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TEST Haus- und Wohnungsschutzbriefe: Unnötiger Schnickschnack


ÖKO-TEST Spezial Geld & Versicherungen - epaper ⋅ Ausgabe 11/2016 vom 03.11.2016

Mit Schutz vor Pech und Pannen rund ums Haus ködern immer mehr Assekuranzen ihre Kunden. Die spöttisch Ungezieferschutzbrief genannte Versicherung ist zwar nicht teuer, hat aber Haken und Ösen. ÖKO-TEST hat sich den Markt genau angesehen.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Geld & Versicherungen, Ausgabe 11/2016

Schnelle Hilfe statt großer Sorgen“, verspricht die Gothaer Versicherung durch ihren neuen Soloschutzbrief, der seit 2014 auf dem Markt ist. Doch die abgesicherten Schäden dürften in der Regel eher ärgerlich sein. Existenzielle Sorgen gehen mit dem verstopften Rohr, der zugefallenen Tür oder dem Wespennest auf dem Dachboden wohl kaum einher. Doch die Ansprache der ...

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... Versicherer kommt an. So hat die Kölner DEVK seit 2009 den Notfallschutz schon rund 126.000-mal verkauft. Und beim eigentlichen Erfinder des Schutzbriefs für daheim, der Münchener Allianz, ist das Produkt schon seit 2004 einer der am meisten nachgefragten Zusatzbau steine für die Hausrat- und Wohngebäudeversicherung.


Hausschutzbriefe sichern keine ruinösen Schäden ab


„Entsprechend sind sowohl Mieter als auch Eigentümer von Wohnungen und Wohngebäuden unsere Zielgruppe“, heißt es bei der Allianz. Das wundert Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. „Es wird immer wieder versucht, solche Policen auch an Mieter zu verkaufen, doch für die haben sie keinen Sinn.“ Der Grund: Für viele der versicherten Notfälle muss der Vermieter aufkommen. Das gilt beispielsweise, wenn die Heizung, die Wasser- oder Stromversorgung ausfallen oder ein am Haus gebautes Wespennest die Mieter bedroht. Wird der Mangel nicht schleunigst behoben, macht sich der Vermieter sogar schadensersatzpflichtig. Allein, wer sich ausschließt oder Schädlinge in die Wohnung schleppt, muss als Mieter die Kosten des Schlüsseldiensts oder der Beseitigung selbst bezahlen. Doch ein Blick ins Kleingedruckte dürfte sowohl Mieter als auch Vermieter ernüchtern: Versichert ist nur eine provisorische Behebung des Schadens, etwa ein Notschloss.

Bleibt die Bequemlichkeit: Der Versicherte muss sich um nichts kümmern, denn grundsätzlich organisiert und bezahlt beim Hausund Wohnungsschutzbrief die Assekuranz den Handwerkerservice – im Prinzip zumindest. Denn meistens ist die Erstattung auf höchstens 500 Euro je Schadensfall gedeckelt. Wie viel oder wie wenig tatsächlich geleistet wird, hat ÖKO-TEST jetzt untersucht. Insgesamt haben wir 37 Kombiund Solopolicen von 23 verschiedenen Versicherern angeschaut und dabei jeweils 27 Leistungsbereiche geprüft.

Das Testergebnis

Der Markt ist undurchsichtig. Das Leistungsspektrum der Anbieter unterscheidet sich teilweise extrem. Nur wenige Kernleistungen sind bei allen Haus- und Wohnungsschutzbriefen identisch. Fünf Verträge erbringen nicht einmal ein Drittel der abgefragten Leistungen. Mehr als zwei Drittel schafft keine der Policen.
Nicht mehr als 1.500 Euro im Jahr.


Die meisten Tarife deckeln die Erstattung auf insgesamt 1.500 Euro im Jahr und können daher bestenfalls „ausreichend“ (4. Rang) sein. Wenig nutzen viele Einzelleistungen, wenn die Jahreshöchstsummen mit 1.000 Euro noch weiter gedeckelt sind. Nur die Tarife von Rhion erreichen durch Kombination unbegrenzter Jahreshöchstsummen und mittelmäßiger Leistung Rang drei. Für jeden einzelnen Schadensfall liegt die Grenze zumeist bei lediglich 500 Euro. Zwar behauptet der Haftpfl ichtverband der Deutschen Industrie (HDI), dass nur beim Rohrreinigungsservice in einem Fall die Kosten über 300 Euro gelegen hätten. Doch überprüfen können wir diese Angaben nicht. Kein Versicherer war bereit, nähere Angaben zu Schadensfällen und zur Häufi gkeit zu machen. Aller dings sind beispielsweise für Notöffnungen einer Tür laut Bundesverband Metall an Wochenenden 250 Euro nicht unüblich. Auf Basis dieser Angaben sieht der Deutsche Anwaltverein (DAV) die Grenze zum Wucher bei Notöffnungen in der Nacht erst bei 500 Euro überschritten. Für eine thermische Reinigung mit anschließender Rohrspülung veranschlagt das Internetportal www.hausmagazin.com 500 Euro, www.hausjournal. net sogar 600 Euro.

ÖKO-TEST rät

■ Niemand braucht einen Haus- und Wohnungsschutzbrief. Es werden hier keine existenziellen Risiken versichert.
■ Unnötig ist der Schutz auf jeden Fall für Mieter. Die Kosten für einen Notfall muss fast immer der Vermieter tragen.
■ Hauseigentümer, die trotzdem – etwa aus Bequemlichkeit – auf solche Leistungen Wert legen, sollten eine insgesamt leistungsstarke und günstige Wohngebäude-Kombi-Police kaufen.

Bis zu 115 Euro pro Jahr. Soloverträge, die im Test zwischen 34 und 115 Euro pro Jahr kosten, sind auf keinen Fall empfehlenswert. Wenn überhaupt, kommt nur eine Kombination mit einem Hausrat- oder Wohngebäudeversicherungsvertrag infrage, für die Aufschläge zwischen 22 und 55 Euro fällig werden. Eine Police zum Nulltarif gibt es von der Janitos. Sie hat die Service- bzw. Assistanceleistungen in vollem Umfang in die Hausratpolice Best Selection integriert. Die ist jedoch ohnehin ein wenig teurer als der Durchschnitt in unserem Test.

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Die detailierten Testergebnisse fi nden Sie kostenlos unter www.oekotest.de → Suchen → „T1611“ eingeben.

Anmerkungen: 1) Der Beitrag gilt nur für Mieter; für Eigentümer eines selbstgenutzten Einfamilienhauses kostet der Schutz 49,00 Euro pro Jahr. 2) Der Tarif enthält zusätzlich Leistungen für Reisen und Autofahrten. Dazu schreibt das Unternehmen: Wir halten es jedoch für absolut nicht sinnvoll, uns in diesen Test aufzunehmen. Der Tarif MultiAssist ist eine Kombiabsicherung, bei der der Haus- und Wohnungsschutzbrief nur einen kleinen Teil einnimmt. Daher ist ein fairer Vergleich mit reinen Haus- und Wohnungsschutzbriefen unserer Meinung nach nicht möglich. 3) Jahresbeitrag 0,00 Euro, da die Service- bzw. Assistanceleistungen Bestandteil des Hausrattarifs Best Selection sind.
Legende: Tarife mit dem gleichen Rang sind nach Gesamtpunktzahl ohne Hauptvertrag geordnet. Liegt die Höchstentschädigung unter 1.500 Euro im Jahr, kann das Gesamturteil bestenfalls Rang 5 sein, ab 1.500 Euro bestenfalls Rang 4. Produkte mit einer nichtbegrenzten Höchstentschädigung pro Jahr konnten Rang 3 erreichen. Um zwei Ränge abgewertet wurden Tarife, die weniger als ein Viertel, um einen Rang Tarife, die nicht mehr als die Hälfte der möglichen Gesamtpunktzahl von 72 erreichen. Grundlage war die Leistung, die aus der Solo- bzw. Zusatzpolice zur Hausrat- bzw. Wohngebäudeversicherung erbracht wird. Stand: Dezember 2015.
Die Testmethode fi nden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „T1611 “ eingeben. Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofi lme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.


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