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TEST Kinderroller: MitGefahren


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2015 vom 26.06.2015

Von zehn Kinderrollern rauschen fünf glatt durch unseren Test, sie scheitern an der Praxisprüfung. Auch Schadstoffe in den Griffen haben nichts an Kinderhänden verloren. Doch manche Hersteller leisten vorbildliche Arbeit: Vier Modelle können wir empfehlen.


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Foto: Sokolova Maryna/Shutterstock

Links, rechts, links und wieder rechts, das Vorderrad des Kinderfahrrads wechselt die Richtung wie das Fähnlein im Wind. Nur mühsam hält die Vierjährige ihren Zickzackkurs auf dem bevölkerten Gehweg, gleich daneben rauschen auf der Fahrbahn Autos im Sekundentakt vorbei. Szenen wie diese sollte man eigentlich nicht mehr ...

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... sehen, doch man sieht sie. Eltern setzen ihre Kinder oft zu früh aufs Rad, obwohl die Kleinen damit heillos überfordert sind. Das kann nicht nur gefährlich sein, sondern ist auch unnötig. Schließlich gibt es Alternativen, die dem Entwicklungsstand kleiner Kinder wesentlich besser entsprechen.

Neben dem Laufrad ist das vor allem der Roller. „Kinderroller sind hervorragend geeignet, Kinder auf den Umgang mit ihrem ersten Fahrrad vorzubereiten“, sagt Hannelore Herlan, stellvertretende Geschäftsführerin und Pressesprecherin der Deutschen Verkehrswacht. Das Rollerfahren, da sind sich Experten einig, schult wichtige motorische Fähigkeiten, insbesondere die Bewegungsund Gleichgewichtskoordination. Es vermittelt ein Gefühl für Geschwindigkeit, für Beschleunigen und Bremsen.

Und Kinder lernen Kurvenfahren und sich beim Geradeausfahren umzuschauen. „Entwicklungspsychologisch betrachtet sind das alles sehr anspruchsvolle Aufgaben für ein kleines Kind“, plädiert Hannelore Herlan für den Roller. Verglichen mit dem Laufrad ist der Roller in puncto Koordination die größere Herausforderung. „Die Kinder müssen auf dem Roller aufrecht stehen und vorausschauend sein“, erklärt Frauke Mecher, Kinderphysiotherapeutin und Beiratssprecherin des Berufsverbands Physio Deutschland.

Zudem werde der Gleichgewichtssinn stärker gefordert, da das Kind längere Zeit auf einem Bein steht. Auch deshalb sollten Kinder nicht vor zweieinhalb bis drei Jahren auf den Roller steigen, rät Frauke Mecher: „Lieber ein bisschen später als zu früh.“ Wenn Eltern einen Roller für ihr Kind erwägen, sollten sie genau hinsehen, denn die Modelle unterscheiden sich erheblich: die einen massiv wie Laufräder, schwer und mit luftbefüllten Reifen; die anderen leicht, zusammenklappbar und auf Hartgummirollen. Vorteile haben beide. Während die kleinen wenig Platz brauchen und sich unkompliziert transportieren lassen, spielen die wuchtigeren ihre Trümpfe beim Fahrverhalten aus: Dank ihrer Luftreifen reagieren sie weniger empfindlich auf Hindernisse oder Unebenheiten. „Für mich sind Roller mit Luftbereifung die Favoriten“, meint Ernst Brust, Geschäftsführer von Velotech, einem Prüfinstitut für muskelbetriebene Fahrzeuge mit Sitz in Schweinfurt. „Sie kosten mehr, haben dafür aber die bessere Dämpfung. Bei harten Rollen kommen Schläge bis zum Kind durch.“


Roller können kleine Kinder hervorragend auf das Radfahren vorbereiten


Manche Roller steuert das Kind wie beim Fahrrad über das eine Vorderrad. Auf solchen mit zwei Vorderrädern bewegt es die Lenkstange nach links und rechts beziehungsweise verlagert sein Gewicht. Das Trittbrett neigt sich dabei leicht in die Kurve. Und die richtige Größe? Hier gibt die aufgedruckte Altersangabe nur eine grobe Orientierung. Wichtig ist, dass das Kind sich weder über den Lenker buckelt noch ihn auf Kopfhöhe hat. Ein Neunzig-Grad-Winkel des Ellenbogens zwischen Körperachse und Lenker ist ein Anhaltspunkt. Hier lohnen sich höhenverstellbare Steuerstangen:

Dann wächst der Roller mit den Kindern mit. Während die Verstellbarkeit der Lenkerhöhe auf den ersten Blick erkennbar ist, gilt das für andere wichtige Eigenschaften eines Rollers nicht. ÖKO-TEST hat deshalb zehn Kinderroller eingekauft und in verschiedenen Laboren eingehend prüfen lassen.

ÖKO-TEST rät

In puncto Sicherheit gibt es keine Kompromisse: Wenn Sie bereits einen der Roller gekauft haben, die in unserem Praxistest „ungenügend“ waren, versuchen Sie ihn im Geschäft zurückzugeben. Infos zu gesetzlichen Ansprüchen finden Sie unter www.oekotest.de, „Rückgabe“ in die Suchmaske eingeben.

Altershinweise sind mit Vorsicht zu genießen. Das Kind sollte vor dem Kauf eine Probefahrt machen und dabei beobachtet werden: Passt die Größe des Rollers? Sind Geradeauslauf und Wendigkeit in Ordnung? Macht der Roller insgesamt einen stabilen Eindruck? Höhenverstellbarkeit ist ein Plus.

Kinderroller sind keine Verkehrsmittel und sollten nur abseits des Straßenverkehrs, also auf Spielplätzen, Schulhöfen etc. eingesetzt werden. Ein Fahrradhelm ist zu empfehlen.

Langer Fahrspaß: Immerhin vier Roller bestanden den Belastungstest auf dem Rollenprüfstand und wiesen auch sonst keine Sicherheitsmängel auf. Zwei von Ihnen bewerten wir mit „sehr gut“.


Foto: pio3/Shutterstock

Das Testergebnis

Die Hälfte „ungenügend“: Fünf von zehn Rollern fallen aufgrund der Praxisprüfung glatt durch. Sie offenbaren unter Belastung sicherheitsrelevante Schwächen, haben scharfe Ecken und Kanten oder machen es Kindern und Eltern durch fehlende Ständer oder eine mangelhafte Gebrauchsanleitung unnötig schwer. Immerhin vier Hersteller zeigen, dass es besser geht: Die Produkte von Toys„R“Us, Puky, Kettler und Smoby können wir empfehlen. Der Bike Star 10’’ Scooter Blue landet im Mittelfeld.
Ausgerollt: Alle „ungenügenden“ Roller scheitern am Rollenprüfstand, wo sie unter hoher Belastung und bei simulierten Unebenheiten 50 Kilometer weit fahren sollten: Trittbretter brachen, Aufhängungen versagten und Felgen schlitzten Gummireifen entzwei. In der Spielzeugnorm EN 71 ist dieser ultimative Härtetest nicht vorgesehen. Doch bei ÖKO-TEST ist er Standard, aus gutem Grund: Gerade Fortbewegungsmittel für Kinder müssen unter Belastung stabil und sicher sein, schließlich werden sie über Jahre hinweg gebraucht und danach gern kleinen Geschwistern vermacht.
Risiken für die Sicherheit: Kinderspielzeug muss sauber verarbeitet sein, scharfe Ecken und Kanten haben hier nichts verloren. Wir werten sie an den Produkten von Hudora und Johntoy ab. Beim Bike Star 10’’ Scooter Blue sind kantige Teile zwar durch einen Schutz verdeckt, doch der ließ sich im Labor zu schnell abziehen. Ebenfalls rasch abgezogen sind die schützenden Lenkerenden des Hudora Scooter Flitzkids. Zudem können sich die Kinder hier am Klappmechanismus die Finger einklemmen. Zu viele Mängel attestierten die Prüfexperten auch dem Gloco Kinderroller „Fritzi Flitz“. Im Falltest löste sich der Lenker vom Roller und die Maße des Vorderrads und der Lenkerenden sind ungewöhnlich klein. Beides erhöht die Verletzungsgefahr. Kleinere Räder reagieren auf Unebenheiten tendenziell stärker als große, damit steigt die Sturzgefahr. Und je kleiner der Durchmesser der Lenkerenden, desto höher ist das Risiko für ein Kind, sich bei einem Sturz daran wehzutun.
Schadstoffe in den meisten Produkten: Drei Roller schneiden im Testergebnis Inhaltsstoffe mit „sehr gut“ ab. Im Rest fanden wir eine Palette an Stoffen, die kein Kind braucht. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) etwa, eine Gruppe von Stoffen, von denen einige krebserregend sind. Oder mittelkettige Chlorparaffine. Sie sind schwer abbaubar, reichern sich in der Umwelt an und sind unter anderem sehr giftig für Wasserorganismen. Ebenfalls umweltschädlich sind die nachgewiesenen chlorierten Verbindungen. Der Ersatzweichmacher DEHT (Diethylhexylterephthalat) ist noch nicht ausreichend erforscht. Es muss sich erst zeigen, ob er eine akzeptable Alternative für problematische Phthalate ist, von denen das Labor glücklicherweise keine nachwies.
Extras, die gefallen: Kinderroller dienen der Vorbereitung aufs Radfahren – die Kinder wird es freuen, wenn sie auf dem Puky Roller R 03 L auch schon die Klingel ausprobieren dürfen. Clever ist der Tragegurt am Kettler Zero 5’’ Zig-Zag, mit dem Eltern oder ältere Kinder den Roller schultern können. Die kleinen Flitzer werden erfahrungsgemäß nicht immer sorgfältig angelehnt, sondern einfach losgelassen. Deshalb sollten sie von alleine stehen. Dreirädrige Modelle tun dies ohnehin, vom Rest verfügen bis auf zwei Produkte alle über einen Ständer.
Sonderfall Sportgerät: Ist ein Roller für einen Benutzer mit mehr als 50 Kilogramm Körpergewicht vorgesehen, gilt er nicht als Spielzeug, sondern als Sportgerät. Er fällt dann nicht unter die europäische Spiel- zeugrichtlinie sowie die zugehörige Norm EN 71, sondern unter das Produktsicherheitsgesetz und die Tretroller-Norm EN 14619. In unserem Test betrifft dies nur ein Produkt, den Kettler Zero 5’’ Zig-Zag, sein zulässiges Nutzergewicht beträgt 100 Kilogramm. ÖKO-TEST hat den Roller trotzdem nach Spielzeugnorm testen lassen. Schließlich lobt der Hersteller den Roller für Kinder ab vier Jahren aus, die damit spielen. Sicherheitsmängel für spielende Kinder wurden dabei nicht festgestellt. Allerdings können wir den „guten“ Kettler-Roller nur Kindern empfehlen, die groß genug für ihn sind. Denn sichern lässt sich das Produkt mit zwei Verriegelungsvorrichtungen – darunter eine, die fest einrastet – nur in der hohen Lenkereinstellung von 88,5 Zentimetern. Solch eine doppelte Sicherung oder alternativ die Verstellbarkeit nur durch ein Werkzeug wird von der Spielzeugnorm verlangt, nicht aber von der Tretrollernorm.

So reagierten die Hersteller

Micro Mobility Systems bezeichnete die Testergebnisse als als „sehr ernüchternd“. Man habe nach der Umstellung auf neue Räder von einem regional ansässigen Lieferanten „immer wieder kleinere Mängel feststellen“ müssen. Deshalb verbaue man seit März 2015 wieder die Räder des anfänglichen Lieferanten aus Asien. „Durch Ihre Testergebnisse wurde die Dringlichkeit unserer nicht einfachen Entscheidung leider noch einmal bestätigt“, schreibt die Firma. Die Roller mit den ursprünglichen Rädern befänden sich bereits im Handel. Die neuen Räder verfügen über vierzehn Speichen, die alten haben nur drei.

Kleine Rollerfahrer sollten einen Fahrradhelm tragen , empfiehlt die Deutsche Verkehrswacht. Ein zusätzlicher Knie- und Ellenbogenschutz muss nicht sein. Rabauken wird er aber nicht schaden.


Foto: Pavel L/Shutterstock

Expertin: Wer haftet bei Verkehrsunfällen mit Kindern?

Foto: Martin Joppen

Antworten auf wichtige Haftungsfragen gibtAnne Baranowski , Rechtsanwältin in der Kanzlei Schalast und Partner.

Kinder unter sieben Jahren haften unter keinen Umständen selbst – egal ob sie mit Roller, dem Laufrad oder dem Fahrrad unterwegs sind (§ 828 Abs. 1 BGB). Das gilt auch dann, wenn sie beispielsweise ein parkendes Auto anfahren. Eltern haften für den von Kindern verursachten Schaden nur, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Ob dies der Fall ist, lässt sich leider nicht generell, sondern nur im Einzelfall beantworten und der ist unter anderem abhängig vom Alter des Kindes. Ein Vierjähriger, der auf dem Gehweg Roller fährt, ist zum Beispiel zuvor über die Gefahren zu belehren und zur Vorsicht und Rücksichtnahme auf andere zu ermahnen. Zudem muss sich der Aufsichtspflichtige dabei stets in der Nähe aufhalten, um eingreifen zu können. Das Amtsgericht München verneinte jedoch beispielsweise eine Verletzung der Aufsichtspflicht einer Mutter, deren dreieinhalbjähriges Kind aus Versehen mit dem Fahrrad gegen ein auf dem Bürgersteig parkendes Auto gestoßen war (Az. 212 C 2980/98).

Wenn das Kind unterwegs mit seinem Roller keinen Helm trägt, trifft es kein Mitverschulden für die bei einem Unfall erlittene Verletzung. Derzeit besteht nämlich keine gesetzliche Helmpflicht. Daher wird der Anspruch auf Schadenersatz auch nicht wegen etwaigen Mitverschuldens gekürzt. Sofern ein jünger als sieben Jahre altes Kind mit dem Roller vom Bürgersteig auf die Straße gelangt und dort von einem Auto angefahren wird, haftet der Halter des Autos – auch wenn er am Unfall keine Schuld trägt. Kinder unter zehn Jahren sind bei Straßenverkehrsunfällen (also Unfällen mit Kraftfahrzeugen in Bewegung) von jeder Haftung befreit, wenn sie nicht vorsätzlich gehandelt haben.

Angesichts des Risikos der Eltern, wegen einer Verletzung ihrer Aufsichtspflicht in Anspruch genommen zu werden, empfiehlt es sich, eine private Haftpflichtversicherung abzuschließen. Dadurch ist meist die ganze Familie mitversichert.

TEST Avigo Tri Scooter Twist ’n’ Run, blau

Preis: 49,99 Euro

Der blaue Flitzer von Toys Toys„R“Us ist für Kinder ab drei Jahren und bis 20 Kilogramm Kör pergewicht gemacht. Auf dem breiten und stabilen Trittbrett aus Kunststoff haben Kinderfüße gut Platz und sicher ist der Roller auch: Für die robuste Achse war der Rollenprüfstand kein Problem, auch sonst hat das Labor keine Sicherheitsmängel zu beanstanden. An Schadstoffen wurden chlorierte Verbindungen nachgewiesen. Die Höhe der Steuerstange ist nicht verstellbar; wen das nicht stört, dem ist der Avigo Tri Scooter Twist ‘n’ Run zu empfehlen.
Gesamturteil „sehr gut“

TEST Puky Roller R 03 L, rot

Preis: 89,99 Euro

Der Roller der deutschen Traditionsfirma Puky kommt robust und sauber verarbeitet daher. Als einziger erhält er sowohl in der Praxisprüfung als auch in puncto Inhaltsstoffe die Note „sehr gut“. Seine luftgefüllten Reifen mit 22,5 Zentimetern Durchmesser bieten hohen Fahrkomfort und der Lenker kann per Sechskant zwischen 62,5 und 74 Zentimeter variabel verstellt werden. Die hohe Qualität schlägt sich im Preis nieder, doch dieser Roller ist jeden Euro wert. Klare Kaufempfehlung.

Gesamturteil „sehr gut“

TEST Kettler Zero 5” Zig-Zag, Zebraprint

Preis: 69,99 Euro

Für Kinder ab vier Jahren und auch für Erwachsene mit bis zu 100 Kilogramm Gewicht ist der Kettler-Roller ausgelegt. Damit ist er als einziger im Test offiziell nicht als Spielzeug zu betrachten, sondern als Sportgerät. Für die meisten Vierjährigen dürfte die einzige doppelt gesicherte Höheneinstellung von 88,5 Zentimetern allerdings zu hoch sein (siehe Das Testergebnis). Älteren können wir denZero 5‘‘ Zig-Zag empfehlen, da er in der Praxisprüfung überzeugte. Aufgrund polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK) und chlorierter Verbindungen im Griff material lautet das

Gesamturteil „gut“

Kommentar: Teuer ist nicht immer besser

Jörg Döbereiner , Redakteur


Foto: ÖKO-TEST

Treue ÖKO-TEST-Leser wissen, dass wir viel zu oft Spielzeug mit „ungenügend“ bewerten müssen. Manche Anbieter sparen am falschen Ende, andere kennen off enbar die gesetzlichen Mindestanforderungen nicht – letztlich leidet die Sicherheit der Kinder unter der Masse an schlecht gemachten Produkten. Ein Blick auf unsere Testtabelle zeigt: Wer Produkte pauschal aufgrund des Preises beurteilt, liegt leicht daneben. Teuer ist nicht immer gut, günstig nicht automatisch schlecht. Während es dem französischen Konzern Smoby gelingt, ein „gutes“ Produkt für 20 Euro zu produzieren, fallen gleichzeitig Roller deutscher Hersteller für 60 und 70 Euro durch den Praxistest. Doch wenn Firmen für Produkte „Made in Germany“ mehr Geld verlangen, müssen sie auch die erwartete Qualität liefern, wie dies etwa Puky in unserem Test gelingt – oder sie verspielen das Vertrauen ihrer Kunden. Aus Sicht der Verbraucher sprechen die Resultate gegen den Onlinekauf und für den Spielwarenladen, weil sie dort zumindest die Verarbeitung der Roller eigenhändig überprüfen können. Und das genaue Hinschauen lohnt sich. Denn bei aller Kritik, auch das zeigen unsere Tests immer wieder: Es gibt sie, die guten Produkte für Kinder. Nur finden muss man sie eben.

TEST Smoby Twist Scooter Cars, rot

Preis: 19,99 Euro

Klein, günstig – billig? Bei dem roten Roller mit dem Aufdruck des Disney-Films „Cars“ ist der Firma Smoby ein gutes Produkt zum niedrigen Preis gelungen. Die Lager der Räder erwiesen sich auf dem Rollenprüfstand als stabil, auch scharfe Ecken, Kanten oder sonstige Sicherheitsmängel hatte das Labor nicht zu beanstanden. Eine höhenverstellbare Lenkstange besitzt der Roller nicht, und er enthält leider chlorierte Verbindungen, Ersatzweichmacher und PAK.

Gesamturteil „gut“

TEST Bike Star 10’’ Scooter Blue

Preis: 89,99 Euro

Der schwerste Roller im Test ist auch der einzige mit einem Bremshebel am Lenker. Mit seinen großen Luftreifen und der robusten Verarbeitung hatte der Bike Star auf dem Rollenprüfstand keine Schwierigkeiten. Aller-Allerdings löste sich im Labor der Prallschutz am Lenker zu leicht, und eine kantige Vorbauschraube und freiliegende Gewinde der Vorbauschrauben waren zugänglich. Zudem ist für die Montage des Bike Star ein gewis ses handwerkliches Geschick von nöten. Die Testperson im Labor brauchte dafür mehr als 20 Minuten. Hinzu kommen Ersatzweichmacher und ein stark erhöhter PAK-Wert.

Gesamturteil „ausreichend“

TEST Gloco Kinderroller „Fritzi Flitz“, Buchenholz natur lackiert

Preis: 69,95 Euro

Der einzige Holzroller im Test fiel im Praxistest komplett durch. Schon nach kurzer Zeit auf dem Rollenprüfstand schlitzte die Felge die Gummirolle auf; das kleine Vorderrad ist besonders anfällig für Unebenheiten und die Lenkerenden sind zu schmal und erhöhen im Falle eines Sturzes die Verletzungsgefahr. Im Falltest löste sich der Lenker vom Rest des Rollers. Warn- und Gebrauchshinweise fehlen. Laut Hersteller wird der Roller nicht mehr produziert.

Gesamturteil „ungenügend“

TEST Hudora Scooter Flitzkids, blau

Preis: 39,99 Euro

Den Scooter Flitzkids des deutschen Anbieters Hudora können wir nicht empfehlen, er off enbart im Praxistest deutliche Mängel. Auf dem Rollenprüfstand verformte sich die Aufhängung und das Trittbrett berührte den Boden. Außerdem wies der Roller scharfe Kanten auf und der Gummischutz an den Lenkerenden ließ sich zu leicht abziehen. Kinder könnten sich zudem an der Klappfunktion zu leicht die Finger verletzen. Auch in puncto Schadstoffe ist der Hudora-Roller ungenügend, er enthält chlorierte Verbindungen, Chlorparaffine und PAK.

Gesamturteil „ungenügend“

TEST Mini Micro Sporty, pink

Preis: 59,99 Euro

Die Achillesferse des 1,7 Kilogramm leichten Rollers ist die Aufhängung samt Rädern. Auf dem Rollenprüfstand brach bei einem ersten Muster bereits nach 1,2 Kilometern das linke Vorderrad, bei einem zweiten war nach sechs Kilometern die Aufhängung defekt. Sonstige Sicherheitsmängel oder Schadstoffe haben wir nicht zu bemängeln. Laut Hersteller würden in einer neueren Charge bereits andere Räder verwendet.

Gesamturteil „ungenügend“

TEST Mondo Street Scooter Hello Kitty, rosa

Preis: 26,10 Euro

Beim Produkt der italienischen Firma Mondo macht sich der niedrige Preis in mangelnder Qualität bemerkbar. Das Trittbrett brach auf dem Rollenprüfstand. Auch wird der Hello Kitty-Roller wohl häufig umfallen, denn einen Ständer sucht man vergebens. Außerdem enthält er chlorierte Verbindungen, Chlorparaffine und einen stark erhöhten PAK-Wert.

Gesamturteil „ungenügend“

TEST Johntoy Sportline Roller, rosa

Preis: 20,99 Euro

Das Trittbrett des zweitgünstigsten Produkts im Test brach kurz vor dem Ende der Fahrt auf dem Rollenprüfstand. Auch sonst merkt man diesem Roller seine vermutlich sehr kostengünstige Fertigung an: Scharfe Kanten am Lenker mindern das Fahrvergnügen und im Stehen fällt der Sportline Scooter mangels Ständer um. Text und Bilder zur Montage fehlen, ebenso wie Warnhinweise auf Deutsch und sogar das CE-Zeichen. All das ist wenig verbraucherfreundlich. In den Lenkergriffen fand das Labor obendrein chlorierte Verbindungen und PAK.

Gesamturteil „ungenügend“

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben Tretroller eingekauft, die für Kinder im Vorschulalter (5 Jahre oder jünger) geeignet sind. Bis auf einen Holzroller bestehen alle aus Metall oder Kunststoff. Beim Einkauf haben wir bewusst bekannte deutsche Marken wie Puky, Kettler oder Hudora berücksichtigt und ein relativ breites Preisspektrum von 20 bis 90 Euro abgedeckt.

Die Praxisprüfung

Im Labor wurden alle Roller auf der Basis der Spielzeugnorm EN 71-1 geprüft. Haben sie Ecken und Kanten, an denen sich Kinder verletzen könnten? Droht Gefahr durch herausragende Teile? Halten sie den Falltest aus 85 Zentimetern Höhe aus? Unsere Prüfer gingen aber noch weiter: Jeder Roller musste unter hoher Belastung eine Strecke von 50 Kilometern auf dem Rollenprüfstand zurücklegen – und dabei etwa 40.000 Schläge durch Unebenheiten aushalten.

Fotos: Labor

Der Rollenprüfstand: Fünf Roller überstanden den Belastungstest nicht: Trittbretter brachen, Felgen schlitzten Reifen entzwei.


Die Inhaltsstoffe

Material aus den Lenkergriffen und, wo vorhanden, aus dem Lenkerschutz schickten wir in verschiedene Labore, die es in einem umfangreichen Materialscreening etwa auf Phthalate und andere Weichmacher untersuchten. Schädliche Elemente wie Blei oder Cadmium standen ebenso auf dem Prüfplan wie umweltbelastende chlorierte Verbindungen, problematische Chlorparaffine und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen manche krebserregend sind.

Die Bewertung

Spielzeugroller müssen ein Kind in erster Linie sicher und zuverlässig befördern, deshalb macht die Praxisprüfung 70 Prozent des Gesamturteils aus. Hier fließt auch die Verbraucherfreundlichkeit des Produkts ein – etwa die Qualität der Bedienungsanleitung oder die Montagezeit. Kinder sollten außerdem nicht über die Lenkergriffe mit Schadstoffen in Kontakt kommen, daher geht in das Gesamturteil das Teilergebnis Inhaltsstoffe zu 30 Prozent ein.