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TEST HOLZÖLE: GLANZ UND ELEND


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 26.04.2018

Imprägnieren, pflegen, schützen: Öle für Außenhölzer sollen vielfältig wirken und kommen als scheinbar natürliche Alternativen zu Lacken daher. Leider enthalten sie flüchtige Stoffe aus Lösemitteln und oft weitere problematische Zusätze.


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Foto: Orientaly/Shutterstock

ÖKO-TEST RÄT

► Schadstoffarme, wasserbasierte Öle verwenden, wie die beiden „sehr gut“ getesteten Produkte.

► Beim Ölaufstrich wasserdichte Arbeitshandschuhe tragen; ölgetränkte Lappen in nicht brennbaren, luftdichten Behältern wie Metalldosen oder Schraubgläsern lagern beziehungsweise entsorgen.

► Regenwäldern zuliebe Tropenhölzer meiden und ...

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... Möbel aus heimisch kultivierten Hölzern mit Herkunftsnachweis kaufen: etwa aus Eiche, Lärche, Douglasie, Robinie.

Endlich richtig Frühling: Im Mai tanken auch Gartenmöbel wieder Sonne. Doch die unlackierten, hölzernen Exemplare sind über die Jahre unansehnlich grau geworden. Zu viel UV-Strahlung, zu viel Regen, zu viel Wind und Wetter. Abhilfe versprechen Öle für Außenhölzer.


Einmal ölen, immer ölen: Farben und Lacke haften auf geölten Holzoberflächen auch nach gründlichem Waschen kaum.


Diese Produkte sollen die Möbel in neuem Glanz erstrahlen lassen. Sie sollen vor Vergrauung und Verwitterung schützen, imprägnieren und die natürliche Maserung des Holzes hervorheben. Sie sättigen die Holzfaser und erzeugen auf der Oberfläche einen glänzenden oder seidenmatten Schutzfilm. Vielfach eignen sie sich auch für andere Einsatzbereiche im Freien, etwa für Holzterrassen. Etliche tragen den Zusatz „Teak“ im Namen, sie können aber auch auf anderen Hölzern Verwendung finden. Hauptbestandteil ist häufig Leinöl, es zieht gut ein und trocknet schnell. Doch was schmieren sich die Käufer darüber hinaus aufs Holz? Vor allem Lösemittel und Trocknungsbeschleuniger gehören zu den Standardinhaltsstoffen. Sie sollen die Verarbeitung erleichtern. Insgesamt 18 Öle hat ÖKOTEST im Labor prüfen lassen.

Wiederkehrende Aufgabe: Sind Gartenmöbel einmal geölt, ist meist jedes Jahr eine neue Ölung nötig, um sie geschmeidig zu halten.


Foto: SKatzenberger/getty images

„Wasspricht eigentlich gegen Grau? Nichts, denke ich nach diesem Test, da selbst die schadstoffarmen Holzöle auf Wasserbasis geringfügig Lösemittel enthalten. Da lasse ich Tisch und Stuhl doch lieber in Ehre ergrauen - das ist so wieso am natürlichsten. “

Christian Ippach, ÖKO-TEST-Redakteur, der an sich zunehmend Graues entdeckt.


Foto: Anja Wägele

TESTERGEBNIS

Hui, Pfui und viel Mittelmaß. Vier Holzöle können wir mit „sehr gut“ oder „gut“ empfehlen, vier fallen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch, zehn müssen sich mit „befriedigend“ oder „ausreichend“ begnügen. Ein mäßiges Gesamtresultat, das vielfach besser wäre, wenn weniger Lösemittel zum Einsatz kämen.
Gehen in die Luft. Während des Aufbringens und der Trocknung entweichen aus den Holzölen flüchtige organische Verbindungen (VOC). Das Gütezeichen Blauer Engel für schadstoffarme Produkte könnten die meisten schon deshalb nicht bekommen. Die VOC stammen vor allem aus Lösemitteln. Die lösemittelbasierten Produkte weisen denn auch sehr viel höhere VOC-Gehalte auf als die wasserbasierten. Alle 14 lösemittelbasierten Öle kassieren dafür einen Notenabzug.
Steigt zu Kopf. Besonders problematische VOCs finden sich in acht Produkten: Sie enthalten auffällige Mengen an aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz Aromaten. Diese können das zentrale Nervensystem und innere Organe schädigen. Häufig sind sie Bestandteil von Testbenzin, das als Lösemittel Verwendung findet.
Haut rein. In drei Produkten kritisieren wir Butanonoxim. Besonders hoch ist der Gehalt im Clou Teaköl, farblos. Die Substanz soll verhindern, dass sich eine Haut auf der Oberfläche der Öle bildet. Sie ist aber krebsverdächtig.
Schneller, nicht besser! Wie schon in vergangenen Tests von Holzlasuren haben die Labore auch diesmal Kobalt nachgewiesen. Drei Holzöle sind davon betroffen. Eintragsquellen sind meist kobalthaltige Trockenstoffe, die die Öle schneller aushärten lassen sollen. Kobalt kann Allergien verursachen. Kobaltstäube, die unter Umständen bei einem späteren Schliff der getrockneten Materialoberfläche entstehen, sind als krebserregend eingestuft.
Größter Übeltäter. Das Bondex Farblos UV-Öl Universal enthält neben VOCs, Butanonoxim und Kobalt auch krebsverdächtiges Naphthalin und hormonell wirksames Dibutylzinn (DBT) und weist so den umfangreichsten Schadstoffcocktail auf.
Informationsmangel. In vier Fällen deklarieren die Hersteller auf den Gebinden außer Konservierungsmitteln und Bioziden keine weiteren Inhaltsstoffe. Um Verbraucher zu informieren, ist das zu wenig. In drei Fällen sind die Inhaltsstoffe zwar im Technischen Merkblatt zu finden, wesentlich komfortabler wären sie aber direkt auf der Verpackung. Minuspunkte gibt es auch, wenn krebsverdächtiges Kobalt enthalten ist, aber Angaben zum Atemschutz beim Zwischenschliff fehlen.

RICHTIG ÖLEN

1. Säubern und erster Schliff: Vergraute Gartenmöbel mit harter Bürste und Seifenlauge abwaschen, starke Verschmutzungen abreiben, Oberfläche entstauben und in Faserrichtung anschleifen (Körnung 100 und höher).

2. Erste Ölung: Öl zügig mit Pinsel auftragen, auf gesamter Oberfläche verteilen und abschließend noch mal in Faserrichtung verstreichen, damit das Öl gut einzieht.

3. Trocknen: Ölreste nach angegebener Einwirkdauer (meist 15 Minuten) mit einem sauberen, fusselfreien Lappen von der Oberfläche entfernen, bis keine glänzenden Stellen mehr erkennbar sind; anschließend trocknen lassen (meist 12 bis 24 Stunden).

4. Schleifen: Unbehandelte Hölzer benötigen oft mehrere Ölaufträge. Zwischenschliffe mit feineren Schleifpapieren oder -vliesen (Körnung 220 und höher) in Faserrichtung vornehmen. Atemschutzmaske tragen.

5. Zweite Ölung: wie die erste Ölung; die Holzfaser soll vollkommen gesättigt sein. Das ist dann der Fall, wenn kein weiteres Öl mehr in die Oberfläche einzieht.

Lackierte oder gestrichene Hölzer eignen sich eher nicht für spätere Ölbehandlungen, da die Beschichtung meist die Poren verstopft. Auch bei abgeschliffener Oberfläche kann das Öl dann nicht richtig einziehen.

Der Dreck muss weg: Für die Ölbehandlung sollte die Holzoberfläche so sauber wie möglich sein.


Foto: cjp/getty images

Öl satt: Je nach Oberfläche sind mehrere Durchgänge nötig, bis das Holz kein Öl mehr aufnimmt.


Foto: zlikovec/Shutterstock

Fett gedruckt sind Mängel.Abkürzungen: BIT = Benzisothiazolinon; DBT = Dibutylzinn; JPBC = Jodpropinylbutylcarbamat; MIT = Methylisothiazolinon; TM = Technisches Merkblatt.Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern fonden Sie auf Seite 190.Anmerkungen: 1) BIT und MIT deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen.2) BIT deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen.3) Das Produkt trägt das Umweltsiegel „Blauer Engel“ für schadstoffarme Lacke“.4) Das Produkt ist bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) als Biozidprodukt gemeldet oder zugelassen.5) Laut Hersteller eignet sich das Produkt auch für Anwendungen in Innenbereichen.6) Das Produkt enthält außerdem erhöhte Gehalte weiterer zinnorganischer Verbindungen (hier: Monobutylzinn).7) Laut Hersteller erhält das Produkt Mitte 2018 eine wasserbasierte Rezeptur.8) Laut Anbieter ist die Rezeptur als Reaktion auf den Test ersetzt worden. Sie sei nun „kobaltfrei“ und „lösemittelfrei“ und so nun auch auf dem Etikett gekennzeichnet.9) Laut Hersteller werde der zu niedrig deklarierte VOC-Gehalt umgehend korrigiert.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) ein stark erhöhter Gehalt an DBT von mehr als 1.000 μg/kg; b) ein stark erhöhter Gehalt an Butanonoxim von mehr als 1.000 mg/kg. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein erhöhter Gehalt an DBT von mehr als 100 bis 1.000 μg/kg; b)flein erhöhter Gehalt an Butanonoxim von mehr als 100 bis 1.000 mg/kg; c) mehr als 100.000 mg/kg flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) in lösemittelbasierten Ölen bei Überschreitung des angegebenen Gehalts; d) ein stark erhöhter Gehalt an Aromaten (aromatische Kohlenwasserstoffe) von mehr als 1.000 mg/kg; e) mehr als 100 bis 1.000μg/ kg des krebsverdächtigen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffs Naphthalin; f) ein erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 bis 10.000 μg/kg weiterer zinnorganischer Verbindungen (hier: Monobutylzinn), wenn nicht bereits wegen eines stark erhöhten Gehalts an DBT abgewertet wurde. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 100.000 mg/kg flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) bei lösemittelbasierten Ölen; b) ein erhöhter Gehalt an Aromaten (aromatische Kohlenwasserstoffe) von mehr als 100 bis 1.000 mg/kg; c) halogenorganische Verbindungen; d) mehr als 100 mg/kg Kobalt; e) JPBC; f) Propiconazol.

SO HABEN WIR GETESTET

Flüchtig, aber nicht unsichtbar: Im Labor, hier an einem Gaschromatographen mit Massenspektrometer (GC/MS), lassen sich die VOC-Gehalte bestimmen.


Foto: Labor

Der Einkauf

Wir haben 18 Holzöle eingekauft, die sich vor allem für die Anwendung im Freien eignen. Sie sind zum Teil speziell für Gartenmöbel bestimmt oder auch für Terrassendielen. Viele Öle enthalten Lösemittel, die meisten basieren auf Leinöl. Die Auswahl umfasst Produkte namhafter Hersteller und Eigenmarken aus Baumärkten. Eine Oberflächenbehandlung mit dem günstigsten Öl kostet pro Quadratmeter weniger als einen Euro, mit dem teuersten mehr als vier Euro.

Die Inhaltsstoffe

Die Öle sollen sich gleichmäßig verteilen lassen, schnell trocknen und einen Schutzfilm auf der Holzoberfläche bilden. Schlecht, wenn dafür schädliche Zusatzstoffe zum Einsatz kommen: etwa Kobaltsalze als Trocknungsbeschleuniger, krebsverdächtiges Butanonoxim als Hautverhinderer oder aromatische Kohlenwasserstoffe als Lösemittel. Letztere zählen zur Gruppe der flüchtigen organischen Verbin- dungen (VOC), die generell die Umwelt belasten, wenn sie aus den Produkten entweichen. Bei wasserbasierten Produkten hat uns außerdem interessiert, ob sie problematische Konservierungsmittel enthalten und/oder Biozide wie Jodpropinylbutylcarbamat (JPBC) oder Propiconazol.

Die Deklaration

Wir haben uns die Etiketten auf den Gebinden genau angeschaut. Notenabzüge gab es, wenn Käufern darauf wichtige Informationen vorenthalten bleiben – beispielsweise Angaben zu Inhaltsstoffen oder wünschenswerte Warnhinweise.

Die Bewertung

Problematische, bedenkliche Inhaltsstoffe werten wir streng ab. Fehlende, falsche oder unvollständige Herstellerangaben fließen ebenfalls ins Gesamturteil ein.

Unter dem Testergebnis Deklaration führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) keine Angabe von Inhaltsstoffen (außer Biozide und Konservierer); b) keine Angaben von Schutzmaßnahmen (Atemmaske) bei einem kobalthaltigen Lack, bei dem ein Zwischenschliff empfohlen wird. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Angabe der Inhaltsstoffe nur im Technischen Merkblatt (außer Biozide und Konservierer); b) eine unvollständige Deklaration der Konservierungsstoffe (hier: MIT fehlt). Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Deklaration, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ausfällt, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Deklaration, das „mangelhaft“ ausfällt, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.

Die Preisberechnung basiert auf Gebindegrößen von 750 Millilitern beziehungsweise, falls diese nicht erhältlich sind, auf der nächst größeren oder nächst kleineren, und der vom Hersteller angegebenen Reichweite.

Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de  Suchen  „M1805“ eingeben.

Einkauf der Testprodukte : Januar und Februar 2017.

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