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TEST Kochtöpfe: Topfit


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2012 vom 28.09.2012

Die einen bekommen schon beim Streifzug durch die Küchenabteilung feuchte Augen. Bei den anderen tut’s auch der erstbeste Topf aus dem Supermarktregal. Unser Test zeigt: Vernünftige Modelle gibt’s durchaus schon in den unteren Preisregionen. Aber der Billigheimer für 13,99 Euro ist einfach nicht alltagstauglich.


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Foto: ariadna de Raadt/istockphoto.com

Keine Frage, man kann durchaus mit dem geerbten Topfsammelsurium von Oma und Mutti ein glückliches, langes und zufriedenes Leben führen. Aber bei den meisten Menschen kommt irgendwann der Punkt, an dem sie ein bisschen System ins Küchenkarussell bringen ...

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... möchten. Man ahnt, dass der Alutopf mit dem eingedellten Boden mehr Energie als nötig zieht, bei den anderen brennt ständig was an, das abgestumpfte Blumendekor macht optisch nicht mehr ganz so viel her.

Auf der Suche nach den richtigen Töpfen landen die meisten bei einem Set aus Edelstahl. Edelstahltöpfe machen so ziemlich alles mit, sie sind pflegeleicht, nicht allzu schwer, man kann in ihnen Nudeln, Suppen, Eintöpfe kochen, Fleisch anbraten. Und wer sie ein bisschen pflegt, sie etwa nicht mit kratzigen Schwämmen bearbeitet, kann sich über eine lange gute Zusammenarbeit freuen. Die Deutschen kaufen ihre Töpfe gerne im Set. Drei, vier Töpfe in verschiedenen Größen, dazu gibt’s noch einen Stieltopf, der vor allem für Saucen gemacht ist. Darauf haben sich die Hersteller eingestellt. Im Set sind die Töpfe meist deutlich günstiger als im Einzelverkauf.

In letzter Zeit haben gusseiserne Töpfe, vor allem die orange-roten aus Frankreich, einen echten Siegeszug hingelegt. Ihr schwerer Guss braucht, bis er warm ist, ist also nichts für Leute, die sich abends schnell mal Nudeln kochen möchten. Da das Material aber Wärme gut speichert, sind solche Töpfe wie gemacht für alles, was ein bisschen länger braucht, für Geschmortes und Gebratenes. Wer auf Glaskeramik kocht, sollte sich die Investition überlegen: Der Guss verkratzt das Glas schnell.

Fettarm kommt man mit beschichteten Töpfen voran, optimal für alle, die gern Gebratenes essen. Doch Teflon und seine Verwandten basieren auf Polytetrafluorethylen (PTFE), das ist nicht jedermanns Fall. Die Beschichtung kann leicht zerkratzen, wird sie stark überhitzt, entstehen giftige Dämpfe. Echte Leidenschaft und Investitionsbereitschaft braucht man bei Kupferkochgeschirr. Die Töpfe übertragen die Hitze so direkt wie kaum ein anderes Material. Sie sind allerdings nicht für Induktionsherde gemacht und bleiben nur rotgolden glänzend, wenn man sie regelmäßig poliert.


Der Klassiker bleibt das Topfset aus Edelstahl


Wir haben zwölf Edelstahltöpfe und, als Alternative für Nickelallergiker, ein keramikbeschichtetes Modell aus der Silargan-Reihe von Silit eingekauft. Unsere Wahl fiel auf ein Standardmodell, Fleischtöpfe mit einem Durchmesser von 24 Zentimetern. Der günstigste kostete 13,99 Euro, der teuerste 154 Euro. Wir machten den Test: Sind teure Modelle energieeffizienter, handlicher, robuster? Aus welchem Topf löst sich mehr Nickel?

Das Testergebnis

• Teuer ist nicht unbedingt besser. Ob sie nun 19,99 oder 154 Euro gekostet haben, die Töpfe unterscheiden sich nur in Nuancen. Als Totalausfall erwies sich aber der 13,99-Euro-Fleischtopf der Real-Eigenmarke Tip. Sein Boden ist so stark gebogen, dass er kaum aufliegt, er verbraucht viel Energie, es brennt schnell was an.
• Ein starker Boden heizt sich gleichmäßiger auf als dünne Modelle. Ansonsten bedeutet großer Materialeinsatz nicht zwangsläufig, dass der Topf energiesparender kocht als leichtere Modelle. Am sparsamsten lässt sich Wasser mit dem ganz besonders leichten 365+ Topf von Ikea sowie mit dem mittelschweren Le Creuset Shallow Casserole 3-ply zum Kochen und Weiterköcheln bringen.
• Vorsicht, heiß! Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Kochtopf heiß wird, wenn darin gekocht wird. Heißer als 55 Grad sollten die Griffe aber nicht werden. Nach Norm wird nur an den äußersten Stellen der Griffe gemessen, ob die 55 Grad überschritten sind. Da man einen Topf aber nicht unbedingt nach Norm anpackt, ließen wir dort messen, wo die Griffe ans Gehäuse oder den Deckel stoßen – genau genommen einen Zentimeter davon entfernt. Dort war’s bei sieben Töpfen noch etwas zu heiß. Richtig schmerzhaft kann es beim Tip Fleischtopf werden, wenn man den Deckelknauf greift und dabei die Metallplatte berührt, mit der der Knauf im Glasdeckel befestigt ist. 73 Grad wurden beim Linseneintopfkochen gemessen.
• Da klebt was! Die Tester ließen in jedem Topf eine Portion Linseneintopf 45 Minuten köcheln, dann wurde er ausgegossen. In den Töpfen von Iittala, Elo und WMF klebten noch Eintopfreste am Boden, recht viel musste man vom Boden des Tip Fleischtopfs schrubben. Bei anderen Töpfen kam die Suppe fast restefrei aus dem Topf.

ÖKO-TEST rät

• Für einen vernünftigen Topf muss man sich nicht in Unkosten stürzen: Die Unterschiede zwischen dem 20-Euro-Modell von Ikea und hochwertigen Markenprodukten sind minimal.
• Neue Edelstahltöpfe geben am stärksten Nickel ab, insofern lohnt es sich, den Topf mit ein, zwei Runden Sauerkraut einzuweihen und erst dann sein erstes Essen darin zuzubereiten.
• Stahlwolle oder Scheuerpulver können Edelstahl verkratzen. Deshalb Angebranntes einweichen und dann mit einer weichen Bürste bearbeiten. Verfärbungen und Kalkablagerungen bekommt man mit Zitronensaft oder Essig gut weg. Wer schon jetzt weiß, dass er sich an solche Regeln nicht halten wird: Keramikbeschichtete Töpfe, wie die Silargan-Reihe von Silit, halten mehr aus.

So haben wir getestet

Foto: Labor

Der Einkauf
Im Test: 13 Fleischtöpfe mit einem Durchmesser von 24 Zentimetern. Darunter zwölf Modelle aus Edelstahl sowie ein keramikbeschichtetes Modell. Alle Töpfe sind auch für Induktionsherde geeignet.

Der Praxistest und das Material
Energieeffizienz: Kocht man mit schwerem Gerät energiesparender als mit Leichtgewichten? Wir ließen Zeit nehmen: Wie lange benötigen die Töpfe, um drei Liter Wasser auf Glaskeramik zum Kochen zu bringen? Die Energie, die fürs Aufkochen sowie für das Weiterköcheln verbraucht wird, wurde ebenfalls gemessen. Mit dem sogenannten Puderzuckertest (Foto links) ermittelten die Fachleute, wie gleichmäßig die Temperatur am Topfboden verteilt ist. Je schneller der Puderzucker von der Mitte bis zum Topfrand schmilzt, desto besser.

Handhabung: Der Alltagstauglichkeitstest erfolgte am Beispiel einer Dose Linseneintopf. Der Eintopf wurde erhitzt und dann 45 Minuten auf Temperatur gehalten. Zwei Experten gaben danach ihr Urteil ab: Wie gut liegen die Griffe in der Hand? Wie viel Eintopf klebt am Boden fest?

Foto: Labor

Konstruktion und Material: Der Topfboden sollte so eben wie möglich auf der Kochplatte aufliegen. Das ist nicht selbstverständlich: Das Material dehnt sich aus, wenn es erhitzt wird, im schlechtesten Fall nach außen – und dann wird’s kippelig. Wie es mit der Bodendurchbiegung aussieht, haben die Fachleute unter verschiedenen Bedingungen nachgemessen: im Neuzustand (Foto links), nach der ersten Erhitzung auf 200 Grad, nach 50 Abschreckungen mit kaltem Wasser. Wichtig war uns zu erfahren, wie sich der Topf unter Hitze verhält. Um zu prüfen, wie schnell die Oberfläche rostet, wurden die Töpfe mit Salzspray besprüht und unter hoher Luftfeuchtigkeit 48 Stunden gelagert. Bei diesem Härtetest zeigen sich schnell die Schwachstellen.

Das Schwermetall Nickel ist Bestandteil der Legierung und löst sich mal mehr, mal weniger stark beim Kochen heraus. Wir haben im gespülten, nagelneuen Topf Sauerkraut kochen lassen, das besonders gut Nickel aus Edelstahl löst.

Weitere Mängel
Man sieht einem Topf nicht an, ob er für Induktionsherde geeignet ist. Eine Prägung am Topfboden hilft, wir prüften die Töpfe darauf.

Die Bewertung
Abgesehen von dem Totalausreißer von Real sind die Unterschiede zwischen den Töpfen minimal, den besten trennt vom schlechtesten noch nicht mal eine ganze Note. Es lohnt sich, auf die einzelnen Ergebnisse zu schauen: Wer einen Topf sucht, der das Nudelwasser schnell zum Kochen bringt, wird mit einem anderen Topf glücklich als Leute, die einen besonders energiesparenden Topf suchen.

• Zwei Töpfe machten die Biege. Der Topfboden sollte möglichst eben auf der Kochplatte liegen, um die Energie optimal auszunutzen. Da das Metall sich mit der Hitze ausdehnt, müssen die Töpfe so konstruiert sein, dass ihr Boden sich so gut es geht auf die Herdplatte legt, keinesfalls aber nach außen wölbt. Die meisten Töpfe schafften das zufriedenstellend. Der Berndes Genua Kochtopf mit Glasdeckel bog sich nach ein paarmal Abschrecken mit kaltem Wasser leicht nach außen. Er steht deshalb, wenn er abgekühlt ist, nicht mehr ganz so gut auf der Platte. Beim Erhitzen allerdings zieht sich der Boden nach innen, alles ist wieder in Ordnung. Für Staunen sorgte der Tip Fleischtopf, der schon mit enorm gewölbten Boden angeliefert wurde, der sich in den Tests noch stärker nach innen bog. Hier ist einfach bei der Konstruktion etwas schiefgelaufen. Das bestätigte sich dann auch im Falltest: Als die Tester den Topf gefüllt mit Linseneintopf auf den Boden fallen ließen, bildete sich ein Spalt zwischen Boden und Topf. Das war’s dann, der Topf: reif für die Tonne.

• Edelstahl mag kein Salz. Es zerstört die Oberfläche und macht das Material anfällig für Rost. Deshalb sollte man direkten Kontakt von Salz und Edelstahl vermeiden und Salz erst in kochendes Wasser geben. Um zu testen, wo die empfindlichen Stellen der Töpfe sind, ist Salz aber wie gemacht. Wir ließen die Töpfe also mit Salzspray einsprühen und in die Feuchtekammer stellen. Ganz ohne Blessuren ging das an keinem Topf vorbei, doch besonders am Topf von Ikea zeigten sich schnell Roststellen.
• Edelstahltöpfe sind für Nickel-Allergiker tabu. Sie ent halten in der Regel rund zehn Prozent Nickel, das sich mehr oder weniger stark herauslöst, vor allem bei sauren Lebensmitteln wie Sauerkraut muss man mit einer verstärkten Anreicherung des Schwermetalls rechnen. Für Nickel-Allergiker können durchaus schon diese kleinen Mengen zu viel sein. Aus den meisten Töpfen im Test lösten sich bei unseren Tests – wir ließen Sauerkraut da rin kochen – erhöhte Gehalte, die über die Empfehlungen einer entsprechenden Leitlinie des Europarats hinausgehen: Mehr als 0,1 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel sollten sich demnach nicht lösen. Nur beim Ikea 365+ Topf und dem Silargan Passion Colours Fleischtopf löste sich kein Nickel in das Sauerkraut. Kein Wunder: Der Ikea-Topf enthält – obwohl aus Edelstahl – gar kein Nickel, wie das Labor feststellte. Bei der Keramikbeschichtung Silargan ist Nickel ohnehin kein Thema. Aus den Fleischtöpfen von Fissler, Iittala und Zwilling lösten sich hingegen deutlich höhere Nickelgehalte. An dem Schwermetall kommt man im täglichen Leben einfach nicht vorbei, es steckt nicht nur in Kochgeschirr, sondern auch in vielen Lebensmitteln und Modeschmuck. Je weniger der Kochtopf zur täglichen Nickelaufnahme beiträgt, desto besser.
Maren Klein