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Test: Korg Minilogue XD


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 02.05.2019

Die Neuauflage des beliebten polyphonen Analogsynthesizers nähert sich mit digitalem Oszillator und Multieffekt dem Flaggschiff Prologue an.


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Bildquelle: Beat, Ausgabe 6/2019

Zahlreiche Regler und Schalter laden zum direkten Schrauben ein, was sich auch im eingebauten Sequenzer aufzeichnen lässt.


Features

polyphoner Hybrid-Synthesizer
4 Stimmen
37 Minitasten
2 analoge Oszillatoren digitale Multi-Engine
Step-Sequenzer
digitale Effekte
CV-Eingänge

Alternativen

Behringer Deepmind 6
499 Euro www.behringer.de

Roland System-1
425 Euro www.rolandmusik.de

Vor gut drei Jahren präsentierte Korg auf der NAMM mit dem Minilogue einen polyphonen ...

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... Analogsynthesizer, der mit einem Preis von knapp 600 € ein ganzes Stück günstiger als die damalige Konkurrenz war und deshalb für viel Aufsehen sorgte. Mittlerweile gibt es aber auch in diesem Preissegment vor allem mit dem Deepmind von Behringer ernsthafte Konkurrenz. Es wurde also Zeit für eine Überarbeitung des Minilogue, die sich in erster Linie auf die Integration des frei programmierbaren digitalen Oszillators und Multieffekts aus KORG Synthesizer-Flaggschiff Prologue konzentriert.

Äußerlich kaum verändert

Äußerlich gibt es nur wenig Unterschiede zum Vorgänger. Der Minilogue XD kommt im selben kompakten und leichten Aluminiumgehäuse wie das silberne Original bzw. dessen limitierte dunkelgraue Variante PG, diesmal aber in mattschwarzer Lackierung. Mit der angeschrägten Bedienoberfläche und der Rückseite aus braunem Holz gehört er ohne Frage zu den schickeren Synthesizern in der Kompaktklasse. Die gummierten Regler sind geblieben und fassen sich gut an, bieten angenehmen Widerstand und sitzen stabil. Auch die Kippschalter und Taster vermitteln einen soliden Eindruck. Die Tastatur umfasst 37 Minitasten und ist qualitativ im Mittelfeld einzuordnen, die Yamaha Reface Serie oder Arturia Keystep haben diesbezüglich mehr zu bieten. Klassische Keyboarder können sich aber zumindest über den beim alten Minilogue noch arg vermissten Eingang für ein Sustain-Pedal freuen. Klassischen Pitchbender und Modulationsrad werden Sie weiterhin vergeblich suchen. Es gibt aber einen Joystick, der u.a. mit diesen Parametern belegt werden kann. Der Joystick ersetzt den wenig geliebten Slider mit Rückfuhrfeder des Vorgängers.

Neue CV-Eingänge

Auf der Rückseite sind einige Anschlüsse dazu gekommen. Neben dem bereits erwähnten Pedalanschluss und dem Kopfhöreranschluss verfügt der Minilogue XD über einen Stereoausgang, um die eingebauten Stereoeffekte entsprechend abzunehmen. Weggefallen ist dafür leider der Audio-Eingang, um externe Signale durch die Klangerzeugung zu jagen. Das ist schade, da der alte Minilogue dank des eingebauten Sequenzers mit Motion-Record eine veritable Filterbox abgeben kann. Sync-In und -Out dienen der Synchronisation mit analogem Equipment, hinzu gekommen sind zwei CV-Eingänge zur Steuerung des Minilogue XD durch analoges Equipment. Die CV-Eingänge können auf verschiedene Parameter der Klangerzeugung geroutet werden und ermöglichen die Ansteuerung durch einen analogen Step-Sequenzer oder die Ergänzung um eine weitere Hüllkurve oder einen LFO. Wir hätten uns passend dazu auch CV-Ausgänge gewünscht, um mit dem flexiblen Sequenzer des Minilogue XD andere Analog-Synthesizer anzusteuern, hierauf hat Korg aber verzichtet. Das obligatorische MIDI-Pärchen ist ebenso vorhanden wie ein USB-Anschluss, der in Verbindung mit einem Computer auch als MIDI-Interface dient. Die Stromversorgung erfolgt über ein externes Netzteil.

Analoge Klangerzeugung

Die analoge Klangerzeugung des Minilogue XD ist im Kern identisch geblieben und folgt der klassischen subtraktiven Synthese. Der Signalpfad ist analog, Modulation und Steuerspannung werden digital erzeugt. Die Bedienelemente folgen dem Signalverlauf. Zwei identisch aufgebaute Oszillatoren erzeugen wahlweise die Wellenformen Sägezahn, Dreieck oder Rechteck. Wave-Shape regelt nicht nur die Pulsbreite der Rechteckwelle, sondern kann auch die anderen beiden Wellenformen bearbeiten. Oszillator 2 bietet noch zusätzliche Funktionen. Crossmodulation sorgt für lineare FM und die Tonhöhe kann per Hüllkurve moduliert werden. Letzteres sorgt in Verbindung mit dem Sync-Schalter für die typischen schneidenden Sounds, die der Minilogue wirklich gut beherrscht. Auch die Ringmodulation überzeugt.

Digitale Multi-Engine

Neu hinzugekommen ist der dritte Oszillator, aufgrund der verschiedenen Oszillatormodelle Multi-Engine genannt. Die Multi Engine ist im Gegensatz zu den anderen beiden Oszillatoren rein digital aufgebaut. Sie kann nicht nur als Rauschgenerator arbeiten, sondern bietet auch eine auf Phasenmodulation basierte Klangerzeugung, mit ähnlichen Ergebnissen wie die FM-Synthese im DX7. Entsprechend klar und durchsetzungsfähig, aber auch organisch und rund kann die Multi Engine klingen. In Verbindung mit dem analogen Filter lassen sich allein mit dem digitalen Oszillator wunderschöne Pads und Arpeggios erzeugen, aber auch harte und aggressive Attack-Sounds. Die Anwahl und Bearbeitung der verschiedenen Klänge erfolgt über den Shape-Regler und das Menü, die Bezeichnung des gewählten Sounds wird über ein 7-Segmente-Display angezeigt.

Speicher für eigene Oszillatormodelle

Neben Noise und VPM besitzt die Multi Engine auch 16 freie User-Speicherplätze. Über ein von Korg bereitsgestelltes SDK können benutzerdefinierte digitale Oszillatoren für die Multi-Engine erstellt und benutzerdefinierte Effekte zu den vorhandenen Effekten hinzugefügt werden. Diese neu erstellten Oszillatoren und Effekte übertragen Sie per Librarian Software für Mac und Windows an den Minilogue. Mit dem Shape-Regler können dann unterschiedliche Parameter der benutzereigenen Oszillatoren gesteuert werden, weitere Parameter sind über das Menü erreichbar.

Momentan besitzt der Prologue schon einen benutzerdefinierten Sound namens Wave, der einen der 16 verfügbaren Speicherplätze für User-Oszillatoren belegt. Er besteht aus zwei Wavetable Oszillatoren und einer zusätzlichen Subwave, die optional als Ringmodulationsquelle verwendet werden kann. Die Bittiefe der gemischten Ausgabe kann für einen Lo-Fi-Effekt reduziert werden. Drittentwickler haben auch die Oszillatormodelle des Eurorack-Moduls Plaits von Mutable Instruments für Prologue und Minilogue portiert [1], die wir testweise in den Minilogue XD geladen haben. Hierunter befinden sich sehr gut klingende und in verschiedenen Parametern modulierbare Klangerzeuger in unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen wie FM, Wavetable und VA.

12dB-Tiefpassfilter

Im Mixer mischen Sie die drei Oszillatoren zusammen und schicken Sie dann durch das resonanzfähige Tiefpassfilter. Über das Menü lässt sich auch einstellen, dass nur die beiden analogen Oszillatoren gefiltert werden, während die Multi-Engine unbearbeitet zum Verstärker geleitet wird. Eine interessante Option, denn so können Sie warme und satte gefilterte Analogsounds mit den unbearbeiteten klaren und obertonreichen Digitalklängen kombinieren.
Das Filter des Minilogue XD arbeitet ausschließlich als Tiefpass mit 12db Flankensteilheit. Der alte Minilogue besitzt alternativ eine 24dB-Variante, die uns allerdings klanglich ohnehin nicht so wirklich überzeugt hat. Bei einem polyphonen Synthesizer ist die sanftere 12dB-Version durchaus die bessere Wahl, zumal uns in Verbindung mit der schnellen Hüllkurve im Test auch schnappende Bässe und Kicks gelungen sind. Insgesamt scheint Korg bei dem Filter noch leichte Optimierungen vorgenommen zu haben, uns gefiel der Klang etwas besser als im Minilogue. Selbstoszillation ist möglich und erlaubt schöne Sinusklänge oder ordentlich kickende Bassdrums. Mit dem zweistufigen Drive-Parameter sorgen Sie bei Bedarf für mehr Sättigung und Verzerrung. Keytracking, also die Abhängigkeit der Filterfrequenz von der gespielten Tonhöhe, ist ebenfalls nur in zwei Stufen regelbar, hier hätten wir uns eine stufenlose Einstellbarkeit gewünscht.

Modulationsmöglichkeiten

Zur Modulation besitzt der Minilogue XD eine ADSR-Hüllkurven für Verstärker, aber nur eine eingeschränkte AD-Hüllkurve für Filter und/oder Tonhöhe. Dies entspricht dem monophonen Bruder Monologue, der Original-Minilogue bietet wie der Prologue zwei vollständige ADSR-Hüllkurven. Die Hüllkurven können bei Bedarf auch sehr schnell sein, das bei den ersten Minilogue-Versionen störende Knacksen hat Korg in den Griff bekommen.

Unterhalb der Hüllkurven sind die Bedienelemente für den LFO platziert. Der LFO bietet dieselben Wellenformen wie die analogen Oszillatoren. Wir vermissen weiterhin eine Random-Welle, die vor allem für funky Basslines interessant wäre. Auch das spannende Feature des Minilogue, für Wobble-Sounds und Ähnliches die Intensität oder Geschwindigkeit des LFO per Hüllkurve modulieren, ist leider nicht mehr direkt vorhanden. Dafür gibt es jetzt aber den 1-Shot-Modus des Monologue, um den LFO als dritte Hüllkurve zu nutzen. Modulationsziele sind Tonhöhe, Shape und Filterfrequenz, die allerdings nur alternativ anwählbar sind. Zumindest lässt sich beim Minilogue XD aber per Menü auswählen, welcher Oszillator von der Shape-Modulation betroffen sein soll. Eine Delay-Funktion zum verzögerten Einsatz des LFO haben wir vermisst, dies kann vor allem für Strings durchaus hilfreich sein.

In Sachen Modulation ist der Minilogue XD also wie sein Vorgänger spärlich ausgestattet. Wenn Sie den LFO beispielsweise für Vibrato nutzen, ist eine Filter- oder Pulsweitenmodulation nicht mehr möglich. Beim Minilogue XD kann dieses Manko aber mit dem eingebautem Sequenzer ausgeglichen werden, der auch Parameter aufzeichnen kann.

Hochwertige Digitaleffekte

Den Abschluss des Signalpfades bildet die Effektsektion, und hier kann der Minilogue voll punkten. Drei sehr gut klingende Digitaleffekte stehen parallel zur Verfügung und ersetzen das simple Lo-Fi-Delay des Vorgängers. Während die erste Effekteinheit auf Modulationseffekte wie Chorus, Ensemble und Flanger spezialisiert ist, widmet sich die zweite Einheit dem Hall und die dritte den Delay-Effekten, jeweils in verschiedensten Variationen. Damit übertrumpft der Minilogue XD sogar den Prologue mit seinen zwei Paralleleffekten. Jeder Effekt lässt sich per Regler in zwei Parametern anpassen, Geschwindigkeit bzw. Länge sowie Intensität. Die Effekte klingen durch die Bank hervorragend und haben einen wesentlichen Anteil am durchaus beeindruckenden Gesamtklang des Minilogue XD. Und es kommt noch besser: Die Effektsektion des Prologue bietet ebenfalls 16 User Slots für eigene Modulationseffekte sowie 8 User Slots für eigene Reverb- und weitere 8 User Slots für eigene Delay-Effekte, die wie die zusätzlichen Oszillator-Modelle zukünftig über die Librarian Software geladen werden können. Mit den beiden Reglern werden Sie dann auch die Parameter der neuen benutzerdefinierten Effekte steuern können.

Abgespeckte Voice-Modi

Wie vom Minilogue bekannt bietet auch der Minilogue XD verschiedene Voice Modi zum Verteilen der 4 Stimmen, die sich per Taster direkt über die Oberfläche anwählen lassen. Poly ist für polyphones Spiel gedacht. Mit dem Depth-Regler lässt sich ein Duo-Modus aktivieren, der jede Stimme mit regelbarer Lautstärke und Verstimmung für breitere Sounds doppelt. Allerdings halbiert sich hierdurch auch die Anzahl der verfügbaren Stimmen auf zwei. Unisono schichtet alle verfügbaren Stimmen für fette Trance-Leads und ähnliches, Depth regelt die Verstimmung zwischen den einzelnen Voices. Chord zaubert aus einer einzigen gespielten Taste einen kompletten Akkord, mit dem Depth-Regler wählen Sie zwischen verschiedenen Akkordvorgaben aus. Eigene Akkorde lassen sich leider nicht programmieren, hier zeigt sich der Deepmind mit seiner Polychord-Funktion flexibler. Arp schließlich aktiviert einen klassischen Arpeggiator mit verschiedenen Mustern, der auch parallel mit dem Sequenzer genutzt werden kann, was interessante rhythmische Muster erlaubt. Kenner des Minilogue werden gemerkt haben, dass die Voice-Modi Mono, Delay und Sidechain beim XD weggefallen sind. Die letzten beiden haben wir nicht sonderlich vermisst, der Mono-Modus mit seinen zumischbaren Suboszillatoren war für den untenrum nicht übermäßig präsenten Grundklang des Minilogue aber schon eine wichtige Bereicherung.

Polyphoner Step-Sequenzer

Ein Highlight des Minilogue ist der polyphone Lauflicht-Sequenzer, den wir beim großen Prologue schmerzlich vermisst haben. Bis zu 16 Schritte können Sie in Echtzeit oder Step-by-Step eingeben, inklusive Akkorden. Hierfür stehen beim Minilogue auch die passende Anzahl von Tastern zur Verfügung, beim alten Minilogue konnte man immer nur 8 Steps gleichzeitig editieren. Pausen und überlappende Noten sind einstellbar. Dank Motion-Record können Sie auch jede Reglerbewegung und Schalterbetätigung aufzeichnen. Die Werte können abrupt zwischen den einzelnen Schritten wechseln oder fließend („smooth“) modulieren. Bis zu 4 Motion-Sequenzen spielt der Minilogue gleichzeitig ab, die Modulationen werden über das Display auch grafisch angezeigt. Der Minilogue XD beherrscht wie der Monologue auch Parameterlocks im Stile der Elektron-Sequenzer: Wenn Sie eine oder mehrere Steptaster gedrückt halten und dabei beispielsweise den Cutoff-Regler drehen, wird die Filterfrequenz nur für diese Steps der Sequenz moduliert. Weshalb Korg aber nicht auch die Möglichkeit zum Triggern und Transponieren der Sequenz vom Monologue übernommen hat, verstehen wir nicht. Zum Glück lassen sich der Arpeggiator und Step-Sequenzer kombinieren, sodass Sie nicht zwingend auf einen Grundton festgelegt sind.

[1] github.com/peterall/eurorack-prologue/releases

Angemessen präsentiert sich der XD bei den Anschlüssen: USB, DIN-MIDI, CV-In und -Out sowie Kopfhörer, Stereo-Summe und Pedal müssen reichen.


Zusätzliche Optionen

Über das Menü, durch das Sie mithilfe der Taster und des OLED-Displays navigieren, nehmen Sie weitere Einstellungen vor. Das kleine, aber gestochen scharfe und aus allen Winkeln gut ablesbare Display wurde vom Minilogue übernommen. Dank Oszilloskop-Funktion können Sie beim Programmieren direkt sehen, welchen Einfluss z.B. der Shape-Parameter auf die Rechteckwelle hat. Dieses direkte visuelle Feedback ist eine nicht zu unterschätzende Hilfe beim Programmieren eigener Sounds. Gleichzeitig kann das Display auch Name und Wert des gerade benutzten Reglers oder Schalter anzeigen. Ein größeres Display hätte zwar auch nicht geschadet, aber in der Praxis lässt sich mit dem kleinen OLED ganz gut arbeiten. Auf Programmebene stellen Sie beispielsweise Legato ein, belegen Pedal und Joystick mit Parametern Ihrer Wahl und bestimmen die Auswirkung der Anschlagdynamik auf Hüllkurve und Lautstärke. In das Menü wurde auch die Option verbannt, den LFO nur auf einen ausgewählten Oszillator wirken zu lassen. Aber immerhin haben Sie so die Möglichkeit, den Shape oder die Tonhöhe eines Oszillators getrennt per LFO zu modulieren, was beim alten Minilogue nicht möglich ist. Im Menü haben Sie auch Zugriff auf die weiteren Parameter der VPM-Engine. Im globalen Menü lässt sich unter anderem einstellen, ob Reglerbewegungen per MIDI gesendet und empfangen und so in der DAW aufgezeichnet werden können.

Der Minilogue hat wie der Prologue 500 Programmspeicherplätze, die Preset-Programme sind den ersten 200 Speicherplätzen zugewiesen.

Minilogue in der Praxis

Dank der Vielzahl an Bedienelementen ist der Wunschsound schnell programmiert und selbst die Bedienung über die Menüs geht nach kurzer Einarbeitungszeit schnell von der Hand. Der Grundklang der analogen Oszillatoren ähnelt sehr dem alten Minilogue und Prologue. Er ist für unseren Geschmack zu mittenbetont und lässt etwas die analoge Wärme und Fülle vermissen. Zudem fehlen die Obertöne, die anderen Analog-Synthesizern den gewissen edlen Glanz verleihen. Dafür kann man dem Minilogue XD wie auch den anderen Synthesizern aus dieser Korg-Serie einen durchaus eigenständigen Klang mit Wiedererkennungsfaktor bescheinigen, für bestimmte Musikstile wie Cold Wave sind gerade die schneidenden, etwas unterkühlten Sounds nahezu perfekt geeignet. Und beim Minilogue XD gibt es ja auch noch den neuen digitalen Oszillator, dessen Multi-Engine mit durchsetzungsfähigem, lebendigem und obertonreichem Klang eine gute Ergänzung zu den etwas farblosen analogen Oszillatoren bildet. Das Filter ist nicht sonderlich charaktervoll und drückt daher dem Minilogue keinen speziellen Sound auf, wie es beispielsweise das Curtis-Filter der DSI-Synthesizer tut. Dafür bringt es die richtige Prise analoge Wärme und Lebendigkeit in den Klang, vor allem in Verbindung der digitalen Klangerzeugung. Dank der neuen Drive-Funktion lässt es sich auch weiter in die Sättigung fahren.

Durch Wave-Shaping, Ring- und Crossmodulation sowie Sync sind auch abgefahrene, aggressive, raue und metallische Klänge möglich. Polyphon gespielt oder mit einem Flächensound gelayert zeigt sich der Minilogue XD hier sehr flexibel und eigenständig im Klang, mithilfe der hervorragenden Effekte kann er auch richtig teuer klingen.

Alternativen

Als direkte Konkurrenten in dieser Preisklasse kommen vor allem der analoge Behringer Deepmind 6 sowie der auf Rolands Analog Circuit Behaviour-Technologie basierende System-1 in Betracht. Wenn Ihnen ein polyphoner Sequenzer und Parameteraufzeichnung wichtig ist, könnte auch der hybride JD-Xi eine Alternative darstellen.

Der Deepmind bietet den satteren Analogklang und einen umfangreicher editierbaren Multieffekt, dazu noch zwei Stimmen mehr und große Tasten. Auf einen digitalen Oszillator müssen Sie aber verzichten, zudem ist die Bedienung menülastiger. Der System-1 hat dagegen sehr flexible Oszillatorenmodelle, die untere anderem auch obertonreiche FMSounds liefern können. Er kommt zwar in Sachen Design und Haptik nicht an den Minilogue XD heran und verfügt auch über keinen Sequenzer, dafür punktet er mit der Plug-Out-Funktion, die das Nachladen von anderen Synthesizermodellen wie SH-101 oder System100-Nachbauten erlaubt. Beide Konkurrenten sind übrigens aktuell ein gutes Stück günstiger als der Minilogue XD erhältlich.

Fazit

Der Minilogue XD zeigt sich deutlich verbessert gegenüber dem Vorgängermodell. Hierfür ist vor allem der flexible und sehr gut klingende digitale Oszillator verantwortlich, der eine gewinnbringende Ergänzung der analogen Oszillatoren darstellt und das Klangspektrum gegenüber rein analogen Synthesizern deutlich erweitert. Auch die sehr gut klingende Effektsektion mit direktem Zugriff auf die relevanten Parameter ist eine große Bereicherung, ebenso wie der erweiterte Step-Sequenzer mit 16 Tastern und Parameterlock. Der Grundklang ist eigenständig und dabei leicht unterkühlt, was eine gute Alternative zu der Konkurrenz in Form des Behringer Deepmind 6 darstellt.