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TEST KINDERZAHNCREMES: Strahlende Zähnchen


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 25.02.2021

Eltern haben die Wahl: Knapp die Hälfte der Kinderzahncremes im Test schneidet mit Bestnote ab. Viele kritisieren wir aber für problematische Inhaltsstoffe oder weil sie nicht die richtige Menge an Fluorid empfehlen.


RATGEBER

1 Kinder sollten zwei Mal pro Tag ihre Zähne putzen und Fluorid in wohldosierten Mengen erhalten: entweder über Zahnpasta oder über Tabletten – nicht aber beides zugleich.

2 Seit 2018 raten Experten zu mehr Fluorid als zuvor. Was zahnärztliche Fachverbände empfehlen, lesen Sie auf Seite 82.

3 Falls Ihr Kind Fluoridtabletten nimmt, sollte es sie lutschen. So kann das Fluorid im direkten ...

Artikelbild für den Artikel "TEST KINDERZAHNCREMES: Strahlende Zähnchen" aus der Ausgabe 3/2021 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 3/2021

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... Kontakt mit den Zähnen wirken.

E s ist nicht gerade leicht für Eltern, eine sehr gute Kinderzahncreme auf Anhieb zu erkennen. Die Qualität hängt nicht vom Preis ab. Und auch der häufig angebrachte Rat, bei Kosmetika im Zweifel zu zertifizierter Naturkosmetik zu greifen, gilt hier so pauschal nicht. Nein, man muss schon bei jeder einzelnen Zahnpasta genau hinsehen, um die Unterschiede zu finden.

Wir haben das getan, bei 35 Zahncremes für Kinder bis sechs Jahren: Mit der Bestnote „sehr gut“ empfehlen wir 15 Produkte, darunter keine Naturkosmetik, dafür aber einige der günstigsten für 60 Cent pro 100 Milliliter. Zehn weitere sind „gut“. Und drei Zahncremes fallen durch unseren Test: zwei „ungenügende“ der Marke Oral-B und eine „mangelhafte“ von Blend- A-Med. Der Rest schneidet mittelmäßig ab.

Was steckt drin und was steht drauf?

Was drin steckt, also die Inhaltsstoffe, bemängeln wir bei sechs Produkten. Vier davon enthalten Polyethylenglykole (PEG) und verwandte Substanzen, die wir kritisieren, weil sie die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. In Zahncremes dienen sie unter anderem zum Binden der Paste. Sie stecken in Odol-Med 3 Fruchtkick Erdbeer- und Minz-Geschmack, Blend-A-Med Blendi Gel Erdbeergeschmack, Oral-B Baby Zuckerfrei Fluorid Zahncreme und Oral-B Kids Zuckerfrei Fluorid Zahncreme Frozen II.

Den beiden Zahnpasten von Oral-B ziehen wir darüber hinaus zwei Noten ab, weil sie Natriumlaurylsulfat enthalten. Dieser Stoff kommt als Tensid zum Einsatz, also als schäumende, waschaktive Substanz. Er kann allerdings die Schleimhäute reizen; es gibt mildere Alternativen.

Die beiden Oral-B-Zahncremes enthalten obendrein ein synthetisches Polymer namens Carbomer. Dieses flüssige Plastik kann über das Abwasser in die Umwelt gelangen. Wie genau es sich dort verhält, ist noch nicht ausreichend erforscht. Carbomer steckt sonst nur im Blend-A-Med Blendi Gel Erdbeergeschmack.

Zwei andere Zahncremes kritisieren wir wegen Zucker: Im Tabaluga Zahngel für Kinder mit Erdbeergeschmack steckt Glucose, ein Zucker, den Kariesbakterien gern abbauen. Laut Anbieter Edeka dient Glucose als Trägerstoff für den eingesetzten Farbstoff. Aus unserer Sicht ist er als Inhaltsstoff in Zahncremes grundsätzlich ungeeignet, auch wenn er nur in geringen Mengen vorhanden sein mag. Gleiches gilt für Maltodextrin, eine Mischung aus verschiedenen Stärkeabbauprodukten wie Glucose, Maltose und Maltotriose. Es kommt im Logodent Happy Kids Erdbeer- Zahngel zum Einsatz.

Fluorid aus Zahncremes oder Tabletten

Auch was auf den Zahncremes draufsteht, spielt für unsere Bewertung eine Rolle. Vor allem sollten die Kleinsten eine angemessene Menge an Fluorid erhalten. Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel, so lautet die Devise. Nicht zu wenig, weil gut belegt ist, dass Fluorid Karies entgegenwirkt, wenn Kinder genug davon erhalten. Nicht zu viel, weil das zu Fluorose führen kann. Diese Krankheit greift die Zähne an, sie zeigt sich durch weiße Flecken.


„Was auf Zahncremes zur Dosierung steht, ist teilweise veraltet. Mit den Infos rechts dosieren Sie die Fluorid-Zahnpasta Ihres Kindes richtig.“
Jörg Döbereiner ÖKO-TEST-Redakteur


Das nötige Fluorid können Kinder entweder durch Zahncremes erhalten oder durch Tabletten. Falls sie bereits mit einer fluoridhaltigen Zahncreme putzen, sollten sie nicht auch noch Fluoridtabletten nehmen, das wäre zu viel des Guten. Umgekehrt brauchen sie aber zusätzliches Fluorid, wenn ihre Zahncreme keines enthält.

Aus diesem Grund sollten fluoridfreie Kinderzahnpasten nach unserer Ansicht einen Hinweis tragen, dass sie nur bei ausreichender Fluoridversorgung zu empfehlen sind. Sechs von elf fluoridfreien Pasten fehlt dieser Hinweis, deshalb ziehen wir ihnen unter den Weiteren Mängeln vier Noten ab.

Wichtige Hinweise fehlen

Und Zahncremes mit Fluorid? Sie sollten aus unserer Sicht einen Hinweis enthalten, dass bei zusätzlicher Fluorid-Aufnahme ärztlicher Rat einzuholen ist. Schließlich gilt es, eine Überdosierung zu vermeiden. Hier patzt der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble bei zwei Pasten: Auf dem Blend-A-Med Blendi Gel Erdbeergeschmack und auf der Oral-B Baby Zuckerfrei Fluorid Zahncreme fehlt ein solcher Hinweis.

Sieben fluoridhaltige Zahncremes machen außerdem nach unserer Meinung keine oder nur lückenhafte Angaben dazu, wie sie zu dosieren sind. Bei acht weiteren sind diese Angaben zwar vollständig, aber veraltet. Zahnärztliche Fachverbände empfehlen für Kinder heute mehr Fluorid als früher, weil nur für die höheren Gehalte ein Karies vorbeugender Effekt belegt sei.

Auch wenn uns bei den Kinderzahncremes manches nicht schmeckt: In einem Punkt haben sie sich verbessert. Anders als im Test von 2019 haben sie diesmal kein Problem mit Aluminium, Antimon, Blei, Cadmium oder Zink. Die Messwerte dieser Elemente waren in der Laboranalyse unauffällig.

So haben wir getestet

Wir haben 35 Zahncremes eingekauft, die für Babys oder Kinder ausgelobt sind, darunter Marken von Drogerieketten und Supermärkten und auch zertifizierte Naturkosmetikprodukte. Drei Produkte enthalten einen Fingerling zur Pflege von Babyzähnen. Für die günstigsten Zahncremes haben wir rund 60 Cent pro 100 Milliliter bezahlt.
Die Produkte ließen wir in Schadstofflaboren untersuchen: auf halogenorganische Verbindungen, von denen viele als allergisierend gelten und sich in der Umwelt anreichern, auf Elemente wie giftiges Antimon oder Aluminium sowie auf Parabene und andere problematische Konservierungsstoffe. Eine weitere Analyse galt umweltbelastenden chlorierten Verbindungen in den Verpackungen. Über die Deklaration erfassten wir unter anderem das hautreizende Tensid Natriumlaurylsulfat, PEG/PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können, und synthetische Polymere, die wir aus Gründen des Umweltschutzes kritisieren. Außerdem nahmen wir die Verpackungsangaben zu Fluorid, zur Dosierung und zur Altersauslobung in den Blick.
Ein sehr gutes Produkt verzichtet aus unserer Sicht auf umstrittene Inhaltsstoffe und deklariert nach den aktuellsten Empfehlungen der zahnärztlichen Fachverbände. Für veraltete oder lückenhafte Deklarationen ziehen wir unter dem Testergebnis Weitere Mängel Noten ab.

*) Anbieterangabe.
Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 142.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt und kein Zubehör (Fingerling/Fingerzahn) enthält. 2) Weiterer Mangel: kein Hinweis bezüglich mehrfacher Fluoridgaben bei einer fluoridhaltigen Kinderzahncreme. 3) Weiterer Mangel: kein Hinweis auf notwendige Fluoridgaben bei einer fluoridfreien Kinderzahncreme. 4) Weiterer Mangel: keine oder lückenhafte Dosierangaben in deutscher Sprache bei einer fluoridhaltigen Kinderzahncreme. 5) Weiterer Mangel: Dosierangaben bei einer fluoridhaltigen Kinderzahncreme vorhanden und vollständig, sie entsprechen aber nicht den aktuellen Empfehlungen der zahnärztlichen Fachverbände. 6) Weiterer Mangel: keine Angabe, wie oft die Zähne geputzt werden sollten, bei einer fluoridfreien Kinderzahncreme. 7) Weiterer Mangel: Angabe, wie oft die Zähne geputzt werden sollten, bei einer fluoridfreien Kinderzahncreme vorhanden, Empfehlung lautet aber weniger als zwei Mal pro Tag. 8) Verpackung enthält Fingerzahn/Fingerling. Dieser wurde nicht getestet. 9) Weiterer Mangel: synthetische Polymere. 10) Laut Anbieter wird der Fluoridgehalt umgestellt. Der Artikel mit 1.000 ppm Fluorid sei circa Anfang April verfügbar. 11) Laut Anbieter steht ab März 2021 ein Relaunch des Produkts an. 12) Laut Anbieter wird das Produkt ausgelistet. 13) Laut Hersteller kostet das Produkt bei Aldi Nord 0,60 Euro und bei Aldi Süd 0,65 Euro. Im April 2021 sei eine Anpassung der Rezeptur sowie der Altersempfehlung, Dosierempfehlung und des Warnhinweises geplant. 14) Laut Anbieter wurde der Fluoridgehalt auf 1.000 ppm Natriumfluorid erhöht. Die Dosierangaben seien den aktuellen Empfehlungen der zahnärztlichen Fachgesellschaften angepasst worden. Die Zahncreme mit der neuen Rezeptur sei ab Februar 2021 im Handel. 15) Laut Anbieter wurde das Produkt in Deutschland und Österreich aus dem Sortiment genommen. In anderen Märkten, unter anderem den skandinavischen, werde das Produkt in einer neuen Verpackung angeboten, auf der auf die zusätzliche Fluoridgabe hingewiesen werde. 16) Laut Anbieter wird der Hinweis, dass Fluorid auf andere Weise zuzuführen ist, bei der nächsten Überarbeitung der Verpackung aufgenommen. 17) Laut Anbieter ändert sich ab dem zweiten Quartal 2021 der Fluoridgehalt, die Dosierempfehlung und das Design. 18) Laut Anbieter ändert sich ab dem zweiten Quartal 2021 die Dosierempfehlung und das Design. 19) Laut Anbieter stellt er das Produkt ab dem dritten Quartal 2021 von Blister auf Faltschachtel um und verändert Layout, Tubengröße, Rezeptur und Begleittexte.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Natriumlaurylsulfat; b) PEG/PEG-Derivate. Zur Abwertung um eine Note führt: Maltodextrin und/oder Glucose. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) kein Hinweis bezüglich mehrfacher Fluoridgaben bei einer fluoridhaltigen Kinderzahncreme; b) kein Hinweis auf notwendige Fluoridgaben bei einer fluoridfreien Kinderzahncreme. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) keine oder lückenhafte Dosierangaben in deutscher Sprache bei einer fluoridhaltigen Kinderzahncreme (vgl. aktuelle Dosierempfehlung der Zahnärzte: ab erstem Milchzahn bis 2. Geburtstag: zweimal täglich putzen mit entweder einer erbsengroßen Menge einer Zahncreme mit 500 ppm Fluorid oder einer reiskorngroßen Menge einer Zahncreme mit 1.000 ppm Fluorid; ab dem 2. bis 6. Geburtstag: zweimal täglich putzen mit einer erbsengroßen Menge einer Zahncreme mit 1.000 ppm Fluorid); b) keine Angabe, wie oft die Zähne geputzt werden sollten, bei einer fluoridfreien Kinderzahncreme; c) synthetische Polymere (hier: Carbomer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Dosierangaben bei einer fluoridhaltigen Zahncreme vorhanden und vollständig, sie entsprechen aber nicht den aktuellen Empfehlungen der zahnärztlichen Fachverbände; b) Angabe, wie oft die Zähne geputzt werden sollten, bei einer fluoridfreien Kinderzahncreme vorhanden, Empfehlung lautet aber weniger als zweimal pro Tag; c) Umkarton, der kein Glas schützt und kein Zubehör (Fingerling/Fingerzahn) enthält.
Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2103.
Einkauf der Testprodukte: Oktober und November 2020.
Preise können aufgrund der bis Ende 2020 befristeten Mehrwertsteuersenkung geringfügig abweichen. Dieser Test löst den Test Kinder- und Jugendzahncremes aus dem ÖKO-TEST Magazin 3/2019 ab sowie dessen Neuveröffentlichungen im Ratgeber Kinder und Familie 2019, im Jahrbuch 2020 und im Jahrbuch Kinder und Familie 2020.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

FLUORID … richtig dosieren

Wie viel?

Zahnärztliche Fachverbände (DGKiZ, DGPZM, DGZ) empfehlen seit 2018, dass Kinder ab dem ersten Zahn bis zum 2. Geburtstag zwei Mal täglich Zähne putzen sollten: mit einer erbsengroßen Menge einer Zahncreme mit 500 ppm Fluorid oder mit einer reiskorngroßen Menge mit 1.000 ppm. Vom 2. bis zum 6. Geburtstag dann zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge mit 1.000 ppm Fluorid. An bleibende Zähne darf Junior- oder Erwachsenenzahncreme mit bis zu 1.500 ppm Fluorid.

Ist es giftig?

Ein Kind müsste enorme Mengen Zahncreme verschlucken, um in den Bereich zu kommen, wo Fluorid giftig wirken kann. Deshalb brauchen sich Eltern darüber keine Sorgen zu machen. Kinder sollten Fluorid-Zahncreme trotzdem ausspucken, um Fluorose vorzubeugen.

Ist Hydroxylapatit ein guter Ersatz?

Im Test wirbt die Kinder Karex Zahnpasta mit dem Stoff. Er ahmt natürlichen Zahnschmelz nach und soll beschädigte Zähne reparieren. Die wissenschaftliche Studienlage zur Karies-Vorbeugung ist aus unserer Sicht aber zu dünn, um ihn als gleichwertige Alternative zu Fluorid anzusehen.


Illustration: world of vector/Shutterstock

Fotos: Anja Wägele; imago/Westend61 Illustration: Wise ant/Shutterstock

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