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TEST Kompaktpuder: Unterirdisch


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 24.02.2022

RATGEBER

1 Immerhin vier Puder im Test sind „sehr gut“ – darunter der preiswerteste mit 2,29 Euro pro 10 Gramm.

2 Kompaktpuder kann auch mit einem Puderpinsel aufgetragen werden – dann gerät das Finish etwas feiner und ebenmäßiger. Nimmt man das beiliegende Schwämmchen, deckt das Puder stärker ab.

3 Pinsel und Schwämmchen regelmäßig mit etwas Seife reinigen – sonst entwickeln sie sich leicht zu Bakterienschleudern.

Artikelbild für den Artikel "TEST Kompaktpuder: Unterirdisch" aus der Ausgabe 3/2022 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Kompaktpuder ist praktisch. Es lässt sich wunderbar in der Handtasche verstauen, mattiert zwischendurch schnell die glänzende Nase, frischt das Make-up auf und macht einen ebenmäßigen Teint. Die Kompaktpuder unseres Tests hinterlassen aber nicht nur einen schönen Schimmer auf der Haut, sondern auch Blei, Arsen oder Antimon. In sieben von 20 getesteten Pudern fand das von uns beauftragte Labor giftige Schwermetalle in einer Höhe oberhalb dessen, was als technisch vermeidbar gilt. Manchmal ...

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... gleich in Mehrfachkombination. Dazu kommt das Kontaktallergen Nickel in jedem zweiten Puder. Das zieht den Notenspiegel heftig nach unten: Fast ein Drittel der Produkte fällt mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch, nur vier sind „sehr gut“.

Problemelemente aus der Erdkruste

Die Erklärung für diesen Befund: Gesichtspuder enthalten viele natürliche Bestandteile aus unterirdischen Vorkommen. Mineralien wie Talkum, Kaolin oder Siliziumdioxid etwa, die Fett und Feuchtigkeit adsorbieren können. Oder auch ein Gemisch an Eisenoxiden und Mica, die für den Farbton und Glimmereffekte sorgen. Diese Bestandteile bringen dann die Schwermetalle ins Puder – denn auch Blei, Arsen oder Antimon kommen natürlicherweise in unserer Erdkruste vor. Willkommen sind sie auf der Haut deshalb noch lange nicht: Arsen ist, vor allem in seiner anorganischen Form, hochgiftig und krebserregend. Blei reichert sich im Körper an, besitzt in den Knochen eine Halbwertszeit von bis zu 30 Jahren und kann auf Dauer zu Vergiftungen führen. Auch Antimon steht in seiner anorganischen Form im Verdacht, beim Menschen Krebs zu erzeugen und reizt überdies die Haut. Der bewusste Einsatz dieser Elemente ist in Kosmetik verboten. Für einen nicht beabsichtigten Eintrag wie hier bei den Pudern hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Richtwerte festgelegt, oberhalb derer es die Einträge als technisch vermeidbar ansieht. Für Nickel gibt es eine entsprechende Empfehlung der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährung. Punktabzug gab es nur dann, wenn diese Werte überschritten waren.

Wie schlimm ist das?

Wohlgemerkt: Die vom Labor nachgewiesenen Gehalte bewegen sich alle noch in Bereichen, wo Verbraucherinnen keine akute Gesundheitsgefahr fürchten müssen. Bedenklich werden aber alle kanzerogenen Substanzen durch die Aufnahme über einen längeren Zeitraum. Dabei stehen heute Rohstoffqualitäten zur Verfügung, mit denen sich hohe Schwermetallgehalte vermeiden lassen. So liegen einige Puder im Test unter unseren Abwertegrenzen. Komplett frei von einer Schwermetallbelastung war allerdings kein Produkt.

„Der Test zeigt: Die Hersteller sollten schon bei der Rohstoffkontrolle auf Schwermetalle achten.“

WISSEN

Puder ist nicht gleich Puder

Lose

Loser Puder wird am besten mit einem großen Pinsel auf den Teint gestäubt. Seine Partikel sind in der Regel etwas feiner vermahlen als beim Kompaktpuder, dadurch verteilt er sich gleichmäßiger. Loser Puder ist ideal für fettige Haut und Mischhaut. Heißt er Transparentpuder, mattiert er farblos, als Mineralpuder besteht er hauptsächlich aus vermahlenen Mineralien.

Gepresst

Kompaktpuder ist die gepresste Form des losen Puders. Die Grenzen zu einer Foundation sind fließend: Einige sind primär gedacht, um die Make-up-Grundlage zu fixieren, andere enthalten einen höheren Anteil öliger und deckender Bestandteile und eignen sich als Foundation-Ersatz. Bronzing Powder bräunt stärker und kommt nur auf bestimmte Gesichtspartien. Puderkugeln liefern kleine Kügelchen verschiedener Farbnuancen in einer Dose. Puder-Makeup sieht aus wie Kompaktpuder, ist aber eine Foundation ohne Wasser und wird mit einem feuchten Schwämmchen aufgetragen.

Bei diesem Eintragsweg der Schwermetalle überrascht es wenig, dass die Puder mit Naturkosmetik-Siegel kaum besser abschneiden als die konventionellen. Schließlich ist der Anteil an natürlichen Inhaltsstoffen dort noch höher. Das Lavera Mineral Compact Powder, Honey 03 reißt die Latte bei drei Schwermetallen und ist mit „ungenügend“ das Schlusslicht unter den Naturkosmetik-Pudern. Vor allem der hohe Gehalt an Antimon fällt hier auf. Auch für Hersteller Laverana kam dieser Wert unerwartet, schreibt er uns. Man habe bereits eine interne Klärung des möglichen Ursprungs veranlasst. Bei den konventionellen Pudern fällt das Maybelline Fit Me Matte + Poreless, 120 Classic Ivory mit vier Schwermetallen besonders negativ auf.

Mit dabei: Parabene und Plastik

Bei den konventionellen Pudern summieren sich zur Schwermetall-Fracht allerdings noch ein paar mehr Problemstoffe: Propylparaben etwa, das im Verdacht steht, wie ein Östrogen zu wirken und deshalb in der EU streng reglementiert ist. Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), unter denen auch krebserregende Verbindungen sein können. Und die Hälfte der konventionellen Puder enthält ökologisch problematische Silikone oder synthetische Polymere, unter denen sich auch festes Mikroplastik befinden kann. Der freiwillige Selbstverzicht der Kosmetikindustrie auf Mikroplastik – bei Schminke greift er nämlich nicht.

So haben wir getestet

Im ÖKO-TEST-Einkaufskorb landeten 20 Kompaktpuder mit mittlerem Farbton im Preissegment zwischen 2,29 Euro bis 28,75 Euro (berechnet auf zehn Gramm Inhalt). Mit dabei: Eigenmarken aus Drogerien sowie bekannte Markenprodukte.

Die Liste der Inhaltsstoffe (INCI) prüften wir auf auffällige Substanzen. Im Labor haben wir die Puder auf eine ganze Palette von Elementen untersuchen lassen, da die Grundstoffe dieser Produkte mit Schwermetallen wie Antimon, Arsen, Blei oder Nickel belastet sein können. Produkte mit Paraffinen haben wir auf Mineralölbestandteile analysieren lassen.

Zudem suchten die von uns beauftragten Labore nach problematischen Duft- und Konservierungsstoffen und bestimmten die Partikelverteilung des in fast allen Pudern eingesetzten Titandioxids. Liegt über die Hälfte der Partikel in Nanogröße vor, so sollte dies auf der Deklaration kenntlich gemacht werden – andernfalls gab es Punktabzug bei den Weiteren Mängeln. Den erteilten wir auch, wenn Hersteller uns die Asbestfreiheit des von ihnen verwendeten Talkums nicht durch ein entsprechendes Zertifikat nachgewiesen haben.

Fett gedruckt sind Mängel.

Abkürzungen: BVL = Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit; INCI = Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe („Zutatenliste“); MOAH = aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe; BHT = Butylhydroxytoluol; AGES = Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit.

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 126.

Anmerkungen: 1) Der deklarationspflichtige Duftstoff Citral ist deklariert, wurde im Labor aber nicht nachgewiesen. 2) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 3) Weiterer Mangel: fehlende Angabe „nano“ bei Titandioxid in der Liste der Inhaltsstoffe. 4) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 5) Weiterer Mangel: Kein Beleg vorgelegt, dass der für die Herstellung des Produkts verwendete Talkum frei von Asbest ist. 6) Laut Herstellergutachten wurde in chargengleichem Produkt ein geringerer Gehalt an Nickel analysiert, der unter unserer Abwertungsgrenze liegt. 7) Laut Anbietergutachten wurde in chargengleichem Produkt kein Antimon nachgewiesen. Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: eine Überschreitung des vom BVL festgelegten Richtwerts (5 mg/kg) für die technische Vermeidbarkeit von Blei in kosmetischen Produkten der Warengruppe Make-up-Puder in Kombination mit der Überschreitung eines oder beider Richtwerte für Antimon und /oder Arsen (jeweils 0,5 mg/kg). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) eine Überschreitung des vom BVL festgelegten Richtwerts für die technische Vermeidbarkeit von Arsen oder Antimon (beide: 0,5 mg/kg) in kosmetischen Produkten; b) PEG/PEG-Derivate; c) MOAH. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe; b) BHT; c) Propylparaben; d) mehr als 5 mg/kg Nickel. Dies entspricht dem empfohlenen maximalen Gehalt in kosmetischen Mitteln laut dem AGES (2018).

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Silikone (hier: Vinyl Dimethicone/ Methicone Silesquioxane Crosspolymer, Phenyl Trimethicone, Dimethicone, Phenyl Trimethicone und /oder Trimethylsiloxyphenyl Dimethicone), wenn nicht schon wegen Silikonen unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe abgewertet wurde, und/oder synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Ethylene/Acrylic Acid Copolymer, Nylon-12 und/oder Polyethylene). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Umkarton, der kein Glas schützt; b) fehlende Angabe „nano“ bei Titandioxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU-Kosmetik-Verordnung Nr. 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterial, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt; c) PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung; d) kein Beleg/Zertifikat vorgelegt, dass der für die Herstellung des Produkts verwendete Talkum frei von Asbest ist.

Das Gesamtergebnis beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2203.

Einkauf der Testprodukte: November 2021.

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