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TEST: Klemm L 25d E von Krick: METHANOL statt Ampere


FMT Flugmodell und Technik - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 27.12.2019

Schon lange lag der O.S. FS-20 in meinem Schrank, jetzt sollte er endlich in die Luft. Als kleinster in Serie gefertigter Viertakter ist der FS-20 ein Klassiker – was passt da besser als ein klassisches Holzmodell wie die Klemm L 25d von Krick. Der Bausatz ist schon so lange im Programm von Krick, dass wir Modell und Original gleichermaßen ebenfalls als Klassiker bezeichnen dürfen. Und optisch hat mir Kricks Klemm schon immer gefallen – die Überarbeitung des Bausatzes und Umstellung auf Laser-Fertigung war dann der Auslöser für diesen Test.


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Bildquelle: FMT Flugmodell und Technik, Ausgabe 1/2020

Die neu überarbeitete Version in Lasertechnik stellt mit einem ...

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... fest mit dem Rumpf verbundenen Flächenmittelstück, welches das Fahrwerk aufnimmt, den steckbaren Flächen und dem abnehmbaren Cockpit eine wesentliche Verbesserung zum Vorgänger-Modell dar und wurde damit auch für Elektro-Antriebe optimiert.

Die Kombination des handlichen Oldtimers in sichtbarer Holzbauweise mit einem Viertakter steigert meine Vorfreude und strapaziert gleichzeitig die Geduld, endlich mit dem Bau beginnen zu können. Apropos Geduld, die braucht man bei solch einem Projekt, denn so ein Modell steht nicht innerhalb von zwei Wochen auf dem Flugplatz. Das ist hier auch nicht das Ziel – das Bauen gehört für mich ebenso zum Hobby wie das Fliegen. Der Bau der Klemm erfordert Grundkenntnisse und etwas Erfahrung im Holzmodellbau sowie eine entsprechende Werkzeug-Ausrüstung. Als erstes Modell für Einsteiger ist sie nicht zu empfehlen. Besonders in der sichtbaren Holz-Optik lassen sich Fehler nur bedingt verstecken. Die Verwendung von Spachtelmasse verbietet sich in diesem Fall. Fehlstellen sollten so gut es geht vermieden und am besten mit Balsaholz, dünnem Sekundenkleber und Schleifen korrigiert werden.

Bevor es los geht

Die beiliegende Bauanleitung ist ausreichend, hat aber durchaus noch Verbesserungspotenzial. In einigen Punkten wie den Ruderanlenkungen, insbesondere der Position der Ruderhörner, wird dem Erbauer die gestalterische Freiheit überlassen. Durch die Steckbauweise ist ein Plan nicht mehr erforderlich, dennoch wären für manche Stellen Skizzen oder Schnittzeichnungen hilfreich – Erfahrung im Flugmodellbau wird also vorausgesetzt.

Das Material ist vollständig und von guter Qualität. Die Laserteile im Bausatz des Testmodells waren teilweise nicht ganz durchgebrannt, hauptsächlich bei den Sperrholzteilen. Dies ist sicherlich der naturbedingten unterschiedlichen Dichte und den Abweichungen in der Materialstärke des Holzes geschuldet. Wäre der Laser so eingestellt, dass auch das härteste Holz komplett durchgelasert wird, wäre der Abbrand an den weicheren Stellen zu stark. Ich habe die Teile mit dem Cuttermesser und Stechbeitel herausgetrennt und nicht einfach nur herausgedrückt. Die Toleranzen der Steckverbindungen fallen aus gleichem Grund an manchen Stellen so eng aus, dass „kein Kleber mehr dazwischen passt“. Daher ist es besser, alle Teile vor dem Verkleben probehalber zu positionieren und gegebenenfalls anzupassen. Wie vom Hersteller empfohlen, habe ich Weißleim für die Verklebung der Holzteile verwendet.

Tipp

Da der Weißleim relativ schnell anzieht, ist es kaum zu schaffen, die Sperrholzseitenwände gleichmäßig mit Leim zu bestreichen. Daher wende ich einen einfachen Trick an. Ich lege eine Folie oder Wachspapier – am besten eignet sich Trägerpapier von Bügelfolien, welches beim letzten Bespannen als Abfall übrig blieb - auf den Tisch, gebe darauf eine ausreichende Menge Weißleim und verteile ihn mit einem Spachtel gleichmäßig. Die Innenwand lege ich nun mit der zu verklebenden Seite in das Weißleimbett und bewege sie etwas hin und her. Jetzt ist die komplette Klebefläche gleichmäßig mit Weißleim benetzt und die Innenwand wird auf der vorbereiteten Außenwand ausgerichtet, fixiert und mit Gewichten beschwert.

Die Holzqualität des Bausatzes ist sehr gut. Zum Austrennen der Teile musste an einigen Stellen mit dem Cuttermesser etwas nachgeschnitten werden, da der Laser nicht alles komplett durchtrennt hat.


Die Rumpfseitenwände sind doppelt ausgeführt – so entsteht ein leichter und stabiler Rumpf.


Der Bau beginnt

Der Rumpf ist ein Kastenrumpf mit gewölbter Rückenbeplankung. Die Seitenteile sind aus Balsaholz mit innen liegenden Aufdopplungen aus Sperrholz, die großzügig ausgespart sind. Wie in der Anleitung erwähnt, muss im Bereich des Flächenmittelstücks auf die Rumpfbreite geachtet werden. Am Sichersten gelingt dies, wenn man die Stege und Rippen des Mittelstücks zur Anprobe zusammensteckt, um die Rumpfspanten vor dem Verleimen anzupassen. Auch die Stege des Mittelstücks können hier bearbeitet werden, um eine perfekte Passgenauigkeit zu erreichen.

Die Anleitung zeigt den Einbau eines BLMotors – für einen Verbrenner-Antrieb ist Eigeninitiative gefragt. Meine Lösung sieht folgendermaßen aus: Die Aussparungen in den zwei Kopfspanten für den Kasten des E-Motorträgers und des Lüftungsloches werden nicht geöffnet, die Laserspalte mit Sekundenkleber gefüllt. Zur Aufnahme des Kunststoffmotorträgers fertige ich einen Sperrholzring an, in den auch gleich Einschlagmuttern versenkt und eingeklebt werden. Der Motorträger wird, in Flugrichtung gesehen, um 12° gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Sturz und Seitenzug sind entsprechend der Anleitung beide 0°. Der Motor passt so mitsamt dem Schalldämpfer(-chen) schön unter die Motorhaube. Lediglich für den Ventildeckel muss ein zusätzlicher Ausschnitt angebracht werden, der Deckel ragt aber kaum aus der Kontur der Haube. Das Gasservo passt auch noch unter den Motorträger vor den Kopfspant. So erspare ich mir eine umständliche Anlenkung am Tank vorbei. Nach grober Abschätzung muss sowieso noch Ballast in die Nase, also versuche ich alles so weit wie möglich nach vorn zu bringen. Später kann ich immer noch, wenn nötig, mit dem Empfängerakku nach hinten.

Die Bauteile sind miteinander verzapft, so dass sich der Rumpf ohne Helling selbstausrichtend aufbauen lässt. Dennoch ist Sorgfalt beim Positionieren angesagt.


Das Tragflächenmittelstück wird von unten in den Rumpf eingesetzt, der Innenabstand zwischen Rippe 2 und 4 muss dafür angepasst werden.


Rumpf und Flächenmittelstück sind komplett mit Balsa beplankt, die Motorhabe bereits angepasst.


Zur Anpassung an den Verbrennerantrieb bleibt der Kopfspant geschlossen.


Beispiel für den Aufbau ohne Bauplan oder Helling: Die Rippen der Höhenleitwerksdämpfungsfläche stehen auf Füßen und werden vorn und hinten mit Zapfen in Stegen positioniert.


Aufgrund der großen Rumpföffnung liegt der Kopfspant im oberen Viertel frei, dadurch kann der Motorträger relativ leicht nach oben und unten schwingen. Um dem entgegen zu wirken, klebe ich jeweils rechts und links neben den Sperrholzring zur Versteifung einen Kohlefaserwinkel mit Epoxidharz auf und versiegele damit auch gleich den ganzen Motorspant und Tankraum.

Aufbau der Flächen

Durch die gute Vorbereitung und Konstruktion geht der Aufbau der Flächen zügig vonstatten. Die komplette Beplankung wird zu einer Platte mit den Rippenaufleimern verklebt. Da die Dicke der Beplankungsbrettchen etwas variiert, muss diese auf gleichmäßige Stärke plangeschliffen werden. So erhält man die Kontur der Flügel und die Position der Rippen ist hinten durch Ausschnitte in der Beplankung und im Holmbereich durch die Verkastung vorgegeben – ein Plan wird somit auch hier nicht benötigt.

Beim Aufbau zeigt sich, dass die untere Beplankung an der Außenkontur sehr knapp bemessen ist und später an der Wurzelrippe und der Nasenleiste mit schmalen Balsastreifen aufgefüllt werden muss. Eine Fertigung mit Übermaß wäre hier die bessere Wahl, denn in der Praxis lassen sich die Teile nicht so exakt fügen, wie im CAD gezeichnet – 17 Rippen mit einer Dickentoleranz von 0,1 mm und der unvermeidliche Klebespalt zum Steg der Holmverkastung lassen die Tragfläche ganz schnell um 3 bis 4 mm wachsen. Die Sperrholzteile herunter zu schleifen, wäre aber viel zu aufwändig – dann setze ich doch lieber ein Stück Beplankung an.

Die komplette Flächenbeplankung wird zusammengesetzt, plan geschliffen und dient als Grundlage für den Flächenaufbau.


Die Tragflächen werden direkt auf der unteren Beplankung aufgebaut – auch hier richten sich alle Teile selbst aus.


Der Randbogen entsteht ganz klassisch aus Vollmaterial.


Natürlich entstehen bei einer CAD-Konstruktion bei aller Sorgfalt auch kleinere, echte Fehler wie beispielsweise an der Rippe 23. An ihr wurde im Bereich des Holmes die Beplankungsstärke nicht abgezogen, sie ist höher und ragt aus der Profilkontur heraus. Dies stellt aber kein großes Problem dar. Mit einer Schleiflatte wird sie in den Profilverlauf gestrakt, was durch die beim Lasern entstandenen dunklen Ränder der Rippen vereinfacht wird. Man kann gut erkennen, wo geschliffen wird.

Apropos Schleifen: Zum Verschleifen der Nasenleisten würde ich mir Schablonen, gelasert in einem der vielen ungenutzten Freiräume der Sperrholzteile, wünschen. Einzig an der Wurzel kann man anhand der Abschlussrippen den Nasenradius erkennen. Bei den Randbögen wäre eine Schnittzeichnung oder wenigstens eine Skizze hilfreich.

Wie anfangs schon erwähnt, ist die Klemm für Fortgeschrittene gedacht und ein geübter Modellbauer hat in recht kurzer Zeit einen schönen und stabilen Flügel im Rohbau fertig.

Koverall mit Holzoptik

Da diese Finish-Technik nicht mehr ganz alltäglich ist, beschreibe ich sie hier genauer: Alle an der Oberfläche liegenden Flächen werden einmal mit Porenfüller und zweimal mit Holzlasur im Farbton Kiefer gestrichen, jeweils mit 400er Zwischenschliff. Nicht erschrecken, es scheint, als würde das Modell gelb werden. Nun wird zweimal dick Nitro-Klebelack aufgetragen. Dabei muss man zügig arbeiten, da der Nitrolack die Lasur anlöst. Wenn man zu oft darüber streicht, verzieht man die Lasur und es entstehen kleine Klümpchen an der Oberfläche. Der Klebelack muss satt aufgetragen werden, um später das Gewebe richtig zu durchtränken. Nur so entsteht die Transparenz, ansonsten gibt es einen milchigen Schleier. Abschließend wird nochmals mit 400er geschliffen.

Die Lasurmuster – am Ende wurde der Farbton Kiefer verwendet.


Der Rumpf ist mit Lasur behandelt, das Leitwerk fertig bespannt.


Die fertige Tragfläche – auch unter dem Koverall-Gewebe bleibt die Holzmaserung schön sichtbar.


Das Gewebe wird grob zugeschnitten und locker auf das zu bespannende Teil gelegt. Am Rand, etwa 10 bis 15 cm lang, wird nun mit einem Pinsel Nitroverdünnung aufgetragen und das Gewebe gleich mit einem weißen Baumwolltuch angerieben – dabei den angelösten Klebelack richtig durch das Gewebe reiben bis es wieder trocken ist. Wichtig ist, richtige Nitroverdünnung und nicht Universal-Nitroreiniger aus dem Baumarkt zu verwenden. Dieser eignet sich allenfalls zum Reinigen der Pinsel.

Stück für Stück wird das Gewebe ringsherum angerieben bis ein geschlossener Rahmen entstanden ist. Das Gewebe muss dabei nicht gespannt sein, nur faltenfrei aufliegen. Ist es ringsherum geschlossen fixiert, kann das Gewebe mit dem Heißluftföhn gespannt werden. Das bereits angeriebene Gewebe darf man dabei nicht überhitzen, da sich die Klebung lösen oder gar Blasenbildung entstehen kann. Es muss nicht übertrieben gespannt werden, der spätere Anstrich mit Spannlack erledigt den Rest. Jetzt können die restlichen Stellen der Beplankung und Rippen angelöst und angerieben werden. Das Gewebe dürfen wir an den Kanten der Rippenfelder nicht nach innen drücken, sonst bekommt man einen unschönen Absatz in der Bespannung. Das Gewebe sollte nicht überlappen, es scheint dann nicht mehr durch und wird weißlich.

Das lässt sich am einfachsten realisieren, indem man die zuerst aufgebrachte Seite nur bis dahin anreibt, wo man sie haben möchte. Dann das Gewebe 90° zur Oberfläche anheben und mit einer Rasierklinge parallel zur Oberfläche bündig schneiden, die Schnittkante nochmals mit Nitro anlösen und andrücken. Dabei achten wir darauf, mit dem Nitropinsel nicht über den freien Klebelack zu streichen, um zu verhindern, dass dieser abgewaschen wird. Mit etwas Abstand zur Kante das Gewebe benetzen reicht aus, die Kapillarwirkung erfüllt den Rest. Die zweite Seite dann einfach über die Erste hinweg anreiben. Da an der Oberfläche der vorherigen Bespannung kaum Klebelack vorhanden ist, hält die zweite Lage darauf nicht und kann bis exakt zum Stoß, wie vorher beschrieben, abgezogen und 90° zur Oberfläche abgeschnitten werden. Die Stoßkanten werden mit Klebelack versiegelt und verschliffen.

Jetzt streichen wir alles vier- bis fünfmal mit verdünntem Spannlack und „köpfen“ jeweils mit einem leichten 400er Zwischenschliff die sich aufstellenden Fasern. Nicht zu viel schleifen, ansonsten hat man nach dem nächsten Anstrich noch mehr Fasern hochstehen und schwächt das Gewebe unnötig. Bei den ersten beiden Anstrichen müssen wir darauf achten, dass der Spannlack nicht durch das Gewebe läuft – an der Innenseite könnten hässliche Nasen und Läufer entstehen, die nicht mehr entfernt werden können. Mit jedem Anstrich sinkt die Gefahr des Durchtriefens. Nach dem letzten Auftrag von Spannlack wird nicht mehr geschliffen. Wie viele Anstriche man benötigt, hängt letztlich davon ab, wie stark der Spannlack verdünnt und wie satt er aufgetragen wird. Es soll auf jeden Fall eine geschlossene Oberfläche entstehen. Testen kann man das, indem man mit dem Mund daran saugt. Kommt noch Luft durch, muss nochmal gestrichen werden. Alles in allem kommt sehr viel Material auf das Modell, ca. 500 g Klebelack, 1 kg Spannlack, 1 l Nitroverdünnung. Zum Glück verflüchtigt sich der Großteil und gewichtsmäßig bleibt kaum etwas zurück.

Die Kennzeichen und Beschriftungen sind mit Lösemittel-Basislack lackiert. Die Maskierfolie dazu hat mir ein Freund nach Vorlage der im Bausatz enthaltenen Aufkleber geplottet. Zum Schluss noch seidenmatter 2-Komponenten-Klarlack über alles und die Klemm ist gegen Methanol, Nitro und Synthetiköl resistent.

Leitwerk und Steuerflächen

Auch diese Baugruppen sind angesichts der soliden Konstruktion selbstausrichtend und somit schnell rohbaufertig zu erstellen. Obwohl die Höhenleitwerksbefestigung hinten keine seitliche Führung besitzt, funktioniert sie, wie vom Hersteller vorgesehen, einwandfrei.

Einige Hinweise zum Aufbau möchte ich noch geben: An den Endleisten der Ruder sind Aussparungen, an denen die Diagonalrippen positioniert werden. Damit die Diagonalrippen vorn an den gleichen Stellen ansitzen wie die Rippen der Flächen und Flossen, übertrage ich an den vorderen Stegen aller Steuerflächen die Rippenabstände. Dadurch entsteht nach der transparenten Bespannung ein stimmiges Bild.

Beim vorderen Steg der Höhenruder muss, zumindest bei meinem Bausatz, beim Lasern was verrutscht sein. Auf einer Seite ist er dünner. Kein Problem, Holz ist ein geduldiger Werkstoff – ich füttere ihn mit Restholz auf und gleiche ihn der anderen Seite an.

Meine Querruder sind nach dem Verschleifen 1,5 mm dünner als die Flächen. Deshalb klebe ich die Ruder auf 1,5er Balsabrettchen, durchbohre die Ecken mit einem 2-mm-Bohrer und schneide vorsichtig die Rippenfelder frei. Das macht die filigranen Ruder auch etwas stabiler. Die Scharnierschlitze bringe ich mit dem Dremel und einer Trennscheibe an den entsprechenden Stellen in den vorderen Steg ein.

Die Ruderhörner dopple ich alle mit Restholz auf. Die gelaserten Bohrungen sind für die mitgelieferten Stahldrähte ohnehin zu groß und am Leitwerk möchte ich auf Gabelköpfe verzichten. Die Aufdopplung wird mit dem passenden Bohrer gebohrt und später wird der Draht nur um 90° gebogen ins Ruderhorn gesteckt. Das ergibt eine spielfreie Anlenkung. Die Stellen in den Rudern, an denen die Ruderhörner eingeklebt werden, füttere ich mit Balsa auf, um einen festen Sitz und genügend Auflagefläche für die Bespannung zu erhalten.

Das besondere Finish

Die Holzarbeiten sind beendet – eigentlich schade. Dafür kommt jetzt die Außenhaut an die Reihe. Eine Arbeit, auf die ich mich auch schon gefreut habe. Im Vorfeld habe ich schon mehrere Versuche gemacht, um zu testen, mit welchem Aufbau und welchen Materialien ich zum gewünschten Ergebnis gelange. Dazu habe ich einige Balsabrettchen 10×10 cm mit großen Löchern versehen, mit verschiedenen Lasuren gestrichen und darauf verschiedene Bespanngewebe aufgebracht. Es ist erstaunlich, wie sich die Farbtöne Schritt für Schritt verändern und die Holzmaserung mehr oder weniger zur Geltung kommt. So war ich verwundert, dass das Muster, welches nach dem ersten Anstrich den „hässlichsten“ Eindruck machte, am Ende mein Favorit war.

Bügelgewebe haben nicht die von mir gewünschte Transparenz auf den Holzteilen erbracht. Daher fiel die Entscheidung auf Koverall von SIG, ganz klassisch, mit Klebe- und Spannlack.

Die Querruder wurden nach dem Schleifen mit einer Lage 1,5-mm-Balsa aufgedickt, um besser im Profil zu liegen.


Klassisch, modern oder einfach ein modern1er Klassiker? Der Autor mit seiner Klemm L 25d.


Statt des kastenförmigen E-Motordoms nimmt ein selbst gefertigter Ringspant den Motorträger für den FS-20 auf.


Der FS-20 passt inklusive Gasservo sehr gut unter die Motorhaube.


Endmontage

Um Gewicht zu sparen, setze ich auf eine direkte Empfängerstromversorgung aus einem 1.300-mAh-2s-LiPo. Dazu verwende ich Savox-Hochvolt-Servos vom Typ SV-1232MG HV und einen Futaba R617FS-Empfänger. Alle Komponenten werden so weit vorne wie möglich positioniert.

Jetzt werden noch die Fahrwerksdrähte im Schraubstock auf deutliche Vorspur, ca. 1,5° pro Seite, gebogen und montiert sowie die Cockpitumrandung und die Scheiben angeklebt.

Nach der Montage von Motor und 100-cm³- Tank, muss ich nach dem Auswiegen noch 63 g am Motorträger befestigen und die L 25d steht mit 2.260 g Leergewicht auf der Waage. Mit diesem Wert bin ich zufrieden, die Herstellerangabe liegt bei ca. 2.000 g in der Elektro-Version.

Die Ruderausschläge habe ich bis auf das Höhenruder der Anleitung entsprechend eingestellt. Beim Höhenruder erscheinen mir die empfohlenen 9 mm nach oben und unten sehr wenig, ich habe 18 mm und dafür noch 50% Expo eingestellt.

Nachdem alle Teile nochmal fein verschliffen sind, steht ein ansprechender Rohbau im Garten.


Der Servoeinbau erfolgt klassisch – zum Einsatz kommen HV-fähige Savox-Servos.


Für die Kennungen wurden Lackierschablone geplottet – lackiert sehen sie schöner aus und sind haltbarer. Abschließend bekam die Klemm eine Schicht seidenmatten 2K-Klarlack.


Fertig für den Erstflug

An einem kühlen aber sonnigen Novembertag geht’s zum Erstflug. Die Klemm lässt sich trotz festem Schleifsporn verhältnismäßig gut am Boden manövrieren. Auf einer gepflegten Rasenpiste neigt sie nicht dazu, auf die Nase zu kippen – zumindest nicht, wenn man, wie es sich gehört, das Höhenruder beim Rollen immer schön durchgezogen hält.

Jetzt ist es so weit, Nase in den Wind, eine letzte Ruderkontrolle und langsam Gas geben. Sie lässt sich gut mit dem Seitenruder halten. Nach ein paar Metern lasse ich das Höhenruder nach und die Klemm hebt das Heck. Mit knapp 1/3-Gas trennt sie sich vom Boden und steigt im flachen Winkel. Mit etwa 2/3-Gas lasse ich sie Höhe gewinnen.

Auf Höhe angekommen, teste ich alle Ruderreaktionen und drossle den Motor, um das Überziehverhalten auszuloten. Die Ruderwirkung wird – wie zu erwarten – schwammig, aber sie lässt sich in der Richtung halten und zeigt keine Tendenz, von allein nach einer Seite abkippen zu wollen. Der herstellerseitig vorgegebene Schwerpunkt passt sehr gut.

Rollen, Loopings, Turns und Rückenflug – alles machbar, aber nicht alles passt zum Modell. Kurven werden, bedingt durch die große Spannweite, mit Quer- und Seitenruder geflogen. Bei Überflügen mit Vollgas muss deutlich gedrückt werden – das ist dem verwendeten Profil geschuldet. Insgesamt ist die Grundgeschwindigkeit des Modells etwas höher als ich es erwartet hätte. Die größeren Höhenruderausschläge konnte ich so belassen – im Flug sind sie für meinen Geschmack passend und am Boden geben sie beim Rollen mehr Sicherheit.

Das Upgrade auf ein gefedertes Fahrwerk und die Speichenräder stehen der Klemm.


Wie der Hersteller es in der Anleitung beschreibt, segelt die Klemm recht gut, sodass der Landeanflug weiträumig angesetzt werden soll. Das kann ich nur bestätigen. Vor allem wenn der Viertakter am Anfang noch ein höheres Standgas benötigt und kein Gegenwind bremst, möchte die Klemm in ihrem Element bleiben und sträubt sich regelrecht, zur Erde zurückzukehren. Versucht man eine Dreipunktlandung, steigt sie wieder weg. Also setze ich sie eher Warbird-typisch in flachem Winkel auf das Hauptfahrwerk und nehme erst mit abnehmender Geschwindigkeit das Heck runter.

Die Klemm stellt keine besonderen Ansprüche an den Piloten. Das Original ist ein Oldtimer aus der Anfangszeit der zivilen Privatfliegerei, der mit wenig Motorleistung eine gute Performance zeigte. Dem entsprechen auch die Flugleistungen des Modells – vorbild- getreu geflogen, erfüllt es alle Erwartungen. Zum Turnen gibt’s andere Modelle. Aufgrund des Landeverhaltens ordne ich die Klemm, wie beim Bau, auch fliegerisch dem fortgeschrittenen Modellflieger zu.

Apropos Leistung: Der O.S. FS-20 mit seinen 3,5 cm³ Hubraum ist vollkommen ausreichend. Das Ziel, diesen Motor stilgerecht in die Luft zu bekommen, ist zu 100% erreicht. Am besten gefällt mir die Klemm, wenn ich sie mit Viertelgas in flachen Achtern tief vor mir „herumtuckern“ lasse.

Das mitgelieferte Fahrwerk erfüllt seinen Zweck, hat aber kaum Federwirkung und gefällt mir auch optisch nicht sonderlich. Aus diesem Grund habe ich meiner Klemm ein Fahrwerksupgrade mit einer Federung und selbstgefertigten Speichenrädern verpasst. Einzig eine Pilotenpuppe fehlt noch, um das Dasein als Geisterflugzeug zu beenden.

Mein Fazit: Hätte ich noch keine Klemm L 25d, würde ich mir eine bauen. Insbesondere das Finish der Holzoptik hat mir viel Spaß gemacht. Als geübter Modellbauer konnte ich den Bau trotz einiger Kleinigkeiten, die zu korrigieren waren, genießen und erfreue mich immer wieder am Flugbild und Klang meiner Klemm.