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TEST KINDERGUMMISTIEFEL: SO EIN DRECK


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 30.08.2018

In Gummistiefeln kommen Kinderfüße trocken durch Pfützen und Matsch. Leider stecken in den meisten Stiefeln sehr viele Schadstoffe. Das war auch in allen früheren Tests der Fall. Da ist es fast schon eine gute Nachricht, dass ein Paar Stiefel immerhin mit „befriedigend“ abschneidet.


Artikelbild für den Artikel "TEST KINDERGUMMISTIEFEL: SO EIN DRECK" aus der Ausgabe 9/2018 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: madisonwi/Getty Images

Kinder lieben Pfützen und Schlamm, was Eltern mitunter Schweißperlen auf die Stirn treibt. Wenn die Tage wieder kälter werden, sind Erkältungen nicht weit. Nasse Kleidung und nasse Füße tragen ihren Teil dazu bei.

Gummistiefel kommen vielen Mamas und Papas daher nur recht. Sie halten die Füße ...

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... trocken und sind unter den Kleinen selbst oft der „Renner“. Kein Wunder, denn sie sind schön bunt und häufig sogar mit Bildern von Cartoon-Charakteren, Fabelwesen oder gar Süßigkeiten verziert. Weniger schön: Gummistiefel sind in der Vergangenheit immer wieder durch extreme Schadstoffbelastungen aufgefallen, sodass ÖKO-TEST bislang keine Empfehlungen aussprechen konnte. Hormonell wirksame Phthalate waren häufige Übel – getoppt nur von einer Gruppe problematischer Stoffe: Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) steckten in so gut wie allen Produkten – gleich ob in Stiefeln aus Naturkautschuk, aus Synthesekautschuk oder aus PVC. Einige PAK-Verbindungen sind krebserregend oder krebsverdächtig, viele haben fortpflanzungsgefährdende oder erbgutverändernde Wirkung. PAK fallen als Nebenprodukte bei der Kohle- und Erdölverarbeitung an. Sie stecken auch in Weichmacherölen, die Kunststoffe wie PVC geschmeidig halten sollen. Und immer in Gummistiefeln in unseren Tests.

ÖKO-TEST RÄT

► „Sehr gute“ Gummistiefel? Fehlanzeige. Für Pfützensprünge eignen sich die „befriedigenden“ Stiefel noch am besten. Füße durch dicke Socken schützen.

► Mit dem Kauf warten, bis das Kind sicher läuft.

► Bequem geht anders: Für Kindergartenausflüge und Spaziergänge in Regen und Matsch sind Wasser abweisende, feste Schuhe die bessere Wahl.

Im Regen: Kinder lieben bunte Gummistiefel, in denen sie im Matsch spielen können. Leider gibt es immer noch keine schadstofffreien Modelle.


Foto: imago/suze/Photocase

ÖKO TEXT

„Da tut sich viel zu wenig. Gebt uns endlich saubere Gummistiefel!“

Christian Ippach , ÖKO-TEST-Redakteur, macht um Pfützen lieber einen Bogen.


Foto: Anja Wägele

Doch was sind die Alternativen? Wie können Eltern dafür sorgen, dass sich ihre Kinder in unbelasteten Schuhen trockenen Fußes ins Matschabenteuer stürzen? Was ist von festen, Wasser abweisenden Funktionsschuhen zu halten? „Solche Produkte mit atmungsaktiver Membran sind schon deshalb ratsamer als Gummi stiefel, weil die Füße darin weniger schwitzen“, sagt Professor Dr. Julia Welzel, Chefärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie in Augsburg.


Es geht nicht ohne: In Kindergärten gehören Gummistiefel zur Basisausstattung.


Allerdings können auch Funktionsschuhe bisweilen viel schädliche Chemie enthalten: etwa problematische per- und polyfluorierte Substanzen (PFC). Sie machen Oberflächen Wasser abweisend und stecken in den Funktionsmembranen. Zudem sind Regenschuhe meistens nur halbhoch geschnitten und können Gummistiefeln bei sehr nassen Angelegenheiten nicht das Wasser reichen. Ganz ehrlich: Für das Pfützenwetthüpfen mit den Kindergartenkollegen sind Gummistiefel Pflicht. Im Alltag geht es tatsächlich nicht ohne.

Eltern können aber zumindest dafür sorgen, dass möglichst wenig Kontakt zwischen Stiefelmaterial und Haut besteht. „Wenn Kinder dichte Kniestrümpfe oder eine dichte Strumpfhose tragen und diese trocken sind, dürften Schadstoffe praktisch nicht durch die intakte Haut und durch die Strümpfe hindurchgelangen“, sagt Julia Welzel.

ÖKO-TEST wollte wissen, ob die Hersteller mittlerweile vielleicht sogar schadstofffreie Gummistiefel produzieren. Wir haben 16 Modelle in die Labore geschickt.

DAS TESTERGEBNIS

Schmuddelkinder. Fast schon eine Sensation: Ein Paar Gummistiefel schneidet immerhin „befriedigend“ ab, ein Paar ist „ausreichend“. Dahinter folgen zwei „mangelhafte“ und zwölf „ungenügende“ Produkte. „Sehr gute“ oder „gute“ Gummistiefel können wir leider auch dieses Mal nicht präsentieren. Grund für die schlechten Noten ist die hohe Belastung mit Schadstoffen, die wir aus vorangegangenen Tests nur zu gut kennen.

Die alte Leier. Hauptschuld am miserablen Gesamtergebnis tragen vor allem erhöhte Mengen polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK); sie stecken in allen Stiefeln. In 15 Fällen führt die PAK-Verbindung Naphthalin zu Notenabzügen. Diese ist aufgrund von Tierversuchsstudien als krebsverdächtig für den Menschen eingestuft und gewässergefährdend obendrein. Eine denkbare Eintragsquelle für PAK in Stiefel aus PVC, Naturkautschuk oder anderen Kunststoffen sind Weichmacheröle, die auf Mineralöl basieren.


Dicke Socken und Kniestrümpfe schützen die Haut vor Schadstoffen


Kein Zufall. Das Hauptmaterial etlicher Stiefel ist PVC. Logisch, dass das beauftragte Labor in sieben getesteten Produkten auch PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen nachgewiesen hat. Sie alle enthalten obendrein Ersatzweichmacher und/oder noch problematischere Phthalate. Diese Substanzen machen den an sich spröden Kunststoff Polyvinylchlorid (PVC) anschmiegsam und flexibel. Phthalate stehen im Verdacht, Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu schädigen und außerdem wie ein Hormon zu wirken. Die analysierten Verbindungen sind in Babyartikeln und Spielzeugen, die Kinder in den Mund nehmen können, EU-weit stark reglementiert. Ersatzweichmacher, die stattdessen zum Einsatz kommen, sind noch nicht hinreichend untersucht, um Entwarnung geben zu können.
Einfach unnötig. Optische Aufheller, die wir in zehn Stiefeln beanstanden, lassen textile Bestandteile, Innensohlen und Etiketten strahlend weiß erscheinen. Sie belasten die Umwelt.
Immerhin: Krebserregende Nitrosamine und Farbbausteine sind in diesem Test, anders als früher, kein Thema.

SO HABEN WIR GETESTET

Der Einkauf
In Internetshops und Schuhmärkten haben wir 16 Gummistiefel in den Größen 27 bis 29 eingekauft, die für Kindergartenkinder geeignet sind. Nach Möglichkeit haben wir klassische Modelle in geschlechtsneutralen Farben und ohne besondere Fütterungen ausgewählt. Für das günstigste Paar zahlten wir weniger als sechs Euro, für das teuerste fast 38 Euro.

Schnipp, schnapp! Für die Laboranalysen zerlegten wir die Gummistiefel in Einzelteile, um alle Materialkomponenten zu erfassen.


Foto: Anja Wägele

Die Inhaltsstoffe
Gummistiefel bestehen meist aus Naturoder Synthesekautschuk, Klebern, PVC und weiteren Kunststoffen. Damit sie sich geschmeidig an den Fuß anpassen, setzen Hersteller teils besonders problematische Phthalate oder nicht hinreichend erforschte Ersatzweichmacher ein. In Weichmacherölen stecken oft polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige als krebsverdächtig oder als krebserregend eingestuft sind. Kautschukprodukte können auch krebserregende Nitrosamine enthalten, die bei der Vulkanisierung entstehen. Textile Bestandteile im Stiefelinneren haben wir auf problematische Farbbausteine und optische Aufheller testen lassen. Außerdem wollten wir wissen, ob die Produkte halogenorganische oder phosphororganische Verbindungen enthalten.

Die Bewertung
Die Gesundheit des Kindes steht an erster Stelle. Unser Fokus liegt daher voll und ganz auf bedenklichen und umstrittenen Inhaltsstoffen.