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TEST Interdentalbürsten: Bis in den hintersten Winkel


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 27.12.2021

RATGEBER

1 Zur Wahl des richtigen Bürstendurchmessers den Zahnarzt zurate ziehen.

Nicht auf Verdacht kaufen.

2 Um Verletzungen des Zahnfleischs zu vermeiden, die Bürste niemals mit Gewalt in die Zahnzwischenräume drücken. Vorsichtig in den Zahnzwischenraum einführen und behutsam vor- und zurückbewegen.

3 Nach dem Gebrauch die Bürste gründlich auswaschen und regelmäßig nach einigen Tagen, gemäß der Anbieterangaben, wechseln.

Zähneputzen mit einer herkömmlichen Zahnbürste allein reicht für eine gründliche Reinigung oft nicht aus. Im Zahnzwischenraum können zurückbleibende Speisereste Fäulnisbakterien bilden, die für üblen Mundgeruch verantwortlich sein oder Entzündungen von Zähnen und Zahnfleisch auslösen können. Zahnmediziner empfehlen deshalb eine zusätzliche Anwendung von Zahnseide, Dental Sticks oder auch Interdentalbürsten.

Besonders kompliziert oder langwierig ist die zusätzliche Zahnpflege ...

Artikelbild für den Artikel "TEST Interdentalbürsten: Bis in den hintersten Winkel" aus der Ausgabe 1/2022 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 1/2022

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... nicht. Laut einer Umfrage des Internetportals Zahnvorsorge-Plus geben 62 Prozent der befragten Bundesbürger an, regelmäßig Zahnseide zu benutzen und 45 Prozent spezielle Zahnzwischenraumbürsten.

Wir haben 19 Interdentalbürsten und zwei Interdentalreiniger – auch Picks genannt – eingekauft und in Laboren untersuchen lassen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die beiden Picks sind „sehr gut“, die 19 Bürsten schneiden „gut“ ab. Wir ließen alle Produkte auf Schadstoffe überprüfen. Das Labor fand keine bedenklichen oder umstrittenen Substanzen. Kritik übten hingegen die Experten der Zahnheilkundlichen Abteilung der Uniklinik Gießen, wohin wir die Produkte zur Begutachtung der Gebrauchseignung schickten.

Borsten mit Ecken und Kanten Unter dem Rasterelektronenmikroskop erkannten die Zahnmediziner an allen 19 Bürsten einen etwas zu hohen Anteil an Borsten, die an den Enden nicht akzeptabel abgerundet sind. Wenn zu viele von ihnen Ecken, Spitzen oder Kanten aufweisen, kann dies das Zahnfleisch reizen. Fast alle Hersteller erklärten uns, dass es produktionstechnisch aktuell nicht möglich sei, die Enden der sehr weichen und nachgiebigen Borsten genügend abzurunden – ganz im Gegensatz zu konventionellen Zahnbürsten, bei denen die Borsten härter seien und nur in eine Richtung zeigten.

An den beiden Interdentalreiniger- Picks, die statt einer Rundbürste ein Noppenfeld aus weichen Kunststoff oder Gummi besitzen, gab es hingegen nichts zu beanstanden.

Sechs der Reinigungsköpfe im Test sind konisch geformt, das heißt, sie verengen sich kegelförmig. Der Rest ist zylindrisch, das bedeutet, ihre Rundbürste hat durchgehend denselben Durchmesser. Es gibt keine Studie, die eine bessere Reinigungsleistung von einer der beiden Formen belegt, weshalb wir sie nicht bewerten. Eine konische Form kann wegen des variierenden Durchmessers Vorteile haben, zum Beispiel bei unterschiedlich großen Zahnlücken oder auch bei Brücken und Spangen. Nutzer von zylindrischen Bürsten müssen, da die Zahnzwischenräume eines Gebisses niemals gleich groß sind, schon mal verschieden große Bürsten bereithalten.

„Sie können unbesorgt lächeln: Alle getesteten Bürsten sind schadstof f f rei.“

Lisa-Marie Karl

ÖKO-TEST-Redakteurin

Wichtig ist: Der Durchmesser sollte niemals zu groß oder zu klein sein. Ist er zu klein, reichen die Borsten nicht genügend an die Zahnfleischfurche zwischen den Zähnen heran. Ist er zu groß, kann die Bürste oder der Draht das Zahnfleisch verletzen. Der Zahnarzt hilft, die richtige Größe zu finden.

Der richtige Durchmesser Bei allen Bürsten ist der Durchmesser des Drahts oder der Bürste, oder auch von beiden, auf der Verpackung angegeben, häufig zusätzlich mit einem Verweis auf die entsprechende ISO-Norm. Die ISO-Zahlen auf einer Skala von 0 bis 8 lassen Rückschluss auf die Größe des Durchmessers zu. ISO 0 zum Beispiel bedeutet kleiner oder gleich 0,6 Millimeter PHD (Passierbarer Lochdurchmesser), ISO 1 meint 0,7 bis 0,8 Millimeter PHD.

Die Auslobungen der beiden Reiniger-Picks im Test hingegen lassen die Nutzer im Unklaren. Zum Dentalux Space Pick metallfrei findet der Anwender gar keine Angaben und zu den Gum Soft-Picks Advanced Interdentalreiniger, Small lediglich die Auslobung „S“ wie „small“. Im Vergleich zu den Bürsten mit ihren konkreten Angaben in Millimetern plus Nachkommastelle ist das einfach zu ungenau.

TEST Wir haben getestet Ò

WISSEN

Die richtige Wahl

Seide, Stick oder Bürste? Ob Zahnseide, Dental Sticks oder Interdentalbürsten: Welche Pflege davon die effektivere ist, lässt sich nicht eindeutig sagen und hängt auch von den individuellen Gegebenheiten und Gewohnheiten ab. Einige Studien zeigen, dass eine Kombination aus Interdental-und Zahnbürste zu einem besseren Reinigungsergebnis führt als eine aus Zahnseide und Bürste. Möglicherweise ist der Effekt aber auch auf die etwas umständlichere Handhabung von Zahnseide zurückzuführen.

Plastik, Bambus oder Holz? Interdentalbürsten bestehen zum Großteil aus Kunststoff. Mittlerweile gibt es ein größeres Angebot an Alternativen: Für Griffe finden zunehmend nachwachsende Rohstoffe wie Birkenholz und Bambus Verwendung oder auch Kunststoffe auf Basis von etwa Maisstärke. Auch für Borsten oder Schutzklappen werden häufiger Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe eingesetzt.

Wir haben 21 Interdentalbürsten eingekauft und in die Labore geschickt. 19 Produkte besitzen im Inneren eine Drahtspirale und sind mit Kunststoffborsten bestückt, zwei Reiniger, sogenannte Picks, haben statt eines Bürstenkopfs ein Noppenfeld aus weichem Kunststoff oder Gummi. Fünf Produkte haben einen Holz- oder Bambusgriff. Sechs Bürstenköpfe sind konisch geformt, verengen sich also kegelförmig nach vorne, der Rest ist zylindrisch, das heißt, der runde Bürstenkopf hat durchgehend denselben Durchmesser.

Zahnheilkundler Professor Martin Jung von der Uniklinik Gießen untersuchte die Borsten für uns unter dem Rasterelektronenmikroskop, ob sie an den Enden akzeptabel abgerundet sind. Zudem begutachtete er, wie gut die Reinigungsköpfe der Picks verarbeitet sind und ob unsauber verarbeitete Stellen Verletzungsgefahren bergen.

Verschiedene Labore untersuchten die Produkte auf bedenkliche und problematische Inhaltsstoffe, darunter Phthalate, Ersatzweichmacher, phenolische Verbindungen und Schwermetalle. Zudem wurden die Produkte und Verpackungen auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen (PVC/PVDC) geprüft.

Fett gedruckt sind Mängel. Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 126. Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: keine Angabe der Größe in Form des Durchmessers oder des PHD (passage hole diameter/Mindestdurchmesser eines Lochs, durch das der Interdental-Reiniger bei Einführung mit klinisch relevanter Kraft hindurchpasst) auf der Verpackung oder in der Packungsbeilage. 2) Laut Anbieter wird das Produkt aus dem Sortiment genommen und befinde sich im Abverkauf.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Unter dem Testergebnis Gebrauchseignung führt zur Abwertung um eine Note: mittelmäßig abgerundete Borstenenden (weniger als 70 Prozent der untersuchten Borsten sind akzeptabel abgerundet).

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: keine Angabe der Größe in Form des Durchmessers oder des PHD (passage hole diameter/Mindestdurchmesser eines Lochs, durch das der Interdental-Reiniger bei Einführung mit klinisch relevanter Kraft hindurchpasst) auf der Verpackung oder in der Packungsbeilage. Das Gesamturteil beruht zu 50 Prozent auf dem Testergebnis Gebrauchseignung und zu 50 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Es wird kaufmännisch gerundet. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2201

Einkauf der Testprodukte: August 2021.

Dieser Test löst den Test Interdentalbürsten und Dental-Sticks im ÖKO-TEST Magazin 2/2016 und dessen Wiederveröffentlichungen im ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik für 2016 und ÖKO-TEST Jahrbuch für 2017 ab.

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