nach kurzer Boot-Zeit lässt sich durch 512 Presets schalten, die nicht nur ein immenses Klangspektrum abdecken, sondern auch immer wieder mächtig beeindrucken. Analoge, hybride, und cineasitsche Sounds reihen sich neben erstklassige Keyboard-, Akustik-, Orchester -und Drumsounds.
Die Bedienoberfläche mit 56 Reglern, 50 Tastern und drei Displays animiert unmittelbar, in den Klang einzutauchen, Klangvariationen zu schaffen oder den Sound völlig auf den Kopf zu stellen. Man mag es dem Gerät verzeihen, dass dennoch nicht jeder Parameter direkt erreichbar ist. LFOs, Hüllkurven 3 und 4 oder die Sample-Instrumente teilen sich umschaltbare Bedienelemente, ebenso wie die Layer-Umschaltung. Die Modulationsmatrix wird über eine Kombination aus Bedienelementen und Display konfiguriert und einige weitere Parameter sind sogar nur per Display und die zugehörigen vier Raster-Encoder zu erreichen. In der Praxis ist das kaum eine Beinträchtigung, denn der Prophet X/XL ist wirklich direkt bedienbar und somit unmittelbar inspirierend. Gleichwohl ist inzwischen auch der optionale Sound-Editor von Sound Tower verfügbar (www.soundtower.com ). Für die Editierung wird man eine entsprechende Software zwar kaum brauchen, durchaus aber bei der Datenverwaltung und bei Umbenennungen. Hinzu kommt die Möglichkeit, den Editor als Plug-in (VST/AU) zu betreiben und die gewünschten Sounds damit direkt mit dem DAW-Projekt abzulegen.

Die Samples

Mit 150 GB Sample-Daten macht der Prophet X/XL selbst Software-Instrumenten Konkurrenz. Längst hat die Kategorie der Software-Sampler ihren Hardware-Ahnen den Rang abgelaufen. Und während man für Kontakt und Co. heute nahezu jedes akustische Instrument oder gar Geräusche liebevoll und aufwendig aufbereitet findet, erscheinen besagte Hardware-Instrumente nur noch punktuell interessant: Einseits sind sample-basierte Instrumente im Live-Betrieb weit verbreitet.
Das dafür erforderliche Klangspektrum, auch in Form von Brot-und-Butter-Klängen, liefert der Prophet X/XL mit Leichtigkeit. Ziemlich entgegengesetzte Ansprüche haben Klangbastler, die Hardware-Sampler aufgrund ihres Eigenklanges schätzen. Mit analogen Filtern und üppigen Modulationen adressiert der Prophet X/XL auch diese Nutzergruppe punktgenau, dazu mit ungekannt komfortablem Bedienkomfort. Trotz immenser Datenmenge legt sich der Prophet X/XL dennoch nicht wirklich mit den besten Software-Libraries an. Mit 16-Bit/48-KHz-Stereo-Samples lassen Sequential und 8Dio die audiophile Kirche im Dorf und setzen stattdessen auf größere Vielfalt bei den Multi-Samples, dazu mit erhöhtem Fokus auf elektronische Klänge. Auch den Aufwand spezialisierter Libraries mit multiplen umschaltbaren Artikulationen betreibt der Prophet X/XL nicht. Über die Klangqualität braucht man sich dennoch keine Sorgen zu machen – es klingt schlicht grandios. Auch an Druck mangelt es nicht. Dieser lässt sich zudem durch das Layer-Konzept und einen regelbaren Unisonobetrieb nochmals deutlich intensivieren.


>>Das Klangspektrum deckt nahezu jeden Bereich ab – vom Flügel über Soundscapes bis hin zu von Grund auf neu zu erschaffenden Klängen.<<


Neuerungen

Im Laufe der letzten Monate hat man dem Prophet X/XL einige Neuerungen in Form von Firmware-Updates spendiert. Grundsätzlich ist das Instrument mit achtfacher Polyphonie voll stereophon spielbar. Alternativ gibt es einen Modus, in dem 16 monophone gefilterte Stimmen bereitstehen. Sofern man das Tiefpass-Filter in der Sample-Sektion überbrückt, lässt sich diese inzwischen sogar auch mit 16-facher Polyphonie spielen. Das Nutzen der Split- und Stack-Funktion halbiert dabei stets die Polyphonie. Neu ist nunmehr die Möglichkeit, das Instrument sogar mit bis zu 32 Monostimmen spielen können. Hierbei kann nur ein Oszillator zum Einsatz kommen und die Stimmen werden durch ein einziges gemeinsames Stereo-Filter geschickt (zwei im Split/ Stack-Modus). Abgesehen davon ist der Prophet X/XL natürlich auch monophon mit Glide-Funktion spielbar. In der Klangerzeugung lassen sich inzwischen alternierende Loops im Sample-Bereich nutzen und neue Modulationsziele adressieren (Hack, Decimation, Instrument Delay). In der Effektsektion darf man sich über einen ansprechend klingenden Ring-Modulator freuen.

Eigene Multi-Samples lassen sich per Mapping Utility am Rechner erstellen.


Verbesserungen im Arpeggiator- und Sequenzer-Bereich bringen eine Quantisierung auf die aktuelle Clock, die Nutzbarkeit eines Sustain-Pedals als Haltefunktion für den Arpeggiator sowie eine MIDI-Notenausgabe für Arpeggiator und Sequencer. Derweil lassen sich Sequenzen auch zwischen den Layern kopieren und tauschen. Weitere Neuerungen erlauben den Aufruf unterschiedlicher Temperierungen, das Speichern individueller Dynamik- und Aftertouchkurven pro Programm und Verbesserungen im Speicherbereich.
Die wohl wichtigste Neuerung ist die Unterstützung eigener Samples. Hierfür kommt das Win/Mac-kompatible Mapping Utility von 8Dio zum Einsatz, das mir in einer Betaversion vorlag. Es muss, obwohl kostenfrei, etwas umständlich über ein Nutzerkonto auf den Rechner gebracht werden. Die Software dient dem Mapping von Samples, die man anschließend über USB auf den Prophet X/XL überträgt. Ein direkter Sample-Import von einem USB-Speichermedium oder durch Verbindung von Rechner und Synthesizer ist hingegen nicht vorgesehen. 128 Samples lassen sich in einem Multi-Sample mit einer Größe von bis zu 1,5 GB unterbringen und dann in den User-Bereich importieren.
Unterstützt werden leider ausschließlich Mono- und Stereo-Samples im WAVFormat mit einer Auflösung von 16 Bit und 48 kHz. Der Mapping-Vorgang selbst ist geradlinig und erlaubt ein grafisches Platzieren der Samples per Drag & Drop sowie eine (bei Bedarf automatische) Justierung der zugehörigen Tastaturbereiche. Die Bezugsnote lässt sich ebenso einstellen wie die Namensgebung. Ein echtes Versäumnis ist jedoch das Fehlen von Dynamikstufen. Auf Nachfrage teilte Sequential jedoch mit, dass die Betaversion als Startpunkt zu betrachten ist und funktionale Verbesserungen durchaus geplant sind.

Klang

Im Fokus des Prophet X/XL steht die Sample-Sektion, deren zwei Oszillatoren direkten und quasi verzögerungsfreien Zugriff auf eine Unmenge an Multi-Samples bieten. Die Werksbibliothek unterteilt sich in 17 Kategorien mit bis zu 99 Einträgen. Hier finden sich die typischen Tasteninstrumente, klassische und akustische Klänge sowie Drums in großer Auswahl. Zwar kann man die Multi-Samples puristisch am Filter vorbeiführen, der eigentliche Fokus von Sequential und 8Dio ist aber die klare Platzierung als Synthesizer. Folglich birgt der Sample-Pool elektronische, synthetische Sounds und KlangEffekte in Hülle und Fülle. Das Klangspektrum deckt damit nahezu jeden Bereich ab, ganz gleich, ob man Flügel oder Orchesterinstrumente spielen möchte, ethnische Klänge, Soundscapes oder Effekte benötigt oder mit den ebenfalls vorhandenen 97 Wellenformen des Prophet VS Rauschvarianten oder Attack-Samples Klänge von Grund auf neu erschaffen möchte. Ein wesentlicher Unterschied zu alten Hardware-Samplern ist dabei der geradlinige Zugriff auf das Sample: Ganz ohne Wellenformdarstellung regelt man Samples spielerisch in der Tonhöhe, in Start- und Endpunkt, loopt sie oder spielt sie rückwärts ab. Auf Knopfdruck lässt sich zudem jedes Einzel-Sample auf die ganze Klaviatur legen, inklusive hoffentlich erwünschte TransponierungsEffekte. Trotz überschaubarer Parameteranzahl ergibt sich hieraus jede Menge Kreativpotenzial. So gelangt man durch die unterschiedlichen Loop-Modi und die Möglichkeit zu wirklich kleinen Loops zu Klängen abseits konventioneller Samples. Das gesamte Konzept ist auf schnelle, sinnvolle Ergebnisse ausgelegt. Die komplexe Tiefe früherer Sampler von Akai oder E-mu System möchte der Prophet X/XL also gar nicht erreichen. Pro Layer gibt es zwei Multi-Samples, Modulationen und eine analoge Nachbearbeitung. Wer sich also in Detaileinstellungen der Samples und Filterungen pro Taste austoben möchte, liegt hier falsch. Im Vergleich dazu erscheinen die virtuell-analogen Oszillatoren konventionell. Gleichwohl sind sie vielseitig und gut klingend. Zwar fehlt ihnen die Fülle hochwertiger analoger VCOs, etwa von Moog oder Macbeth, dafür gibt es viele Modulationsoptionen, Supersaw, variable Symmetrie und Panning. In Kombination mit der folgenden analogen Nachbearbeitung sind diese Oszillatoren zu vielfältigen subtraktiven Klängen fähig und stellen gleichzeitig der Sample-Engine synthetische Klangfarben zur Seite. Entsprechende geschichtete oder zeitlich verwobene Hybridklänge sind also im Nu erschaffen. Und noch bevor sich die analoge Klangformung anschließt, lässt sich die Mischung aller vier Oszillatoren mit einem modulierbaren Bitcrusher auf digitaler Ebene verzerren beziehungsweise zerstören.

Nachbearbeitung

Ein großes Kompliment gibt es für das Analog-Filter. Die Wahl fiel auf die Neuauflage des von Dave Rossum entworfenen SSM2044 (SSI2144), der hier pro Stimme im Doppelpack vorhanden ist. Es handelt sich um einen reinen Tiefpass mit fester Flankensteilheit von 24 dB/Oktave. Das Filter packt kräftig zu und verfügt über eine markante gläserne Resonanz, die anders als bei Moog tiefer in den Grundklang eingebettet ist und sich trotz möglicher Selbstoszillation weniger pfeifend gibt. Insbesondere bei Filter-Sweeps und Flächensounds gehört dieses Filter, das per Drive-Regler zusätzlich angezerrt werden kann, zu meinen Favoriten. Hier lässt es sich über Regler direkt in Abhängigkeit zur Tonhöhe und der dedizierten Hüllkurve mitsamt Anschlagsdynamik bringen. Alternative Betriebsarten sind allerdings nicht vorgesehen. Auch lassen sich Filterfrequenz und Resonanz nicht kanalgetrennt regeln. Immerhin aber lässt sich ein Filter-Offset justieren und die Einsatzfrequenz jedes Filters über die Modulationsmatrix adressieren. Ergänzend birgt die Effektsektion ein digitales resonanzfähiges Hochpass-Filter, das wie die anderen Effekte gut abgestimmt ist und den Prophet X/XL nochmals aufwertet. Nicht analog, aber dennoch Effektiv sind die Modulationsmöglichkeiten. Hier gibt es Möglichkeiten, die nahe an einem Modularsystem sind. Neben loopbaren Hüllkurven sind vor allem die LFOs durch Maximalgeschwindigkeiten im Audiobereich in der Lage, Klang nicht nur zu animieren, sondern auch zu verfremden. Mehr noch gilt das für die Oszillatoren, die sich ebenfalls als Modulationsquellen heranziehen lassen. Durch Frequenz- und Amplitudenmodulation ergeben sich harsche und eigenartig verzerrte Klänge, die Sounddesigner laut in die Hände klatschen lassen. Wünschen würde ich mir allerdings noch eine lineare FM-Charakteristik, wie sie beispielsweise im nunmehr abgekündigten Prophet 12 möglich ist.


>>Tatsächlich war ein sample-basierter Klangerzeuger noch nie so intuitiv manipulierbar.<<


Eins plus eins ist drei

Für mich bieten Hybrid-Synthesizer, die Samples und eine subtraktive Klangformung kombinieren, einen speziellen Charme, der einst bei PPG und Rolands D-50 seinen Anfang nahm und im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt wurde. Leider wird diese Konstruktion gern als Rompler verpönt, während ich den Sample-Pool eher als erweiterte Wellenformaustattung betrachte. Im Prophet X/ XL trifft das insbesondere zu, denn neben seiner geradlinigen Sample-Auswahl bietet er eben auch virtuell-analoge Oszillatoren, umfassende Modulationen und ein real-analoges Backend. Dazu lässt sich das Instrument tatsächlich so komfortabel wie ein klassischer analoger Synthesizer bedienen. So ergeben sich im Nu statische, dynamische und miteinander interagierende Klangkombinationen, die stimmig miteinander verschmelzen und Klangfarben hervorbringen, zu denen ein analoger Klassiker nie fähig wäre. Dabei lässt sich die Klangkomplexität per Layering sogar nochmals steigern.

Mehr Klangfutter

Inzwischen sind die ersten beiden Add-on-Pakete von 8Dio verfügbar. The Last Prophet nutzt Samples des letzten jemals produzierten Prophet 5 (Revision 1.3, Seriennummer: 6427). Mit einem Datenumfang von 1,7 GB und etwa 3800 Samples wurden hier die 135 Presets des Geräts sowie etliche von dessen rohen Wellenformen verewigt und um einige neue Programme erweitert. So erhält man so einen Rückblick auf einen Klassiker und kann dessen Sounds weiter in die Mangel nehmen. Persönlich hätte ich mir dabei noch eine deutlich größere Auswahl an gefilterten Wellenformen gewünscht, denn auf das damals eingesetzte Curtis-Tiefpass-Filter muss man naturgemäß verzichten. Persönlich gebe ich zwar dem SSI2144 den Vorzug, das jedoch eben auch anders klingt.
Das zweite Add-on widmet sich mit knapp drei GB und 3670 Samples dem mit Tonabnehmern bestückten elektrischen Yamaha-Flügel CP70 von 1975, der im Mono-DI-Format und stereophon verstärkt vorliegt. Hier wurden die sechs Werksprogramme und ergänzende Hybridsounds mit dem Prophet X/XL erstellt. Diese Library wendet sich insbesondere an Musiker, die ein Sample-Abbild dieses Klassikers suchen, das aufgrund von separaten Sustain- und Short-Samples, Pedalvarianten sowie Round-Robin-Technik ein authentisches Klangerlebnis liefert.

Konkurrenz

Prophet X und XL stehen mit ihrem Konzept relativ allein am Markt da. Sie sind klar als Synthesizer konzipiert, bieten aber eine Sample-Ausstattung, die selbst spezialisierte ROM-basierte Spezialisten partiell in den Schatten stellt, gleichzeitig aber auch andere Klangschwerpunkte legt. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die schnelle, Effektive Klangveränderung – da hält kein Rompler und auch kein Plug-in mit. Abstriche nimmt Sequential gegenüber modernen samplebasierten Synthesizern in Sachen Multitimbralität und Polyphonie in Kauf. Auch eine 88er-Klaviatur gibt es nicht, wobei die 76-Klaviatur im Prophet XL Pianisten nunmehr klar ansprechen dürfte. Im Hinblick auf andere Synthesizer grenzt sich der Prophet X/XL vor allem durch sein Klangspektrum und den Eigenklang der analogen Sektion ab. Weder der hybride Waldorf Quantum noch die digitalen Alleskönner Korg Kronos und Yamaha Montage klingen identisch. Gleiches gilt erst recht für rein analoge Boliden wie den Modal 008 oder den in den Startlöchern stehenden Moog One. Die Frage, ob man sich für den Prophet X oder die XL-Version entscheidet, hängt hingegen allein am Geldbeutel und der abweichenden Klaviatur.

Rückseitige Anschlüsse: USB (Sample Import), USB, MIDI-in/out/thru, Sequencer, Sustain, Volume, Pedal CV, B Output, Main Output und Kopfhörer.


FAZIT

Das weitgehend einzigartige Konzept der Klangerzeugung von Prophet X/XL überzeugt auf mehreren Ebenen. Hier finden sich zahllose erstklassige Multi-Samples, ergänzende virtuell-analoge Oszillatoren, hervorragende Analogfilter, üppige Modulationen und eine intuitive, üppig mit Reglern und Tastern gespickte Bedienoberfläche, die zum Basteln eigener Klänge einlädt. In der XL-Version wird Sequential nunmehr auch den Ansprüchen pianistisch geschulter Keyboarder mit einer gewichteten Klaviatur bestens gerecht und rechtfertigt damit einen Aufpreis von knapp 500 Euro. Gleichzeitig wachsen beide Modelle funktional weiter. Hervorzuheben ist dabei der nun mögliche Import eigener Samples, der auch Sounddesignern dauerhaften Klangnachschub ermöglicht.
Unterm Strich erhält man ein üppig ausgestattetes Gesamtpaket mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Gleichwohl liegt der absolute Preis in einer Region, bei der man auch das AnwenderProfil betrachten muss. Die massive Sample-Bibliothek von 8Dio macht zurecht einen Teil des Kaufpreises aus. Wer sich schlicht die ziemlich einzigartige Kombination aus Sample-Engine und analoger Klangnachbearbeitung und -bedienung wünscht, muss diese wohl oder übel mitbezahlen, auch wenn man vielleicht lediglich eigene Samples nutzen wollte.

SEQUENTIAL PROPHET XL

VERTRIEB/INTERNETwww.sequential.com

PREIS (UVP) Prophet XL4849 USD

Prophet X4399 USD

8Dio Add-on 1: The Last Prophet88 USD

8Dio Add-on 2: CP70 Electric

Grand Piano48 USD

SYSTEM
(8 Dio Mapping Utility) Win, Mac-OS

+ riesige Auswahl hochwertiger Multi-Samples, direkt umschaltbar
+ überzeugende Analogfilter, üppige Modulationsmöglichkeiten
+ intuitive Bedienoberfläche
+ gewichtete Klaviatur mit 76 Tasten
– bisher kein Import von dynamisch gestaffelten Multi-Samples