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TEST: Hoch die Flaschen!


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ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 15.04.2021

 Test Babyflaschen

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RATGEBER

1

14 „sehr gute“ Produkte: Günstig sind die Kunststoff- und Glasmodelle der Drogeriemarken. Für die teuren Edelstahlflaschen lohnen sich Verschlüsse für später. 

2

Die Flaschen vor dem ersten Gebrauch sterilisieren, Kunststoffflaschen mit klarem Wasser dreimal nachspülen.

  3

Wer bei Mikroplastik auf Nummer sicher gehen will, wählt eine der Flaschen aus Glas oder Edelstahl.

Kunststoff, Glas oder Edelstahl? Eltern haben inzwischen eine echte Wahl, welches Material es für die Babyfläschchen sein soll. Und das Gute: Im Vergleich zu früher haben sich die Flaschen verbessert.

Leichte ...

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... Kunststofffläschchen

Die allermeisten Flaschen bestehen aus Kunststoff. Sie sind schön leicht und bruchfest. Drei im Test bekommen allerdings einen Punktabzug, denn sie müffelten leicht. Und das, obwohl die Laborexperten die Flaschen vor dem Geruchstest ausgekocht hatten. Immerhin gaben sie keinen Geruch an eingefülltes Wasser ab, bestätigten uns die Tester. Somit stört die Kinder kein Plastikgeruch beim Trinken.

Wir haben alle Flaschen umfangreich auf Schadstoffe getestet. Das Ergebnis: keine Lösemittel oder Weichmacher im Material. Auch kein Bisphenol A.

Ohne Bisphenol A

Die Verwendung des hormonell wirksamen Stoffes Bisphenol A ist nicht mehr zur Herstellung von Babyflaschen erlaubt. Nachdem Länder wie Frankreich und Dänemark den Stoff verboten hatten, folgte 2011 EU-weit das Aus. Zunächst für Trinkflaschen für Säuglinge. Seit 2018 umfasst das Verbot alle Trinkgefäße und Flaschen für Säuglinge und Kleinkinder. Bisphenol A ist ein Grundstein für den Kunststoff Polycarbonat, den die Anbieter früher oft für Babyflaschen verwendeten. Das hat sich durch das Verbot und die Debatte um Bisphenol A geändert. In diesem Test bestehen alle Kunststoffflaschen aus Polypropylen. Das hat sich in puncto Schadstoffen bewährt, wie unser Test zeigt.

Diskussion um Mikroplastik

Allerdings gibt es eine neue Debatte über Kunststofffläschchen. Der Grund: Mikroplastik. Als Mikroplastik bezeichnet man kleinste Kunststoffpartikel. Sie machen Schlagzeilen, weil sie als Zerfallsprodukte von Plastikmüll die Weltmeere verschmutzen, Fischen zusetzen und es bis in die Arktis geschafft haben. 2018 hat eine Studie Mikroplastikpartikel im menschlichen Stuhl nachgewiesen. Welche Auswirkungen Mikroplastik im menschlichen Körper hat, ist noch nicht klar.

Ein Forscherteam am Trinity College in Dublin zeigte 2020 in einer Studie, dass Babyflaschen aus Polypropylen unter Hitze große Mengen Mikroplastik abgeben, etwa nach dem Sterilisieren, durch Erhitzen in der Mikrowelle oder durch Einfüllen von heißem Wasser. Dadurch könnten Säuglinge über eine Million winzigste Partikel pro Tag aufnehmen – so die Studie.

ÖKO-TEST hat in diesem Test nicht auf Mikroplastik untersucht. Wir können also nicht sagen, ob und wie viel Mikroplastik sich aus den Fläschchen im Test löst. Auch eine vergleichende Bewertung wäre bei bestehender Datenlage nicht ganz einfach. Wenn man auf Mikroplastik untersucht, bestehen immer noch Fragen zur Methode – genauso wie zur Auswirkung der gefundenen Partikel. Das Bundesinstitut für Risikobewertung geht gegenwärtig nicht davon aus, dass Plastikpartikel in Lebensmitteln gesundheitliche Risiken bergen. Das Institut sagt aber auch, dass eine abschließende Risikobewertung derzeit noch nicht erfolgen könne.

„Schön, dass es inzwischen wieder mehr Alternativen zu Kunststoffflaschen gibt und Eltern die Wahl haben.“

Svenja Markert, ÖKO-TEST-Redakteurin

Passend und sauber

Saugergröße und -loch 

Mit der kleinsten Saugergröße beginnen und ein Saugerloch mit einem geringen Durchfluss wählen, oftmals als S bezeichnet oder mit einem Tropfen bebildert. Wenn das Trinken gut klappt und man Ersatzmilch gibt, kann man die nächste Lochgröße M / zwei Tropfen ausprobieren.

Sterilisieren 

Vor dem ersten Gebrauch die Flasche sterilisieren. Danach reicht im Normalfall eine gründliche Reinigung.

Reinigen der Flaschen 

Die Reste wegschütten und die Flasche gleich nach Gebrauch reinigen. Am besten von Hand mit Spülmittel und einer Bürste, die nur für die Flaschen zum Einsatz kommt. Alles in seine Einzelteile zerlegen. Auf einem Handtuch mit Öffnung nach unten trocknen lassen. Dann trocken und sauber lagern, etwa eingeschlagen in ein frisches Küchenhandtuch.

Sauger wechseln 

Anbieter empfehlen einen Austausch nach ein bis drei Monaten. Wechseln Sie die Sauger auch, wenn Sie Risse oder Gebrauchsspuren erkennen.

Dennoch meinen wir, dass es sich aus Vorsorgegründen lohnt, die Menge der möglichen Partikel gering zu halten. Das geht, indem Eltern die sterilisierten Flaschen gründlich mit kaltem Wasser abspülen und abgekochtes Wasser abkühlen lassen – wir empfehlen auf eine Temperatur von 40 Grad.

Glas ist besonders hygienisch

Glasfläschchen geben kein Mikroplastik ab. Weitere Pluspunkte: Glas ist weniger anfällig für Kratzer, deshalb können sich keine Keime in Rissen ansammeln. Und Glas nimmt keine Gerüche an, außerdem ist es umweltfreundlich. Nachteil: Glasflaschen sind schwerer, und sie können zerbrechen.

Blei in der Farbe 

Drei Glasflaschen kritisieren wir aufgrund von Blei. Es steckt in der Farbe des Dekors, etwa der Skalierung. Der Stoff gilt als Nervengift. Immerhin kommt das Dekor nicht mit dem Inhalt der Flasche in Kontakt. Es ist auch nicht wahrscheinlich, dass sich nennenswerte Gehalte von Blei lösen, wenn man die Flasche hält oder Babys mit ihr in Kontakt kommen. Und trotzdem: Das Gift Blei hat aus unserer Sicht nichts in Kinderprodukten zu suchen. Wie der Test zeigt, ist es durchaus machbar, Glasflaschen mit bleifreien Dekorfarben zu bedrucken.

Edelstahlflaschen sind treue Begleiter 

Bisher gibt es wenige Babyflaschen aus Edelstahl. Ob sie sich angesichts des hohen Preises durchsetzen, muss sich zeigen. Die Qualität der Flaschen im Test jedenfalls stimmt: Die zwei Flaschen gehören zu den 14 „sehr guten“ Produkten.

Edelstahl ist deutlich leichter als Glas und besonders robust. Auch wenn die Flaschen bei Stürzen verbeulen können, halten sie im Normalfall länger als die typische Babyphase.

Besonders nachhaltig: Für die getesteten Varianten haben die Anbieter weitere Verschlüsse im Sortiment, sodass man sie weiter einsetzen kann. Die Flasche von Kid Kanteen lässt sich mit einem Deckel zum Snackbehälter umwandeln und die von Pura wird mit den passenden Trinkaufsätzen erst zur Trinklern-und später zur Sportflasche.

Saubere Sauger 

Vollauf zufrieden sind wir mit den Saugern. Sie alle bestehen aus Silikon. Wir haben überprüft, ob noch kritische Rückstände in ihnen stecken. Entwarnung – alles sauber.

Fett gedruckt sind Mängel. Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 128. Anmerkungen: 1) Laut Anbieter ist das Produkt nicht mehr im Programm und nicht länger in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich, eventuell werden noch Restbestände abverkauft. Seit Sommer 2020 gebe es die „Glass Baby Bottle Heat Sensing Healthy +“. 2) Weiterer Mangel: Warnhinweise nach DIN EN 14350 unvollständig (hier: Alle nicht verwendeten Einzelteile müssen außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden). Laut Anbieter werden

die Warnhinweise bei einer Neuauflage des Beipackzettels angepasst. Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Babyflasche führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) Bleigehalte von mehr als 500 mg/kg im Dekor (wie farbige Aufdrucke und Skalierungen); b) Flasche riecht etwas nach dem Auskochen (Median in der Sensorikprüfung bei 2,5).

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: Warnhinweise nach DIN EN 14350 unvollständig (hier: Alle nicht verwendeten Einzelteile müssen außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden).

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Flasche und dem Testergebnis Sauger, es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/T2104

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 4/2021. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat. Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.