Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 10 Min.

TEST Kinderregenjacken Schauerlich!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2010 vom 29.10.2010

Auch bei Schmuddelwetter wollen Kinder im Freien herumtollen – wozu gibt es wasserdichte Regenjacken? Doch auch diesmal haben wir nach unserem Test leider schlechte Nachrichten: Was die Inhaltsstoffe betrifft, lassen alle Jacken ihre Träger im Regen stehen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Kinderregenjacken Schauerlich!" aus der Ausgabe 11/2010 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: nyul/Fotolia.com

Bei jedem Wetter draußen spielen und toben, das macht Kindern Spaß! Dafür brauchen sie Kleidung, die bequem und angenehm zu tragen ist, jedes Abenteuer mitmacht und ordentlich was aushält. Regenjacken sollen deshalb wasserdicht, atmungsaktiv und extrem robust sein – vor allem für die ganz Kleinen, die sich damit auch mal auf dem ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2010 von Leserbriefe: Schreiben Sie uns. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe: Schreiben Sie uns
Titelbild der Ausgabe 11/2010 von Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen
Titelbild der Ausgabe 11/2010 von Neue Produkte: im Test: Tops und Flops. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Produkte: im Test: Tops und Flops
Titelbild der Ausgabe 11/2010 von TEST Margarine und Streichfette: Streichliste. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Margarine und Streichfette: Streichliste
Titelbild der Ausgabe 11/2010 von Rezepte Der Herbst wird bunt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Rezepte Der Herbst wird bunt
Titelbild der Ausgabe 11/2010 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Vorheriger Artikel
Meldungen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel TEST Babyole: Glänzende Aussichten
aus dieser Ausgabe

Bei jedem Wetter draußen spielen und toben, das macht Kindern Spaß! Dafür brauchen sie Kleidung, die bequem und angenehm zu tragen ist, jedes Abenteuer mitmacht und ordentlich was aushält. Regenjacken sollen deshalb wasserdicht, atmungsaktiv und extrem robust sein – vor allem für die ganz Kleinen, die sich damit auch mal auf dem Boden herumwälzen.

Solche guten Eigenschaften können aber auch ihre Schattenseiten haben: „Sondermüll im Kleiderschrank“, titelte vor einiger Zeit das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz die Veröffentlichung einer Untersuchungsserie von Regenbekleidung für Kinder. Der Grund: In den wasserdichten Beschichtungen der Regenjacken verarbeiten die Hersteller problematische Chemikalien. Das zeigte sich auch in früheren ÖKO-TESTs. So enthielten bei einer Untersuchung im Jahr 2001 fast alle Produkte zinnorganische Verbindungen in rauen Mengen, sieben Mal wurden „erhöhte“ Gehalte an Tributylzinn nachgewiesen, das wegen seiner Giftigkeit in Schiffsanstrichen verboten ist. 2005 fi elen fast zwei Drittel der getesteten Jacken mit „ungenügend“ durch, die Hälfte steckte voller Phthalate weichmacher.

Inzwischen sind einige Phthalate, zum Beispiel die weitverbreiteten DEHP und DINP, in Babyartikeln und teilweise auch in Spielzeug verboten, weil sie fortpfl anzungsgefährdend wirken können. Zinnorganika sollen laut Forderung vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Textilien nicht mehr eingesetzt werden. Doch wo es keine gesetzlichen Grenzwerte gibt, tut sich nach Erfahrung von ÖKO-TEST meist wenig.

Wir wollten wissen, ob Regenjacken immer noch so stark mit problematischen Inhaltsstoffen belastet sind, und haben 13 Produkte für Kinder im Labor untersuchen lassen. Außerdem ließen wir testen, ob das Material einem kräftigen Regenschauer gewachsen ist.

Das Testergebnis

■ ... kann einem schon beim ersten Schauer die gute Laune verhageln. Nie zuvor sind wir bei einem Test Regenjacken auf solch eine Vielzahl von Problemen gestoßen wie diesmal: Alle 13 Produkte fallen mit „ungenügend“ durch die Schadstoffprüfung.
■ Auf ein konsequentes Umdenken seitens der Textilindustrie können Eltern und Kids offensichtlich noch lange warten: Ganz ohne zinnorganische Verbindungen kommt auch diesmal keine untersuchte Jacke aus. Klar, Tributylzinn ist inzwischen weitgehend ersetzt worden und man fi ndet es – wenn überhaupt – nur noch in Spuren. Trotzdem sind andere zinnorganische Verbindungen und das ebenfalls sehr giftige Dibutylzinn weiterhin in Kinderregenjacken enthalten, in neun Fällen waren die Werte erhöht beziehungsweise stark erhöht. Zinnorganische Verbindungen werden zum Beispiel als Farb- und Kunststoffstabilisatoren eingesetzt und sind in der Umwelt schwer abbaubar. Schon kleine Mengen genügen, um das Immun- und Hormonsystem von Tieren – und wahrscheinlich auch von Menschen – zu beeinträchtigen. Zum Teil sind sie auswaschbar, das heißt, je älter das Kleidungsstück ist und je häufi ger es gewaschen wurde, desto geringer ist das Risiko. Mit etwas technischem Aufwand seitens der Hersteller wären zinnorganische Verbindungen aber vermeidbar: „Sie haben keinen aktiven Nutzen in der Herstellung von Regenjacken“, sagt selbst Anbieter H & M.


In einigen Beschichtungen verbergen sich Phthala te – Weichmacher, die in Spielzeug verboten sind


■ In neun Jacken stecken PVC oder andere chlorierte Kunststoffe. In sieben Produkten versiegeln sie die Nähte gegen Feuchtigkeit, in derBob der Bär Regenjacke , die schon beim Auspacken einen beißenden Chemiegeruch verbreitete und imJeantex Ulli „Friesennerz“ sind sie fester Bestandteil des Hauptmaterials. PVC wird aus hochgiftigen Rohstoffen hergestellt und schadet der Umwelt bei der Entsorgung. Zudem werden häufi g zusätzlich Weichmacher eingesetzt, um das spröde Material geschmeidig zu machen, allen voran DEHP, das in vier Jacken enthalten ist und DINP, das in derRegenjacke Disney/Pixar Cars steckt. Dabei gibt es längst Alternativen: Einige Hersteller setzen auf andere, weniger bedenkliche Weichmacher, etwa DEHT. Aber auch bei deren Gesundheits- und Umweltwirkungen gibt es noch einige Fragezeichen. Am besten ist deshalb – so wie in den Produkten von H & M, C & A, Die Spiegelburg und Vaude Sport – ganz auf PVC-Materialien und Weichmacher zu verzichten.
■ In derRegenjacke Marine von Playshoes wurde der als krebserregend eingestufte Farbstoff Dispers gelb 3 nachgewiesen, der laut BfR bei Bekleidungstextilien nicht mehr verwendet werden sollte, sowie der allergisierende Farbstoff Dispers blau 3. In derSpiegelburg Garden Kinder-Regenjacke fand das beauftragte Labor den Farbstoffbestandteil Anilin, der – obwohl krebsverdächtig – ebenfalls in Kleidung legal ist. DieKinderbutt Regenjacke Fee enthält giftiges Cadmium. Der ermittelte Gehalt ist nach Chemikalien- Verbotsverordnung für eine Reihe von Kunststoffen und Einsatzbereichen verboten.


Das Modell von Playshoes enthält problematische Farbstoffe, in dem von Kinderbutt steckt Cadmium


■ Und damit noch nicht genug: In fast allen Regenjacken wurden „erhöhte“ Werte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) ermittelt, elf Jacken enthalten halogenorganische Verbindungen, vermutlich stammen sie aus den Farbstoffen. DieBMS PU-Flexx Buddeljacke enthält mittelkettige Chlorparaffi ne, die auch zu den halogenorganischen Verbindungen zählen und nur schwer abbaubar sind. Sie reichern sich in der Umwelt an, sind giftig für Wasserorganismen und wurden schon in Muttermilch nachgewiesen. In zwölf Fällen sind optische Aufheller ein Problem. Sie stecken meist in den Etiketten, teilweise in aufgestickten Emblemen, im Ober- oder Futterstoff. Sie machen die Fasern zwar strahlend weiß, wären aber ohne Weiteres verzichtbar. Auf der Haut können sie zudem allergische Reaktionen hervorrufen.


Bis auf zwei Produkte hielten alle Regenjacken einem kräftigen Wasserdruck stand


■ Im Praxistest zeigten die meisten Jacken keine Schwach stellen. Elf von 13 hielten einem kräftigen Wasserdruck von 300 Millibar (mbar) stand. Da kann man schon mal ein Weilchen im Regen stehen bleiben. Zwar hielt dieBob der Bär Regenjacke etwas weniger Druck aus, liegt aber mit mindestens 250 mbar immer noch im „guten“ Bereich. Wer sich allerdings mit derPlayshoes Regenjacke in strömenden Regen stellt, ist nicht gut beraten. Im Test brachen bei schlappen 50 bis 55 mbar an Hauptstoff beziehungsweise Nähten alle Dämme. Das sind Werte, die weit unter den Vorgaben gängiger Regenbekleidungsnormen liegen.

Drei Produkte werteten wir wegen fehlender Refl ektoren ab, in zwei Fällen fehlten sie auf der Rückseite, bei der Regenjacke von Die Spiegelburg waren gar keine vorhanden. Refl ektoren sind gerade in der dunklen Jahreszeit bei Kindern eine sinnvolle Sicherheitsausstattung.

So reagierten die Hersteller

Ahnungslos oder grob fahrlässig – entscheiden Sie selbst: „Bei der Nachfolger- Jacke hat unser Lieferant ein anderes Nahtband verwendet, da wir durch interne Tests wissen, dass wir dort ein Problem hatten“, teilte uns Jako-O mit. Dennoch habe man sich entschieden, „die Restware weiter zu verkaufen“, da „das Band verdeckt eingearbeitet ist und die Matschsachen nur mit Unterbekleidung getragen werden“.Roman Goll

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: DEHP = Diethylhexylphthalat. DINP = Diisononylphthalat. DEHT: Diethylhexylterephthalat.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Produkten finden Sie auf Seite 188.
Anmerkungen: 1) Gesetzlich reglementiert in Kinderspielzeug und Babyartikeln. 2) Cadmium in der Taschenfolie. 3) Dispers gelb 3 und Dispers blau 3 im Klettverschluss. 4) Nachweis Anilin in einer Mischprobe aus rot-weißem Material, blau-weißem Futterstoff, den Stickgarnen schwarz, rot, grün, rosa (Frosch-Emblem), der grünen Paspel. 5) Laut Anbieter ist das Produkt ebenso wie alle anderen Waren von Jeantex Sportswear nicht mehr verfügbar, da sich das Unternehmen in der Abwicklung befindet. 6) Laut Anbieter wird das Produkt mit sofortiger Wirkung vom Markt genommen. 7) Laut Anbieter ist das Produkt nur noch „als Restware am Lager aber nicht mehr im laufenden Katalog“.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind
in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Bewertung Inhaltsstoffe: Zur Abwertung um jeweils vier Noten führen: a) Anilin; b) mehr als 1.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug gesetzlich reglementierten Phthalate Di ethylhexylphthalat (DEHP), Dibutylphthalat (DBP), Butylbenzylphthalat (BBP), Diisononylphthalat (DINP), Diisodecylphthalat (DIDP) und Di-n-octylphthalat (DNOP); c) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 2.500 μg/kg andere zinnorganische Verbindungen (ohne Dibutylzinn/DBT); d) als krebserregend eingestufte Dispersionsfarbstoffe (Dispers gelb 3); e) mehr als 1.000 mg/kg mittelkettige Chlorparaffine; f) mehr als 100 mg/kg Cadmium. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein erhöhter Gehalt von mehr als 25 bis 250 μg/kg Dibutylzinn, falls nicht schon wegen anderer zinnorganischer Verbindungen um vier Noten abgewertet wurde; b) ein erhöhter Gehalt von mehr als 250 bis 2.500 μg/kg anderen zinnorganischen Verbindungen, falls nicht schon wegen DBT abgewertet wurde; c) mehr als 100 μg/kg bis 1.000 μg/kg polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK); d) als allergisierend eingestufte Dispersionsfarbstoffe (Dispers blau 3). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 10 mg/kg phosphororganische Verbindungen (Triphenylphosphat); b) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe im Produkt; c) halogenorganische Verbindungen; d) mehr als 1.000 mg/kg des weiteren Weichmachers DEHT, falls nicht bereits wegen Phthalaten abgewertet wurde; e) optische Aufheller. Bewertung Praxistest: Zur Abwertung um vier Noten führt: Jacke nicht wasserdicht = „mangelhaft“. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) eine „gute“ Wasserdichtigkeit; b) fehlender Reflektor auf der Vorder- oder Rückseite der Jacke. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Praxisprüfung und dem Testergebnis Inhaltsstoffe, es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Testmethoden: Untersucht wurden repräsentative Mischproben der Produkte, wenn nicht anders angegeben. PVC/ PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse. Mittelkettige Chlorparaffine (berechnet als C10-C13 63 % Cl), Flammschutzmittel, phosphororganische Verbindungen, Phthalate, weitere Weichmacher, phenolische Verbindungen: GC/MS nach Extraktion mit Aceton/Ethylacetat und
Derivatisierung. Weitere halogenorganische Verbindungen: Probe wird mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur eluiert, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): GC-MSD, 24 PAK nach EU/EPA/JECFA, Lösemittel Hexan. Zinnorganische Verbindungen: NaDDTC, EtOH, Hexan, NaBEt4, GC-AED. Schwermetalle: RFA/Totalaufschluss in der Mikrowelle, Elementbestimmung mittels ICP-MS. Aromatische Amine: Prüfung auf Amine nach reduktiver Spaltung. Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-2, Prüfung ohne vorherige Extraktion DIN EN 14362-1 (Juni 2004), Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-4 Prüfung nach vorhergehender
Extraktion DIN EN 14362-2 (Juni 2004); bei Hinweisen auf 4-Aminoazobenzol zusätzliche Prüfung entsprechend § 64 LFGB 82.02-9 (September 2006), 1. Methode GC/MS, 2. Methode TLC; zusätzliche Prüfung auf Anilin und Xylidine. Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-10 Norm DIN 54231 (November 2005). Methoden: Dünnschichtchromatografie, TLC und HPLC mit DAD (UV/Vis-Detector). Optische Aufheller: qualitativer Nachweis (UV-Licht). Lösliches Nickel aus unlackierten Metallteilen: Elution der Proben mittels saurer Schweißlösung; Elutionsdauer eine Woche; Elementbestimmung mittels ICP-MS. Die Wasserdichtigkeit wurde an jeder Jacke an der Stofffläche und an den Hauptnähten an der Außenseite überprüft. Messung der Wasserdichtigkeit nach DIN EN 20811. Als „nicht wasserdicht“ wurden Textilien gewertet, bei denen das Wasser bei einem Druck von unter 150 mbar das Gewebe durchdrang. Eine Wasserdichtigkeit von weniger als 300 mbar bis 150 mbar wurde mit „gut“ bewertet.
Steht bei Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das unterhalb der Nachweisgrenze der jeweiligen Testmethode. Einkauf der Testprodukte: August 2010. Anbieterverzeichnis: siehe www.oekotest.de

Unsere Empfehlungen

• Bei dem schlechten Ergebnis können wir Ihnen mangels Alternativen leider nur empfehlen, eines der im Test vergleichsweise weniger stark belasteten und PVC-freien Produkte zu kaufen, zum Beispiel die Modelle von H & M oder Vaude Sport.
• Gerade bei Regenjacken ist es ratsam, diese ein bis zwei Nummern größer zu kaufen. Nicht nur, weil Kinder so schnell wachsen, sondern auch, weil eine locker sitzende Jacke dem Kind beim Spielen mehr Bewegungsfreiheit lässt und an kalten Tagen auch ein dicker Pulli Platz unter der Jacke haben muss.
• Jacken, die stinken, besser gleich im Laden liegen lassen.

Gefährliche Kordeln müssen ab

Die EU-Kommission warnte im Frühjahr vor gefährlich langen Kordeln im Halsbereich von Kinderjacken. Eine Marktanalyse hatte bei einem Zehntel der Kleidungsstücke Sicherheitsrisiken festgestellt. Besonders osteuropäische Länder sind betroffen. Ein Blick auf die jüngsten Statistiken des EU-Schnellwarnsystems Rapex zeigt, dass auch hierzulande das Problem noch nicht ganz beseitigt ist, das gilt vor allem für billige Restposten und Ware aus zweiter Hand. Denn erst seit 2008 gilt die europäische Sicherheitsnorm: Demnach darf Kleidung für Kinder bis sieben Jahren keine Kordeln am Nacken oder an der Kapuze haben. Sonst könnten sich Unfälle ereignen, etwa wenn Kinder auf Rutschen spielen und mit der Kordel hängen bleiben. Besonders bei Kleinkindern sollten Eltern die Schnüre entfernen. Übrigens: Bei unserem Einkauf für den Test Regenjacken haben wir keine Kinderbekleidung mit Kordeln in den Geschäften gesehen.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Kinder wollen bei Wind und Wetter draußen spielen. Spätestens in der Kita gehört deshalb eine Regenjacke zur Standardausrüstung. Entsprechend haben wir Jacken in den Größen 98 bis 110 eingekauft, die Kindern zwischen drei und fünf Jahren passen. Unsere Einkäufer waren in Outdoor- und Sportfachgeschäften, in Spielwarenläden sowie bei Modeketten unterwegs und haben sich auch im Internet auf den Seiten der Versandhändler umgeschaut. Bei der Produktauswahl wurde darauf geachtet, dass in Sachen Design und Farbe sowohl für Jungs als auch für Mädchen etwas dabei ist. Die Preisspanne reichte dabei von 15 bis 70 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Regenjacken sind die reinsten Chemiekeulen. Das zeigt sich immer wieder, wenn ÖKO-TEST diese Produkte ins Labor gibt. Die meisten haben eine feine Kunststoff- Beschichtung. Sie soll vor Nässe schützen, einige andere Exemplare bestehen mehr oder weniger aus PVC. Deshalb ließen wir auf Verbindungen testen, die besonders in Kunststoffen vorkommen, also auf Weichmacher, zinnorganische Verbindungen und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Unter der wasserdichten Schutzschicht befindet sich aber meist textiles Gewebe. Darin findet ÖKO-TEST regelmäßig krebsverdächtige Azo-Farbstoffe und Dispersionsfarbstoffe. Sie standen ebenso auf dem Testprogramm wie halogenorganische Verbindungen, die auch oft Farbbestandteile sind, und optische Aufheller, die helles noch weißer machen sollen. Unlackierte Metallteile, die mit der Haut in Kontakt kommen können, haben wir auf lösliches Nickel testen lassen – schließlich ist Nickel Kontaktallergen Nummer eins. Außerdem wurden alle Jacken auf giftige Schwermetalle untersucht.

Der Praxistest
Klar, Regenjacken müssen wasserdicht sein. Aber sind sie das auch wirklich? Wir wollten es wissen und ließen im Prüflabor alle Jacken inklusive heikle Nahtstellen auf Wasserdichtigkeit testen. Dabei wurde der Stoff in einer Vorrichtung über eine kleine Wasserfläche gespannt. Mindestens 300 mbar Wasserdruck mussten die Jacken aushalten, um den Test mit „sehr gut“ zu bestehen.

Die Bewertung
Bei einer Kinderjacke, die mit Schadstoffen belastet ist, tröstet es wenig, wenn sie mit Reflektoren ausgestattet und wasserdicht ist. Da aber eine Regenjacke auch wenig wert ist, wenn sie keinen Regen abhält, kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.

Interview

Susanne Medesi ist Produktmanagerin beim Outdoorhersteller Vaude Sport, dessen Regenjacke im Test zwar ebenfalls „ungenügend“ abschnitt, im Vergleich aber noch mit am wenigsten schadstoffbelastet war.

ÖKO-TEST: Regenjacken stammen in der Regel aus Fernost. Wie kann ein europäischer Anbieter dort Einfluss auf die Produktqualität nehmen?
Medesi: Wir sagen den Konfektionären, welches Material sie einsetzen sollen und woher sie es bekommen. Damit stellen wir die Lieferkette sicher. Es gibt allerdings auch Anbieter oder Importeure, die nur den Preis vorgeben. Dann wählt der Produzent vor Ort die Materialien aus, und man weiß hinterher nie genau, was drinsteckt.

ÖKO-TEST: Aber zum Beispiel zinnorganische Verbindungen findet man in jeder Regenjacke. Warum?
Medesi: Das kann verschiedenste Ursachen haben, bei uns waren sie wahrscheinlich in der Beschichtung drin. Es ist unheimlich schwierig, sie ganz herauszubekommen. Grundsätzlich ist es aber möglich. Obwohl bei uns auch nur Spuren festzustellen waren (in unserem Test: zinnorganische Verbindungen „erhöht“, Anm. d. Red.), sind wir gerade dabei, alle Kindertextilien auf Bluesign Standard* umzustellen und auch bisher noch enthaltene Spuren zu eliminieren.

ÖKO-TEST: In vielen Regenjacken steckt PVC. Ist das noch zeitgemäß?
Medesi: Sicher nicht. Schon allein um die Produktionskette abzusichern, ist es besser, auf den Einsatz von PVC zu verzichten. Unter den Stoffen gibt es zig Alternativen, die leichter und atmungsaktiver sind als zum Beispiel der klassische Friesennerz. Aber das ist auch eine Preisfrage – PVC ist extrem billig zu haben. Unsere Regenjacken sind hauptsächlich aus Nylon und Polyester.