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TEST Kinderspielzeug: Ich will doch nur spielen …


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2010 vom 26.11.2010

Nach den miesen Ergebnissen aus den Vorjahren zeigt unser Test: Viele Hersteller haben offenbar kein Interesse daran, ihre Produkte zu verbessern. Mehr als die Hälfte der bereits im Dezember 2008 oder 2009 bemängelten Spielzeuge fällt auch dieses Mal wieder mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch, nur elf Produkte können wir empfehlen.


Die Weihnachtszeit ist traditionell das Geschäft der Spielzeugbranche. Und auch dieses Jahr scheint es wieder ein gutes zu werden. Eltern ist das Spielbedürfnis ihrer Kinder immer mehr Geld wert. In Deutschland geben sie durchschnittlich etwa 150 Euro für Baby- und ...

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Die Weihnachtszeit ist traditionell das Geschäft der Spielzeugbranche. Und auch dieses Jahr scheint es wieder ein gutes zu werden. Eltern ist das Spielbedürfnis ihrer Kinder immer mehr Geld wert. In Deutschland geben sie durchschnittlich etwa 150 Euro für Baby- und Kleinkindspielzeug aus. Vor sechs Jahren waren es erst rund 100 Euro.

Die steigenden Ausgaben für Spielzeug sind aber nicht unbedingt ein Indiz dafür, dass die Kinderzimmer vor Plüschtieren, Puppen oder Legosteinen überquellen. Junge Familien haben heute nach ersten Karriereerfolgen oft einen höheren Lebensstandard. Für ein Produkt, das dem Anschein nach etwas mehr Qualität und Nachhaltigkeit verspricht, greifen sie auch gerne etwas tiefer in die Tasche. Zuwachs gibt es aber auch am unteren Preisende, bei Billigprodukten.

Schwacher Trost für die Eltern: Der Preis kann, muss aber kein Qualitätsindikator sein. Vieles, was sich in den Regalen der immer größer und bunter werdenden Spielzeugwelt tummelt, gehört schlichtweg in die Tonne und nicht in Kinderhände – das zeigen unsere ÖKOTESTs immer wieder.

So manches Spielzeug macht schon beim Auspacken einen üblen Eindruck. Diese Erfahrung machte auch eine ÖKO-TEST-Leserin, die Kunststofffiguren der SerieBob der Baumeister gekauft hatte. Zu Hause im Kinderzimmer mit Tochter Johanna währte die Freude über die neuen Spielzeuge nur kurz: „Beim Auspacken strömte mir ein derartiger Chemie- oder Sonstwas-Gestank entgegen, dass es kaum zu glauben ist“, schrieb uns die verärgerte Mutter. Als sie die Figuren habe umtauschen wollen, sei sie „erst komisch angeschaut worden“. Nach einer Riechprobe habe der Ladenbesitzer „die Stinkefiguren“ aber zurückgenommen. Der Anbieter, die Firma Learning Curve, hatte keine Erklärung für den Chemiegeruch und schickte Prüfgutachten zu Problemstoffen und zur Produktsicherheit. Auf die angebotenen Ersatzfiguren wollte die Mutter – aus nachvollziehbaren Gründen – lieber verzichten.


Experten, Politiker und Verbraucherschützer sind sich einig: Die Grenzwerte sind viel zu lasch


Nicht jedes Spielzeug, das stinkt, steckt voller Schadstoffe, manchmal ist es nur der Produktionsgeruch, der den Produkten noch anhaftet. Aber die eigene Nase ist oft das Einzige, auf das Verbraucher beim Spielzeugkauf setzen können. Es gibt zwar eine europäische Norm, die Grenzwerte festlegt. Doch diese sind zum Teil so lasch, dass die Hersteller keinen Grund haben, auf den Einsatz von gesundheitsschädlichen Chemikalien zu verzichten.

Auch die geplante neue Spielzeugrichtlinie ist laut Einschätzung von Experten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) unzureichend und führt sogar zu einer Verschlechterung des Verbraucherschutzes. Zum Beispiel sind deutlich größere Mengen an giftigem Blei zugelassen als bisher. Hormonell wirksame Chemikalien wie zinnorganische Verbindungen werden erst gar nicht erfasst.

Unsere Empfehlungen

Hände weg von Spielzeug aus weichem PVC. Den problematischen Kunststoff kann man an der Bezeichnung „Vinyl“ erkennen oder an dem Recyclingcode „3“ in einem Dreieck aus Pfeilen. Weniger Probleme bereitet Hartplastik, das sind Kunststoffe, in die man den Fingernagel überhaupt nicht eindrücken kann.
Spielzeug, das nach Chemie stinkt, in den Laden zurückbringen. Ein Rückgaberecht hat man zwar nur, wenn man nachweisen kann, dass das Produkt nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Versuchen sollten Sie es trotzdem, denn je mehr Konsumenten sich beschweren, desto stärker wird der Druck auf die Hersteller.
Nur Zuschauer sein, macht Kindern wenig Spaß. Deshalb verlieren sie an Sprechpuppen und anderem Automatikspielzeug meist schnell das Interesse. Vielseitig verwendbare Spiel zeuge, die nicht zu viele Details vorgeben, etwa Holzbausteine, lassen der Fantasie mehr Raum. Auch Alltagsgegenstände wie Karton oder Schneebesen werden zum Spielhaus oder Musikinstrument.

Und die Grenzwerte für die unter anderem in Weichmacherölen enthaltenen polyzyklischen aromatischen Koh lenwasserstoffe – kurz PAK – sind viel zu hoch. PAK stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Das BfR fordert für die besonders ge fährliche Leitverbindung Benzo(a)pyren einen 500 Mal strengeren Grenzwert, als es die geplante Spielzeugrichtlinie ab 2013 er lau ben würde, und selbst der Deutsche Verband der Spielwaren Industrie (DVSI) favorisiert mit Blick auf die Kindergesundheit deutlich niedrigere Werte. Auch die Politik ist sich hierzulande einig – und das kommt selten vor: Nach der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, die bereits im EU-Parlament gegen den faulen Richtlinienkompromiss gestimmt hatten, haben inzwischen auch alle anderen im Bundestag vertretenen Fraktionen mit ensprechenden Anträgen die Bundesregierung aufgefordert, auf EU-Ebene strengere Grenzwerte durchzusetzen.

Tatsächlich hätte aber schon längst etwas passieren müssen – ab Juli 2011 muss die neue Spielzeugrichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden.

Maureen Logghe von der Europäischen Kommission sagte bei einem öffentlichen Treffen zwar zu, „sämtliche neuen Erkenntnisse der Wissenschaft zu prüfen“, damit die Richtlinie ständig aktualisiert werden könne. Gleichwohl gehört sie ihrer Ansicht nach schon jetzt zu den strengsten der Welt. Auf unsere Nachfrage hin wurde man seitens der Kommission dann doch noch etwas konkreter: So werden die Grenzwerte für Blei als „nicht mehr angebracht“ eingestuft und sollen überarbeitet werden.

Außerdem stellt eine neue EU-Expertengruppe die Regelungen zu den sogenannten CMR-Stoffen, zu denen auch einige der PAK zählen, auf den Prüfstand. CMR bedeutet, der Stoff ist ganz offiziell als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fort pflanzungsgefährdend eingestuft. Ein Verbot könne es aber laut Kommission – wenn überhaupt – nur unter der übergeordneten Chemikalienverordnung geben, da neben Kinderspielzeug auch viele andere Verbraucherprodukte betroffen seien.

Solange die EU nicht nachbessert und Grenzwerte festlegt, tut sich unserer Erfah rung nach meist wenig. Auch in den ÖKOTESTs Kinderpielzeug vom Dezember 2008 und 2009 waren etliche Spielzeuge durchgefallen. Deshalb wollten wir wissen, ob die Hersteller die von uns beanstandeten Produkte inzwischen verbessert haben.

Insgesamt 35 Spielzeuge, darunter sieben Plüschtiere, neun Kunststofffiguren, 13 Handspielpuppen und sechs Puppen wurden noch einmal eingekauft – oder zumindest ein ähnliches Produkt – und in die Labore geschickt. Hinzu kamen die Trikots der 18 Fußballbundesligisten und die der beiden Abstei ger – in Kindergrößen für kleine Fans.

Das Testergebnis

■ Manche Hersteller sind willig, etwas zu ändern, die meisten sind uneinsichtig, halten unsere Anforderungen für überzogen oder schimpfen sogar auf ÖKOTEST. Bei einem Großteil der Spielzeuge hat sich trotz unserer Kritik aus den Vorjahren rein gar nichts getan. Kleine Fortschritte gibt es bei den Trikots. Unterm Strich sind aber noch drei Viertel „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Bei den Spielzeugen trifft dies nach wie vor auf mehr als die Hälfte zu.

Qualitätszeichen

Fragwürdige Embleme

Die beiden Käthe-Kruse-Handspielpuppen tragen einSGS-Logo , das wie ein Gütesiegel wirkt. Auf Nachfrage wurden wir aufgeklärt, dass es sich nur um das Unternehmenslogo der SGS handelt, eine weltweit agierende Test- und Zertifizierungsgesellschaft mit mehr als 1.000 Laboren. Laut Andrea Christenson, Geschäftsführerin von Käthe Kruse, will die Firma mit dem Logo deutlich machen, dass sie in qualifizierten Instituten testen lässt, aus Kostengründen jedoch in Asien. Danach würden die Produkte regelmäßig nach den gesetzlichen Vorschriften der EN 71 überprüft. Der Hersteller hatte uns jedoch 2009 nur einen Testbericht eines chinesischen Labors zu einer Handpuppe, die nicht im Test war, vorgelegt – demnach werden offensichtlich nicht alle Figuren geprüft. Ebenfalls nur dem Anschein nach ein Gütesiegel ist das Emblem„Designed, proven and tested in Germany“ auf demSterntaler Spieltier Esel Emmi . „Wir möchten den Kunden lediglich auf einen Blick mitteilen, dass unsere Produkte in Deutschland entwickelt und designt sowie geprüft und zertifiziert werden“, so Sterntaler auf Nachfrage. Unserer Meinung nach wäre es besser, der Anbieter würde auf solche wenig aussagekräftigen Hinweise verzichten. Verbraucher können beim Kauf schnell übersehen, dass das Produkt „Made in China“ ist, wie in kleiner Schrift auf der Innenseite des Pflegeetiketts zu lesen ist. Auch Spielzeughersteller Zapf schuf ein eigenes Zeichen:Safety-Tested. Letztendlich sagt das kaum mehr aus, als dass die rechtsgültigen Normen eingehalten werden. Laut Hersteller werden die Spielzeuge zusätzlich auf Cadmium, Blei und auf zusätzliche Phthalatweichmacher geprüft. Weitere Tests seien Interna, „die wir nicht öffentlich publizieren möchten“, schreibt uns ein Vertreter der Firma.

TÜV Proof + LGA Prüf-Zertifikat + LGA Qualitäts-Zertifikat

Seit 2005 gehört die LGA (Landesgewerbeanstalt Bayern) zur TÜV-Rheinland-Gruppe. Sowohl unter dem Label TÜV wie auch LGA werden eine Vielzahl von Labeln vergeben, deren Erscheinungsbild sich in den vergangenen Jahren häufig änderte. Nur teilweise stehen sie in Verbindung mit demGS-Zeichen (Geprüfte Sicherheit). Welche Vergabekriterien bei den anderen Siegeln angelegt werden, bleibt teilweise im Dunkeln.TÜV Proof „Sicherheits- und Schadstoffgeprüft“ undLGA Prüf-Zertifikat „geprüft + überwacht“ (heute:LGA tested ) sind in den Anforderungen laut TÜV vergleichbar, können aber je nach Produkt variieren. Geprüft werden im Wesentlichen nur die gesetzlichen Anforderungen nach Spielzeugrichtlinie. Darüber hinaus findet jährlich eine Überwa-chung der Fertigungsstätte und des Produkts statt. BeimLGA Qualitäts-Zertifikat „mit Sicherheit geprüfte Qualität“ (heute:LGA tested quality ) werden über die gesetzlichen Vorschriften hinaus Anforderungen gestellt, die sich laut TÜV „aus den jeweiligen Produkteigenschaften und den verwendeten Materialien“ ergeben. Welche das genau sind, hängt von der Art des Produkts ab und ist nach außen nicht transparent. Unsere Testergebnisse zeigen, dass auch Produkte mit diesen Labeln, wie die Puppen von Haba und Simba Toys, mit „ungenügend“ abschneiden.

TÜV SÜD

Auch der TÜV Süd bietet ein eigenes Prüfzeichen für Spielzeug an, das den getesteten Plüschtieren der Firma Sigikid anheftet. Basis desTÜV-Süd -Siegels sind ebenfalls nur die gesetzlichen Bestimmungen, was durch den Aufdruck „EN 71“ sichtbar gemacht wird. Außerdem enthält das Gütezeichen die Hinweise „Sicherheit geprüft“ und „Produktion überwacht“ als Zeichen dafür, dass das Produkt von einem unabhängigen Unternehmen geprüft und auch die Produktion überwacht wurde. Im Auftrag des Herstellers beziehungsweise Anbieters können bestimmte Eigenschaften, die überprüft wurden, ausgewiesen werden; zum Beispiel „Speichel- und Schweißecht“ wie im Falle der beiden Sigikid-Produkte.

Original Disney

Ein Mickey-Mouse-Hologramm mit einer Seriennummer darunter sind auf dem EtikettOriginal Disney zu sehen, hinter dem man nicht unbedingt ein Gütesiegel vermuten würde. Wir haben bei Joy Toy, dem Anbieter desWinnie the Pooh Esel Iaah , auf dem wir das Zeichen gefunden haben, nachgefragt: „Disney Original besagt, dass der Artikel von Disney selbst entwickelt, unter Aufsicht von Disney Consumer Products produziert wurde und alle erforderlichen Tests der Spielzeugrichtlinie (EN 71) verfügbar sind und abgerufen werden können.“ In unserem Test hat es für den Esel trotzdem nur zu einem „mangelhaft“ gereicht. In dem Hologramm, das angeblich nur von Disney persönlich entschlüsselt werden kann, sei erkennbar, von wem die Ware produziert wird, wie das Produktionsdatum lautet und wer der Lizenznehmer ist. Damit sollen „Schwarzproduktionen“ leichter identifiziert werden.

■ So ist bei den Puppen lei der nur ein geringer Hoff nungsschimmer am Horizont zu erblicken. Im Vergleich zum Test 2008, wo es einige extrem belastete Produkte gab, ist die Schadstoffbelastung moderater, wenn auch immer noch zu hoch. Ausgerechnet in einer Stoffpuppe, derSimba Dolly , wurde ein bedenklicher Phthalatweichmacher (DIBP) nachgewiesen. Er ist zwar im Kinderspielzeug nicht reglementiert, aber in die Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe der europäischen Chemiekalienagentur (ECHA) aufgenommen worden. Denn er ähnelt einer bereits verbotenen Substanz und steht auch im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken und die Fortpflanzung und Entwicklung zu beeinflussen. Der Hersteller Simba Toys war sehr überrascht, weil er in seinen textilen Materialien nicht mit Phthalaten gerechnet hat.


Die meisten Hersteller haben keine Skrupel, die belasteten Produkte weiter zu produzieren


Für die PVC-Köpfe der getesteten Puppen verwenden die Hersteller mittlerweile alterna tive Weichmacher, die wir nur um eine Note abwerten, weil sie noch nicht ausreichend erforscht sind. Auch die in einigen Anwendungen, wie der Textil- und Leder verarbeitung, verbotene Substanz Nonylphenol, die möglicherweise ebenfalls hormonell wirkt, konnten wir in drei Puppen in deutlichen Konzentrationen nachweisen.

Bei derWeichpuppe Lilli von Haba liegt die schlechte Note nicht an den Inhaltsstoffen, sondern an den verschluckbaren Kleinteilen, die wir – wie schon 2008 – kritisieren. Wir sind der Meinung, dass diese an einem Spielzeug für Kleinkin der nichts zu suchen haben, egal aus welchem Material sie sind. Die Spielzeugnorm sieht dagegen viele Ausnahmen vor, auf die sich der Hersteller beruft.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Alle Jahre wieder das gleiche Spiel: Die Qualität vieler Spielzeuge lässt zu wünschen übrig, rund die Hälfte rasselt mit zum Teil haarsträubenden Mängeln durch unsere Tests. Aber lernen die Hersteller überhaupt etwas daraus? Haben sie die von uns beanstandeten Produkte inzwischen verbessert? Wir wollten es diesmal noch genauer wissen und haben Spielzeuge eingekauft, die wir bereits im Dezember 2008 oder Dezember 2009 getestet hatten. Die Wahl fiel auf (Hand-)Puppen, Plüschtiere und Kunststofffiguren, weil sie bei kleinen Kindern am beliebtesten sind. Außerdem haben wir uns – nach den erschreckenden Ergebnissen im Vorjahr – auch die Kinderfußballtrikots noch einmal vorgenommen. War eines der Spielzeuge auf unserer Liste nicht mehr im Handel erhältlich, landete ein anderes, vergleichbares Produkt des Anbieters im Einkaufswagen. Bei Spielzeugen, die uns im vorangegangenen Test ein „sehr gut“ oder „gut“ beschert hatten und offensichtlich noch unverändert im Laden erhältlich waren, wurde ein zweites Produkt aus der gleichen Warengruppe eingekauft, um zu sehen, ob die Qualität auch durchgehend eingehalten wird.

Die Inhaltsstoffe

Ob Schleich-Elfe, Fußballtrikot von Adidas oder Vedes-Puppe – erfahrungsgemäß kann fast jedes Spielzeug mit einer Vielzahl an problematischen Stoffen belastet sein. Entsprechend umfangreich war unser Testspektrum: Wo Kunststoffe möglichst lange elastisch bleiben sollen, etwa bei Puppen, Kunststofffiguren oder den Aufdrucken von Fußballtrikots, werden häufig Phthalatweichmacher und phosphororganische Verbindungen eingesetzt. Poly zyklische aromatische Kohlenwasserstoffe können über Weichmacheröle und Rußpigmente in Spielzeug gelangen. Handpuppen, Plüschtiere und Trikots bestehen hauptsächlich aus textilen Geweben, in denen ÖKO-TEST regelmäßig krebsverdächtige Azo-Farbstoffe und Dispersionsfarbstoffe findet. Nach ihnen wurde genauso gefahndet wie nach halogenorganischen Verbindungen, die ebenfalls oft Farbbestandteile sind, und nach optischen Aufhellern, die aus Weiß strahlendes Weiß machen sollen. Außerdem wurden die Spielzeuge auf eine Reihe weiterer Schadstoffe untersucht, zum Beispiel zinnorganische Verbindungen, die unter anderem Produkte aus PVC stabilisieren und Schwermetalle, die sich in den Farben und Kunststoffen verbergen können.

Der Praxistest

Während Schadstoffe ihre Wirkung oft erst langfristig entfalten, bringen verschluckbare Einzelteile ein Kind sofort in Gefahr. Ab wann ein Teil verschluckbar ist, welche Zugkräfte ein Spielzeug aushalten muss und ab wann Strangulierungsgefahr besteht, ist in der Spielzeugnorm EN 71 (Teil 1) geregelt, an der wir uns orientiert haben. Darin sind allerdings – für uns unverständlich – viele Ausnahmen vorgesehen. Zum Beispiel die Gefahr des Schluckens spielt bei Gummi, Schnüren und Gewebe keine Rolle, und wenn der verschluckbare Faserflaum aus einer leicht zu öffnenden Rückennaht quillt, ist das laut Spielzeugnorm auch kein Problem. Wir sehen das anders. Deshalb wurden keine Ausnahmen gemacht. Darüber hinaus ließen wir untersuchen, ob die haarigen Plüschtiere leicht in Flammen aufgehen können. Auch wenn es bisher kaum Unfalldaten über Gefahren gibt, die mit der Entflammbarkeit von Spielzeug verbunden sind, ist diese Prüfung laut EN 71 (Teil 2) vorgeschrieben. Gefahrenquellen im Haushalt können demnach offene Flammen wie brennende Kerzen und Kaminfeuer sein oder auch eine Nachttischlampe, die nach dem Einschlafen auf das Plüschtier fällt. Die Flammen sollen sich nicht mehr als drei Zentimeter pro Sekunde ausbreiten oder – besser noch – wieder ganz ausgehen.

Die Bewertung

Nuckeln, lecken, kauen – besonders kleine Kinder nehmen ihr Spielzeug gerne in den Mund. Deshalb gelten für Spielzeuge, die für Kinder unter drei Jahren vorgesehen sind, zum Teil strengere gesetzliche Anforderungen. Welche Produkte in diese Kategorie fallen und welche nicht, ist jedoch nicht immer klar geregelt oder nachvollziehbar. Deshalb war es uns wichtig, dass das Alter der Kinder, die damit spielen, realistisch eingeschätzt wird. Wenn auf einer einfach gestalteten Puppe oder einer Kunststofffigur, mit der schon kleinere Kinder spielen können, ein Warnhinweis „für Kinder ab drei Jahren“ angebracht ist, wollen sich unserer Meinung nach die Hersteller vor ihrer Verantwortung drücken. Bei Spielzeugen, die voller Schadstoffe stecken oder verschluckbare Kleinteile enthalten, hört der Spaß auf. Deshalb machen wir keine Kompromisse: Die Inhaltsstoffe müssen genauso unbedenklich sein wie die Verwendung.

In einer Gummischlange steckt deutlich mehr PAK, als der Spielzeugverband erlauben will

■ Die Ergebnisse für die Kunststofffiguren fallen kaum besser aus als im vorigen Jahr. Negativer Höhepunkt ist dieWorld of Animals Stretch-Schlange Anaconda von Happy People, die uns so gar nicht „happy“ macht. In der Schadstoffanalyse wurden mehr als 34 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) polyzyklische aro matische Kohlenwasserstoffe (PAK) festgestellt – damit wird nicht einmal der vom Verband der Spielwaren Industrie präferierte Grenzwert eingehalten. Darüber hinaus lösten sich im Praxistest Kleinteile, und aus dem Maul der Schlange quollen Plastikkügelchen. DerPapo Ork und derBullyland „Phoenix“ haben sich im Vergleich zu 2009 leicht verbessert: PAK wurden nur noch in „erhöhten“ Gehalten nachgewiesen. In derSchleich Elfe Surah dagegen wurde diesmal zusätzlich giftiges Dibutylzinn festgestellt. Ob die Hersteller wirklich etwas geändert haben oder es sich um unbeabsichtigte Produktionsschwankungen handelt, konnte in diesen Fällen nicht geklärt werden, empfehlen können wir ohnehin keines dieser Produkte. Traurig ist, dass es einigen Anbietern offensichtlich nicht gelingt, auch nur eine brauchbare Figur auf den Markt zu bringen: Obwohl wir von Tedi, Kik, Hasbro und Simba Toys diesmal ein anderes Produkt getestet hatten, fallen trotzdem wieder alle vier mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch, entweder weil sie voller Schadstoffe stecken oder weil verschluckbare Kleinteile enthalten sind. Bei Spielsachen, mit denen Kinder unter drei Jahren unserer Meinung nach spielen, wird hier streng abgewertet. ÖKO-TEST hält in solchen Fällen ebenso wie bei den einfach gestalteten Puppen einen Warnhinweis „nicht geeignet für Kinder unter drei Jahren“ für unangemessen -– weil unrealistisch.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen:
DIBT = Diisobutylphthalat. PAK = polyzyklische aromatische Kohlen wasser stoffe.
Glossar:
Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.Anmerkungen: 1) Das Gesamturteil basiert auf den Ergebnissen des ÖKO-TEST Kinderspielzeug Dezember 2009. 2) Das Testergebnis Inhaltsstoffe basiert auf den Ergebnissen des ÖKO-TEST Kinderspielzeug Dezember 2009. 3) Nachweis Antimon in der Füllung (Eluat). 4) Nachweis aromatisches Amin (p-Aminoazobenzol) im aufgenähten Schmetterling. 5) Nachweis phosphororganische Verbindungen, zinnorganische Verbindungen, Phthalate/Weichmacher und/oder chlorierte Kunststoffe in Kunststoffaufdrucken und - emblemen. 6) Enthält außerdem andere zinnorganische Verbindungen in erhöhter Konzentration. 7) Enthält außerdem weitere Weichmacher (DEHA = Diethylhexyladipat). 8) Enthält außerdem Dibutylzinn in erhöhter Konzentration. 9) Das Testergebnis Praxisprüfung basiert auf den Ergebnissen des ÖKO-TEST Kinderspielzeug Dezember 2008, die Entflammbarkeit wurde neu getestet. 10) Das Gesamturteil basiert auf den Ergebnissen des ÖKO-TEST Kinderspielzeug Dezember 2008, die Entflammbarkeit wurde neu getestet. 11) Nachweis Anilin in der roten Krawatte. 12) Optische Aufheller ohne Hautkontakt (Füllwatte). 13) Das Testergebnis Praxisprüfung basiert auf den Ergebnissen des ÖKO-TEST Kinderspielzeug Dezember 2009. 14) Nachweis bromierte Flammschutzmittel (HBCD) im Styropor des Kopfes. Nachweis halogenorganische Verbindungen in einer Mischprobe, in der das Styropor nicht enthalten war. 15) Getestet wurde das Trikot „Kids Profi“. 16) Nachweis optische Aufheller im „Spiel-gut“-Etikett. 17) Laut Trikothersteller wurde der Sponsorenaufdruck nicht vom Trikothersteller aufgebracht, sondern von einem Fremdunternehmen in Deutschland. 18) Laut Trikothersteller handelt es sich um einen Durchlaufartikel aus der Saison 2009/2010; es wurde im Jahr 2009 produziert und bedruckt. 19) Der Hersteller beruft sich darauf, dass der Warnhinweis in einem Begleitschreiben zur Rechnung sowie im Internet-Shop auftaucht. Auf der Homepage ist er aber nicht dem Produkt zugeordnet und schwer auffindbar. Außerdem muss der erforderliche Warnhinweis nach EN 71 auf dem Spielzeug selbst oder auf der Einzelhandelsverpackung erscheinen. Die Handspielpuppe weist Sicherheitsmängel auf, verschluckbare Haarteile lösen sich. 20) Das TÜV-Süd-Prüfsiegel trägt außerdem die Bezeichnungen „Sicherheit geprüft“, „Speichel- und Schweißecht“, „EN 71“ und „Produktion überwacht“. 21) Das Produkt trägt ein veraltetes und gekündigtes LGA-Prüfzertifikat „geprüft und überwacht“. Laut Hersteller war das Zertifikat bis 2008 auf der Puppe. 22) Laut Hersteller wurden die Haare inzwischen verändert. 23) Nachweis PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in den Haaren der Handpuppen.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Stufen: ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg DIBT. Zur Abwertung um jeweils vier Noten führen: a) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 μg/kg polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK); b) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeugen gesetzlich reglementierten Phthalate (DEHP, DINP) in Kinderfußballtrikots; c) mehr als 5 mg/kg Anilin; d) 5 bis 30 mg/kg aromatische Amine (hier p-Aminoazo benzol); e) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 250 μg/kg Dibutylzinn und/oder mehr als 2.500 μg/kg (andere) zinnorganische Verbindungen. Zur Abwertung um drei Noten führt: ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg bromierte Flammschutzmittel (HBCD). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 μg/kg polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK); b) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 mg/kg DIBT; c) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg phosphororganischen Verbindungen; d) mehr als 1.000 bis 100.000 mg/kg Nonylphenol; e) ein erhöhter Gehalt von mehr als 25 bis 250 μg/kg Dibutylzinn und/oder mehr als 250 bis 2.500 μg/kg (andere) zinnorganische Verbindungen, falls nicht schon ein stark erhöhter Gehalt von Dibutylzinn oder anderen zinnorganischen Verbindungen abgewertet wurde. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1.000 mg/kg der Weichmacher ATBC, DEHA, DEHT, DiNCH und/oder TXIB, falls nicht schon ein Gehalt an Phthalaten abgewertet wurde; b) ein erhöhter Gehalt von 10 bis 1.000 mg/kg phosphororganische Verbindungen; c) optische Aufheller; d) mehr als 1 mg/kg gelöstes Antimon; e) Blei; f) halogenorganische Verbindungen; g) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe. Unter dem Testergebnis Praxistest führen zur Abwertung um fünf Noten: verschluckbare Kleinteile und/oder Füllmaterial zugänglich bei Kinderspielzeug, das für Kinder unter drei Jahren geeignet ist. Zur Abwertung um zwei Noten führt: ein fehlender Warnhinweis „für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet“. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: ein unangemessener Warnhinweis „für Kinder unter drei Jahren nicht geeignet“ (oder vergleichbarer Wortlaut), wenn das Spielzeug aufgrund von Material und Gestaltung für Kinder unter drei Jahren geeignet ist. Zur Abwertung um eine Note führen: optische Aufheller ohne Hautkontakt (in der Füllung). Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und, falls vorhanden, auf dem Testergebnis Praxisprüfung. Es kann nicht schlechter sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testurteil Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder schlechter ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden:
PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse. Halogenorganische Verbindungen: repräsentative Mischprobe; Elution mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Schwermetalle: a) Röntgenfluoreszenzanalyse; b) repräsentative Mischprobe; Elution mittels saurer Schweißlösung; Elementbestimmung mittels ICP-MS. Aromatische Amine: Misch probe aus bis zu vier Farben/Materialien zu gleichen Teilen; Prüfung auf Amine nach reduktiver Spaltung; Analytik entsprechend § 64 LFGB 82.02-2 Prüfung ohne vorherige Extraktion DIN EN 14362-1 (Juni 2004), § 64 LFGB 82.02-4 Prüfung nach vorheriger Extraktion DIN EN 14362-2 (Juni 2004); bei Hinweisen auf 4-Aminoazobenzol zusätzliche Prüfung entsprechend § 64 LFGB 82.02-9 (September 2006), Bestimmungsgrenze 5 mg/kg; 1. Methode GC/MS, 2. Methode TLC; zusätzliche Prüfung auf Anilin und Xylidine. Dispersionsfarbstoffe: Analytik entsprechend § 64 LFBG 82.02-10 Norm DIN 54231 (November 2005); Dünnschichtchromatografie TLC und HPLC mit DAD (UV/Vis-Detector). Optische Aufheller: qualitativer Nachweis (UV-Licht). Zinnorganische Verbindungen: NaDDTC, EtOH, Hexan, NaBEt4, GCAED. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): getestet auf 24 PAK nach EU/ EPA/JECFA; GC-MSD. Phosphororganische Verbindungen, Phthalate, andere Weichmacher, antimikrobiell wirksame Substanzen, phenolische Verbindungen: GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung; Diphenylkresylphosphat und Phenyldikresylphosphat berechnet als Triphenylphosphat. Bromierte Flammschutzmittel: GC/MS nach Extraktion mit Dichlormethan. Migration Phenol: Migration mit Wasser, Messung mit HPLC-FLD. Migration Styrol: GC/MS nach Extraktion mit Dichlormethan. Praxistest: nach EN 71 Teil 1: physikalische und mechanische Eigenschaften, bei Plüschtieren auch Teil 2: Entflammbarkeit.

Einkauf der Testprodukte: August – Oktober 2010.
Anbieterverzeichnis:
siehe www.oekotest.de

■ Sogar etwas verschlechtert haben sich die Plüschtiere: Dass man bei einem „guten“ oder „sehr guten“ Produkt noch lange nicht davon ausgehen kann, dass auch die anderen Plüschtiere der Marke genauso gut sind, zeigen die Produkte von Sterntaler und Joy Toy. Während der Joy-Toy-Elefant im Spielzeugtest 2008 keine Schadstoffe enthielt, stecken imEsel Iaah der gleichen Serie ein bedenklicher Phthalat-Weichmacher (DIBT), umstrittene halogenorganische Verbindungen und umweltbelastende optische Aufheller. DasSterntaler Spieltier Esel Emmi kommt im Gegensatz zu seinem Vorgänger unter anderem mit verschluckbaren Kleinteilen daher. „Unsere Artikel werden regelmäßig geprüft, und es kann sich hierbei nur um eine außergewöhnliche Ausnahme handeln“, so Sterntaler.

Unverbesserlich scheint Sunkid: Wie beim 2008 un tersuchten Plüschhund lässt sich auch zwei Jahre später beimFrosch Dany die Rückennaht leicht öffnen. Darüber hinaus lösen sich verschluckbare Kleinteile, und im Material wurde unter anderem krebsverdächtiges Anilin nachgewiesen. Besser macht es Steiff: Nachdem uns derCharly Schlenkerteddy mit „sehr gut“ überzeugt hatte, macht nun auch dasPferd Niki eine „gute“ Figur.

■ Von „sehr gut“ bis „ungenügend“ – bei den Handspielpuppen ist wieder alles möglich. Auf einem guten Weg ist der Hersteller desKersa Teufels , der Anilin verbannt hat. Außerdem lösen sich auch keine verschluckbaren Teile mehr, sodass die Puppe selbst für Kinder unter drei Jahren keine Gefahr mehr darstellen würde. DerKersa Teufel verbesserte sich von „ungenügend“ auf „befriedigend“. Auch derEri Pirat mit Holzbein klettert durch Verzicht auf den Farbbaustein Anilin um zwei Noten nach oben. Uneinsichtig zeigt sich dagegen Hersteller Goki. Er beruft sich auf die Spielzeugnorm, die bei Spielzeug für Kinder unter drei Jahren in einigen Materialien vorhandenes Anilin reglementiert. SeinToys Pure Handpuppe Kasper weist, wie schon 2009, das Risiko auf, dass sich in der Farbe enthaltenes Anilin freisetzen kann. Da Kleinkinder ja alles, was sie schnappen können, in den Mund stecken, können Teile der Farbe in den Körper gelangen.

Im Styroporkopf derTrullala Fee steckt das bromierte Flammschutzmittel Hexabromcyclodo decan (HBCD), wie es auch in Styropor-Dämmstoffen eingesetzt wird, wo tatsächlich ein Flammschutzmittel nötig ist. Aufgrund ihrer großen Umweltbelastung wurde auch diese Chemikalie auf die Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe aufgenommen. Sie reichert sich auch im Menschen an und kann möglicherweise langfristig Schäden verursachen.


Von 20 Vereinstrikots präsentieren sich 15 nicht bundesligatauglich, da üble Mittel im Spiel sind


■ Wir wollten am Ball bleiben, aber jubeln können wir nicht: Obwohl die Hersteller der Kinderfußballtrikots offensichtlich einige Verbesserungen vorgenommen haben, können sie noch nicht punkten. Nach wie vor sind mehr als die Hälfte der Fanartikel „ungenügend“ und immer noch sind es vor allem die Sponsorenaufdrucke und sonstige Kunststoffapplikationen, die für die Schadstoffbelastung ver - antwortlich sind. Schade ist, dass die beiden „guten“ Trikots des vergangenen Jahres –VfB Stuttgart undSC Freiburg – nun enttäuschen, das heißt, der Fan kann sich nicht von einem Jahr aufs andere auf eine gute Qualität verlassen. Da ist nun ein anderer Bedruckungsdienstleister im Spiel und schon sieht das Ergebnis ganz anders aus, wie es Puma für das TrikotVfB Stuttgart bestätigt. Der Hersteller will jetzt die Bedruckung zusammen mit dem Dienstleister optimieren. Der SC Freiburg – einer der Spitzenreiter des Tests 2009 – wollte uns zur diesjährigen Schadstoffbelastung keine Stellungnahme geben. Auch die Trikots der beiden Aufsteiger der Saison gehören zu den Schlusslichtern. Die rote Karte erhält das TrikotBorussia Mönchengladbach , das deutlich die meisten Minuspunkte einheimst. Hier haben sich im Vergleich zum Vorjahr die Zutaten im Schadstoffcocktail geändert: Die Aufdrucke enthalten nun auch noch besonders große Mengen des in Kinderspielzeug verbotenen hormonell wirksamen Phtha lats DEHP. Die Kindertrikots sind jedoch kein Spielzeug, sonst wäre das Trikot nicht verkehrsfähig. Die gute Nachricht ist, dass wir mit dem1. FC Nürnberg undHannover 96 wiederum zwei „gute“ Trikots küren können, die nur ein kleines Manko haben: optische Aufheller.

So reagierten die Hersteller

Zahlreiche Rückmeldungen erhielten wir zu den Kinderfußballtrikots:
■ Verwundert zeigte sich der 1. FSV Mainz 05. Denn aufgrund der Tests im vergangenen Jahr hatte er die Produktion des Sponsorenaufdrucks umgestellt und außerdem das Trikot vor der Saison beim TÜV Rheinland prüfen lassen. Die hohe Belastung mit Dibutylzinn kam für den Verein deshalb überraschend. Er konnte aber schnell die Ursache ergründen. Der Schadstoff stecke weder im Trikot noch im Sponsorenaufdruck, sondern im Vereinsabzeichen, das von einem externen Dienstleister produziert und nachträglich auf das Trikot aufgebracht wurde. Offensichtlich habe dieser seine Produktion umgestellt.
■ Auch der Trikothersteller Jako (Eintracht Frankfurt) konnte die Ursache der Schadstoffbelastung klären: Die phosphororganischen Verbindungen befinden sich demnach im Fraport-Sponsorenaufdruck, und das Nonylphenol im grauen Kunststofflabel der Eintracht sowie im Aufdruck „im Herzen von Europa“ im Nackenband. „Wir werden zukünftig das Label und die Drucke in der Produktion umstellen“, verspricht Jako.
■ Adidas ging auf die stark erhöhten Gehalte an phosphororganischen Verbindungen ein, die im TrikotFC Bayern München nachgewiesen wurden. Auch wenn die kontaktallergisierende Wirkung von Phosphaten zurzeit noch von Experten diskutiert würde, werde die Firma doch „Maßnahmen ergreifen, um die exakte Herkunft der Substanz zu ermitteln und den Hersteller anweisen, diese aus der Rezeptur zu entfernen“.
■ Nike will sich zweier Probleme annehmen, die nicht den freiwilligen Standards des Unternehmens entsprechen: „Obwohl gesetzlich erlaubt, entspricht die Verwendung von PVC nicht den freiwilligen Nike RSL-Vorgaben“ (RSL = restricted substance list). Außerdem beschränke Nike den Gehalt an Dibutylzinn bei Produkten für Babys und Kleinkinder auf unter 1 mg/ kg. Die Verzierungen auf den Trikots1. FSV Mainz undSC Freiburg , die nicht den Nike-Standards entsprechen, seien erst nachträglich von den Vereinen aufgebracht worden. Nike verpflichtet die Ausrüster seit 2009, die Vorgaben einzuhalten.
■ Auch der Hersteller Do You Football will künftig auf die Fremdunternehmen Einfluss nehmen, damit die Beflocker auf Weichmacher und Phthalate verzichten.

Affentheater

Ein Aufschrei ging vor wenigen Wochen durch die Medien: Laut Stiftung Warentest ging derSigikid Red Friends Affe schneller in Flammen auf, als es die gesetzliche Norm erlaubt. Demnach dürfen sich die Flammen nicht mehr als 30 Millimeter pro Sekunde ausbreiten. Wie schnell der Plüschaffe genau gebrannt hat, wissen wir nicht. Zufällig haben wir den gleichen Affen im Test. Bei uns betrug die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Flamme aber lediglich 12,5 Millimeter pro Sekunde, lag also rund 60 Prozent unter der zulässigen Grenze. Die anderen Plüschtiere waren allesamt noch viel besser: Sie fingen erst gar nicht richtig an zu brennen oder kokelten nur kurz vor sich hin, bevor die Flamme von selbst erlosch. Da ÖKO-TEST auch bei Spielzeugen empfiehlt, Produkte aus natürlichen Materialien zu kaufen, wollten wir wissen, ob sich Baumwollplüschtiere als ebenso sichere Gefährten erweisen. Das beauftragte Labor bestätigt: Beide getesteten Produkte, darunter derHase Benny von der Firma Kallisto (siehe Foto), haben die „Brennbarkeitsprüfung“ locker bestanden.

Der Affe brennt , hier auf dem Foto der Stiftung Waren test. Er brannte auch bei uns, je doch viel lang samer und im Rahmen des Erlaubten. Sicherer sind aller dings kurzgeschorene Plüschtiere, bei denen die Flamme rasch erlischt (siehe unten).


Foto: drubig-photo/Fotolia.com

Foto: Stiftung Warentest

Foto: Labor