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TEST Holzwerkstoffplatten: Nichts für Sensible


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2011 vom 25.03.2011

Für die Heimwerker unter unseren Lesern haben wir Holzwerkstoffplatten aus dem Baumarkt getestet. Am besten schnitten MDF- und beschichtete Spanplatten ab, am stärksten mit Schadstoffen belastet sind rohe Span- und OSB-Platten.


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Annelies Hagedorn aus Bramsche hat gesundheit liche Probleme. Das Leid der Sechsundsechzigjährigen begann, als sie sich in jungen Jahren ein kleines Wohnzimmer neu eingerichtet hatte. Irgendwie fühlte sie sich darin nicht wohl, war abgeschlagen und hatte Kopfschmerzen. Später, im eigenen Fertighaus, ging der Leidensweg weiter und erfasste die ganze Familie, ...

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Annelies Hagedorn aus Bramsche hat gesundheit liche Probleme. Das Leid der Sechsundsechzigjährigen begann, als sie sich in jungen Jahren ein kleines Wohnzimmer neu eingerichtet hatte. Irgendwie fühlte sie sich darin nicht wohl, war abgeschlagen und hatte Kopfschmerzen. Später, im eigenen Fertighaus, ging der Leidensweg weiter und erfasste die ganze Familie, einschließlich der Kinder: Müdigkeit, Benommenheit, Antriebsschwäche, Kopfund Gliederschmerzen, häu - fig wechselnde Infekte, Magen- und Darmprobleme. Offensichtlich reagierte die Familie auf verschiedene ausgasende Stoffe wie Formaldehyd und andere flüchtige organische Verbindungen, auch auf Holzschutzmittel. Im Haus hat Familie Hagedorn dann Holz und Holzwerkstoffe so weit möglich abgedichtet, dass nur noch wenig entweichen konnte. Etliche Möbel wurden entfernt.
Dennoch reagierte Annelies Hagedorn im Laufe der Zeit auf immer mehr Stoffe. MCS-krank (multiple chemical sensitivity) nennt man die vielfache Chemikalienunverträglichkeit im Fachjargon. Wenn Frau Hagedorn heute ein Möbelhaus betritt, haut es sie quasi um: Herzrasen, Schweißausbrüche, Benommenheit, die Beine wollen sie nicht mehr tragen. „Raus“ ist der einzige Gedanke, der ihr noch durch den Kopf geht. Deshalb kauft sie auch keine neuen Möbel mehr.
Zum Glück geht es nicht allen so wie den stark gebeutelten MCS-Kranken. Dennoch: Sensible Menschen reagieren auf alle möglichen Stoffe, die aus den verschiedensten Materialien ausgasen und Haut und Schleimhäute reizen können. Das können sowohl natürliche wie auch synthetische Verbindungen sein. Auch wenn Holz zu Werkstoffen weiterverarbeitet wird, sind die Produkte für solche Menschen möglicherweise eine Gefahr. Da geht es um Stoffe, die im Holz selbst drinstecken wie Terpene, aber auch um Chemikalien, die aus den Bindemitteln kommen, mit denen Holzfasern oder -späne zu baureifen Platten verklebt werden. Spanplatten, OSB, MDF und Co. werden unter dem Begriff Holzwerkstoffplatten zusammengefasst, ebenso wie Sperrholz, das jedoch aus einzelnen dünnen Holzlagen verklebt wird.

Unsere Empfehlungen

Formaldehyd- und VOC-sensible Menschen sollten ganz auf Holzwerkstoffplatten verzichten oder beschichtete und versiegelte Produkte verwenden.
Neue, renovierte oder neu eingerichtete Räume in der Anfangszeit stark lüften, damit kann man die Raumluftbelastung zumindest reduzieren. Einige Verbindungen, so auch Formaldehyd, können jedoch auch nach langer Zeit noch ausgasen. Bei Wärme nimmt die Emission zu.
Ein Preisvergleich lohnt sich: Unter den sechs Baumärkten im Test ist der Toom-Baumarkt im Schnitt am günstigsten.

ÖKO-TEST wollte wis sen, wie es um Holzwerkstoffplatten bestellt ist, mit denen Roh- und Innenausbauten gemacht und Möbel gebaut werden. Dazu kauften wir in sechs verschiedenen Baumärkten vier Arten von Holzwerkstoffplatten im Zuschnittbereich ein: rohe und weiß beschichtete Spanplatten, OSB- und MDF-Platten. Diese 24 Produkte schickten wir in die Labore.

Das Testergebnis

■ Gut präsentieren sich die weiß beschichteten Spanplatten – die Beschichtung verhindert hier, dass Stoffe ausgasen. MDF-Plat ten schneiden sehr unterschiedlich ab: Hier gibt es sogar ein „sehr gutes“ Produkt vom Toom-Baumarkt, die Bauhaus-Platte war hingegen nur „ausreichend“. OSBund Spanplatten sind am stärksten mit Schadstoffen belastet und daher für sensible Menschen weniger empfehlenswert.

Krebserregendes Formaldehyd gast am meisten aus Rohspanplatten aus

■ Gesetzliche Grenzwerte sind die eine Sache, die Praxis eine andere. Unser Test zeigt, dass auch die nach Vorschrift produzierten „emissionsarmen“ Platten (kurz: E1) noch Stoffe ausgasten, die zum Problem werden können, wenn größere Mengen dieser Holzwerkstoffe in einem Raum verbaut worden sind. Die deutlichsten Mengen an krebserregendem Formaldehyd gaben die rohen Spanplatten ab. Wenn zum Beispiel in Holzhäusern oder durch Innenausbau und Möbel viele Quadratmeter solcher Oberflächen vorhanden sind, dann kann die Raumluft derart belastet sein, dass sie auch nach offiziellen Richtwerten nicht mehr als sicher gilt. Am meisten Formaldehyd gasten die Spanplatten von Obi und Bauhaus aus. Wir haben Platten aus dem Heimwerkerbereich getestet, aber die Ergebnisse lassen sich auch auf andere, ähnliche Produkte übertragen, denn auch die Baumärkte werden meist von den großen Plattenherstellern beliefert, die vor allem für Holzgroßhändler und die Industrie produzieren.

Die Beschichtung von Spanplatten ist dicht, offene Kanten sind Schwachstellen

■ Die Melaminbeschichtung der weißen Spanplatten wird mit Formaldehydharz hergestellt. Das in der Platte steckende Form al dehyd ging in unserem Test jedoch nicht durch die Beschichtung heraus, bei der gewählten Methode wurden allerdings die Kanten nicht berücksichtigt. In der Praxis können also auf diesem Weg noch gewisse Mengen Formaldehyd entweichen.
Kein oder nur geringe Mengen Formaldehyd wurde in OSB-Platten nachgewiesen. Offensichtlich stecken auch in den Deckschichten kaum formaldehydhaltige Bindemittel. Die Späne werden – zumindest in der Innenschicht – mit einem Polyurethanleim gebunden, der auf Basis eines Isocyanats hergestellt wird, einer krebsverdächtigen und sensibilisierenden Substanz. Diese ist im fertigen Produkt allerdings ausreagiert, even tuelle Reste fest eingebunden. Selbst bei einem Sägeversuch im Rahmen eines früheren ÖKO-TESTs konnten keine Isocyanate mehr festgestellt werden.

Zertifiziertes Holz?

Einige Platten im Test sind laut AnbieterPEFC -zertifiziert. Das heißt, für das verwendete Holz werden eine Reihe von Vorgaben für eine ökologisch und sozial verantwortliche Forstwirtschaft eingehalten. In vielen Punkten gehen die Anforderungen dieses Gütezeichens aber weniger weit als beimFSC -Siegel. Allerdings muss man bedenken, dass in Deutschland fast 70 Prozent der WälderPFEC zertifiziert sind und nur wenige ProzentFSC . Es ist deshalb auch nachhaltig, wenn das heimische Holz im Umkreis der Produzenten verwendet wird. Zertifiziert werden beiPFEC ganze Regionen. Dadurch können sich auch kleine Waldbesitzer in der Region kostengünstig mit einer Selbstverpflichtungserklärung beteiligen. Kontrolliert werden sie nur stichprobenartig. In der Folge müssen auch die holzwirtschaftlichen Betriebe zertifiziert sein, der Holzfluss muss über die gesamte Lieferkette nachgewiesen werden. DerPEFC -zertifizierte Produzent kann so viele Produkte mit dem Gütesiegel kennzeichnen, wie er zertifiziertes Holz eingekauft hat. Allerdings darf der Hersteller das Logo auf Produkten nur verwenden, wenn er mehr als 70 Pro zent zertifiziertes Holz verarbeitet.

Teilweise erhielten wir auf unsere Nachfrage die Antwort, dass nur die HerstellerPEFC - oder sogarFSC -zertifiziert sind, aber nicht die Produkte. Obi und Bauhaus konnten uns die konkreten Bezugsquellen nicht nennen und beziehen die Platten von wechselnden Herstellern. Bauhaus teilte uns mit, dass ein „Großteil der Produktpalette“ zertifiziert sei – auf die getestete Platte ging der Anbieter aber nicht ein. Bei Hagebau gibt es keinen zentralen Einkauf. Der betroffene Hagebau-Baumarkt hat nicht geantwortet.

Die Belastung mit flüchtigen Verbindungen ist nach UBA-Maßstäben „hygienisch auffällig“

■ Aus rund der Hälfte der Holzwerkstoffplatten gasten erhöhte Mengen flüchtige organische Verbindungen (VOC = volatile organic compounds) aus, wenn wiederum viele Flächen im Raum vorhanden sind. Bei derBauhaus OSB- undMDF-Platte sowie derObi OSB- Platte sind die Konzentrationen in der Summe so hoch, dass die Raumluft mit über einem Milligramm pro Kubikmeter nach den Richtwerten des Umweltbundesamts als „hygie nisch auffällig“ bezeichnet wird und nur befristet akzeptiert werden kann. Mit solchen Konzentrationen werden auch von offizieller Seite Beschwerden und Ge - ruchswahrnehmungen zugestanden. Für empfind liche Menschen können aber schon kleinere Oberflächen zum Problem werden, zum Beispiel wenn nur Boden oder Decke belegt sind. Bei den ausgasenden Stoffen handelt es sich zu einem größeren Teil um Aldehyde, wie das unangenehm riechende Hexanal, zum ande ren um Terpene, wie das stark aller gene Delta- 3-Caren, das Augen und Schleimhäute reizt. Auch Terpene machen sich durch ihren Geruch be - merk bar. Wie unser Tester gebnis zeigt, haben OSB-Platten ein höhe res VOC-Risiko als andere Holzwerkstoffplatten, jedoch kein Formaldehyd-Problem.
■ In einigen OSB- und Spanplatten wurden umstrittene halogenorganische Verbin - dungen und/oder das giftige Schwermetall Blei nachgewiesen. Eventuell werden hier andere Klebstoffe eingesetzt, denn diese Spanplatten gaben keine oder nur geringe Mengen an flüchtigen organischen Verbindungen ab.

Beschichtete Spanplatten werden vor allem für den Möbelbau verwendet.


Foto: napoli-photo/Fotolia.com

So reagierten die Hersteller

Mehrere Anbieter und Hersteller betonten, dass der gesetzliche Grenzwert für Formaldehyd und somit die Emissionsklasse 1 (E1) eingehalten werde. Das zieht ÖKO-TEST auch nicht in Zweifel. Wie unter „So haben wir getestet“ beschrieben, gehen wir von strengeren, aber durchaus realistischen Randbedingungen aus.

Anna Mai

Warenkunde

Spanplatten

… werden aus getrockneten und beleimten Spänen durch Heißpressung hergestellt. Dazu verwendet man verschiedene Formaldehydharze. In der Regel besteht die Platte aus drei Schichten: zwei Deckschichten mit feinen und eine Mittelschicht mit gröberen Spänen. Nach der Pressung werden die heißen Platten besäumt, geglättet und geschliffen. Die Spanplatte ist – im Gegensatz zu OSB – in beiden Richtungen gleich fest. Je nach Einsatzzweck (tragend, nicht tragend, Trockenbereich, Feuchtebereich) gibt es verschiedene Qualitätsklassen von P1 bis P7. Spanplatten werden sowohl im Holzbau wie auch im Innenausbau und Möbelbau eingesetzt.

Beschichtete Spanplatten

… werden mit einem Dekorpapier, einer Folie oder einem Furnier beschichtet. Die einfachen beschichteten Spanplatten (wie im Test) sind üblicherweise melaminharzbeschichtet, das heißt, ein Dekorpapier wird mit Melaminharzen (Formaldehydharzen) getränkt und unter Druck und Hitze verpresst. So entsteht eine sehr dichte Schicht. Diese Platten werden vor allem im Möbelbau eingesetzt.

OSB = Oriented-Strand-Boards

… sind dreischichtig aufgebaute Platten aus in einer Richtung gestreuten, relativ langen, schlanken Holzspänen, sogenannten Strands. Für die Späne werden Rundhölzer entrindet und zerspant. Da sie schichtweise längs oder quer angeordnet werden, sind die Platten in beiden Richtungen unterschiedlich fest. Die Werkstoffe sind mit einem Polyurethanharz auf Grundlage des bedenklichen Isocyanats PMDI verklebt; in den Deckschichten werden teilweise auch Formaldehydleime verwendet. OSB-Platten werden vor allem in tragenden und aussteifenden Bauteilen eingesetzt, aber auch im Innenausbau, zum Beispiel als Verlegeplatten auf dem Boden. In Deutschland werden sie fast ausschließlich aus Kiefernholz hergestellt. Je nach Einsatzzweck gibt es verschiedene Qualitätsklassen von OSB/1 bis OSB/4. Im Baumarkt ist in der Regel OSB/2 vertreten: für tragende Zwecke im Trockenbereich.

MDF = mitteldichte Faserplatten

… werden ähnlich produziert wie Spanplatten, nur dass das Holz bis auf die Holzfaser aufgemahlen wird. Zunächst werden Hackschnitzel vorgekocht und zerfasert, die Fasern dann getrocknet und unter Klebstoffzugabe zu einem Vlies gestreut, das heiß zu einem sehr homogenen Werkstoff verpresst wird. MDF-Platten weisen beidseitig glatte geschliffene Oberflächen und Kanten auf, sind sehr fest und lassen sich präzise verarbeiten, weshalb sie im Möbelbau sehr beliebt sind. Je nach Einsatzzweck gibt es verschiedene Qualitätsklassen.

Fotos: amw-photography.de (4)

So haben wir getestet

Der Einkauf

In den Filialen von sechs großen Baumarktketten ließen unsere Einkäufer im Zuschnittbereich jeweils vier verschiedene Holzwerkstoffplatten zusägen: eine rohe und eine weiße – melaminharzbeschichtete – Spanplatte, eine OSB- und eine MDF-Platte, je nach Verfügbarkeit 18 beziehungsweise 19 Millimeter dick. Diese Platten gibt es unverpackt in den Baumärkten, wie lange sie dort schon stehen, ist für den Verbraucher nicht ersichtlich.

Die Inhaltsstoffe

Gemeinsam ist diesen Platten, dass sie aus Holzfasern oder -spänen bestehen, die unter Hitze und Druck mit einem Klebstoff zusammengepresst werden. Dazu verwenden die Hersteller je nach Art unterschiedliche Bindemittel. Formaldehyd aus dem Kleber und andere flüchtige organische Verbindungen (VOC), die aus Holz und Bindemittel ausgasen, sind die Hauptprobleme dieser Produktgruppe. Bei Spanplatten wird beispielsweise Harnstoff-Formaldehydharz eingesetzt, das den bedenklichen Stoff später langsam und über einen langen Zeitraum an die Luft abgibt. Eingeatmetes Formaldehyd wurde vom Krebsforschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation WHO 2004 als krebserzeugend für den Menschen eingestuft. Flüchtige organische Verbindungen können – wie auch Formaldehyd – Haut, Augen und Schleimhäute reizen. Bei Holzwerkstoffplatten handelt es sich meist um geruchsintensive Aldehyde und Terpene. Letztere sind insbesondere bei frischen Nadelhölzern – vor allem der Kiefer – im Harz enthalten. Aldehyde werden zum größten Teil erst durch thermische und andere Reaktionen bei der Produktion gebildet und freigesetzt. Die Hersteller können das Produkt durch die Auswahl der Hölzer, durch Lagerung, Trocknung und andere Produktionsparameter beeinflussen. Wir wollten natürlich wissen, ob die Hersteller solche Faktoren beachten und ließen die Platten auf ausgasende Stoffe untersuchen. Holzwerkstoffplatten müssen in Bezug auf Formaldehyd bestimmte gesetzliche Bestimmungen erfüllen. Wir gehen davon aus, dass sie ein gehalten werden. Doch die Situation im Haus ist eine ganz andere, weshalb wir anders getestet und bewertet haben: In der Praxis werden zum Teil größere Flächen – Decken, Wände und Böden – mit Werkstoffen bekleidet und auch für den Möbelbau braucht man zahlreiche Platten. Außerdem wird weniger gelüftet, als es bei der genormten Prüfung der Fall ist. ÖKO-TEST hat die ausgasenden Mengen an Formaldehyd und VOC in einer Emissionsprüfzelle messen lassen – ohne Berücksichtigung der Kanten – und dann auf einen Standardraum von 30 Kubikmeter Volumen umgerechnet, in dem sich zwölf beziehungsweise 60 Quadratmeter Oberflächen von Holzwerkstoffplatten befinden. Auch die höhere Beladung wird in Holzhäusern, Dachausbauten oder mit größeren Schränken durchaus erreicht. In unserem Test wird nur die Hälfte der Luft pro Stunde erneuert, in Neubauten ist das meist noch weniger.

Die Bewertung

Für die Bewertung legen wir die Luftbelastungen des Beispielraums zugrunde, der stark mit Holzwerkstoffplatten beladen ist. Wenn für Formaldehyd der Richtwert für die Innenraumluft des Umweltbundesamtes (UBA) und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) – von den Behörden als sichere Konzentration „safe level“ bezeichnet – überschritten wird, bewerten wir das als „stark erhöht“, die Hälfte der Konzentration als „erhöht“. Bei beschichteten Spanplatten kann das enthaltene Formaldehyd, das nicht über die Fläche freigesetzt wird, teilweise noch über die Kanten entweichen, deshalb kritisieren wir auch hier bestimmte Gehalte. Für die flüchtigen organischen Verbindungen orientieren wir uns an Werten des Umweltbundesamtes, die als langfristiges Mittel erreicht werden sollten. Wir werten zudem zu hohe Konzentrationen an Aldehyden oder Delta-3-Caren ab, auch wenn diese Verbindungen zum Teil aus dem natürlichen Holz kommen.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: VOC = flüchtige organische Verbindungen.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 140.
Anmerkungen: 1) VOC-Abgabe beträgt insgesamt mehr als 1.000 μg/m3.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Zur Abwertung um zwei Noten führt: eine stark erhöhte Formaldehydabgabe von mehr als 125 μg/m3 = 0,1 ppm Formaldehyd in einem stark beladenen Raum. Zur Abwertung um jeweils eine Note führt: a) eine erhöhte Formaldehydabgabe von mehr als 62,5 μg/m3 = 0,05 ppm Formaldehyd in einem stark beladenen Raum und/oder mehr als 55 bis 110 mg/kg Formaldehyd im Material; b) eine erhöhte VOC-Abgabe von mehr als 200 bis 1.000 μg/m3 in einem stark beladenen Raum ohne Aldehyde und Delta-3-Caren, falls diese abgewertet wurden (= „außerdem VOC erhöht“); c) mehr als 25 μg/m3 Delta-3-Caren in einem stark beladenen Raum; d) mehr als 100 μg/m3 Aldehyde in einem stark beladenen Raum; e) mehr als 10 mg/kg Blei; f) halogenorganische Verbindungen.

Testmethoden: Flüchtige organische Verbindungen (VOC): Emissionsprüfzellenmessung nach 24 h, GC/MS nach Thermodesorption; Umrechnung auf einen Raum mit 30 m3, Luftwechselzahl 0,5/h, Produktoberfläche 12 m2 (mäßig beladen) und 60 m2 (stark beladen). Aldehyde (einschließlich Formaldehyd): Emissionsprüfzellenmessung nach 24 h, HPLC-DAD nach Desorption; Umrechnung wie bei VOC. Formaldehyd: in Anlehnung an DIN EN 717-3 (Flaschenmethode); Temperierzeit 24 h, Bezug der Formaldehydabgabe auf die ungetrocknete Probe. Schwermetalle: Totalaufschluss in der Mikrowelle; quantitative Bestimmung gemäß DIN EN ISO 17294-2 „Bestimmung von 62 Elementen durch ICP-MS“, Verwendung von Rhodium und Rhenium als interne Standards; Kalibrierung des ICP-MS mittels Multielementstandards (simple linear). Halogenorganische Verbindungen: Elution mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur; Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Weichmacher: GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung. PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse. Steht bei Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Nachweisgrenze“ der jeweiligen Testmethode.
Einkauf der Testprodukte: Dezember 2010.
Anbieterverzeichnis: siehe unterwww.oekotest.de
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