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TEST Kinderfahrradhelme: Helm über Kopf


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2010 vom 01.03.2010

Jeder Kinderfahrradhelm ist besser als keiner – und die meisten im Test schutzen sogar richtig gut. Trotzdem haben wir jede Menge Qualitatsunterschiede festgestellt.


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Foto: Michael Ireland/Fotolia.com

Ob sie gerne ihr Zimmer aufräumt? Zaghaft schüttelt Sandra (9) mit dem Kopf. Sie trägt einen Fahrradhelm, die Riemen baumeln lose an ihren Wangen herab. Michael Fröhlich mustert das Mädchen mit prüfendem Blick: „Fester, sonst glaube ich es nicht!“, fordert er. Und jetzt wirbelt Sandras Kopf von einer Seite zur anderen, dass man meinen könnte, er fällt jeden Moment ab. Fröhlich nickt zufrieden. „Der Helm ...

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Ob sie gerne ihr Zimmer aufräumt? Zaghaft schüttelt Sandra (9) mit dem Kopf. Sie trägt einen Fahrradhelm, die Riemen baumeln lose an ihren Wangen herab. Michael Fröhlich mustert das Mädchen mit prüfendem Blick: „Fester, sonst glaube ich es nicht!“, fordert er. Und jetzt wirbelt Sandras Kopf von einer Seite zur anderen, dass man meinen könnte, er fällt jeden Moment ab. Fröhlich nickt zufrieden. „Der Helm sitzt“, sagt er – „Schütteltest bestanden“.

Michael Fröhlich ist Helmberater beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Sein mobiler Stand in Heidelberg ist deutschlandweit einzigartig. Die Idee hatte der Hobbyradler vor zwei Jahren. Damals war er selbst auf der Suche nach einem passenden Helm. Erst im vierten Anlauf wurde er fündig. Für ihn war klar: „Sogar Fachgeschäften fehlt es oft an Auswahl und individueller Beratung.“ Fröhlich schrieb die großen Hersteller an und bat um ihre neuesten Modelle. Inzwischen hat er knapp hundert zusammen. Vergangenes Jahr kamen an 27 Tagen über 1.000 Menschen an seinen Stand, um sich beraten zu lassen.

Fröhlich hat viele Kniffe auf Lager: „Ob ein Helm zur Kopfform passt, zeigt sich, wenn man den Kopf bei geöffnetem Kinnriemen seitlich schüttelt“, erklärt er. Er darf nicht wackeln oder rutschen. Außerdem sollten Kinder beim Anprobieren kurz innehalten und die Augen schließen. „Dann können sie besser erfühlen, ob der Helm noch drückt.“

Die richtige Position auf dem Kopf ist übrigens weit nach vorn geschoben – bis an die Augenbrauen – wie ein Schlapphut. „Der Helm sollte nicht auf dem Hinterkopf thronen, denn vom Fahrrad fällt man bekanntlich nach vorne“, verdeutlicht Fröhlich. Vor allem Kinder hätten die Angewohnheit, ihren Helm lässig nach hinten zu schieben.

Über Sinn oder Unsinn des Helmtragens für Erwachsene wird unter Experten viel gestritten. Auch die aktuelle Studienlage lässt keine verlässlichen Schlüsse zu. Kinder aber -daran besteht kein Zweifel -sollten auf den Kopfschutz nicht verzichten: Altersbedingt fehlt ihnen die Übersicht im Straßenverkehr, Kinder machen schneller mal einen Absitzer als erfahrene Pedalritter. Zudem haben sie einen höheren Körperschwerpunkt als Erwachsene und schlagen beim Fallen häufiger mit dem Kopf auf.

Trotzdem setzen viele Eltern ihren Kindern keinen Helm auf. Das belegen die Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen. Gerade einmal die Hälfte der Kinder bis zehn Jahre fahren mit Kopfschutz. Bei den Elf- bis 16-Jährigen sind es nur 20 Prozent. Im Erwachsenenbereich ist die Helmträgerquote noch geringer. Das bedeutet aber auch: Kinderheime bescheren der Branche die größten Umsätze. „Jeder dritte Helm, den wir verkaufen, ist ein Kinderheim“, sagt Ronald Silier, Marketingleiter beim Markenhersteller Alpina.


Kinderfahrradhelme machen den größten Anteil am Gesamtumsatz aus


Doch der beste Helm hilft nichts, wenn er ungenutzt zu Hause herumliegt oder in Abwesenheit der Eltern heimlich abgesetzt wird. Dem beugen viele Hersteller mit sportlichem Design vor: Ihre Helme heißen „Rocky“, „Rapper“, „Spider“ oder „Hero“. Auf den Außenschalen tummeln sich bunte Feen, Barbies, Haifische oder Blümchen. Die Modellvielfalt ist enorm.

Auch in Sachen Helmkonstruktion hat sich viel getan: Moderne Helme sind Hightechprodukte. Der Kern besteht aus Polystyrol, also eine Art Styropor. Darüber bietet meist eine harte Polycar-bonataußenhaut zusätzlichen Schutz. Sogenannte Inmoldhelme, bei denen die Außenhaut komplett mit dem Schaumkern zu einem hochfesten Helmkörper verschweißt wird, sind etwas teurer als herkömmliche Helme, bei denen die Helmschale nur punktuell verklebt ist. Im alltäglichen Gebrauch gelten sie aber als robuster und langlebiger. Eine Besonderheit sind die Helme von DHG Knauer (KED). Der deutsche Hersteller setzt auf das hauseigene „iM-TEC-Sys-tem“. Im Gegensatz zum Inmold-Verfahren werden die Teile kalt verschweißt, wodurch der Helm auch bei extremer Kälte höchste Flexibilität und Stoßabsorption gewährleisten soll.

Aber halten die Kopfschützer auch, was sie versprechen? Wir haben zehn Fahrradhelme ins Labor geschickt, um herauszufinden, wie gut sie bei einem Sturz des Kindes wirklich schützen und ob fiese Schadstoffe in Innenpolstern und Trageriemen lauern.

Das Testergebnis

■ Ein echtes Sicherheitsrisiko ist keiner unserer Kandidaten, wobei der ein oder andere Anbieter seine Entwickler noch mal nachsitzen lassen sollte. Die drei besten Helme im Test wurden in Deutschland hergestellt. Gleiches galt übrigens schon für den Sieger im großen ÖKO-TEST Kin derfahrräder im Mai 2009. Dies zeigt einmal mehr, dass „Made in Germany“ im Fahrradbereich ein Qualitätsmerkmal ist.


Die Ergebnisse zeigen: „Made in Germany“ ist bei Kinderheimen ein Qualitätsmerkmal


■ In der Sicherheitsprüfung machten fast alle Modelle eine gute Figur. Einziges Manko: Die vorderen Lüftungsöffnungen desBarbie Fahrradhelms haben keinen Insektenschutz. Dadurch kann es leicht passieren, dass sich im Frühjahr und Sommer Bienen, Hornissen oder anderes Getier unter den Helm verirrt und den kleinen Radler irritiert. „So etwas kann zu krassem Fehlverhalten verleiten“, kritisierte das von uns beauftragte Prüflabor.
■ Sichere Helme gibt es bereits ab zehn Euro, allerdings muss man im Niedrigpreissegment auch Abstriche machen. Denn feinere Unterschiede gibt es jede Menge. Und das fängt schon bei den Verpackungen an. Vier waren nicht ausreichend gekennzeichnet. Unter anderem fehlte der Warn-hinweis, dass der Helm nicht beim Klettern oder Toben verwendet werden soll -sonst kann ein Kind mit dem Helm oder den Riemen hängen bleiben und sich im schlimmsten Fall strangulieren. Beim Hersteller Hudora hatte sich zudem der „Druckfehlerteufel“ eingeschlichen. Bei einem von drei Größe-S-Helmen, die unseren Praxistest durchliefen, war auf der Verpackung Größe M angegeben. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann für ein Kind auch gefährlich werden -ein Helm schützt nur.wenn er richtig passt. Wenigstens war in der Helmschale der richtige Kopfumfang angegeben.sodass wir „nur* zwei Punkte unter dem Teilergebnis Handhabung abziehen.

■ Alle Gurtsysteme sind relativ einfach einzustellen. Leider verzichten vier Hersteller auf Feststellclips an den Seiten. „Im Gegensatz zu herkömmlichen Schlaufensystemen hat eine Verriegelung den Vorteil, dass die Gurtgeometrie auch über einen längeren Zeitraum erhalten bleibt“, erklärt ADFC-Helmberater Fröhlich. Dies sei gerade bei Kindern wichtig.da sie gerne mal an den Gurten herumspielten. Ob der Gurt jedoch einen Steckoder Rasterverschluss haben soll, ist Geschmackssache. Bei den Rasterverschlüssen kann die Weite des Riemens
rasch angepasst werden, zum Beispiel wenn man im Winter eine Mütze aufzieht. Allerdings vertut sich ein Kind mitunter beim Einstecken, weil es in die falsche Ritze gerät.
■ Auch bei der Verarbeitung schneiden die günstigen Helme schlechter ab: Schale und Hartschaum sind nur punktuell verklebt. Was die Innenpolster betrifft, haben zwei Hersteller Onter-Union und Hudora) sogar richtig geschludert: Die Pads sollten herausnehm- und abwaschbar sein. Wenn sie aber schon beim ersten Auspacken nicht mehr am Helm befestigt sind oder beim In-die-Hand-Nehmen abfallen.ist das einfach nur ärgerlich. Gehen die Teile verloren, bleibt der Helm zwar noch funktionstüchtig, allerdings verschlechtern
sich Passform und Tragekomfort erheblich.
In der Mehrzahl der Innenpolster stecken gesundheitsschädliche Phthalatweichmacher
■ Sechs von zehn Herstellern verwenden Weichmacher in den Polstern: ImAbus Chilly Funny Flower, Prophete Kinder Schutzhelm undProfex Fahrradhelm wurden unter anderem erhöhte Mengen des in Kinderspielzeug und Babyartikeln reglementierten Phthalatweichmachers Dibutylphthalat gefunden, der im Verdacht steht, wie ein Hormon zu wirken und die Fortpflanzung und Entwicklung zu beeinflussen. In mehr als der Hälfte der Helme steckt die ähnlich gefährliche, aber derzeit noch nicht rechtlich geregelte Substanz
Diisobutylphthalat, imBell Bellino Kids und imHudora Kinderfahrradhelm sogar in stark erhöhten Gehalten von mehr als 0,1 Prozent.
■ PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe finden sich in fast jedem Helm, mal im Markenetikett oder im Verschluss.häufig ist auch die Außenhaut daraus gemacht. Unnötig sind die umweltbelastenden Stoffe in jedem Fall, wie die Helme von Alpina und DHG Knauer zeigen, die ohne auskommen.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: In Polstern und Trageriemen stecken weder giftige Schwermetalle noch bedenkliche polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Auch krebserregende Azo- und allergisierende Dispersionsfarbstoffe haben die von uns beauftragten Labore nicht gefunden.Roman Goll

So haben wir getestet

Der Einkauf

Kinderfahrradhelme gibt es bereits ab zehn Euro. Das erschien uns ein sehr gunstiger Preis fur ein Produkt, das Verletzungen verhindern oder zumindest abmildern soll – zumal in modernen Helmen oft jede Menge Hightech verbaut ist. Deshalb haben wir nicht nur in Fachgeschaften eingekauft, sondern auch im Discounter und im Selbstbedienungswarenhaus. Wir waren gespannt, ob auch die preisgunstigeren Modelle ein Kind ausreichend schutzen. Bei der Auswahl der Grose war es uns wichtig, dass Grundschulkinder die Helme tragen konnen. Denn laut Herstellern werden an diese Altersgruppe besonders viele Helme verkauft. Das Gros der Produkte im Test ist allerdings auch in anderen Grosen erhaltlich (siehe Tabelle).

Die Praxisprüfung

Wir liesen die Helme von einem unabhangigen Dienstleistungszentrum fur Produktsicherheit untersuchen. Uberpruft wurden unter anderem die wesentlichen Sicherheitsanforderungen der europaischen Norm EN 1078: Das Wichtigste, was ein Helm leisten muss, ist Stosdampfung. Er soll den Schlag abfedern und auf die Helmschale verteilen, damit der Kopf moglichst wenig abbekommt. Auch auf die Wirksamkeit der Riemen kommt es an – der Helm muss auf dem Kopf bleiben, egal was bei einem Sturz passiert. Im Ernstfall steht fur das Kind viel auf dem Spiel. Deshalb haben wir die in der Norm vorgesehenen Belastungen teilweise um zehn Prozent erhoht. Wird der Helm falsch benutzt, kann er sogar zur Unfallursache werden, zum Beispiel wenn er verrutscht oder beim Fahren als lastig empfunden wird. Versteht sich von selbst, dass wir auch uberprufen liesen, ob in der Gebrauchsanleitung alles angegeben ist, was man zur Einstellung und beim Tragen des Helmes beachten muss.

Problematische Inhaltsstoffe

Die Helme durchliefen ein umfangreiches Schadstoffprogramm: Bei der Analyse wurden vor allem Materialien durchgecheckt, mit denen die Kinder uber einen langeren Zeitraum Hautkontakt haben, wie Innenpolster, Gurtriemen und Verschlusse. Gefahndet wurde nach polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die in den schwarzen Kunststoffteilen stecken konnen. Auch „alte Bekannte“, die wir in zuruckliegenden Helm-Tests gefunden hatten, ruckten erneut ins Prufvisier, zum Beispiel die umstrittenen halogenorganischen Verbindungen oder das giftige Halbmetall Antimon. Und nicht zuletzt die gesundheitsschadlichen Phthalatweichmacher, die uns nicht nur in Spielzeugen immer wieder beschaftigen und im letzten grosen OKO-TEST Kinderfahrrader in jedem Produkt steckten.

Die Bewertung

Kinderfahrradhelme mussen in erster Linie eines: den Kopf schutzen. Deshalb geht das Testergebnis Praxisprufung zu 70 Prozent in das Gesamturteil ein. Keine Frage, dass der Sicherheitsaspekt auch ausschlaggebend fur die Praxisnote war. Handhabung und Verarbeitung wurden zwar ebenfalls bewertet, fielen aber unterm Strich etwas weniger ins Gewicht. Wir waren allerdings nicht OKO-TEST, wenn uns nicht auch die Schadstoffe wichtig waren. Deshalb kann ein Kinderhelm, der im Testergebnis Schadstoffprufung lediglich mit „ungenugend“ abschneidet, im Gesamturteil nicht besser sein als „ausreichend“.

Auch die Art der Helmkonstruktion ist ein Qualitatsmerkmal: „Billige Massenproduktionen erkennt man zum Beispiel daran, dass die harte Ausenschale nur eine dunne Folie ist, die mit doppelseitigem Klebeband auf den vorgefertigten Styroporkorper geklebt wird“, erklart Prufer Ernst Brust.

Mit einem Zehn-Kilo-Gewicht wurde versucht, den geschlossenen Helm ruckartig vom Prufkopf zu ziehen. Hintergrund: Bei einem Unfall darf ein Helm auf keinen Fall vom Kopf gleiten, denn haufig gibt es einen ersten Aufprall gegen ein Hindernis und einen zweiten auf die Strase.

Da auch mal bei Minusgraden geradelt wird, wurden die Helme zunachst tiefgekuhlt. Dann folgte der Hartetest: Ein kunstlicher Kopf mit Helm raste im freien Fall erst auf einen flachen und dann auf einen kantigen Stahlsockel. So werden Sturze auf einen flachen Untergrund oder eine Bordsteinkante simuliert.

Ein Helm schützt nur, wenn er richtig sitzt. Deshalb mussen die Gurtsysteme und Verschlusse auch gut zu handhaben sein. Zwei Erwachsene beurteilten das Anpassen auf die Kopfgrose sowie das Schliesen und Offnen der Kinnriemen – und wurden dabei von zwei Kindern unterstutzt.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: DBP = Dibutylphthalat, DIBP = Diisobutylphthalat.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 142.
Anmerkungen: 1) Gesetzlich reglementiert in Kinderspielzeug und Babyartikeln. 2) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. 3) Halogenorganische Flammschutzmittel auf der Platine.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Das Testergebnis Praxisprüfung setzt sich zusammen aus den Teilergebnissen Handhabung (25 %), Sicherheit (60 %) und Verarbeitung (15 %). Bei einem „ungenügenden“ Teilergebnis Handhabung kann das Testergebnis Praxisprüfung nicht besser sein als „ausreichend“. Es wurde kaufmännisch gerundet. Unter dem Teilergebnis Handhabung führt zur Abwertung um zwei Noten: Fehler bei der Größenangabe auf der Verpackung. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) keine Reflexfolie und/oder kein LED-Blinklicht; b) keine Gurtverriegelung an den Seiten; c) auf der Verpackung fehlt ein Warnhinweis „Dieser Helm sollte nicht durch Kinder beim Klettern oder anderen Aktivitäten verwendet werden, wenn ein Risiko besteht, sich zu strangulieren/hängen zu bleiben, falls sich ein Kind mit dem Helm verfängt“ und/oder eine Nummer der europäischen Norm EN 1078 und/oder eine Bezeichnung „Helm für Radfahrer“ und/oder ein zusätzlicher Warnhinweis, falls Teile aus einem Werkstoff hergestellt sind, der bekanntermaßen bei Berührung mit Kohlenwasserstoffen, Reinigungsflüssigkeiten, Farben, Abziehbildern oder anderen äußeren Einflussfaktoren nachteilig beeinflusst wird. Unter dem Teilergebnis Sicherheit führt zur Abwertung um zwei Noten: kein Insektenschutz. Unter dem Teilergebnis Verarbeitung führt zur Abwertung um zwei Noten: Innenpolster lösen sich beim Gebrauch. Zur Abwertung um eine Note führt: Oberschale und Schaumkern punktuell verklebt. Unter dem Testergebnis Schadstoffprüfung führt zur Abwertung um vier Noten: ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 0,1 Prozent des in der REA CHKandidatenliste genannten DIBP. Zur Abwertung um zwei Noten führt: ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 mg/kg des in Babyartikeln und Kinderspielzeug gesetzlich reglementierten Phthalats DBP und/oder des in der REACH-Kandidatenliste genannten DIBP. Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe im Produkt. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung; b) halogenorganische Flammschutzmittel auf der Platine. Das Gesamtergebnis beruht zu 30 Prozent aus dem Testergebnis Schadstoffprüfung und zu 70 Prozent aus dem Testergebnis Praxisprüfung. Ein Produkt mit einem „mangelhaften“ oder „ungenügenden“ Testergebnis Schadstoffprüfung kann jedoch nicht besser sein als „ausreichend“. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder schlechter ist, verschlechtert das Testergebnis Schadstoffprüfung um eine Note.

Testmethoden: Praxisprüfung: Anforderungen auf der Basis DIN EN 1078, teilweise modifiziert und ergänzt. Geprüft wurde eine Helmgröße je Modell. Der gleiche Helm durchlief nacheinander folgende Prüfungen: 1. Wirksamkeit der Trageeinrichtungen. 2. Festigkeit der Trageeinrichtungen und Leichtigkeit des Öffnens. 3. Stoßdämpfungsvermögen: a) Vorbehandlung durch Kälte; b) Aufprall Bordstein; c) Aufprall flacher Sockel. Das Gewicht des Prüfkopfes betrug 3.960 Gramm. Gewicht, Informationsbroschüre, Kinnriemenbreite: DIN EN 1078. Kennzeichnung: in Anlehnung an DIN EN 1078, die Textgröße wurde subjektiv bewertet. Stoßdämpfungsvermögen: in Anlehnung an DIN EN 1078 mit einem passenden Prüfkopf in einer Fallmaschine, abweichend erfolgte die Vorbehandlung nur mit Kälte bei minus 8 Grad Celsius und einer Dauer von 30 Minuten, keine Messung der Beschleunigungen und Geschwindigkeit, Prüfzone wurde subjektiv ermittelt, Aufprall aus einer Höhe von 1.200 mm auf einen Bordstein und aus 1535 mm auf die Fahrbahn (flacher Sockel). Festigkeit der Trageeinrichtungen und Leichtigkeit des Öffnens: in Anlehnung an DIN EN 1078, abweichend betrug die Fallhöhe des Gewichts 660 mm. Wirksamkeit der Trageeinrichtung: in Anlehnung an DIN EN 1078, abweichend betrug die Fallhöhe des Gewichts 192,5 mm. Über die DIN EN 1078 hinaus wurden folgende Prüfungen durchgeführt: Reflektoren/LED-Blinklicht, Prüfzeichen, Insektenschutz, Verarbeitung, Belüftung: Begutachtung durch zwei Experten. Anpassen, Aufsetzen und Abnehmen der Helme: Zwei Experten unterstützt durch zwei Kinder beurteilen das Einstellen auf die Kopfgröße, die Passform sowie das Schließen und Öffnen der Kinnriemen. Schadstoffprüfung: Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): getestet auf 24 PAK nach EU/EPA/JEFCA; GC-MSD. Aromatische Amine: Prüfung auf Amine nach reduktiver Spaltung. Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-2 Prüfung ohne vorherige Extraktion nach DIN EN 14362-1 (Juni 2004), Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-4 Prüfung nach vorhergehender Extraktion, DIN EN 14362-2 (Juni 2004); bei Hinweisen auf 4-Aminoazobenzol zusätzliche Prüfung entsprechend § 64 LFGB 82.02-9 (September 2006), Bestimmungsgrenze 5 mg/kg; 1. Methode GC/MS, 2. Methode TLC; zusätzliche Prüfung auf Anilin und Xylidine. Dispersionsfarbstoffe: Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-10, Norm DIN 54231 (November 2005); Dünnschichtchromatografie TLC und HPLC mit DAD (UV/Vis-Detector). Optische Aufheller: qualitativer Nachweis (UV-Licht). PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe/halogenorganische Flammschutzmittel auf der Platine: Röntgenfluoreszenzanalyse. Halogenorganische Verbindungen: Probe wird mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur eluiert, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Schwermetalle: Elution von Schwermetallen mittels saurer Schweißlösung, Elementbestimmung mittels ICP-MS. Phosphororganische Verbindungen, Phthalate, andere Weichmacher, phenolische Verbindungen (Mischprobe aus den Polstern): GC/MS nach Extraktion mit Aceton/Ethylacetat und Derivatisierung.
Einkauf der Testprodukte: November bis Dezember 2009.
Anbieterverzeichnis: siehe www.oekotest.de
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Unsere Empfehlungen

Niemals einen Helm kaufen, ohne ihn vorher anzuprobieren. Oft stimmen die Grosenangaben nicht, und nicht jeder Helm passt auch auf jeden Kopf. Die beste Beratung gibt es im Fachgeschaft. Vom Kauf im Discounter ist dagegen abzuraten. Haufig fehlen vergleichbare Helme verschiedener Hersteller. Auserdem geht auf den Wuhltischen schnell wichtiges Zubehor verloren.

Ein Helm halt nicht ewig. Spatestens nach funf Jahren sollte er ausgetauscht werden – mit der Zeit verliert der Kunststoff, aus dem er gefertigt ist, an Festigkeit. Alter als ein Jahr darf ein Helm zum Einkaufstermin nicht sein, Angaben stehen innen. Auch nach einem Sturz gehort der Helm in die Kunststoffsammlung. Danach ziehen sich Risse durch die Helmschale, die von ausen oft kaum zu erkennen sind.