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TEST Kinderwärmflaschen: Voll uncool


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2013 vom 25.10.2013

Offensichtlich sind viele Anbieter damit überfordert, eine schadstofffreie Kinderwärmflasche zu produzieren. Aber auch in Kirschkernkissen stecken problematische Inhaltsstoffe.


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Foto: Top Photo Group/©Thinkstock

Eine unschlagbare Kombination: Die Füllung verbreitet wohlige Wärme im Kampf gegen die blöden Bauchschmerzen oder das Fieber, das den ganzen Körper schlottern lässt. Und die Stoffhülle, die Wärmflaschen oder Kirschkernkissen umgibt, spendet Trost. Denn Kinderwärmflaschen und -kirschkernkissen liegen im „Bauch“ von Bärchen, Schäfchen, Elefanten oder Nashörnern. Stecken sie nicht in flauschig-weichen ...

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... Stofftieren, tragen immerhin die Hüllen der Wärmespender Bärchen, Schäfchen und Co. als Stickerei oder Applikation. Dank der zahlreichen Kinderausstatter auf dem Markt muss heutzutage kein Mädchen, kein Junge mit einer schnöden Gummiwärmflasche oder einem banal-beigefarbenen Kirschkernkissen ins Bett. Neben dem Design passen die Anbieter auch die Größe der Wärmflaschen und Kirschkernkissen an den kleinen Kunden an. Anstatt eineinhalb bis zwei oder sogar drei Liter nehmen die Flaschen einen halben bis 0,8 Liter Wasser auf. Auch die Kirschkernkissen fallen kleiner aus als die Modelle für Mama und Papa.

Dass die Wärmespender in Plüsch oder Baumwolle die kommenden kalten Herbsttage nicht nur behaglicher machen, sondern auch gegen manche Schmerzen wirken, haben britische Forscher vom University College London unlängst wissenschaftlich nachgewiesen: Schmerzen bei Bauchkrämpfen oder auch Blasenentzündungen entstehen durch verminderte Durchblutung und durch Dehnung der inneren Organe, weiß Physiologe Brian King. Dabei werden Schmerzrezeptoren aktiviert. Wenn aber die Haut in der Nähe des Schmerzherdes auf mehr als 40 Grad Celsius erwärmt wird, springen bestimmte Wärmerezeptoren an. Das konnten die britischen Forscher um King nachweisen. Die Sensoren für Wärme können jene für Schmerzen auf molekularer Ebene blockieren – so wird der Bauchschmerz nicht mehr wahrgenommen. Der Haken an der Sache: Die Hemmung der Schmerzrezeptoren wirkt laut King und Kollegen nur vorübergehend.

ÖKO-TEST rät

► Produkte aus weichen Kunststoffen enthalten oft problematische Inhaltsstoffe. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte Kleinkindern, die Gegenstände noch in den Mund nehmen, deshalb keine Wärmflaschen ohne Stoffbezug mit ins Bett geben.
► Sollten Sie schon ein belastetes Produkt gekauft und in Benutzung haben: Waschen Sie – wenn möglich – den Bezug. Andere Möglichkeit: Reklamieren Sie das Produkt im Geschäft, allerdings haben Sie kein Recht auf Rücknahme

Dauerhaft ungünstig ist es dagegen, wenn man dem geliebten Nachwuchs Wärmflaschen oder Kirschkernkissen ins Bett legt, die voll von problematischen Inhaltsstoffen sind, welche nichts in der Nähe von Kindern zu suchen haben. Wie man erkennt, ob es sich beim wärmenden Bärchen um einen Giftzwerg handelt? Hier helfen nur Schadstoffanalysen weiter.

ÖKO-TEST hat sieben Kirschkernkissen und fünf Wärmflaschen für Kinder in die Labore geschickt und auf bedenkliche Inhaltsstoffe untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Punktsieg für die Kirschkernkissen! Sucht man nach empfehlenswerten Wärmespendern für Kinder, liegen die Kirschkernprodukte im Test klar vorn. Nachsitzen müssen dagegen die meisten Anbieter von Wärmflaschen. Immerhin hält das Produkt Hugo Frosch Öko-Wärmflasche, was sein Hersteller verspricht: „PVC- und Phthalat-frei“ steht auf der Verpackung. Ein Labor bestätigte das. Trotzdem reichte es am Ende nicht für einen vorderen Platz.
Randvoll mit krebserregenden PAK. Im Produkt Prinzessin Lillifee Wärmflasche stecken jede Menge polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in der Wärmflasche. Die PAK gelangen durch Weichmacheröle in Gummi und Weichkunststoff. Viele PAK sind krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend. Im Produkt Prinzessin Lillifee Wärmflasche stecken krebserregende PAK-Verbindungen wie Benzo[a]anthracen, Benzo[b]fluoranthen, Benzo[a]pyren, Benzo[e]pyren und Chrysen. Die Europäische Kommission schlägt einen einheitlichen PAK-Grenzwert für Verbraucherprodukte mit Hautkontakt – zum Beispiel Schuhe – vor. Danach wären Produkte, die eines der aufgezählten PAK in einer Konzentration von mehr als 1 mg/kg enthalten, künftig verboten. Da Chrysen und Benzo[e]pyren jeweils in einer Konzentration von mehr als einem Milligramm pro Kilogramm im Produkt stecken, wäre die Prinzessin Lillifee Wärmflasche nicht verkehrsfähig, falls der Kommissionsvorschlag Gesetz würde. Anbieter Coppenrath sieht das alles halb so schlimm: „Die Gummiwärmflasche wird durch einen Bezug geschützt und hat somit keinerlei direkten Hautkontakt.“ Da PAK auch aus Produkten ausgasen, ist dies ein schwaches Argument. In der Wärmflasche Panda wurden PAK in deutlich geringerer Konzentration nachgewiesen.
Naturgummi belastet . „Vom Milchsaft des Gummibaums“ lautet der Werbeslogan am Etikette der Wärmflasche Panda. Klingt grün, ist aber nichts wert. Denn ein Labor hat mehr als sechs Milligramm pro Kilogramm an nitrosierbaren Vorstufen gefunden. Die können bei der Herstellung von Produkten aus Naturkautschuk beim Vulkanisieren entstehen. Nitrosierbare Vorstufen können in Nitrosamine umgewandelt werden. Und diese Stoffe sind schon in kleinsten Mengen krebsauslösend. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass die Entstehung dieser Stoffe vermeidbar ist. Nach dem heutigen Stand der Technik sei es möglich, durch die Auswahl geeigneter Vulkanisierungsbeschleuniger bei der Herstellung von Naturkautschuk die Entstehung von Nitrosaminen weitgehend zu vermeiden, so die BfR-Experten.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben sieben Kirschkernkissen und fünf Wärmflaschen für Kinder eingekauft. Mit dabei sind Produkte von den bekannten Kinderausstattern. Der günstigste Wärmespender kostet 4,99 Euro, der teuerste 26,90 Euro.

Die Inhaltsstoffe

Aus Erfahrung wissen wir, dass gefärbte Stoffe – vielleicht auch noch mit bunten Stickereien versehen – immer wieder problematische Farbstoffe enthalten. Deshalb haben wir die Stoffhüllen aller Wärmflaschen und Kirschkernkissen auf diese zum Teil krebserregenden Substanzen untersuchen lassen. Für Gummi- und Kunststoffwärmflaschen wiederum war ein spezielles Prüfprogramm nötig: Die Labore untersuchten das Material auf hormonell wirksame Weichmacher und auf krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die bei fahrlässiger Produktion noch in eingesetzten Weichmacherölen enthalten sein können. Krebserregende Nitrosamine können entstehen, wenn Naturkautschuk vulkanisiert wird. Es gab also jede Menge Arbeit für die Labore.

Der Oldtimer , die Bettwärmpfanne, hängt manchmal als Dekoraton an der Wand. In Betten hat der harte, heiße Wärmklotz dagegen ausgedient.


Foto: imago/Steinach

Die Bewertung

Was Kinder mit ins Bett nehmen und woran sie sich ankuscheln, muss frei von problematischen Inhaltsstoffen sein. Deshalb werten wir Schadstoffe, die nichts in der Nähe von Kindern zu suchen haben, streng ab.

Problematische Verbindungen . In den Stoffhüllen der Wärmflaschen Hugo Frosch Öko-Wärmflasche, Babylove Kinderwärmflasche mit Flauschbezug und Wärmflasche Panda sowie in den Stoffhüllen der Kirschkernkissen von Grünspecht, Sigikid und Theraline steckten umstrittene halogenorganische Verbindungen. Viele dieser Verbindungen sind allergieauslösend.
Schlecht für die Umwelt : Ein Labor hat Nonylphenolethoxylate (NPE) im Stoff des Kirschkernkissens von Theraline und im Bezug der Baby-Frank Wärmflasche Hund nachgewiesen. NPE werden in der Textilherstellung etwa als Tensid eingesetzt. In Abwässern kann daraus hormonell wirksames Nonylphenol entstehen.

Wasser, Dinkel, Kirschkern und Co.

Im Kampf gegen Bauchweh und kalte Betten setzen die Anbieter auf verschiedene Wärmespeicher: Rapssamen, Dinkelspelzen, Traubenkerne, Kirschkerne. Ein kurzer Überblick über Vor- und Nachteile der verschiedenen Wärmespeicher: In Wärmflaschen kann das Wasser bis zu 80 Grad Celsius heiß sein. Entsprechend unangenehm kann in den ersten Minuten der direkte Hautkontakt mit der heißen Wärmflasche sein, die nicht in einer dicken Stoff hülle steckt. Die Wärmflasche wärmt länger als Wärmekissen mit Kern- oder Körnerfüllung. Nach rund zwei Stunden ist aber auch die heißesteWärmflasche nur noch lauwarm. Das Problem: Wärmflaschen aus Gummioder Kunststoffenthalten oft bedenkliche Inhaltsstoffe. Kirschkernkissen werden nicht so warm wie Wärmflaschen. Eine Temperatur von 40 Grad Celsius halten die Produkte für rund 30 Minuten. Umgibt zum Beispiel ein nicht gefärbter Baumwollbezug dasKirschkernkissen , minimiert sich die Gefahr von problematischen Inhaltsstoffen. Und sind die Kerne gereinigt und getrocknet, sind sie unempfindlich gegen Feuchtigkeit und Schimmel. Kissen mitKörnerfüllungen wiederum passen sich gut an die Anatomie des Nutzers an. Allerdings können Körner nach einer Überhitzung in der Mikrowelle von selbst entflammen. Ein weiteres Problem: Schimmelpilze. Ihre Sporen können eingeatmet werden und der Lunge schaden. Die Kissen müssen deshalb stets gut gelüftet und trocken gehalten werden.

Foto: imago/ARCO IMAGES