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TEST Kindersicherungen: Alarmstufe Rot!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2014 vom 29.08.2014

Treppenschutzgitter, Steckdosenschutz und Co. sollen unsere Kinder vor Unfällen schützen. Gefährlich wird es allerdings, wenn die vermeintliche Sicherung ihre Aufgabe nicht erfüllt. Vier Produkte fallen im Test wegen erheblicher Sicherheitsmängel durch. Von Svenja Markert


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Foto: Ullrich Böhnke

Alles ist neu, alles ist spannend. Wenn die Kleinen mit dem Krabbeln loslegen, fängt auch die große Entdeckungstour an. Die Neugier ist enorm, jede Schublade, jedes Bücherregal lädt zum Spielen ein. Mamas und Papas kennen das: Wenn es plötzlich still wird, ist die Überraschung der Eltern oft am größten: Farbe an der ...

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... Wand, die neue Vase in Scherben oder Mamas Lippenstift im glücklichen Kindergesicht. Dabei bleiben Schrammen und Beulen nicht aus, sie lassen sich auch kaum vermeiden.

Vor Schlimmerem will man die Kinder aber behüten. Dafür ist es wichtig, die Wohnung „kindersicher“ zu machen – wie es so schön heißt. Denn Kinder verletzen sich tatsächlich meist daheim. Laut Bundesgesundheitsblatt passieren Unfälle im Alter von ein bis zwei Jahren zu 84,9 Prozent zu Hause. In der Küche kommt es zu Verbrühungen und Verbrennungen, wenn etwa am Kabel des Wasserkochers gezogen wird oder die Pfanne griffbereit auf dem Ofen steht. Die steile Treppe kann zu schlimmen Stürzen führen und von Steckdosen geht die Gefahr eines Stromschlags aus.


Keine Sicherung kann Kinder hundertprozentig schützen


Auf dem Markt finden Eltern inzwischen viele Produkte, die die Verletzungsgefahr für die kleinen Entdecker verringern sollen. Wer will, kann sich von vornherein Steckdosen mit Verschlussmechanismus einbauen lassen. Für konventionelle Steckdosen gibt es Sicherungen, die dauerhaft an der Steckdose bleiben oder Verschlüsse, die bei der Benutzung der Dose abzuziehen sind. Vor Treppen und Räumen, zu denen Kinder besser keinen Zutritt haben sollten, lässt sich ein Schutz anbringen. Und für den Herd stehen ebenfalls Gitter zur Verfügung. Küche, Steckdosen und steile Treppen sind Bereiche, in denen es für Kinder besonders heikel werden kann und sich deshalb ein Schutz empfiehlt. Des Weiteren finden Eltern Fenster-, Schubladen- und Schranksicherungen sowie Ecken- und Kantenschutz. Letztere kann man beispielsweise an Tischplatten kleben, die sich auf Kopfhöhe von Kindern befinden.

Für all diese Produkte gilt: Die Sicherungen helfen nur dann, wenn sie wirklich richtig funktionieren. Doch auch die beste Kindersicherung bietet keinen hundertprozentigen Schutz. Auf Kinder muss man nun mal aufpassen. Ein Türgitter kann man mal vergessen zu schließen, der Nachwuchs wird auf eine Art kreativ, die man nicht vorhergesehen hatte oder versteht dann doch früher als gedacht, den Mechanismus des Schrankschutzes zu öffnen. Giftige Putzmittel beispielsweise sollte man am besten – Sicherung hin oder her – in einem abschließbaren Schrank verstauen oder in einem Raum, indem sich die Kinder nicht aufhalten.

Wir haben 24 Produkte für den kindersicheren Alltag in die Labore geschickt und auf Herz und Nieren untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Ganz sicher unsicher. Ausgerechnet zwei Tür- beziehungsweise Treppenschutzgitter sowie zwei Herdschutzgitter fallen im Test durch, weil sie erhebliche Sicherheitsmängel aufweisen. „Sehr gut“ waren drei Steckdosensicherungen und sowohl beim Eckenschutz, bei Schrankund Schubladensicherungen sowie Türschutzgittern können Eltern auf Produkte zurückgreifen, die unseren Test mit „gut“ abgeschlossen haben.
Treppenschutz hält dem Druck nicht stand. Beim Türschutzgitter von Roba ließ sich im Labor eine Schablone mit wenig Druck durch die Zwischenräume schieben. Die Norm für Kinderschutzgitter sieht den Test vor, um zu überprüfen, ob Kleinkinder im Krabbelalter von etwa fünf Monaten mit dem Rumpf durch die Gitter kommen und dann – im schlimmsten Fall – ihnen das Gitter am Hals die Luft abdrücken könnte. Die Norm besagt, dass die Schablone bis zu einem gewissen Druck nicht durch die Gitter oder andere Zwischenräume darf – doch Roba bestand den Test nicht, schon bei wesentlich weniger Druck als vorgeschrieben rutschte die Schablone durch. Das Gewerbeaufsichtsamt der Regierung von Oberfranken schrieb uns dazu: „Lässt sich die Hüftschablone durchschieben, ist eine sicherheitsrelevante Forderung der Norm nicht erfüllt. Sofern das geforderte Sicherheitsniveau nicht auf andere Weise gewährleistet wird, ist das Produkt in dieser Form nicht verkehrsfähig.“ Unserer Einschätzung nach ist das Roba Türschutzgitter weiß somit nicht verkehrsfähig und hätte nicht verkauft werden dürfen. Zudem gaben beim Roba-Gitter bei Belastung die Stäbe nach und lösen sich aus der Verleihmung.
Vorsicht Verletzungsgefahr. Das Türund Treppenschutzgitter Lascal Kiddyguard Avant besteht zwar den Test mit der Schablone und somit die Norm, das Rollo ist aber so flexibel, dass Kinder das Netz hochschieben könnten und so auch hier vergleichsweise leicht eine große Öffnung entsteht.
Finger gequetscht. Bei vier Türschutzgittern können Kinder ihre Finger quetschen, wenn die Tür geschlossen oder geöffnet wird. Immerhin ist beim Schließen und Öffnen meist ein Erwachsener dabei, der aufpasst. Das verringert das Risiko. Beim Kinderschutzgitter Squeeze Handle Safety Gate von Hauck kommt eine Art Stolperfalle hinzu, da sich der untere Rahmen nicht mit der Tür öffnet.
Hier kann es heiß werden. Ein Herdschutz sollte verhindern, dass Töpfe und Pfannen umkippen, wenn sich die Kleinen am Herd zu schaffen machen. Das alleine reicht aber nicht aus – denn schon wenn Kinder an die Töpfe auf den vorderen Platten greifen können, gibt es im schlimmsten Fall Verbrennungen. Bei der Kesseböhmer Kindersicherung verchromt ist jedoch so viel Abstand zwischen den Gittern, dass eine Kinderhand durchpasst. Und die Stäbe des einfachen Reer Herdschutzgitter aus Metall lassen sich verbiegen, sodass auch hier die Töpfe erreichbar sind. Reer setzt aber noch eins obendrauf: Weder das Gitter noch die Befestigung ist stabil. Von Schutz kann hier also auch nicht die Rede sein.
Ikea in der Praxis zu umständlich. Unterschiede gibt es bei den Steckdosensicherungen in der Handhabung. Der Verschluss von Ikea ist umständlich zu handhaben, da es zum einen ein Gegenstück braucht und zum anderen viel Kraft, um den Verschluss aus der Steckdose zu ziehen.
Jede Menge Schadstoffe. Ecken- und Kantenschutz werden beispielsweise am Couchtisch angebracht – auf Kopfhöhe der Kleinen. Sie stellen für Kinder damit geradezu eine Einladung dar, daran zu lutschen. Leider heißt es bei den Inhaltsstoffen von drei Eckenschutzprodukten „ungenügend“. Der Reer Eckenschutz „soft“ fiel nicht nur wegen stark erhöhter PAK-Werte negativ auf, sondern auch wegen einer sehr hohen Belastung mit Chlorparaffinen.
Giftiges Schwermetall. Das Kiddyguard Avant vom Anbieter Lascal fällt bei den Inhaltsstoffen ebenfalls unangenehm auf. Im Netz des Rollos wurden erhöhte Werte an Weichmachern gefunden. Zudem ist ein mitgelieferter Dübel stark mit Cadmium belastet. Dafür hagelt es Minuspunkte. Das Schwermetall Cadmium ist hochgiftig und deshalb auch in vielen Kunststoffen mit einem Gehalt von mehr als 100 Milligramm pro Kilogramm verboten. Kurzzeitig galt das Verbot sogar für alle Kunststoffarten. Es wurde 2012 jedoch wieder eingeschränkt – vermutlich auf Wunsch der Industrie.

So reagierten die Hersteller

Roba schrieb uns, dass man inzwischen die Stärke der Stäbe erhöht habe.
Lascal teilte uns mit, dass der Firma bisher kein Zwischenfall gemeldet wurde, bei dem ein Kind in der Lage war, unter dem Kiddyguard Schutzgitter durchzukommen.
Geuther wies auf den Anhang der Kinderschutzgittel-uorm, der Ausnahmen bei den Quetsch- und Scherstellen vorsieht. Tatsächlich sind Bereiche wie Drehgelenke von der Norm ausgenommen. Trotzdem kann es im Alltag zu Verletzungen kommen.
Dm betonte, dass es für PAK derzeit noch keine gesetzlichen Grenzwerte gibt und deshalb in der Praxis die Bewertung für das GS-Zeichen herangezogen werde, das Dm-Produkt entspreche deren Anforderungen. Da viele PAK krebserregend sind und es sich um Produkte handelt, mit denen Kinder auch Mundkontakt haben können, bewertet ÖKO-TEST hier strenger.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Test: Herdschutz- sowie Tür- und Treppenschutzgitter, Eckenschutz, Steckdosen- sowie Schrank- und Schubladensicherungen. Insgesamt 24 Produkte haben unsere Einkäufer im Handel besorgt.

Die Praxisprüfung
Eltern bringen Kindersicherungen zu Hause an, um ihre Kinder vor Unfällen zu schützen. Deshalb müssen die Produkte sicher schützen. Im Labor wurden alle Sicherungen daraufhin überprüft. Bei den Türund Treppenschutzgittern haben die Experten in Anlehnung an die maßgebliche Norm EN 1930:2012-2 mit speziellen Prüfvorrichtungen getestet, ob die Abstände zwischen den Gittern oder zum Boden hin so groß sind, dass ein etwa fünf Monate altes Kind sich mit seinem Rumpf durchschieben könnte. Außerdem: Ob die Höhe des Gitters ausreichend ist und ob von überstehenden Teilen eine Gefahr für das Kind ausgeht. In Anlehnung an die Laufstall-Norm EN 12227:2010 wurde ermittelt, ob die Stäbe der Türschutzgitter es auch aushalten, wenn man ordentlich an ihnen zieht und wie stabil die Herdschutzprodukte sind. Beim Herdschutz wollten wir zudem wissen: Hält die Befestigung und sind die Abstände der Gitter so klein, dass Kinderhände von heißen Töpfen ferngehalten werden? Beim Eckenschutz wurde beurteilt, ob Kinder ihn womöglich abziehen können und ob der Schutz dämpft, wenn Kinder beispielsweise mit der Stirn gegen die Tischkante fallen. Bei den Schrank- und Schubladensicherungen prüften die Tester, ob sie halten, wenn man fest an ihnen zieht. Zudem wollten wir wissen, wie alltagstauglich die Produkte sind. Wie lange dauert es, bis sie angebracht sind? Sind sie leicht zu handhaben? Deshalb haben zum großen Teil Laien die Kindersicherungen ausprobiert, drei Experten sie dabei beobachtet und später die Bewertung vorgenommen.

Die Inhaltsstoffe
Je nach Produkt, Material und wo es eingesetzt wird, mussten die Kindersicherungen verschiedene Prüfungen durchlaufen. Je eher ein Produkt in Reichweite der Kinder ist, desto umfangreicher waren die Tests. An einen Eckenschutz oder an ein Treppenschutzgitter kommen die Kleinen beispielsweise gut ran und somit auch mit den Schadstoffen in Kontakt, die im Produkt stecken. Unter anderem haben wir auf Weichmacher in Kunststoff und Lack, auf polyzyklische aromatische Kohlenwassertstoffe (PAK) und auf Schwermetalle untersuchen lassen.

Die Bewertung
Der Schwerpunkt liegt klar auf der Sicherheit, ein Produkt, das schwerwiegende Sicherheitsmängel hat, kann nicht besser als mit „mangelhaft“ abschneiden. Ein Treppenschutzgitter, das die entsprechende Norm nicht besteht, ist nur „ungenügend“.

Das Treppenschutzgitter hängt am Haken. Der weiße Holzstab biegt sich erst durch, gibt dem Zug nach, rutscht raus. Ein einmaliger Ausrutscher? Das wollten unsere Experten im Labor genauer wissen. Sie wählten einen anderen Stab des Gitters und setzten wieder in der Mitte den Haken des Kraftmessgeräts an. Dann übten sie horizontal etwas Zugkraft aus. Auch dieses Mal hielt der Stab nicht stand. Die Verdübelung des Rahmens löste sich.

Gibt es Quetsch- und Scherstellen, an denen die Kinder ihre Finger einklemmen können?

Auch Schranksicherungen kommen an den Haken.

Fotos: Labor (5)

Durch Hochschieben des Rollos kann der Abstand zwischen Unterkante und Fußboden vergrößert werden.

Hüftschablone im Einsatz – bis auf eins bestehen die Kinderschutzgitter den Test.

ÖKO-TEST rät

► Die wichtigsten Kindersicherungen sind Herd-, Steckdosen- sowie Treppenschutz. Und wer nicht ebenerdig wohnt, sollte Fenstergriffe in Reichweite der Kinder sichern. Hier schützen abschließbare Fenstergriffe.
► Um den Alltag zu erleichtern, Sicherungen kaufen, die leicht zu handhaben sind. Zum Beispiel Sicherungen für die Steckdose, die in der Dose verbleiben können.
► Kinder müssen auf Gefahren aufmerksam gemacht werden. Erklären Sie zum Beispiel, dass eine Tasse Kaffee heiß ist und das Kind sich wehtun kann.