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TEST Kernige Haferflocken: Schimmelpilzgifte vom Feld


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 22.09.2022
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RATGEBER

1Die Schimmelpilzgiftbelastungen sind nicht akut gefährlich. Die drei am stärksten belasteten Produkte jedoch besser nicht täglich essen.

2Auch Haferflocken sind teurer geworden. „Sehr gute“ Produkte gibt es aber schon ab 69 Cent pro 500 Gramm, in Bio-Qualität ab 94 Cent.

3Super gesund: Die in Haferflocken enthaltenen Ballaststoffe helfen nachweislich, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren und Cholesterinwerte zu senken.

Hiermit möchten wir Ihnen mitteilen, dass die von ÖKO-TEST ermittelten Ergebnisse nicht unseren hohen Ansprüchen an unsere Eigenmarkenprodukte entsprechen. Deswegen wurde entschieden, die berücksichtigte Charge dieses Produktes aus dem Verkauf zu nehmen.“ Das schrieb uns der Discounter Norma in Reaktion auf unsere Analysenwerte in der EigenmarkeGoldenBreakfastHaferflockenkernig.Das von uns beauftragte Labor hatte in dem Produkt aus unserer Sicht problematische ...

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... Schimmelpilzgiftwerte sowie den höchsten Gehalt an Glyphosat im Test gemessen. Auch Eigenmarken von Rewe und Aldi sowie die günstige Marke fallen wegen Schimmelpilzgiften und weiterer Belastungen mit „ungenügend“ durch. Dazu gleich mehr. Erst einmal die gute Nachricht: Mit 18-mal Gesamturteil „sehr gut“ bei insgesamt 29 Produkten im Test sind die meisten kernigen Haferflocken tipptopp. Die Ergebnisse im Detail.

Immunschädliche Schimmelpilzgifte

T-2- und HT-2-Toxine sind Gifte von Pilzen, die den Hafer schon auf dem Feld befallen. Sie sind zellgiftig und können das Immunsystem schwächen. In denGoldenBreakfastHaferflockenkernig,Ja!KernigeHaferflockenund KnusperoneKernigeHaferflockenhat das von uns beauftragte Labor Gehalte der Gifte festgestellt, die wir als „stark erhöht“ bewerten. Mit einer 40-Gramm-Portion davon überschrei- tet ein Erwachsener mit 60 Kilogramm Körpergewicht bereits die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit festgelegte tägliche tolerierbare Aufnahmemenge (TDI). Für ein dreijähriges Kind, das 15 kg wiegt, läge die Belastung mit diesen Produkten bei mehr als einem Vierfachen des TDI.

Bedenkliches Glyphosat

In vier Produkten hat das von uns beauftragte Labor das Spritzgift Glyphosat nachgewiesen. Die Werte in denKnusperoneKernigeHaferflockenvon Aldi Süd/Aldi Nord, den PennyHaferflockenkernigund den JedenTagHaferflockenkernigliegen dabei im Spurenbereich. Der in den Golden BreakfastHaferflockenvon Norma gemessene Gehalt schöpft den gesetzlichen Höchstgehalt umgerechnet zu mehr als zehn Prozent aus. Das bewerten wir als „erhöht“. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ ein. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) sieht keinen Krebsver-dacht. Unabhängig von möglichen direkten Risiken für Menschen ist klar, dass das Spritzgift die Artenvielfalt schädigt. Eine aktuelle Studie der Uni Konstanz, die im Fachmagazin Scienceerschienen ist, deutet darauf hin, dass Glyphosat stärker am dramatischen Rückgang von Insekten beteiligt sein könnte, als bisher bekannt. Die in der Studie untersuchten Hummeln konnten ihre Brut schlechter warm halten.

„Norma hat die Charge Haferflocken, in der wir Schimmelpilzgifte gefunden haben, aus dem Verkauf genommen. Gut so! Von Rewe und Aldi war bisher nichts dergleichen zu hören.“

Hanh Friedrich ÖKO-TEST-Projektleiterin

WISSEN

SELBST IST DER MÜSLI-FAN

Kernig oder zart?

Für beide Sorten von Haferflocken werden ganze Körner verwendet, sowohl zarte als auch kernige Flocken sind Vollkornprodukte – egal ob das ausdrücklich auf der Verpackung steht. Sie unterscheiden sich in der Verarbeitung. Zarte eignen sich besonders, wenn es cremig werden soll. Kernige sorgen für mehr Biss.

Grundrezept Knuspermüsli

Richtig lecker und vergleichsweise preisgünstig ist selbst gemachtes Hafer-Knuspermüsli. Dafür kernige Haferflocken mit Kernen oder Nüssen, etwas Zimt und einer Prise Salz mischen. Etwas Honig oder Ahornsirup mit raffiniertem Rapsöl kurz auf mittlerer Stufe in der Pfanne erhitzen (1 EL Öl pro 100 g Haferflocken). Die Haferflockenmischung dazu geben, verrühren und zirka fünf Minuten weiter rösten. Nach Geschmack noch auf niedriger Stufe Trockenfrüchte dazugeben und unter Rühren weitere fünf Minuten rösten. Den Mix auf einem Backblech ausbreiten. Trocken und gut verschlossen in einem Glas gelagert hält sich das Müsli einige Wochen.

Pestizide in Bio?

In denDavertGroßblattHaferflocken,Biolandund den WurzenerBioHaferflockenkernighat das beauftragte Labor geringe Gehalte des Pestizids Chlormequat gemessen. Auch wenn die Werte niedrig sind, überschreiten sie dennoch den Orientierungswert des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN). Laut BNN ist bei einer Überschreitung zu ergründen, ob gegen die Regeln für Öko-Anbau verstoßen wurde oder es sich etwa um eine unvermeidbare Kontamination durch Abdrift handelt. Die Firma Wurzener erklärte uns, mögliche Eintragsquellen aktuell mit dem Lieferanten zu prüfen. Anbieter Davert teilte uns mit, nur in einer von zehn Proben derselben Charge Verunreinigungen gefunden zu haben, die noch deutlich geringer waren. Man habe den Sachverhalt aber der Öko-Kontrollstelle mitgeteilt.

Wenig Mineralöl

Die gemessenen Mineralölbestandteile MOSH/MOSH-Analoge waren in den Haferflocken nach ÖKO-TEST-Bewertung zweimal „leicht erhöht“ und zweimal „erhöht“. Die Verbindungen reichern sich im menschlichen Körper an. Was sie dort anrichten, ist bisher noch völlig unklar. Sie stellen aber die größte Verunreinigung im menschlichen Körper dar.

MOSH können an vielen Punkten im Produktionsprozess in die Flocken gelangen, zum Beispiel über Schmieröle an Maschinen. Viele unbelastete Testprodukte zeigen dass sich die Einträge vermeiden lassen.

So haben wir getestet

Wir haben für diesen Test kernige Haferflocken in (Bio-)Supermärkten, Discountern und Drogerien eingekauft. Von insgesamt 29 Produkten sind 16 Bio-zertifiziert. Die Preisspanne für die ausschließlich aus Hafer bestehenden Produkte ist beachtlich: Für 500 Gramm kernige Haferflocken zahlten wir zwischen 69 Cent und 3,29 Euro. Einige Hersteller teilten uns mit, seit unserem Einkauf den Preis erhöht zu haben. Auch weitere Steigerungen könnten derzeit nicht ausgeschlossen werden.

Wir ließen alle Haferflocken in spezialisierten Laboren auf Belastungen mit Schwermetallen wie Nickel, Cadmium, Blei und Arsen prüfen. Die Elemente kommen zum einen natürlicherweise in der Erdkruste vor. Zum anderen sammeln sie sich in Luft, Wasser und Boden durch die menschliche Umweltverschmutzung weiter an. Außerdem ließen wir alle Proben auf Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen (MOSH/MOAH) prüfen, die wir schon in vielen Lebensmitteln, unter anderem auch in Haferflocken, gefunden haben. Die Verbindungen können unter anderem aus Schmierölen an Verarbeitungsanlagen in Lebensmittel gelangen.

Schimmelpilzgifte in Getreide können gesundheitlich besonders problematisch sein. Das Labor testete auf ein breites Spektrum an Substanzen. Zu guter Letzt wollten wir natürlich wissen, ob Pestizidrückstände wie das nach wie vor verbreitete Spritzgift Glyphosat in den Haferflocken stecken.

Fett gedrucktsind Mängel. 

Glossar:Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 190.

Anmerkungen:1)Weiterer Mangel: mehr als 0,01 mg/kg eines Pestizids (hier: Chlormequat) in einem Bio-Produkt. 2)Laut Anbieter wurde das Verpackungslayout überarbeitet. Der Artikel werde ab August 2022 mit gleichbleibender Rezeptur und neuer EAN 4337256412872 erhältlich sein. 3)Laut Anbieter wurde das Verpackungslayout überarbeitet. Der Artikel werde ab August 2022 mit gleichbleibender Rezeptur und neuer EAN 21639104 erhältlich sein. 4)Laut Anbieter wurde das Verpackungslayout überarbeitet. Der Artikel werde ab dem 3. Quartal 2022 mit gleichbleibender Rezeptur und neuer EAN 4304218732255 erhältlich sein. 5)Laut Anbieter könne man nach Rücksprache mit dem Lieferanten eine Vermischung der Bio-Ware mit konventioneller Ware ausschließen. Der Anbieter hat den Sachverhalt aufgrund der von ÖKO-TEST übermittelten Ergebnisse der zuständigen Kontrollstelle mitgeteilt. Sollten sich aus deren Einschätzung weitere Maßnahmen ergeben, werde man diese umgehend einleiten. 6)Laut Anbieter entsprechen die von ÖKO-TEST ermittelten Ergebnisse nicht den Ansprüchen an die Eigenmarkenprodukte von Norma. Daher habe man die getestete Charge (06.04.2023 096) aus dem Verkauf genommen. Kunden bekämen auch ohne Vorlage eines Kassenbons ihr Geld zurück oder könnten gegen eine andere Charge umtauschen. 7)Laut Herstellergutachten wurden in einem chargengleichen Rückstellmuster keine Mineralölbestandteile nachgewiesen. 8)Laut Anbieter fließt das Produkt ab Oktober mit Änderungen an der Deklaration in den Handel ein. Unter anderem stehe auf der Vorderseite künftig der Schriftzug „meine BioInitiative“.

Legende:ProduktemitdemgleichenGesamturteilsindinalphabetischerReihenfolgeaufgeführt.Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein gemessener Summengehalt von T-2- und HT-2-Toxinen, der ausgehend von einer 40-g-Portion Haferflocken zu einer Überschreitung des von der EFSA festgelegten Gruppen-TDI von 0,02 μg/kg Körpergewicht und Tag bezogen auf einen Erwachsenen mit 60 Kilogramm Körpergewicht führt (in der Tabelle: „stark erhöht“). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein gemessener Gehalt an MOSH/MOSH-Analogen der Kettenlänge C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in der Tabelle Mineralölbestandteile„erhöht“); b) ein gemessener Summengehalt von T-2- und HT-2-Toxinen, der ausgehend von einer 40-g-Portion Haferflocken den von der EFSA festgelegten Gruppen-TDI von 0,02 μg/kg Körpergewicht und Tag bezogen auf einen Erwachsenen mit 60 Kilogramm Körpergewicht zu mehr als 50 bis 100 Prozent ausschöpft (in der Tabelle: „erhöht“). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein gemessener Gehalt an MOSH/MOSH-Analogen der Kettenlänge C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle Mineralölbestandteile „leicht erhöht“); b) ein als besonders bedenklich eingestuftes Pestizid in gemessenen Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat). Als besonders bedenklich werden Pestizide eingestuft, wenn sie PAN-gelistet sind (in Gruppe 2 und/oder bienentoxisch), nach EU-Datenbank oder ECHA kanzerogen oder reproduktionstoxisch sind oder aus Gründen der Toxizität in der EU nicht mehr zugelassen sind; c) ein gemessener Pestizidgehalt, der unter Berücksichtigung eines Verarbeitungsfaktors (sofern laut BfR- oder EFSA-Liste verfügbar; hier: Glyphosat: 0,17) mehr als 10 bis 50 Prozent der gesetzlichen Rückstandshöchstmenge (hier Glyphosat: 20 mg/kg Hafer; Mepiquat: 3 mg/kg Hafer; Chlormequat: 15 mg/kg Hafer) ausschöpft (in Tabelle: „erhöht“); d) 3 bis 6 gemessene Pestizide. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: ein gemessener Gehalt von mehr als 0,01 mg/kg eines Pestizids (hier: Chlormequat) in einem Bio-Produkt. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ der jeweiligen Testmethode. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethodenund Anbieterverzeichnis finden Sie unter .

Einkauf der Testprodukte: Mai – Juni 2022.

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