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TEST Kinderteppiche: Das Spiel ist aus


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2015 vom 28.08.2015

Kinderteppiche laden Kinder zum Toben und Träumen ein. Im Test überzeugte die Qualität der meisten Matten. In vier Teppichen stecken allerdings sehr problematische Inhaltsstoffe, das Haba-Produkt ist aus unserer Sicht nicht verkehrsfähig.


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Foto: Olesya Feketa/Shutterstock

Über die Dächer huscht ein dunkler Schatten, aus den Fenstern brennt es lichterloh. Mit gewaltigen Schwingen reißt Dagomir im Sinkflug noch die Bauklotzmauer ein. Dann landet der Plastikdrache auf der großen Kreuzung und der Teppich mit der aufgedruckten Stadt ist erobert. Doch die Playmobil-Indianer geben nicht auf. „Wuh hu uh uh”, heult ...

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... Theo und klopft sich mit der flachen Hand auf den Mund. Auf allen vieren rutscht der Fünfjährige herum, stellt die Spielfiguren neu vor sich auf. Pfeile zischen vor den Augen des Jungen über den Teppich. Schließlich sinkt das feuerspeiende Fabeltier getroffen auf den Bodenbelag.

Eine typische Szene, wie sie Kinder mit ein wenig Fantasie oft auf bunt bedruckten Teppichen erleben. Straßen, Bauernhöfe, Comic-Helden und ganze Ritterburgen: Motivmatten machen das Kinderzimmer gemütlich und laden zum Toben und Träumen ein. Weil sie auch ordentlich Lärm schlucken, freuen sich nicht nur die Eltern, sondern auch die Nachbarn über einen Kinderteppich. Bei all den Vorzügen vergessen Eltern schnell, um was für ein sensibles Produkt es sich handelt. Kleinkinder knabbern und sabbern an und auf den Matten.

Der Nachwuchs liegt beim Spielen oft stundenlang darauf, reibt Arme und Handflächen über die Fasern, kann so Schadstoffe über Haut und Mund aufnehmen. Welche verboten sind und wie viel drin sein darf, steht allerdings nicht klar fest. Denn Kinderteppiche sind nicht eindeutig Spielzeug, für das die EU-Spielzeugrichtlinie gilt:

„Teppiche werden dann zu einer Spielware, wenn ein Spielwert vorliegt. Das ist bei einem Teppich mit abgebildeten Straßen der Fall. Ein Teppich, der nur ein dekoratives Bild aufweist, ist keine Spielware”, erklärt Achim Ginkel vom Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz. Dieter Bohn vom Landesbetrieb Hessisches Landeslabor ergänzt: „Es handelt sich um Einzelfallentscheidungen. Ist eine Einordnung als Spielzeug nicht vorzunehmen, so handelt es sich um Bedarfsgegenstände, die länger mit der Haut in Berührung kommen.”


Das viele Plastik in Kinderteppichen kann im Kontakt mit der Haut krank machen


Für die würden dann die laxeren Werte der EU-Chemikalienverordnung REACH gelten. Ob die Matte fürs Kinderzimmer nun Spielzeug oder Bedarfsgegenstand ist: Gesetzliche Pflichtkontrollen wie etwa bei Verlegeteppichen gibt es für die sogenannten abgepassten textilen Bodenbeläge nicht. Die Industrie setzt – wenn überhaupt – auf freiwillige Qualitätskontrollen.

Zu kaufen gibt es unüberschaubar viele Spielmatten, meist als Stückware für teils weniger als fünf Euro. Solche Preise machen in der Herstellung billige Kunststofffasern wie Acryl, Nylon, Polyester und Polyamid möglich. Sie sind im Vergleich zu Naturfasern technisch einfacher zu bedrucken. Und Importe: Das Gros der zugeschnittenen und eingefassten Velours-und Schlingenteppiche stammt dem Statistischen Bundesamt zufolge aus Belgien, den Niederlanden, der Türkei, aus Ägypten oder China. Gefertigt werden sie dort meist industriell. Nur bei aufwendigeren Motiven wird noch mit der Hand bestickt. Beim maschinellen Tuften stechen Tausende Nadeln die Fasern durch ein Trägermaterial, in der Regel ein engmaschiges Gewebe oder Vlies aus Polyester oder Polypropylen. Von unten werden die Fäden dann mit Polyurethanschaum, Klebstoff oder Latex fixiert.

Das viele Plastik kann krank machen: Als wir zuletzt im Jahr 2002 Spielteppiche unter die Lupe nahmen, fand sich in einigen Testkandidaten eine ganze Batterie von karzinogenen Schadstoffen. Drei von 13 überprüften Matten enthielten erhöhte Mengen aromatischer Kohlenwasserstoffe wie Toluol oder Xylol.

Solche leicht flüchtigen Lösemittel schädigen das Nervensystem, einige können Krebs erregen. In fünf Matten fanden die Prüfer damals halogenorganische Verbindungen. Viele von ihnen lösen Allergien aus, manche erzeugen Krebs. In zwei Teppichen spürten wir zudem Antimon auf, das Hersteller in der Produktion von Kunststoffen als Katalysator einsetzen. Das Halbmetall kann die Haut reizen.

Hat sich die Teppichqualität nun – dreizehn Jahre später – verbessert? Was aktuell alles in Kinderteppichen steckt und ob sich die Matten elek- trostatisch aufladen lassen, haben wir geprüft und 15 Produkte in die Labore geschickt.

Rutschen, liegen, krabbeln: Kleinkinder spielen täglich mitunter Stunden auf ihrem Motivteppich.


Foto: pavla/Shutterstock

Das Testergebnis

■ Die Qualität hat sich nicht gesteigert. Im Jahr 2002 erhielten acht von 13 Spielmatten die Note „gut”, zwei waren „befriedigend” und je eine „ausreichend”, „mangelhaft” und „ungenügend”. Diesmal können wir zwar neun von 15 Produkten empfehlen: achtmal mit „gut”, einmal sogar mit „sehr gut”. Zwei bewerten wir mit „befriedigend”. Doch insgesamt vier Teppiche rasseln mit „ungenügend” komplett durch unsere Prüfungen. Einer davon hätte aus unserer Sicht zudem so nicht verkauft werden dürfen.
■ Giftig gefärbt. „Wer läuft nicht gerne über eine blühende Frühlingswiese?”, fragt der Hersteller Haba in seinem aktuellen Katalog. Wir ganz sicher nicht über die so beworbene Matte aus Wolle. Kinder sollten keinen Fuß auf den giftgrünen Teppich Wiese setzen: Er enthält das stark karzinogene Benzidin und ist aus unserer Sicht nicht verkehrsfähig. Im Rot der aufgedruckten Blumen fand sich eine Menge, die sehr deutlich über dem gesetzlichen Grenzwert lag. Benzidin ist wie Anilin ein Grundbaustein von Azo-und Dispersionsfarbstoffen, der sich nach dem Einfärben wieder aus Textilien lösen kann. Der Staat zieht Bedarfsgegenstände mit Hautkontakt aus dem Verkehr, wenn sich mehr als 30 mg/kg Benzidin nachweisen lassen. Für Spielzeug greift das EU-Verbot bereits ab 10 mg/kg. Aus gutem Grund: Benzidin verursacht mit oft langjähriger Verzögerung, aber eindeutig nachweisbar, Blasentumore. Wir ziehen deshalb fünf Noten ab. Der spanische Hersteller Lorena Canals preist seinen Kinderteppich Casita im Netz schlicht falsch als „schadstofffrei” an: Unser Labor fand Anilin in großen Mengen in der Matte. Der Farbstoffbestandteil steht bisher „nur” unter Verdacht, bei Hautkontakt über längere Zeiträume für Blasenkrebs zu sorgen. Es existiert deshalb kein gesetzlicher Grenzwert. Doch dass Anilin im Blut stark giftig wirkt, ist unstrittig. Auch der Casita gehört daher aus unserer Sicht nicht im Kinderzimmer ausgerollt.
■ Dreck unterm Teppich. Beim Marvel Ultimate Spider-Man und beim Jako-O Spielteppich Ritter fallen uns die Rücken besonders negativ auf. Jede Menge des fortpflanzungsschädigenden Weichmachers DEHP steckt in den Antirutschnoppen des Marvel Ultimate Spider-Man. Böte die Superheldenmatte rechtlich eindeutig Spielwert, dann dürften Händler sie so nicht verkaufen. In Spielzeug ist DEHP ab 1.000 mg/kg verboten. Unser Labor hat deutlich mehr nachgewiesen. Als Teppich gibt Spiderman so wahrlich keinen Superhelden ab. Mit der aufgedruckten Comicfigur dekoriert der Teppich allerdings aus Sicht vieler von uns befragter Landesuntersuchungsämter eher das Kinderzimmer. In vielen Produkten, die so als Bedarfsgegenstand eingeordnet werden, ist DEHP auch in erhöhter Menge noch erlaubt. Wir werten trotzdem ab, weil es egal ist, ob Kinder giftigen Weichmachern beim Spielen auf einem Bedarfsgegenstand oder einem Spielzeug ausgesetzt sind. In der Rückseite des Jako-O-Produkts steckt DEHP zwar nur unterhalb des Grenzwerts für Spielzeug. Allerdings hat auch die nachgewiesene Menge aus unserer Sicht nichts in Kindernähe zu suchen. Zudem enthält der Teppich DEHT. Ob der Weichmacherersatz gesundheitlich unbedenklich ist, ist nicht zweifelsfrei geklärt.
■ Die Schweden und das Latex. Quaddeln auf der Haut, Juckreiz und Atemnot: Latexallergiker, die mit dem Gummi in Kontakt kommen, leiden. Um ein Sensibilisierungsrisiko möglichst niedrig zu halten, sollte ein Kinderteppich daher gänzlich frei von Latexproteinen sein. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn es Ikea als einzigem Hersteller wieder nicht gelingt, seine Teppiche ohne die Eiweiße zu produzieren. Bereits 2011 kritisierten wir deshalb die Unterseite des Ikea-Spielteppichs Lillabo im Einzeltest. Nun fand unser Labor im Rücken des Hopplek Teppich Kurzflor erneut eine erhöhte Menge Latexproteine.
■ Einfach überflüssig. 13 der 15 Kindermatten enthalten umstrittene halogenorganische Verbindungen. Ebenfalls reichlich vorhanden: optische Aufheller. In sieben Produkten fanden wir die allergisierenden Stoffe nur im Herstellerschild oder im Tep-pichrücken. Im Jako-O Spielteppich Ritter und im Pocoline Kinderteppich Eule stecken sie allerdings in der Oberseite – wo Kinder sie berühren. ƒ Zum Haaresträuben. Unseren Praxistest bestehen so gut wie alle Teppiche. Von keinem löste sich Farbe in Schweißoder Speichelsimulanzien.

Nur einer fällt in puncto Elektrostatik auf. Wer Handflächen und Schuhe auf dem Jako-O Spielteppich Ritter reibt, kann ihn mit 2.000 Volt Spannung laden. Viel zu viel fürs Kinderzimmer. Denn mitunter stehen dann bei Körperkontakt nicht nur knisternd die Haare zu Berge. Aufgrund seines zusätzlich hohen Widerstands kann der Teppich den Strom auch so lange speichern, bis sich der Nachwuchs einen Schlag einfängt. ƒ Schwache Selbstkontrolle. Kinderteppiche werden nicht regelmäßig per Gesetz auf Schadstofffreiheit geprüft. Der Verbraucher muss deshalb auf freiwillige Qualitätskontrollen der Hersteller vertrauen.

Doch nur knapp die Hälfte der Teppiche im Test trägt überhaupt ein Siegel, das Öko-Tex Standard 100. Es steht eigentlich für schadstoffgeprüfte Textilien, schließt krebserregende Farbstoffe, Weichmacher und Schwermetalle aus. Verlassen können sich Eltern darauf nicht: Selbst die Schadstoffbombe Marvel Ultimate Spider-Man ist mit dem Schriftzug „Textiles Vertrauen” versehen. Dabei verstößt der in ihr nachgewiesene DEHP-Gehalt deutlich allein gegen den Öko-Tex-Grenzwert von 1.000 mg/ kg für Produkte ohne Hautkontakt oder reine Ausstattungsmaterialien.

So reagierten die Hersteller

Böing Carpet: Der Hersteller des Marvel Ultimate Spider-Man erklärte, dass man das Label mit den optischen Aufhellern austauschen werde.

Die Antirutsch noppen wolle man wegen der stark erhöhten Menge DEHP ebenfalls überprüfen. Lorena Canals, der Hersteller vom Kinderteppich Casita, präsentiert sich auf seiner Webseite als umweltfreundliche Firma, der die Gesundheit von Kindern besonders am Herzen liegt. Überrascht waren wir daher, als uns der Händler antwortete, er sei an unseren Ergebnissen nicht interessiert und verbiete uns, sie zu veröffentlichen. Zynischer geht es kaum.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: DEHP= Diethylhexylphthalat; DEHT= Di(2-ethylhexyl)-terephthalat.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf S. 156.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: optische Aufheller im Teppichrücken. 2) Weiterer Mangel: optische Aufheller im Teppichlabel. 3) Weiterer Mangel: optische Aufheller im Teppichrücken und-label.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoff e führen zur Abwertung um jeweils fünf Noten: a) ein Gehalt von Benzidin über dem gesetzlichen Grenzwert; b) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg des in Spielzeug und Babyartikeln, die in den Mund genommen werden können,über einem Gehalt von 0,1 Prozent verbotenen Phthalats DEHP. Zur Abwertung um vier Noten führt:
Anilin. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 mg/ kg bis 1.000 mg/kg des in Spielzeug und Babyartikeln, die in den Mund genommen werden können, über einem Gehalt von 0,1 Prozent verbotenen Phthalats DEHP; b) ein Gehalt von mehr als 100 μg/kg allergisierender Latexproteine. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Produkt; c) optische Aufheller mit Hautkontakt; d) mehr als 1.000 mg/kg Ersatzweichmacher (hier: DEHT), wenn nicht bereits wegen erhöhtem Phthalatgehalt abgewertet wurde; e) mehr als 1 mg/kg Antimon im Eluat. Unter dem Testergebnis Praxisprüfung führt zur Abwertung um eine Note: eine mögliche leicht erhöhte elektrostatische Oberflächenspannung des Teppichs von mehr als 1.000 bis 3.000 Volt und ein gleichzeitig stark erhöhter Oberflächenwiderstand des Produkts von mehr als 20.000 Giga-Ohm. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: optische Aufheller in der Produktunterseite und/oder im dortigen Produktlabel, wenn nicht bereits im Testergebnis Inhaltsstoff e wegen optischer Aufheller abgewertet wurde. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoff e und auf dem Testergebnis Praxisprüfung. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend” ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1509” eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Mai 2015.

ÖKO-TEST rät

• Sollten Sie die „ungenügenden” Produkte Haba Teppich Wiese, Marvel Ultimate Spider-Man, Kinderteppich Casita sowie den Jako-O Spielteppich Ritter bereits gekauft haben, können Sie versuchen, die Schadstoffbomben im Geschäft zurückzugeben. Allerdings gibt es keinen eindeutigen Rechtsanspruch auf Rückgabe.
• Matten mit Straßen-oder Landschaftsmotiv bieten Kindern langen und aktiven Spielspaß. Aufgedruckte Figuren kommen dagegen schnell wieder aus der Mode.

Experte

Prüfpflicht für Kinderteppiche

Dr. Ernst Schröder ist Leiter des TFI – Institut für Bodensysteme an der RWTH Aachen.


Foto: TFI

„Für Kinderteppiche gibt es keine gesetzliche Prüfpflicht. Hersteller müssen den Schadstoffgehalt anders als bei Wand-zu-Wand-Teppichen nicht regelmäßig kontrollieren lassen. Für mich ist das unverständlich, denn Kinder sind doch in intensivem Kontakt mit dem Material.”

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben 15 Teppiche eingekauft. Darunter sind sowohl Spielteppiche im engeren Sinn mit aufgedruckten Straßen und Bauernhöfen als auch eher dekorative Kinderteppiche, etwa mit Motiven von Trickfiguren, Teppiche teurer Marken ebenso wie die Billigvarianten aus Möbelhäusern und Onlinehandel. Die günstigste Matte kostet 15,99, die teuerste 145 Euro. Die Teppiche bestehen überwiegend aus Acryl, Nylon und Polyester. Aber auch ein Teppich aus Baumwolle und einer aus Schurwolle kamen in die Labore.

Die Inhaltsstoffe

Kinderteppiche werden überwiegend im Tuftingverfahren gefertigt. Dabei wird das Garn in vorgefertigtes Trägermaterial eingestochen, ein Gewebe meist aus Polyester oder Polypropylen. Die Webmaschine fixiert dann die Fäden von unten, etwa mit Klebstoff oder Polyurethanschaum. Da kann einiges an problematischen Stoff en zusammenkommen, weshalb wir die Teppiche etwa auf hormonwirksame Weichmacher, allergisierende optische Aufheller und Latexproteine sowie krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoff e und chlorierte Verbindungen untersuchen ließen. Über den Färbeprozess können halogenorganische Verbindungen in die Teppiche gelangen, über die Farben allergisierende Dispersionsoder krebserregende Azo-Farbstoff e, aber auch Schwermetalle. Die verarbeiteten Garne dünsten möglicherweise auch aus, weshalb wir nach flüchtigen organischen Verbindungen fahnden ließen. Weil wir ein schimmelanfälliges Schurwolleprodukt berücksichtigten, war zudem ein Check auf aufgebrachte Pestizide unumgänglich.

Durch Reibung entsteht Spannung – wir ließen sie im Labor nachmessen.


Foto: Labor

Der Praxistest

Oberflächen aus Kunststoff en können sich elektrostatisch aufladen. Es genügt, wenn das Kind beim Spielen mit Kleidung reibt oder mit der Hand oder dem Fuß über den Teppich streicht. Und Kinder verbringen sehr viel Zeit auf Spielteppichen. Eine zu hohe elektrostatische Oberflächenspannung wirkt sich negativ auf das Raumklima aus, da die Spannung Staub und Schadstoff e aufwirbelt. Baubiologen haben diese Elektrizität unter realistischen Alltagsbedingungen erzeugt und gemessen. Interessiert hat uns auch, ob die Teppiche schweiß-und speichelbeständig sind.

Die Bewertung

ÖKO-TEST macht es wie Eltern es tun: Geht es ums Kindeswohl, gibt es keine Kompromisse. Bestenfalls bereitet ein Spielteppich über lange Zeit Spielspaß – aber nur wenn er frei von Schadstoff en ist. So kann das Gesamturteil nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis der Tests Inhaltsstoff e und Praxisprüfung.