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TEST Kindersonnencremes: Für den Sonnenschein


ÖKO-TEST Jahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 15.10.2020

Sensible Kinderhaut braucht eine Sonnencreme mit besonderen Stärken. Mehr als die Hälfte der Produkte im Test können wir fürs unbekümmerte Toben im Freien empfehlen. Auf den Spitzenplätzen: zwei konventionelle Cremes.


Artikelbild für den Artikel "TEST Kindersonnencremes: Für den Sonnenschein" aus der Ausgabe 10/2020 von ÖKO-TEST Jahrbuch. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: imago images / Westend61

Eincremen ist in den Augen der meisten Kinder vor allem: fürchterlich lästig. Mindestens so lästig wie Nachcremen. Kinder wollen lieber toben und im Wasser planschen, gern über viele Stunden und ohne darauf zu achten, ob sie das im Schatten oder in der prallen Sonne tun. Auch Eltern sind ob der miesen Presse vieler UV-Filter verunsichert, welches das richtige ...

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... Maß beim Sonnenschutz ist.

Der Rat von Dermatologen dagegen ist eindeutig: Sind Kinder während der UV-intensiven Stunden im Freien, brauchen sie auf unbekleideten Hautpartien eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Denn ihre Haut ist besonders dünn, und zu starke UV-Belastungen oder gar Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Risiko, später Hautkrebs zu bekommen. Wir haben deshalb Kindersonnencremes mit einem hohen Lichtschutzfaktor von 50 oder 50+ unter die Lupe genommen, die speziell für empfindliche Kinderhaut entwickelt wurden und deshalb entweder als „sensitiv“ oder „parfümfrei“ ausgelobt sind. Uns interessierte, mit welchen Sonnenschutzfiltern diese Cremes wirken und ob sie bedenkliche Substanzen enthalten.

Hormonell wirksame UV-Filter stören

Mit dem Notendurchschnitt sind wir zufrieden und können nur sagen: „Auf die Plätze, Sommer, los!“ Denn mehr als die Hälfte der Cremes im Test schneidet „gut“ oder „sehr gut“ ab. Die Cremes sorgen für einen hohen Sonnenschutz – ohne gesundheitsschädliche Substanzen. Unter ihnen sind viele konventionelle Produkte mit chemischen UV-Filtern sowie Naturkosmetika mit mineralischem UV-Schutz.

Als „wasserfest“ oder „sehr wasserfest“ ausgelobt waren ohnehin alle Kandidaten im Test – das gehört offenbar für sämtliche Hersteller zu einem guten Kindersonnenschutz. Alle Produkte kommen außerdem ohne Parfüm aus. Kritische Duftstoffe, die wir in anderen Kosmetiktests häufig bemängeln, sind deshalb hier kein Thema.

Was uns allerdings gar nicht gefällt: Acht Cremes verwenden UV-Filter, die in unseren Augen nichts auf Kinderhaut zu suchen haben. Es handelt sich dabei um die Wirkstoffe Octocrylen und Homosalat, die – wie andere chemischen Filter auch – in die Blutbahn gelangen können. Diese beiden stehen jedoch im Verdacht, das Hormonsystem zu stören. Das sehen wir besonders kritisch in Produkten für Kinder, denn schließlich stecken die mitten in der Entwicklung. Immerhin scheint nun auch die EU diesem Problem nachzugehen und bewertet die beiden Substanzen derzeit neu.

Es geht auch ohne Flüssigplastik

Minuspunkte haben wir auch vergeben, wenn die Cremes Kunststoffverbindungen wie Silikon oder Acrylate enthalten, was bei fast allen konventionellen Produkten der Fall ist. Denn diese Polymere gelangen, wenn nicht schon beim Baden direkt ins Meer oder den See, spätestens über das Abwasser in die Umwelt, wo sie sich kaum wieder abbauen.

Sie seien notwendig, um eine Creme wasserfest zu machen, sagte uns ein Hersteller. Nur: Andere Hersteller kommen ohne aus, etwa die Naturkosmetika sowie die beiden konventionellen Cremes Ladival für Kinder und Sun Dance Kids. Auch sie sind als „wasserfest“ ausgelobt.

Darf Naturkosmetik „nano“?

Eines überrascht in diesem Test: Keine der zertifizierten Naturkosmetikcremes hat „sehr gut“ abgeschnitten. Und das obwohl wir mit den Inhaltsstoffen der Produkte rundweg zufrieden sind: Ihr UV-Schutz beruht ausschließlich auf den beiden mineralischen UV-Filtern Titandioxid und Zinkoxid. Wir halten diese nach heutigem Wissensstand immer noch für die bessere Wahl auf Kinderhaut. Für Abzug haben mehrere Formfehler gesorgt. Vor allem der, dass alle fünf Naturkosmetikcremes unserer Meinung nach bei der Deklaration von Nanomaterial danebenliegen.

Nanopartikel – das sind jene winzig kleinen Teilchen, die laut EU-Definition in der Größe zwi schen 1 und 100 Nanometer liegen. Als „nano“ deklariert werden sollte ein Stoff wie Titandioxid in der Zutatenliste aber erst, wenn über die Hälfte seiner Partikel in diesem Größenspektrum vorliegt. Das besagt eine – allerdings rechtlich unverbindliche – Empfehlung der EU.

Das von uns beauftragte Labor kommt zu dem Ergebnis, dass die zwergenhaften Weißpartikel bei allen fünf Naturkosmetikcremes sogar über 80 Prozent ausmachen. Die Hersteller dagegen beteuern, kein Nanotitandioxid eingesetzt zu haben. Mit eigenen aktuellen Analysen haben sie diese Aussage uns gegenüber nicht ausreichend untermauert; Anbieter Laverana verweist auf die Zusicherung des Rohstofflieferanten.

„Nano“ ist bei vielen Naturkosmetikkunden verpönt. Zwar gilt Titandioxid auch in Nanoform nicht als schädlich, solange es in einer Creme gebunden ist. Dennoch sind noch nicht alle Risiken durch Nanopartikel geklärt.

Die Labels für Naturkosmetik handhaben das Thema unterschiedlich: Während das Natrue- Siegel Nano erlaubt, ist der Einsatz von Nanomaterial entsprechend der EU-Definition bei Cosmos (BDIH und Ecocert) verboten. Aber eines ist ohnehin klar: Ein mineralischer Stoff wie Titandioxid kommt natürlicherweise in einem breiten Größenspektrum vor. Ein bisschen Nano ist also immer dabei.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: ein Umkarton, der kein Glas schützt. 2) Weiterer Mangel: Anwendungs- und Warnhinweise zum Umgang mit der Sonne unvollständig. 3) Weiterer Mangel: fehlende Angabe „nano“ bei Titandioxid bzw. Zinkoxid in der Liste der Inhaltsstoffe. 4) Laut Anbieter ist das Layout der Verpackung mittlerweile geändert worden. Das Etikett auf der Rückseite der Verpackung sei durch den Hinweis „Nach 80 Minuten Aufenthalt im Wasser besteht weiterhin mindestens 50 % des ausgelobten Lichtschutzfaktors“ ergänzt worden. 5) Laut Anbieter wurde mittlerweile das Verpackungsdesign des Produkts verändert, dabei sei unter anderem das neue DAAB-Logo 8/2019 integriert worden. 6) Laut Anbieter wurde die Rezeptur des Produkts mittlerweile überarbeitet, unter anderem sei jetzt kein Zinkoxid mehr als UV-Filter enthalten. 7) Enthält den bedenklichen UV-Filter Homosalat. 8) Enthält den bedenklichen UV-Filter Octocrylen. 9) Weiterer Mangel: enthält weitere Kunststoffverbindungen. 10) Enthält PEG/PEG-Derivate, Silikone, Paraffine. 11) Enthält PEG/ PEG-Derivate, Silikone. 12) Laut Anbieter werden die fehlenden Warnhinweise zum Umgang mit der Sonne zur Saison 2021 ergänzt.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um zwei Noten: PEG/ PEG-Derivate. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) bedenkliche UV-Filter (Octocrylen, Homosalat); b) mehr als ein Prozent Silikonverbindungen und/oder Pa raffine/künstliche paraffinartige Stoffe. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: a) Silikone, wenn sie nicht schon unter den Inhaltsstoffen abgewertet wurden, und/oder weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Acrylates Copolymer, Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Carbomer, Ethylendiamine/Stearyl Dimer Dilinoate Copolymer, Hydrogenated Polyisobutene, Polyacryldimethyltauramide/Ammonium Dimethylpolyacryloyldimethyl Taurate, Polyester-5, Polyurethane-34, Sodium Polyacrylate, Stryrene Acrylates Copolymer, Triacontanyl PVP, VP/Eicosene Copolymer, VP/Hexadecene Copolymer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) das Fehlen eines oder mehrerer der folgenden Anwendungs- und Warnhinweise nach den Empfehlungen des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel (IKW) auf der Verpackung oder auf dem Beipackzettel: 1 = Intensive Mittagssonne meiden. 2 = Vor dem Sonnen auftragen. 3 = Mehrfach auftragen, um den Lichtschutz aufrechtzuerhalten, insbesondere nach dem Aufenthalt im Wasser. 4 = Sonnenschutzmittel großzügig auftragen. Geringe Auftragsmengen reduzieren die Schutzleistung. 5 = Babys und Kleinkinder vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. 6 = Für Babys und Kleinkinder schützende Kleidung sowie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF größer als 25) verwenden. 7 = Auch Sonnenschutzmittel mit hohen Lichtschutzfaktoren bieten keinen vollständigen Schutz vor UV-Strahlen; c) fehlende Angabe „nano“ bei Titandioxid bzw. Zinkoxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterialien, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid bzw. Zinkoxid zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ und „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden, Glossar und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/J2010
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie 9/2020.Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

RATGEBER

► Sparen Sie nicht mit Sonnencreme. Drei bis fünf Teelöffel Creme braucht es, damit Ihr Kind ausreichend geschützt ist.

► Cremen sie nach dem Planschen grundsätzlich nach, da auch bei wasserfester Creme immer ein Teil im Wasser zurückbleibt.

► Sonnencreme mit mineralischem UV-Filter ist nach unserem heutigem Wissensstand die bessere Wahl für Kinder.