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TEST Kaffeekapseln: Die Müllmacher


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2013 vom 27.09.2013

Kaffeekapseln stehen für bequemen Genuss. Beim Kunden sind sie in. Out scheint dagegen bei Anbietern dieser Einwegverpackungen die Umwelt zu sein. Was unser Kaffeekapseltest noch verrät: Funktionieren die Kapseln in der Maschine? Stecken Schadstoffe im Kaffee? Und: Wurde er fair produziert?


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Fotos: [M] iStockphoto/©Thinkstock, Zoonar/©Thinkstock

Es ist eines der Wunder der Warenwelt: Dem Unternehmen Nestle ist es gelungen, einen Luxusartikel aus jenem Produkt zu kreieren, das der Maurer morgens in seine Thermoskanne gießt, die Studentin am Automaten zieht und Eltern beim Schulfest aus Drei-Liter-Kannen in ...

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... ihre mitgebrachten Becher pumpen: Kaffee. Wer es immer noch nicht fassen kann, besuche eine der zehn Nespresso-Boutiquen, die in Westdeutschlands Großstädten und Berlin auf Kunden warten.


Sechs Milliarden Dollar Umsatz erzielten Anbieter von Kaffeekapseln 2012


Die Kapselpackungen - nach Farbverlauf geordnet - ruhen in massiven Holzregalen wie die Seidenkrawatten im Hermes-Shop. Anders als im Supermarkt stellt man sich zum Kaffeekauf an, um der freundlichen Nespresso-Mitarbeiterin die Bestellung zu verraten und die schlanken Packungen entgegenzunehmen. Unter Niedervoltlampen - dezent angestrahlt wie Autos im Showroom - warten Nespresso-Maschinen auf Kunden. Und dann gibt es da noch den ganzen Tand, in der schönen neuen Warenwelt „Accessoire“ genannt. Etwa die schwarze Reisetasche mit Metallboden, passend für alle Pixie-Maschinenmodelle, für schlappe 75 Euro. Oder die DuftkerzeCafe Absolu für 35 Euro. Natürlich kann all das auch im Internet gekauft werden. Voraussetzung: Man wird Mitglied im Nespresso-Club. So bleibt man unter sich.

Wer das alles ernst nehmen muss, sind die Mitbewerber. Denn Portionskaffee - Pad und Kapsel - boomt. Weltweit erreichte der Umsatz allein bei Kaffeekapseln nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts Euromonitor International im Jahr 2012 rund sechs Milliarden Dollar. Und laut Einschätzung des Weltkonzerns Mondelez International (ehemals Kraft Foods) wird das Geschäft mit Portionskaffee bis 2016 allein in Westeuropa auf mehr als ein Drittel des gesamten Kaffeemarkts anwachsen. Grund genug für Mondelez, nicht nur auf das eigene Kapselsystem Tassimo (Jakobs) zu setzen, sondern auch eine Kapsel auf den Markt zu bringen, die kom- kompatibel mit den Nespressomaschinen ist, dem marktführenden System. Auch Kaffeegigant Douwe Egberts, bekannt für sein Pad-System Senseo, hat deshalb eine nespressokompatible Kapsel herausgebracht.


Die Anbieter verkauften allein in Deutschland 10.000 Tonnen Kaffeekapseln


Dass immer mehr Anbieter Kaffeekapseln auf den Markt werfen, die für den Gebrauch in Nespressomaschinen geeignet sind, hat damit zu tun, dass ein wichtiges Patent auf die Nespressokapseln ausgelaufen ist. Außerdem hat der Konzern in der jüngsten Vergangenheit im Kampf gegen die Nachahmer empfindliche Niederlagen einstecken müssen. So hatte etwa das Landgericht Düsseldorf 2012 entschieden, dass nicht die Kapsel, sondern die Maschine das Herzstück des Angebots sei. Die Forderung von Nestlé nach einem Vertriebsstopp für Nachahmerkapseln wurde daher abgewiesen. Und auch in diesem Jahr verlor der Weltkonzern eine Schlacht: Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied, dass die Anbieter billigerer Konkurrenzprodukte weiterhin damit werben dürfen, dass diese für Nespressomaschinen geeignet sind. Diese Entscheidungen freuen die Mitbewerber. Die Verlierer sind Nestlé – und die Welt. Denn nun füllen noch mehr Anbieter ihren Kaffee in Kapseln, um am Convenienceprodukt mitzuverdienen. Und das heißt auch: mehr Müll.

Laut dem Deutschen Kaffeeverband wuchs der Markt für Kaffeekapseln allein in Deutschland von 2011 auf 2012 um 16 Prozent und lag im vergangenen Jahr bei 10.000 Tonnen. Das sind zwei Milliarden Kapseln. Hintereinander gelegt ergeben die eine Strecke von 60.000 Kilometern. Zum Vergleich: Die Länge des Äquatorkreises beträgt rund 40.000 Kilometer. Das heißt: Nur wir deutschen Kaffeekapseltrinker produzieren einen Kapselgürtel, der eineinhalbmal um die Erde reicht. Wohin mit dem Müll?

Landen die Kaffeekapseln im Restmüll, sind sie für das Recycling verloren. Über die Wertstoffsammlung (Gelbe Tonne) dagegen gelangen Verpackungen aller Art zur Recyclingauswahl. Und obwohl Kaffeekapseln laut Verpackungsverordung nicht in die gelben Säcke und Tonnen gehören, werfen Verbraucher sie auch dort hinein. Zum Teil folgen sie damit der Entsorgungsempfehlung auf der Kapselverpackung. Denn einige Anbieter sind Lizenznehmer im Dualen System. Da aber laut dem Umweltbundesamt selbst beim Dualen System rund 50 Prozent der Verpackungen nur thermisch verwertet werden, hält sich wohl auch die Recyclingquote von Kaffeekapseln aus Kunststoff in Grenzen. Vor allem dann, wenn die Kapseln auch noch aus verschiedenen Kunststoffkomponenten bestehen, also nicht sortenrein sind.

Der Marktführer Nestle produziert seine Nespresso-Kaffeekapseln aus Aluminium. Aus Aluminium, weil das Metall eine absolute Barrierewirkung gegenüber Sauerstoff und Licht aufweist, das Kaffeearoma somit bewahrt und gleichzeitig dem hohen Druck gut standhält, der entsteht, wenn Wasser beim Brühvorgang in der Maschine durch kleine Löcher in die Kapsel gepresst wird.

Aluminium ist ein Wertstoff, der prinzipiell gut recycelbar ist. Für Altaluminium reduziert sich der Energieeinsatz bei der Produktion um 90 bis 95 Prozent im Vergleich zu Neualuminium. Die Frage ist aber, wie viele Konsumenten ihre Kaffeekapseln in die gelbe Tonne und nicht in den Restmüll werfen. Nestle selbst gibt an, dass die Recyclingkapazität für die Alukapseln weltweit bei 75 Prozent liege. Das sagt natürlich noch nichts darüber aus, wie viele Alukapseln tatsächlich recycelt werden.

Aber angenommen, die effektive Recyclingquote aller verkauften Nespressokapseln läge bei 75 Prozent. So ergibt sich noch immer eine gewaltige Verschwendung von Ma terial. Die Rechnung: Laut einem Bericht derFrankfurter Allgemeinen Zeitung sind im Jahr 2012 weltweit rund acht Milliarden Nespressokapseln verkauft worden. Nestle selbst kommuniziert keine marktspezifischen Zahlen und Produktionsgrößen. Da eine Kapsel rund ein Gramm Aluminium enthält, wären im vergangenen Jahr acht Millionen Kilogramm recyclingfähiges Aluminium angefallen. Bei einer Recyclingkapazität von 75 Prozent würde das bedeuten, dass 2012 zwei Millionen Kilogramm Aluminium - also 2.000 Tonnen - im Müll gelandet wären. Auch beim direkten Vergleich zwischen Alukapsel und Alufolienverpackung für gemahlenen oder Bohnenkaffee schneidet die Portionskapsel schlecht ab: Wer seinen Espresso in den üblichen vakuumverschweiß ten 250-Gramm-Tüten aus Aluminium kauft, verursacht nur rund ein Zehntel der Abfallmenge, die entsteht, wenn die gleiche Menge Kaffee mit Kapseln aufgebrüht wird. In der im Jahr 1991 in Kraft getretenen Verpackungsverordung heißt es im Abschnitt I, Paragraf 1: „Verpackungsabfälle sind in erster Linie zu vermeiden.“

Einmal um die ganze Welt… und weiter reicht die Strecke, die alle im Jahr 2012 in Deutschland verkauften Kaffeekapseln als Kette ergeben: Es sind 60.000 Kilometer - 40.000 Kilometer misst der Äquatorkreis.


Foto: iStockphoto/©Thinkstock


Keiner weiß, wie viel Aluminium im Restmüll landet und nie recycelt wird


Neben Alt- ist aber auch Neualuminium für die Produktion von Kaffeekapseln nötig. Einerseits bestehen die Verschlussfolien aus Neualuminium. Andererseits benötigen auch Alurecyclingprodukte einen geringen Anteil Neualuminium. Und die Produktion von Primäraluminium ist ökologisch höchst bedenklich. Denn um aus dem Ausgangsstoff Bauxit, dem einzigen Erz, aus dem Aluminium zurzeit pro fitabel erzeugt werden kann, ein Kilogramm Aluminium zu gewinnen, werden rund 14 Kilowattstunden Strom benötigt. Der benötigte Strom muss zuvor erzeugt werden. Dabei wird Kohlendioxid frei, im konkreten Fall mehr als acht Kilogramm. Zum Energieverbrauch, der die Aluminiumproduktion so bedenklich macht, kommen die Folgen für die Umwelt, die die verheerende Abbaumethode des Grundstoffes Bauxit verursacht: Von den heute bekannten Bauxitreserven lagern etwa 90 Prozent im Tropengürtel. In den Hauptabbauländern - Guinea, Jamaika, Indien, Australien und Brasilien - wird für den Abbau auch Regenwald großflächig gerodet, um an das Erz im Erdboden zu gelangen. Bauxitfelder gleichen Marslandschaften. Das Bauxit wird gemahlen und mit Natronlauge behandelt, um die Aluminiumanteile aus dem Erz zu lösen. Mindestens die Hälfte des Ausgangsmaterials bleibt als unbrauchbarer Rotschlamm zurück. Da es kaum Möglichkeiten gibt, den Rotschlamm weiterzuverarbeiten, landet die giftige Substanz aus Eisenverbindungen, Natronlauge und Schwermetallen als Sondermüll in angelegten Seen. Aber immer wieder leiten die Abbaubetriebe die giftige Brühe auch in Flüsse.

Für Dr. Rolf Buschmann, Referent für Technischen Umweltschutz beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), ist die Frage, ob Kaffee aus Einwegkapseln - bestehend aus Aluminium oder Kunststoff konsumiert werden sollte, schnell beantwortet: „Kaffee ist auch ohne Kapseln konsumierbar.“

Es ist so einfach: Kapsel rein, Tasse drunter, Knopf drücken. Einweg-Kaffeekapseln sind ein typisches Convenienceprodukt, bequem und schnell zuzubereiten.


Foto: iStockphoto/©Thinkstock

Ob neben dem Kapselmüllberg auch noch Schadstoffe im Kaffee oder dessen unfaire Anbaumethoden gegen die 13 Einwegkaffeekapseln im Test sprechen, erfahren Sie in unserem Testbericht. Auch ob die Kapseln in den Maschinen störungsfrei funktionieren und die zwei wiederbefüllbaren Kapseln im Test eine echte Alternative sind. Diese Produkte müssen vom Verbraucher mit Kaffeepulver gefüllt und nach dem Aufbrühen gereinigt werden.

Das Testergebnis

Nur Durchschnitt: Die Einweg-Kaffeekapseln können im Gesamturteil nicht überzeugen. Das liegt an den schlechten Noten, die viele Produkte für die gegenüber Mensch und Umwelt verantwortungslose Produktion von Kaffee und Kapseln erhalten. Wer Kaffee unbedingt in Kapseln aufbrühen möchte, für den ist zumindest eine Mehrwegkapsel im Test eine Alternative.
Kaffeekapselproduktion und Transparenz: alles Einweg. Die Einwegkapseln bestehen meist aus mehreren Komponenten. Mit dabei: Polypropylen, Aluminium, Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer, Polyester, Polyethylen, Silikon. Sollten die Kapseln nicht im Restmüll, sondern in der Gelben Tonne landen, wird niemand die rund ein Gramm schwere Kapsel in ihre Komponenten zerlegen. Das Ende der Kapseln ist die „thermische Verwertung“. Aber auch Kapseln, die überwiegend aus gut recycelbarem Aluminium bestehen, produzieren unnötig Müll. Denn nicht alle Verbraucher werfen Alukapseln in die Wertstofftonne. Grundsätzlich ist zu fragen, ob es sinnvoll ist, einen Wertstoff wie Aluminium in Kaffeekapseln einzusetzen, wenn Kaffee problemlos ohne Einzelportionskapseln aus Aluminium konsumiert werden kann. Kann man wollen, dass ein gewaltig wachsender Markt von Einzelportionskaffee am Ende für die zusätzliche Produktion von Aluminium oder das Recycling von Alumini-Es ist so einfach: Kapsel rein, Tasse drunter, Knopf drücken. Einweg-Kaffeekapseln sind ein typisches Convenienceprodukt, bequem und schnell zuzubereiten. um verantwortlich ist, bei dem auch Energie verbraucht wird? ÖKO-TEST meint nein. Und deshalb werten wir Einwegkapseln ab. Auch solche, deren Anbieter uns Zertifikate mitschickten, die belegen, dass ihre Kapseln aus biologisch abbaubarem Kunststoff bestehen oder kompostierbar im Sinne der Norm EN 13432 sind. Denn sie bestehen schlicht den „Praxistest“ nicht. Dazu BUND-Experte Dr. Rolf Buschmann: „Kompostierbare Kapseln werden in den Kompostieranlagen als Störfaktor aussortiert und landen im Restmüll.“
Nur vereinzelt fair! Fünf der 13 Einweg-Kaffeekapseln enthalten Kaffee, bei dessen Produktion die Hersteller bemüht sind, dass den Plantagenarbeitern der gesetzliche Mindestlohn gezahlt wird und bei der Produktion die ILO-Kernarbeitsnormen eingehalten werden. Es sind ausnahmslos Produkte, deren Kaffee ein Zertifikat nach den Kriterien von UTZ, Rainforest Alliance oder Fairtrade besitzt. Die Zertifizierungskriterien dieser Organisationen fordern die Einhaltung der ILO-Normen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) der UNO und die Zahlung eines Mindestlohns. Das Unternehmen Lavazza verwies auf seinen Unternehmenskodex als Nachweis dafür, die Zahlung von Mindestlohn und die Einhaltung der ILO-Kriterien während der Kaffeeproduktion zu garantieren. Doch das reicht uns als Nachweis nicht. Denn dies ist doch deutlich weniger, als eine externe Kontrolle, die stichprobenartig von den Siegelorganisationen gefordert wird. Einen garantierten Mindestpreis für den Kaffee, der die Kaffeebauern von den Spekulationen an den Rohstoffbörsen unabhängig macht und ihr Einkommen sichert, zahlt nur der Anbieter der Kapsel Espresso Ethical Coffee Company, Inca Soave, dessen Kaffee Fairtrade-zertifiziert ist.
Tarnen, täuschen, Illy! Anbieter Illy gab an, dass sein Produkt Illy Iperespresso, Medium roasted von der Klassifikationsgesellschaft Det Norske Veritas (DNV) hinsichtlich eines Responsible Supply Chain Process zertifiziert sei. DNV überprüft nicht direkt die Kriterien, die für eine verantwortungsvolle Produktionskette sprechen. Stattdessen muss Illy Techniker auswählen und dafür entlohnen, unter den Lieferanten, die Illy mit Kaffee beliefern, Feldstudien durchzuführen. DNV prüft dann die von Illy-Technikern gesammelten Daten. Da uns Illy aber diese Prüfprotokolle mit dem Hinweis, sie „sind intern“, nicht zugeschickt hat, fehlt der Nachweis, um zu beurteilen, ob hier eine echte Kontrolle auf Plantagen stattfindet. Überrascht hat uns die Antwort des Unternehmens auf unsere Frage zur Einhaltung der ILO-Kriterien auf den Kaffeeplantagen: „Alle Herkunftsländer, aus denen wir Kaffee beziehen, haben die IAO-Vorschriften ratifiziert.“ Nur soviel: Auch Ghana und die Elfenbeinküste haben etwa die ILO-Konventionen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit und zum Mindestalter unterschrieben. Und in beiden Ländern ist sklavenähnliche Kinderarbeit auf Kakaoplantagen dennoch ein großes Problem. Noch fragwürdiger war das Verhalten des Unternehmens auf unsere Anfrage, ob Illy einen Mindestpreis für den Kaffee zahlt. Illy antwortete, es würde mehr als Weltmarktpreis bezahlt. Den Nachweis in Form einer Rechnung wollte uns Illy nur gegen Unterschrift unter einen Geheimhaltungsvertrag liefern. Das ist üblich. Denn so haben Unternehmen die Sicherheit, dass sensible Daten wie Rohstoffeinkaufspreise nicht an die Mitbewerber gelangen, während sie uns die Möglichkeit einräumen, anhand der offengelegten Daten den Punkt Mindestpreis zu bewerten. Leider war der Geheimhaltungsvertrag nicht das Papier wert, auf dem er gedruckt worden war. Denn Punkt 9 informierte uns darüber, dass Illy keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit einer Angabe im Rahmen des Geheimhaltungsvertrags übernimmt. Auf unseren Hinweis hin schickte das Unternehmen weitere Versionen. Doch auch diese waren nicht akzeptabel.

Die Inhaltsstoffe. Das Kaffeepulver in den 13 Einwegkapseln enthält keine problematischen Inhaltsstoffe in Mengen, die ÖKO-TEST abwertet. Auch die Kaffeeaufgüsse sind sauber. Aus den 15 Kapseln haben sich somit während des Brühvorgangs keine bedenklichen Stoffe gelöst. Auch kein Aluminium, das einige Wissenschaftler für Erkrankungen wie Brustkrebs und Alzheimer verantwortlich machen. Lediglich beim Kapselmaterial gibt es Grund zur Abwertung: Die Produkte Cap’ Mundo Artisan Espresso Copaiba Bio Organic, Nescafé Dolce Gusto Espresso, Nespresso Ristretto und Tchibo Cafissimo Espresso enthalten PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen. Die Kapsel Coffeduck enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Neun Aufgüsse enthalten Spuren von Nickel, die nicht zur Abwertung führen.

Blutrote Wüsten hinterlässt der Abbau von Bauxit. Aus dem Erz wird Aluminium gewonnen.


Foto: imago/Photoshot/Balance

Es reicht! Angesichts der Müllberge sollten Industrie und Verbraucher auf unnötige Verpackungen verzichten.


Foto: F1online/©Thinkstock

■ Die Handhabung der Kapseln. Die meisten Kaffeekapseln im Test ließen sich problemlos in die Maschinen einführen. Auch das Auswerfen - automatisch oder manuell - gelang reibungslos. Und das Brühen des Kaffees klappte ebenfalls störungsfrei. Insgesamt erhielten neun Einweg-Kaffeekapseln ein „sehr gut“ beim Handhabungstest, zwei ein „gut“. Je ein „befriedigend“ gab es für die ProduktEspresso Ethical Coffee Company Inca Soave undCafissimo Espresso von Tchibo. Beim Letzteren kritisierten die Prüfer, dass es beim Einschieben des Kapselträgers und die Kapsel selbst bei der Entnahme klemmte. Beim Ersteren ließ sich der Hebel der Maschine schwergängig schließen, und bei vereinzelten Kapseln erfolgte der Auslauf tropfenweise beziehungsweise schaltete sich die Kaffeeausgabe frühzeitig ab. Außerdem verklemmten sich einige Kapseln im Gerät und mussten per Hand entfernt werden. Laut Anbieter vonEspresso Ethical Coffee Company Inca Soave lässt sich der Hebel der Maschine schwerer schließen, da die Kapsel aus kompostierbarem Material besteht. Dieses sei, gerade im kalten Zustand, härter als Aluminium oder Plastik. Eine Gefahr für die Maschine bestehe aber nicht. Und der Anbieter garantiert darüber hinaus Ersatz oder Reparatur der Maschine für den Fall, dass es wegen des Gebrauchs der KapselEthical Coffee zu einem Schaden kommen sollte. Mit den beiden Mehrwegkapseln im Test ließ sich ebenfalls problemlos Kaffee aufbrühen. Während die PlastikkapselCoffeeduck die Tester mit „sehr gut“ restlos überzeugte, kritisierten sie beim EdelstahlmodellMy Coffeestar, dass die Maschine sehr schwergängig zu verschließen sei. Ungünstig sei außerdem, dass die Kapsel nach der Entnahme sehr heiß sei. Das ist schlecht, wenn mehrere Espressi hintereinander gebrüht werden. Insgesamt gab es ein „gut“.

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Wissenswertes über Röstkaffee enthält der Test Kaffee im Ratgeber Essen und Trinken 2013. Abonnenten finden ihn kostenlos unterhttp://abo.oekotest.de

Nespresso: Grün oder Grünwaschen?

Foto: imago/Horst Galuschka

Ist Nestle mit Nespresso bemüht, einen Kapselkaffee fair und umweltschonend zu produzieren? Oder ist Nestle lediglich bemüht, das Image zu erschaffen, Nespresso sei fair und umweltschonend produziert? Hier die Antworten:
AAA Sustainable Quality Programm: Auf Nespressopackungen steht das Nestle-Label „ecolaboration AAA Sustainable Quality Programm“. Im Rahmen dieses Programms arbeitet Nestle laut Eigenaussage mit mehr als 56.000 Kaffeebauern zusammen. Beim AAA-Programm kooperiert Nestle außerdem mit der Umweltschutz- und Labelorganisation Rainforest Alliance.
Das Problem des Labels AAA Sustainable Quality Programm. Das Label basiert auf Kriterien und Zielen, die einige grundlegende Forderungen an eine faire Produktion von Kaffee berücksichtigen. Allerdings ist das zugrunde liegende AAA-Programm ein Stufenprogramm. Das heißt: Das Label steht bereits auf der Verpackung, wenn die Kapsel Kaffee von Plantagen enthält, deren Betreiber erst Mindestanforderungen des AAA-Programms erfüllen. Dazu gehört zum Beispiel nicht, dass auf Plantagen Mindestlöhne gezahlt und alle ILO-Kriterien eingehalten werden müssen. Es gibt vier Stufen, die ein Farmer im AAA-Programm erreichen kann. Danach kann er sich nach den Kriterien der Rainforest Alliance zertifizieren lassen - jener Labelorganisation, die in ihrem Kriterienkatalog nicht fordert, dass Kaffeebauern ein Mindestpreis für ihr Produkt gezahlt wird. Doch genau dieser Mindestpreis macht den Kaffeebauern erst unabhängig von dem schwankenden Weltmarktpreis. Nestle gibt an, dass man seit Ende Juni 2013 rund 80 Prozent des Kaffees durch das AAA-Programm beziehe. Wann es aber 100 Prozent sein werden und wie viel Kaffee der 80 Prozent das höchste AAA-Level high performing oder das niedrigste, underperforming, besitzen, bleibt unbeantwortet.
Fazit: Das AAA-Programm ist für Verbraucher intransparent. Es ist ein Versprechen, in Zukunft Basisforderungen an eine faire Kaffeeproduktion zu erfüllen, mehr aber nicht.
Kapselentsorgung: Die Nespressokapseln bestehen aus Aluminium. Um zu verhindern, dass der sehr gut recycelbare Wertstoff im Restmüll landet, hat Nestle für einige Sammelpfade gesorgt. In Deutschland ist man Lizenznehmer des Dualen Systems. Gebrauchte Nespressokapseln können außerdem in allen Nespresso-Boutiquen abgegeben werden. Vorbildlich läuft es in der Schweiz: Dort hat Nespresso 2012 das „Recycling at Home“ eingeführt. Gebrauchte Kapseln werden kostenfrei zu Hause beim Kunden abgeholt. Kooperationspartner ist die Post.
Das Problem der Kapselentsorgung: Nestle spricht von Recyclingkapazitäten und davon, ein System eingeführt zu haben, um weltweit mehr als 75 Prozent der verkauften Kapseln recyceln zu können. Das sagt aber nichts darüber aus, wie viele Kapseln tatsächlich in der Wertstoff sammlung landen. Zahlen, wie viele Kapseln in den Sammelstellen abgegeben werden, veröffentlicht Nestle nicht.
Fazit: Es landen zu viele Aluminiumkapseln im Restmüll beziehungsweise werden in Ländern verkauft, wo eine Wertstoffsammlung schlecht oder kaum funktioniert. Lediglich das Schweizer Modell „Recycling at Home“ ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den Alukapseln. Denn mit diesem System zeigt Nestle ein wirkliches Bemühen, all die Alukapseln, die von Nespresso in der Schweiz verkauft worden sind, auch wieder einzusammeln. Allerdings fehlen auch hier Zahlen, die zeigen, ob selbst bei diesem bequemsten Recyclingweg nicht doch Kapseln im Restmüll landen. Laut Aussage von Nestle ist „Recycling at Home“ in Deutschland nicht geplant.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 13 Einwegkaffeekapseln eingekauft. Mit dabei sind sechs Systemkapseln – darunter auch ein Nespressoprodukt –, zu denen es spezielle Kapselmaschinen gibt. Und: Sieben Kapseln – darunter zwei Bio-Produkte –, deren Anbieter damit werben, dass ihre Kaffeekapseln in Nespressomaschinen funktionieren. Dazu kauften wir noch zwei wiederbefüllbare Kapseln, ebenfalls laut Hersteller kompatibel mit dem Maschinensystem des Marktführers Nespresso.

Die Inhaltsstoffe
Die Labore untersuchten das Kaffeepulver, das Kapselmaterial und den Kaffeeaufguss auf Schadstoffe. Mögliche Problemstoffe im Kaffeepulver: Acrylamid und Furan. Beide entstehen als unerwünschte Nebenprodukte während des Röstens. Das Schimmelpilzgift Ochratoxin A kann sich bilden, wenn die Kaffeebohnen falsch gelagert werden. Den Kaffeeaufguss analysierten Labormitarbeiter, um festzustellen, ob sich Weichmacher, Schwermetalle oder Aluminium während des Brühens aus dem Kapselmaterial gelöst hatten.

Was steckt drin, welche bleibt stecken? Die Labore untersuchten 13 Einwegkapseln und deren Kaffee.


Foto: ÖKO-TEST

Kaffeekapselproduktion und Transparenz
Wir wollten von den Anbietern wissen, ob sie sich bemühen, einen fairen Kaffee zu verkaufen. Indikatoren dafür sind die Zahlung eines Mindestpreises für den Kaffee, von Mindestlöhnen für Plantagenarbeiter und die Einhaltung grundlegender internationaler Arbeitsnormen auf den Plantagen. Zu allen Antworten der Anbieter verlangten wir Nachweise, die die Richtigkeit der Angaben belegen.

Die Handhabung der Kapseln
Hersteller von Kaffeekapseln versprechen den bequemen Kaffeegenuss. Unbequem wird es, wenn die Kapsel nur unter Schwierigkeiten in die Maschine gelegt werden kann oder nach dem Brühvorgang stecken bleibt. Deshalb ließen wir die Handhabung der Kapseln überprüfen.

Die Bewertung
Die Handhabung der Kapseln ist wichtig. Aber Schadstofffreiheit ist noch wichtiger. Deshalb fließt das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 60, das Testergebnis Handhabung zu 40 Prozent in das Gesamturteil ein. Doch um ein „gutes“ oder gar „sehr gutes“ Produkt anzubieten, muss die Kaffeekapsel auch beim Test Produktion und Transparenz überzeugen.