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TEST HÖHERPREISIGE ARBEITSHANDSCHUHE: UNTER LASTEN


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 03.05.2018

Vergangene Tests zeigten, dass Arbeitshandschuhe häufig immens schadstoffbelastet sind. Leider gilt das auch für die höherpreisigen Modelle im Test: Zehn von 14 Modellen sind „ungenügend“. Ein Produkt können wir jedoch empfehlen.


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Foto: welcomia/Shutterstock

Aus Lederhandschuhen kann sich krebserregendes Chrom VI lösen, vor allem in feuchten Milieus. Es entsteht aus zum Gerben eingesetzten Chromsalzen.


Foto: stevecoleimages/getty images

Wer alle Hände voll zu tun hat, setzt selbige häufig einem erhöhten Verletzungsrisiko aus. Schnell rutscht beim Werkeln die Säge ab oder ist ein rostiger Nagel im Weg. ...

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... Autsch!

Arbeitshandschuhe können Schmerzen zwar nicht immer vermeiden, aber Schlimmeres oft verhindern. Die Suche nach einem schützenden und vielfältig einsetzbaren Modell ist allerdings nicht ganz einfach: auch weil es einen Universalhandschuh mit gleicher Eignung für alle Arbeiten schlichtweg nicht gibt.

Der Handel hält jedoch viele Produkte bereit, die für unterschiedliche mechanische Arbeiten zumindest grundlegend infrage kommen. Teilweise als „Worker“ oder „Mechanics“ betitelt, zeichnen sie sich durch belastbare, aber relativ flexible Gewebe aus. Eng anliegend sollen sie für motorisch anspruchsvollere Aufgaben taugen.


In den Handschuhen kommen häufig robuste synthetische Gewebe zum Einsatz wie Polyester, Polyamid, Nylon oder Elastan.


Vor allem die höherpreisigen Vertreter dieser Gattung verfügen über zusätzliche Dämpfungen und Geleinlagen gegen Quetschungen oder maschinell bedingte Vibrationsstöße, zum Beispiel von Bohrern. Anbieter anderer Modelle versprechen dank Noppen oder abriebfestem Granulat in den Handinnenflächen eine besondere Griffsicherheit. Über die tatsächlichen Stärken und Schwächen eines Arbeitshandschuhs sagen aber der Preis und eine oberflächliche Betrachtung der Ausstattung kaum etwas aus.

Aufschlussreicher sind hier meist Verpackungen und Etiketten. Viele Hersteller ordnen ihre Produkte einer Beanspruchungskategorie zu und geben in Kennziffern an, wie widerstandsfähig sie gegen Abrieb, Schnitte, Durchstiche und Weiterreißen sind. Laut dem Bundesverband Handschutz (BVH) lassen sich daraus zwar keine konkreten Empfehlungen für bestimmte Tätigkeiten ableiten. Es liegt aber auf der Hand, dass zum Beispiel Produkte mit einer höheren Schnittfestigkeit bei Arbeiten mit scharfen Kanten einen besseren Schutz bieten. Darüber hinaus ist ein Blick auf die verarbeiteten Materialien sinnvoll. Luftundurchlässiges Latex und Baumwolle sind bei „Worker“-Handschuhen eher selten. Stattdessen kommen häufig robustere synthetische Gewebe zum Einsatz wie Polyester, Polyamid, Nylon oder die dehnbare Chemiefaser Elastan.

In vielen Fällen sind die Handschuhe mit Polyurethanen beschichtet. Diese Kunstharze sollen zusätzliche Flexibilität verleihen und gleichzeitig für eine gute Atmungsaktivität sorgen. Die Hersteller empfehlen entsprechend beschichtete Handschuhe häufig für feinmotorische Arbeiten. Chloroprenkautschuk, besser bekannt als Neopren, soll Materialkomponenten zusätzlich verstärken und steht im Ruf, besonders für den Umgang mit Flüssigkeiten geeignet zu sein. Anders als Leder: Es ist zwar in der Regel relativ rissfest und beständig gegen Hitze; bei Feuchtigkeit saugt es sich aber voll, wird weich, und die Grifffestigkeit der Handschuhe nimmt ab. Außerdem besteht gerade in feuchten Milieus die Gefahr, dass unsachgemäß behandeltes Leder krebserregende Chromate (Chrom VI) herausbildet.

Lederhandschuhe aber allein unter Schadstoffverdacht zu stellen, wäre unfair: In vorangegangenen Tests waren auch Produkte aus anderen Materialien durch und durch mit problematischen Substanzen belastet. Vor allem die sehr günstigen Modelle für weniger als fünf Euro hatten vielfach allerlei Schädliches in sich: krebserregende und krebsverdächtige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, bedenkliche Weichmacher und/oder giftige Schwermetalle, um einiges zu nennen.

ÖKO-TEST hat sich gefragt, ob ein paar Euro mehr gut angelegtes Geld sind und höherpreisige Arbeitshandschuhe weniger Schadstoffe enthalten. Deshalb haben wir insgesamt 14 Produkte für allerlei handwerkliche Tätigkeiten ins Labor geschickt.

DAS TESTERGEBNIS

Nicht besser. Auch Arbeitshandschuhe im gehobenen Preissegment sind häufig Schadstoffschleudern. Von 14 Produkten im Test rasseln zehn mit „ungenügend“ durch. Immerhin können wir einmal die Note „gut“ vergeben. Drei weitere Handschuhe sind „ausreichend“.
Gefährliche Farbbausteine. In drei Produkten kritisieren wir den allergisierenden Farbstoff Dispers Rot 1 und in einem weiteren Dispers Gelb 3, das zudem krebsverdächtig ist.
Weichmacher in Fülle. Ist Fingerspitzengefühl gefragt, sollen Arbeitshand schuhe geschmeidig anliegen. Schlecht ist es, wenn Hersteller bestimmte Materialkomponenten mit bedenklichen Weichmachern versehen. In zwei Produkten hat das von uns beauftragte Labor stark erhöhte Gehalte an DEHP festgestellt. Das hormonell wirksame und fortpflanzungsgefährdende Phthalat ist in der EU in Spielzeug und Babyartikeln streng reglementiert. In einem weiteren Produkt steckt DPHP – ein Phthalat, das sich in Tierversuchen als schädigend für die Schild- und Hirnanhangsdrüse erwiesen hat. Und acht Handschuhe enthalten über unserer Abwertungsgrenze Ersatzweichmacher, die bislang noch nicht hinreichend erforscht sind.
Zu viel PAK. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) finden sich in allen Handschuhen – zumindest in Spuren. In fünf Produkten stecken unserer Ansicht nach aber zu hohe Gehalte solcher Verbindungen dieser Stoffgruppe, die gemäß der Europäischen Chemikalienverordnung als krebserregend oder als krebsverdächtig eingestuft sind.
Völlig überflüssig. Niederwertigeres Chrom ist weitaus weniger giftig als Chromat, aber umweltschädlich. Trotzdem steckt es mit einer Ausnahme in jedem getesteten Handschuh – bei Produkten ohne Lederanteil zumeist als Farbbestandteil in Klettverschlüssen. Umweltschädigend und dennoch in fast jedem Produkt enthalten sind auch optische Aufheller, die lediglich dazu dienen, Labels und Etiketten strahlend weiß erscheinen zu lassen.
Lobenswert. Dass Arbeitshandschuhe nicht zwangsläufig Schadstoffschleudern sein müssen, beweist derOx-On Xtreme 3 . Außer optischen Aufhellern haben wir hier nichts zu bemängeln.

SO REAGIERTEN DIE HERSTELLER

Bahag will das Kunststofflabel an den Wisent Worker Arbeitshandschuhen , in dem das von uns uns kritisierte Chrom und der Ersatzweichmacher DEHT stecken, durch ein Stofflabel ersetzen. Es soll die Stoffe nicht mehr enthalten. Im Januar/Februar 2018 konnten wir im Handel jedoch noch keine Handschuhe mit Stofflabel entdecken.

ÖKO-TEST RÄT

► Generelle Kaufempfehlungen gibt es zwar nicht: Was die Schadstoffbelastung anbelangt, ist das Produkt von Ox-On aber ein paar Euro mehr wert. Schließlich hat im Test 2012 kein Arbeitshandschuh die Note „gut“ erreicht.
► Dünne Unterziehhandschuhe können Schweiß fernhalten und verhindern, dass die Haut direkt mit dem Inneren der Arbeitshandschuhe in Kontakt kommt. Jedoch nimmt das Tastgefühl ab.
► Bei Allergien und sensibler Haut: Dermatologen bieten sogenannte Epikutantests für Handschuhmaterialien an.

EXPERTE

„Bei geschädigter Hautbarriere und im feuchten Handschuhmilieu können schlechte Bakterien (Staphylokokkus aureus) gedeihen. Das führt zwar selten zu Infektionen. Trotzdem sollten Handschuhe während der Arbeit immer mal ausgezogen werden, um Luft an die Hände zu lassen. Danach sollten sie gut trocknen.“

Professor Julia Welzel , Chefärztin an der Klinik für Dermatologie und Allergologie, Hauttumorzentrum Klinikum Augsburg


Foto: Ulrich Wirth/Klinikum Augsburg

GEEIGNETE ARBEITSHANDSCHUHE FINDEN

BEANSPRUCHUNGSKATEGORIEN
Die AngabeCE zeigt an, dass ein Arbeitshandschuh den in der EU geltenden Anforderungen an persönliche Schutzausrüstungen (PSA) grundlegend genügt. Damit einher geht die Einordnung des Produkts in eine von drei möglichen Beanspruchungskategorien: Kat. 1 = Eignung für minimale Risiken, Kat. 2 = Eignung für mittlere Risiken, Kat. 3 = Eignung für größere und tödliche Risiken.

KENNZAHLEN ZUR FESTIGKEIT
Die meisten Testprodukte enthalten zudem die Angaben EN 420 und EN 388. Das heißt: Sie sind gemäß DIN-Norm auf mechanische Risiken geprüft. Die vier Kennziffern unter dem Hammersymbol stehen der Reihe nach für die Abriebfestigkeit, die Schnittfestigkeit, die Weiterreißfestigkeit und die Durchstichfestigkeit. Je höher die jeweilige Ziffer ist, desto besser schützt der Handschuh in dem jeweiligen Bereich. Bezüglich der Schnittfestigkeit reicht die Skala von 0 bis 5, in den drei anderen Leistungsklassen von 0 bis 4.

KÜNFTIG WEITERE PARAMETER
Kürzlich ist eine Neufassung der DIN EN 388 erschienen, die zwei weitere Prüfverfahren enthält: eine zusätzliche Schnittschutzprüfung für Handschuhe aus robusten Mineral- oder Stahlfasern und eine optionale Stoßschutzprüfung. Die zusätzliche Schnittfestigkeit wird durch Buchstaben von A (niedrigste) bis F (höchste) hinter den vier Kennziffern ausgedrückt. Ein P zeigt eine bestandene Stoßschutzprüfung an.

DIE GEEIGNETE GRÖSSE
Die von den Herstellern angegebenen Größen beziehen sich meist auf den Umfang der rechten Hand an ihrer gewöhnlich breitesten Stelle: oberhalb der Beuge zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger. Angegeben werden die Größen häufig in Zoll (1" = 2,54 cm). Bei einem Handumfang von25 Zentimetern sollte also ein Handschuh derGröße 10 sitzen. Außerdem ist daraufzu achten, dass die Handschuhe nicht zu kurz sind - erkennbar daran, dass das Bündchen erst oberhalb des Handgelenks beginnt und nicht bereits am Handballen.