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Test: Korg Volca Drum


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 06.03.2019

Mit dem Volca Drum präsentiert Korg nach dem analogen Volca Beat und dem sample-basierten Volca Sampler den bisher eigenständigsten Drumcomputer, nicht nur in Bezug auf die Volca-Serie.


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Bildquelle: Beat, Ausgabe 4/2019

Das für Volca-Verhältnisse üppige Display unterstützt mit Grafiken die Einstellung der Sounds und visualisiert den gewählten Resonator-Effekt


Features

Digitaler Drumsynthesizer
6 Instrumente
Analog-Modeling
Resonator-Effekt
Sequenzer mit Accent
und Slice
Gewicht: 370 Gramm

Fakten

Hersteller: Korg
Web:
Bezug: Fachhandel
Preis: 169 Euro

Alternativen

PO-32 + Microtonic
179 Euro

Volca Drum besitzt eine digitale ...

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... Klangerzeugung, die Analog- und Physical- Modeling kombiniert und per DSP sechs Drumsounds gleichzeitig erzeugen kann. Die Technik sitzt im gleichen Plastikgehäuse wie die anderen Volcas, durch das zweifarbige Aluminium-Bedienfeld mit eingraviertem Text und feinen Linien wirkt das Gerät aber äußerlich etwas edler und wertiger als frühere Modelle der Serie. Die Plastikregler entsprechen in Größe und Design der Volca-Serie, ebenso die kleinen Gummitaster. Sie sollten also keine Wunder in Sachen Haptik erwarten.

Dies gilt auch für die bekannte Folientastatur im unteren Bereich, über die Sie die Drumsounds triggern, den Step-Sequenzer programmieren und zusätzliche Funktionen aktivieren. Die Stromversorgung erfolgt mit Batterien oder einem separat zu erwerbenden Netzteil. Auch den eingebauten kleinen Lautsprecher und die Anschlüsse kennt man von der Volca-Serie. Zwei Miniklinkenbuchsen dienen zur Synchronisation mit anderen Volcas oder analogem Equipment, der Kopfhörerausgang muss auch zum Anschluss an Soundkarte oder Mixer herhalten. Ein MIDI-Eingang zum Triggern der Sounds über die DAW oder einen externen Sequenzer ist ebenfalls vorhanden, auf einen MIDI-Ausgang wurde wie üblich verzichtet. Dies ist angesichts des ausgefuchsten Sequenzers des Volca Drum besonders bedauerlich, wahrscheinlich lässt sich ein MIDI-Out aber wie bei anderen Volcas relativ unkompliziert nachträglich einbauen.

Sechs Parts, zwei Layer

Als Besonderheit der Volca-Serie bietet der Volca Drum ein relativ großes und bedingt grafikfähiges Display. Dies ist aufgrund der für einen Drumcomputer erstaunlich komplexen Klangerzeugung äußerst hilfreich. Alle sechs Parts des Volca Drum sind identisch aufgebaut, es gibt also keine Spezialisierung auf einen bestimmten Klangtyp wie Kick, Snare oder HiHat. Über die frei konfigurierbare Choke-Funktion bestimmen Sie, ob sich einzelne Parts gegenseitig abschneiden sollen. Typisches Anwendungsbeispiel hierfür ist die geschlossene und offene Hi-Hat, die bei einem akustischen Schlagzeug ja nicht gleichzeitig erklingen können. Jeder Part besteht aus zwei Layern, die sich getrennt in der Lautstärke regeln lassen. Dies kennt man von alten analogen Drumcomputern, bei denen die Grundsounds wie Kick, Snare und Tom aus einem Oszillator mit Pitch-Modulation für den Klangkörper und einem modulierten Rauschen für den Anschlag und die Transienten zusammengesetzt werden. Beide Layer sind gleich ausgestattet, haben also Zugriff auf alle Klangparameter, sodass sich die vorgenannten Analogsounds problemlos nachbilden lassen. Aber auch fette Unisono-Drumsounds sind damit möglich, denn beide Layer lassen sich auf Wunsch auch gemeinsam editieren.

VA-Klangerzeugung

Jedes Layer basiert auf einem virtuell- analogen Oszillator, der wahlweise eine Sinuswelle, Sägezahnwelle oder drei Rauschvarianten mit Hoch-, Tiefund Bandpassfilter erzeugt und mit dem Pitch-Regler im Grundton angepasst wird. Die Wellenformen können zusätzlich in der Tonhöhe moduliert werden. Hierfür stehen drei Modulatoren zur Auswahl: Eine schnelle Hüllkurve für Kicks und Zaps, eine Sinuswelle für LFO-Modulationen oder eine Random-Wellenform für zufällige Änderungen. Die Pitch-Modulation lässt sich mit zwei Reglern in Modulationsstärke und Geschwindigkeit regeln. Bei hohen Rate-Werten reicht die Geschwindigkeit bis in den hörbaren Audiobereich und erlaubt so auch spannende FM-Sounds, was für Becken und andere metallische Klänge interessant ist. Der nachfolgende Verstärker besitzt eine in Ein- und Abklingzeit regelbare Hüllkurve mit drei wählbaren Kurvenformen. Die Auswahl der Optionen für Oszillator, Modulator und Hüllkurven erfolgt gemeinsam mit nur einem Regler, was bei insgesamt 45 Kombinationsmöglichkeiten nicht besonders schnell und intuitiv ist. Zumindest wird man dabei durch das Display mit entsprechender grafischer Anzeige unterstützt. Mit der eingebauten Random-Funktion können Sie auch ein Layer per Zufallsgenerator erstellen und sich dadurch inspirieren lassen, eigene Klangkreationen lassen sich in 16 Drumkits speichern.

Klanglich folgt der Volca Drum keinem bestimmten Vorbild. Am ehesten lässt sich der Klang mit dem genialen Microtonic von Sonic Charge vergleichen, dessen Sounds dank der Pocket Operatoren von Teenage Engineering mittlerweile auch ohne Computer nutzbar sind.

Resonator & weitere FX

Für mehr Obertöne und Crunch bietet Volca Drum zahlreiche Effekte zur Bearbeitung der Drumsounds. Bitcrusher, Waveshaper und Overdrive sind separat in der Intensität regelbar und können gleichzeitig genutzt werden, um den Klang leicht aufzurauen, kräftig anzufetten oder komplett zu zerstören. Auch zusätzliche Obertöne lassen sich auf diese Weise erzeugen. Schön ist auch die Möglichkeit, jeden der sechs Drumsounds beliebig im Stereo-Panorama verteilen zu können. Als zusätzlichen Effekt bietet der Volca Drum ein Resonator- Modul. Es ist nur einmal vorhanden für alle sechs Sounds vorhanden und als Send-Effekt ausgelegt.

Physical Modeling

Der Waveguide Resonator des Volca Drum basiert auf Physical Modeling und fügt dem Sound mitschwingende Frequenzen hinzu. Es stehen zwei Waveguide-Typen zur Wahl: „Tube“ erzeugt die Resonanz eines zylinderförmigen Objekts, etwa einer Trommel oder langen Röhre, während „Strings“ die metallische Resonanz einer Saite generiert. Mit den drei Reglern in der Mitte des Bedienfelds lässt sich die Abklingzeit im Sinne einer Bedämpfung des resonierenden physikalischen Objekts anpassen (DECAY), BODY dient der Einstellung des Sounds des Klangkörpers und mit TUNE regeln Sie die Tonhöhe, bei niedrigen Werten lässt sich auch eine Art Delay erzeugen. Neben der Nachbildung akustischer Instrumente lässt sich der Resonator auch schön zum Design unkonventioneller Sounds nutzen.

Guter Sequenzer

Nicht nur bei der Klangerzeugung, sondern auch beim Sequenzer geht Volca Drum über die Möglichkeiten der anderen Volcas hinaus. Es handelt sich im Grundprinzip um den typischen Volca-Sequenzer mit bis zu 16 Schritten, die den 16 Folientastern entsprechen. Alle Taster besitzen eingebaute rote LEDs, die dabei als Lauflicht dienen. Einspielen können Sie Ihre Grooves in Echtzeit, oder Sie nutzen die 16 Taster zum Setzen einzelner Steps. Der Sequenzer verfügt über sechs Spuren (je eine Spur je Drumsound). 16 Pattern lassen sich speichern und per Pattern-Chain verknüpfen, was insgesamt 256 Steps ergibt.

Das Volca-typische Motion-Record, die Aufnahme von Reglerbewegungen im Pattern, besitzt auch der Volca Drum. Als Erweiterung des Konzepts lassen sich Parameteränderungen auch nur für einzelne Steps setzen (Parameter-Lock), was vor allem für das Programmieren tonaler Sequenzen durch Automation des Pitch-Reglers interessant ist. Denn ein direktes chromatisches Spielen einzelner Sounds ist nicht möglich, was durchaus bedauerlich ist, da sich mit der Klangerzeugung auch knackige Bässe und schneidende Leads erzeugen lassen.

Polyrhythmen & Live-Features

Bis zu 69 Parameter lassen sich auf diese Weise automatisieren, was äußerst lebendige Pattern erlaubt. Die roten LEDs in den transparenten Reglern geben dabei visuelles Feedback und lassen auf Anhieb erkennen, welcher Parameter automatisiert wird. Active Step kennt man ebenfalls von den anderen Volcas, hiermit können Sie einzelne Spuren verkürzen oder Steps überspringen und so beispielsweise die Hi-Hat bei jedem Durchlauf rhythmisch variieren oder komplexe Polyrhythmen erzeugen. Interessant für die Live-Performance ist Stepjump, hiermit springen Sie bei der Wiedergabe direkt zu einem beliebigen Step der Sequenz und können diesen auch retriggern. Regelbarer Swing ist natürlich auch an Bord.

Probability & Zufall

Der Sequenzer des Volca Drum bietet aber noch weitere Schmankerl. Jede Spur verfügt über eine Accent-Funktion zur Betonung einzelner Steps. Im Gegensatz zu klassischen Drumcomputern ist sie nicht auf zwei Dynamikstufen begrenzt, sondern je Step ist eine 16-fache Abstufung einstellbar. Dadurch lassen sich sehr dynamische Grooves programmieren. Ebenfalls neu in der Volca-Serie ist Slice. Hiermit erstellen Sie auf einem oder mehreren Steps schnelle Wiederholungen und erzeugen so schnell und unkompliziert Drumrolls. Ähnlich der Ratchet-Funktion analoger Step-Sequenzer lässt sich die Anzahl und damit auch die Geschwindigkeit der Wiederholungen je Step anpassen, neben lebendigen Hi-Hat-Figuren und Snare-Rolls sind bei extremeren Werten auch Glitch-Sounds umsetzbar. Bei der Probability-Funktion zeigt sich Korg ebenso wie bei den oben angesprochenen Parameter- Locks von aktuellen Elektron-Geräten inspiriert. Für jeden Step lässt sich eine Wahrscheinlichkeit von 1 bis 99 Prozent einstellen, dass der Step bei einem Durchlauf des Pattern erklingt. So werden automatisch zufällige Variationen des Pattern bei jedem neuen Takt erzeugt.

Probability, Slice und Accent stehen individuell regelbar für jeden einzelnen Step jeder einzelnen Drumspur zur Verfügung. Es lässt sich unschwer erahnen, welch komplexen Drumgrooves sich damit programmieren lassen, in Verbindung mit Active Step und Motion-Record zeigt sich der Sequenzer des Volca Drum als wahre Spielwiese für experimentierfreudige Produzenten. Um der Kreativität noch weiter auf die Sprünge zu helfen, bietet der Volca Drum auch für den Sequenzer einen Zufallsgenerator, um Steps, Slices, Accents und Active-Step zufällig zu variieren.

Fazit

Korg setzt beim Volca Drum auf digitale Technik und ermöglicht damit einen von der Volca-Serie bisher nicht bekannten Funktionsumfang. Die Klangerzeugung zeigte sich im Test sehr flexibel, von druckvollen Kicks über schnelle Zocks und Noise-Snares bis hin zu schneidenden HiHats sind alle Spielarten elektronischer Drumsounds überzeugend umsetzbar und tönen durchsetzungsfähig und transparent aus den Lautsprechern. Aufgrund der Modulationen bis hin in den Audiobereich und der Waveshaping- und Resonator-Effekte sind auch eigenständige und experimentelle Klänge möglich. Der Sequenzer erlaubt mit mehrstufiger Accent- und Slice-Funktion für jeden einzelnen Step sowie Motion-Record für alle Parameter dynamische und rhythmisch komplexe Grooves und besitzt mit programmierbarer Probability und Parameter-Locks schon fast Elektron-Niveau.