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TEST Intimwaschlotionen und –pflegetücher: Wir sind sauer


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2014 vom 26.09.2014

Auf den Verpackungen von Intimwaschlotionen und -pflegetüchern heißt es, diese Produkte würden den sensiblen Intimbereich besonders schonend reinigen. Doch tatsächlich schmieren sich Frauen mit manchen der untersuchten Marken aggressive Konservierungsmittel auf die Haut.


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Foto: kryzhov/©Shutterstock

Manchmal gibt es Situationen, da legen Frauen noch mehr Wert auf ihre Intimhygiene oder haben einfach den Wunsch, sich unterwegs mal zu „erfrischen“, etwa während der Menstruation. Intimwaschlotionen und -tücher verheißen hier eine spezielle Pflege. Die Verpackungen werben mit Aussagen wie „für ein reines ...

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... Frischegefühl überall und zu jeder Zeit“ oder so „tragen Sie entscheidend dazu bei, dass Ihr Intimbereich gesund bleibt und Sie sich rundum gepflegt fühlen“. Besonders betont die Industrie dabei den pH-Wert der Produkte, der speziell auf den natürlichen Wert der sensiblen Haut abgestimmt sei.


Eine spezielle Intimpflege ist unnötig


Tatsächlich ist der Intimbereich sauer. Im äußeren Schambereich, also etwa bei den Schamlippen, liegt der pH-Wert um 5, in der Vagina liegt er bei 4 bis 4,5. Das hat auch einen guten Grund: Dieser pH-Wert verhindert, dass sich krank machende Keime vermehren. Deshalb sollte er auch nicht dauerhaft steigen. Brauchen Frauen deshalb aber besondere Produkte? Nein, lautet die Antwort der Frauenärzte. „Es ist nicht notwendig, zur Intimpflege spezielle Waschprodukte mit einem sauren pH-Wert zu verwenden“, sagt etwa Dr. Marianne Röbl-Mathieu, niedergelassene Ärztin in München und im Berufsverband der Frauenärzte aktiv.

Frauen könnten auch ein normales pflegendes Duschgel nehmen. Früher dachte man, dass solche Produkte im Intimbereich schaden. Inzwischen habe sich aber laut Röbl-Mathieu gezeigt, dass diese Befürchtungen meist unbegründet seien. Die Haut stellt ihren pH-Wert nach dem Waschen selbstständig wieder her – solange Frauen sich nicht exzessiv mehrmals täglich waschen. Auch bei Infektionen durch Bakterien oder Pilze gebe es keine Situation, in der es sinnvoll sein könnte, auf die speziellen Waschlotionen mit niedrigem pH-Wert zurückzugreifen, ergänzt Professor Werner Mendling aus Wuppertal, er ist Experte für Infektionen.

Wasser ist und bleibt aber das beste Mittel zum Waschen des Intimbereichs.

ÖKO-TEST rät

• S ie haben die Wahl: Einige „gute“ Produkte können Sie ausprobieren. Einen besonderen Nutzen sollten Sie aber nicht erwarten, auch wenn die Hersteller damit werben. Ein normales Duschgel tut es auch. Experten empfehlen lediglich Wasser.

• W aschlappen sind praktisch – auch für unterwegs. Allerdings sollte der immer frisch sein, denn in gebrauchten Lappen fühlen sich Bakterien wohl.

• A uch und gerade im Intimbereich kann zu häufiges Waschen und übertriebene Hygiene die Haut austrocknen und beschädigen.

• U nangenehme Gerüche und Ausfluss sollten vom Frauenarzt abgeklärt werden. Oft steckt dahinter eine Infektion mit Pilzen oder – noch unangenehmer – mit Bakterien.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Unsere Einkäufer haben sich in Drogeriemärkten, Apotheken und im Naturwarenhandel umgeschaut und sieben Intimpflegetücher sowie 13 Waschlotionen eingekauft. Bei zwei Waschgelen handelt es sich um zertifizierte Naturkosmetik.

Die Inhaltsstoffe

Frauen greifen zu Intimwaschlotionen und -pflegetüchern, da sie davon ausgehen, dass die Produkte den Intimbereich besonders sanft pflegen. Wir wollten deshalb wissen: Stecken hier auch tatsächlich keine kritischen Stoffe drin? Wie sieht es mit den Konservierungsmitteln aus? Darüber hinaus haben wir die Lotionen und Tücher einer umfangreichen Duftstoffanalyse unterzogen.

Die Verpackung verspricht eine sanfte Pflege, die Laboranalyse zeigt aber, dass in dem Produkt kritische Konservierungsmittel stecken.


Foto: ÖKO-TEST

Die Weiteren Mängel

Wie sind die Lotionen und die Tücher verpackt? Ein Umkarton, der kein Glas schützt, oder einzeln verpackte Tücher belasten die Umwelt unnötig.

Die Bewertung

Verwenden Frauen Waschlotionen, spülen sie diese nach dem Reinigen mit Wasser wieder ab. Die Tücher sind mit einer Lotion getränkt, die anschließend sehr wahrscheinlich nicht wieder abgewaschen wird. Deshalb bewerten wir die Inhaltsstoffe der Tücherlotionen in einigen Punkten strenger als die der Waschlotionen.

Weniger ist mehr . Bei der Intimhygiene ist Wasser pur die beste Wahl.


Foto: Guryanov Andrey/©Shutterstock

Es hat einen klaren Vorteil: Intimwaschprodukte und Duschgele müssen konserviert werden. So ist sichergestellt, dass sich darin keine schädlichen Keime ansiedeln. Wer sich nur mit Wasser wäscht, hat folglich kein Problem mit Konservierungsmitteln. Nach der Benutzung von Waschlotionen spült man immerhin meistens alles mit klarem Wasser ab – bei den Tüchern jedoch bleibt die Lotion samt Konservierungsmittel auf der Haut. Wir wollten wissen, ob darunter auch kritische Substanzen sind, und haben 13 Intimwaschlotionen und sieben Pflegetücher in verschiedenen Laboren gründlich testen lassen.

Das Testergebnis

Alles andere als sanft . Ein Drittel der Produkte für die Intimpflege schneidet mit „ausreichend“ und schlechter ab. Vier Produkte sind aufgrund der enthaltenen umstrittenen Stoffe „ungenügend“.

Frechheit! Ausgerechnet beim Markenprodukt Intima Liasan Intim-Waschlotion fand das Labor höhere Mengen des kritischen Konservierers Methylisothiazolinon, als laut Kosmetikverordnung erlaubt ist. Die Zahl der Menschen, die auf das Konservierungsmittel eine Kontaktallergie entwickelt haben, nahm in den vergangenen Jahren deutlich zu. Die Haut reagiert dann beispielsweise mit einem Ekzem. In der Lotion der Tücher von Intima Liasan sowie in der Vionell Intim Waschlotion wird der Konservierer ebenfalls eingesetzt. Und Vionell bleibt laut Laboranalyse gerade so unterhalb der erlaubten Menge von 100 Milligramm pro Kilogramm.
Das braucht keine Frau . Bei der Waschlotion von Sagella wies das Labor Formaldehyd/-abspalter nach. Diese nutzt die Industrie ebenfalls zum Konservieren, Formaldehyd jedoch steht unter Verdacht, Krebs zu erzeugen.
Woanders verboten. Der Hersteller von Intima Liasan setzt in seiner Intim-Waschlotion eine halogenorgansiche Verbindung ein, die etwa in Zahncremes und Lippenstiften verboten ist. Auch in den Tüchern der Dm-Eigenmarke Jessa wiesen die beauftragten Labore halogenorganische Verbindungen nach.
Nicht so dufte . In allen Produkten stecken Parfüm und/ oder ätherische Öle. Wir finden: Das ist absolut unnötig im sensiblen Intimbereich.
Sauer. Auch wenn es auf den pH-Wert eigentlich nicht ankommt, wir wollten trotzdem wissen, ob die Anbieter ihre pH-Versprechen auf der Verpackung auch tatsächlich einhalten. Die Analysen zeigen: Die pH-Werte stimmen mit den Angaben auf den Verpackungen überein. Insgesamt haben wir pH-Werte von 3,4 bis 5 gefunden. Sie liegen also im leicht sauren Bereich.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: n. u. = nicht untersucht
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 2) Weiterer Mangel: Tücher sind einzeln verpackt.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in der alphabetischen Reihenfolge aufgeführt. Zur Abwertung um jeweils vier Noten führen: a) mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter; b) mehr als 100 mg/kg Methylisothiazolinon (in der Tabelle: „stark erhöht“). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) bis zu 100 mg/kg Methylisothiazolinon (in der Tabelle: „erhöht“); c) PEG/PEG-Derivate in Intimpflegetüchern; d) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschus-Verbindungen (künstlicher Moschus-Duft). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Par füm und/oder ätherische Öle; b) PEG/PEG-Derivate in Intimwaschlotionen. Unter den Testergebnissen Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) bei Waschlotionen ein Umkarton, der kein Glas schützt; b) einzeln verpackte Intimpflegetücher. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochene) Wirkung der Produkte nicht überprüft haben. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“ bedeutet dies: „Unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.“ Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethode undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oektotest.de → Suchen → „M1410“ eingeben.
Einkauf der Produkte: Juni 2014.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Beliebte Konservierungsmittel auf dem Prüfstand

In neun Intimwaschprodukten stecken Konservierungsmittel, die derzeit auf dem Prüfstand stehen: Polyaminopropyl Biguanide (PHMB) und Phenoxyethanol. Zu PHMB äußerte das wissenschaftliche Beratergremium der EU (SCCS) im Sommer 2014, dass es aufgrund fehlender Daten über eine mögliche erbgutschädigende Wirkung zu keinem Schluss über die sichere Verwendung in Kosmetika kommen könne. PHMB ist als Gefahrstoff (CMR 2) eingestuft und könnte dadurch ab 2015 laut Kosmetikverordnung verboten sein. Das SCCS hat aber um weitere Forschungsdaten gebeten, auf deren Basis es die Substanz womöglich doch noch als sicher einstufen könnte.
Die Bewertung des SCCS zu Phenoxyethanol war zu Redaktionsschluss noch in Arbeit. Dieser Konservierer ist nicht als CMR-2-stoffeingestuft, wird aber wegen möglicher toxischer Wirkungen diskutiert. ÖKO-TEST wertet beide Konservierungsmittel in Kosmetika bis auf Weiteres nicht ab, beobachtet aber die Diskussion.