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TEST: KOMPAKTKAMERA: Sony RX100 VI: MEHR ZOOM


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 13.07.2018

Mit einem deutlich erweiterten 8,3fach-Zoom wartet die 1-Zoll-Kamera Sony RX100 VI auf. Im Vergleichstest wollten wir wissen, ob sich die 1300 Euro für das neue Flaggschiff von Sony lohnen und welche preiswerte Alternative die beste Wahl ist.


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Perfekte Schärfe auf dem Auge (der Ausschnitt zeigt 100 % bei 300 dpi).


FOTO: © ANDREAS JORDAN

Der 1-Zoll-Sensor reicht in Kombination mit einer langen Brennweite und offener Blende, um eine Hintergrundunschärfe ins Bild zu zaubern.

KAMERA: Sony RX100 VI
EINSTELLUNGEN: 142 mm (beim KB), f/4,5, ISO 125

uf den ersten Blick ist die RX100 VI kaum von ihrer Vorgängerin ...

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uf den ersten Blick ist die RX100 VI kaum von ihrer Vorgängerin Mark V oder der Vorvorgängerin Mark IV zu unterscheiden. Hält man die Kameras direkt nebeneinander, so fällt auf, dass die Neue minimal dicker geworden ist (1,8 mm). Angesichts des von 2,9- auf 8,3fach gesteigerten Zooms eine erstaunlich geringe Veränderung. Im Vergleich zu den Panasonic-Modellen TZ101 (10fach-Zoom) und TZ202 (15fach-Zoom, siehe den ausführlichen Test in fM 7/18) ist die RX100 VI immer noch deutlich kleiner. Natürlich hat die Lichtstärke unter dem erweiterten Zoom gelitten: Sie sinkt von 1,8-2,8 auf 2,8-4,5, ist damit aber immer noch deutlich besser als bei der TZ101 oder TZ202 (siehe Tabelle, Seite 91). Die Kombination aus langer Brennweite und f/4,5 ermöglicht ein für eine Kompaktkamera ansprechendes Bokeh mit softem Hintergrund (siehe auch das Aufmacherbild).
Natürlich geht das kompakte Gehäuse etwas zu Lasten der Ergonomie. So sind die Bedienelemente relativ klein und es fehlt beispielsweise eine Direkttaste für die Belichtungskorrektur. Über das Kurzmenü (Fn-Taste) kommt man allerdings trotzdem einigermaßen schnell ans Ziel. Das Hauptmenü ist ausufernd und nicht perfekt strukturiert. Abhilfe schafft das Mein-Menü, in dem der Fotograf die für ihn wichtigsten Einstellungen hinterlegen kann. Mit zwei Neuerungen will Sony die Ergonomie verbessern. Sehr willkommen ist der neue Mechanismus für den Pop-up-Sucher. Dieser springt wie gehabt aus dem Gehäuse heraus, muss aber nicht mehr manuell nach hinten gezogen werden, ist also sofort einsatzbereit. Größe und Auflösung sind unverändert – der Sucher ist scharf aber nicht allzu groß. Die zweite Änderung betrifft den Monitor, der erstmals in der RX100-Serie eine Touch-Bedienung ermöglicht – allerdings recht eingeschränkt. So lässt sich das AF-Messfeld setzen – und zwar auch im Sucherbetrieb („Touchpad“) – und im Wiedergabemodus kann man die Bilder durch „Doppelklick“ vergrößern und dann den Ausschnitt verschieben. Vermisst haben wir dagegen eine Menübedienung per Berührung oder ein Weiterblättern in der Wiedergabe. Panasonic setzt den Touchscreen deutlich konsequenter um. Der Monitor hat übrigens eine etwas niedrigere Auflösung als im Vorgängermodell – was sich aber kaum bemerkbar macht – und lässt sich um 180 Grad nach oben und 90 Grad nach unten kippen. Zwischen Monitor und Sucher kann die Kamera dank Augensensor automatisch umschalten.

Der Sucher springt nach Tastendruck aus dem Gehäuse und ist dann sofort einsatzbereit.


FOTOS: © SONY, ANDREAS JORDAN

Der Monitor lässt sich in die Selbstportraitposition klappen.


Starke Videofunktionen

Zusammen mit Panasonic gehört Sony zu den Vorreitern bei 4K-Video. Schon die Mark V und Mark IV nahmen 4K-Clips mit 30 Bildern/s und 100 MBit/s im XAVC-S-Format auf. Mit der Mark VI konnten wir rund zehn Minuten 4K am Stück aufnehmen, danach schaltete die Kamera die Aufnahme wegen Überhitzung ab. Ergänzt hat Sony die flachen Profile S-Log3/S-Gamut3 sowie Hybrid Log Gamma (HGL) für den HDR-Workflow. Auch das Proxy-Recording ist neu. Hierbei wird zusätzlich zum hochwertigen ein niedrigauflösendes Video aufgenommen, das sich einfacher schneiden lässt. Die Schnitte können dann übertragen werden. Die Videoqualität ist wie gewohnt sehr hoch und die RX100 VI könnte eine hervorragende kleine Videokamera sein – wenn sie denn eine Mikrofonschnittstelle hätte.
Eine weitere Videospezialität sind die Zeitlupenfunktionen. Diese sind bei Frequenz und Auflösung gleich geblieben, allerdings fallen die Sequenzen 10 bis 20 Prozent länger aus als bei der Mark V. Im Modus Qualitätspriorität stehen jetzt folgende Optionen zur Verfügung:
• 250 B/s = 10x-Zeitlupe, Auflösung: 1824 x 1026 Pixel, Aufnahmelänge: ca. 4,4 s.
• 500 B/s = 20x-Zeitlupe, Auflösung: 1824 x 616 Pixel, Aufnahmelänge: ca. 3,5 s.
• 1000 B/s = 40x-Zeitlupe, Auflösung: 912 x 308 Pixel, Aufnahmelänge: ca. 3,7 s.
Alle Zeitlupenaufnahmen werden in der Kamera auf Full-HD (1920 x 1080 Pixel) skaliert. Wir empfehlen die 10x-Zeitlupe, die anderen Modi sind qualitativ nicht mehr gut. Mit 10x sind bereits beeindruckende Effekte möglich und Sony liegt hier deutlich vor Panasonic: Die Lumix TZ202 ermöglicht maximal 100 B/s, also eine 4x-Zeitlupe.

Der 8,3fach-Zoom der Sony RX100 VI reicht aus, um auf Städtereisen – wie hier in Venedig – entfernte Details sichtbar zu machen.


Zu den weiteren Neuerungen der RX100 VI gehört die Möglichkeit, Bilder in der Kamera mit Sternen zu bewerten und die trotz des gleichen Akkus etwas längere Laufzeit von 240 Bildern mit Monitor bzw. 220 Bildern mit Sucher. Aktiviert man die Stromsparfunktion, die den Monitor nach zwei Sekunden ausschaltet, so sind auch 310 Aufnahmen möglich. Erfreulicherweise lässt sich der Akku unterwegs per USB laden, beispielsweise mit einer Powerbank. Weniger erfreulich ist, dass der Blitz etwas schwächer ausfällt und Sony die Erweiterungsmöglichkeit durch PlayMemories-Camera-Apps weggelassen hat. In der Vergangenheit ließen sich damit beispielsweise Zeitrafferaufnahmen und die Bildbearbeitung in der Kamera nachrüsten, Funktionen, welche beispielsweise die Panasonic-Modelle von Haus aus mitbringen. Als einzige Bildbearbeitungsfunktion in der Kamera bietet Sony einen Beauty-Filter für Portraits an – kein wirklicher Ersatz für einen integrierten Raw-Konverter, den es bei Panasonic gibt.
Zu den Pluspunkten der RX100 VI zählt, dass der Verschluss sich von mechanisch auf elektronisch umschalten lässt. Dann ist nicht nur das lautlose Auslösen möglich, sondern die kürzeste Verschlusszeit verbessert sich von 1/2000 s auf 1/32.000 s. Da Sony den Sensor dank des integrierten DRAM-Speichers besonders schnell auslesen kann, fallen die Nachteile des elektronischen Verschlusses weniger ins Gewicht als bei vielen anderen Kameras. So haben wir im Test keine Probleme mit Verzerrungen durch den Rolling-Shutter-Effekt beobachtet, allerdings kann es bei Neonlicht zu Streifenbildungen bei kurzen Verschlusszeiten kommen (ab ca. 1/300 s).
Nicht fehlen darf natürlich das Wi-Fi-Modul zur Fernsteuerung und drahtlosen Bildübertragung, das durch Bluetooth für eine ständige Verbindung zwischen Kamera und Smartgerät ergänzt wird. Weitere Funktionen sind ein HDR-Modus, Schwenkpanoramen, Bildeffekte (u. a. Miniatur und Farbauszüge), Peaking, Zebra und eine Augenerkennung.

Geschwindigkeit und Bildqualität

Wie versprochen hat Sony den Hybrid-Autofokus noch einmal beschleunigt – wir haben eine Auslöseverzögerung von 0,13 s gemessen, damit ist die RX100 VI genauso schnell wie die Panasonic TZ202 und rund 0,1 s schneller als ihre Vorgängermodelle. Herausragend ist die Serienbildfrequenz: Mit elektronischem Verschluss haben wir 23 Bilder/s ermittelt, welche die Kamera für 240 JPEGs oder 100 Raws in Folge durchhält. Selbst der Autofokus wird dabei nachgeführt. Auch bei der JPEG-Bildqualität setzt sich die RX100 VI an die Spitze des Testfeldes. Die beste Auflösung erzielt das Objektiv in der mittleren Brennweite (getestet bei 70 mm kleinbildäquivalent): Hier haben wir 19,2 effektive Megapixel gemessen, also einen Wirkungsgrad von fast 98 Prozent – deutlich besser als bei der TZ202 und RX100 V. Doch auch im Weitwinkel ist die Auflösung mit maximal 13,7 effektiven Megapixeln schon sehr gut; in der Bildmitte erreicht sie sogar locker einen Wirkungsgrad von 100 Prozent, fällt am Bildrand allerdings auf unter 60 Prozent. Im Tele erreicht die neue Sony die geringste Auflösung (maximal 12,1 effektive Megapixel), was aber immer noch deutlich besser ist als bei der TZ202 und etwas besser als bei der RX100 V. Die besten Ergebnisse zeigt das Objektiv übrigens meist bei Offenblende, lediglich in der mittleren Brennweite steigert das Abblenden von f/4 auf f/5,6 die Auflösung noch minimal. Gemessen über verschiedene Empfindlichkeiten hält die RX100 VI die Auflösung bis ISO 800 erstaunlich gut. Das Bildrauschen ist bis ISO 400 niedrig, fällt ab ISO 800 aber höher aus als bei der TZ202 oder RX100 V und verhindert dass sich die Kamera bei der Bildqualität noch stärker von der Konkurrenz abhebt. Ähnlich wie das Rauschen verhält sich auch die Eingangsdynamik, die in den höheren ISO-Stufen hinter der Konkurrenz zurückbleibt. Rein visuell hat uns die Bildqualität auf jeden Fall positiv überrascht, das Objektiv ist klar besser als das in der TZ202, was angesichts des geringeren Zoombereichs auch kein Wunder ist.

FAZIT

Die RX100 VI hat bei Bildqualität und Geschwindigkeit zugelegt. Dass die Ausstattungswertung einen Prozentpunkt niedriger ausfällt als bei der Vorgängerin liegt an der geringeren Lichtstärke, dem etwas niedriger auflösenden Monitor und dem schwächeren Blitz. So teilt sie sich den Testsieg am Ende mit der Mark V. Wer noch eine Generation zurückgeht, erhält mit der RX100 IV eine Kamera, die deutlich günstiger ist und somit den Preistipp erhält. Fotografen, die sich einen großen Zoombereich wünschen und nicht mehr als 800 Euro ausgeben wollen, sind mit der TZ202 am besten beraten.