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TEST Kosmetiktücher


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ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 07.04.2022
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RATGEBER

1 Tücher aus Recyclingpapier sind die bessere Wahl. Sie schonen die Ressourcen.

2 Die Label Blauer Engel und FSC Recycled stehen für Produkte, die ausschließlich Recyclingmaterial enthalten. Die Zertifikate FSC 100 % und FSC Mix hingegen sagen nur etwas über die Herkunft des Holzes aus.

3 Statt Einweg Mehrweg: Als papierfreie Alternativen eignen sich für kleine Rotznasen auch waschbare Tücher aus Stoff.

Eine Schachtel Tücher ist für vieles gut. Kosmetiktücher eignen sich zum Tränentrocknen, Naseputzen und zum Schnuteabwischen. Doch welche dürfen es sein? Sind Recyclingtücher genauso gut wie Produkte aus frischen Fasern? Wie schnell zerreißen die dünnen Tücher? Wie saugfähig sind sie? Und: Sind sie mit Schadstoffen belastet? Das wollte ÖKO-TEST wissen und hat 20 Produkte in die Labore geschickt. Wir haben sie auf ihre Inhaltsstoffe und Praxistauglichkeit prüfen lassen. Insgesamt sind wir ...

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... zufrieden: Ein knappes Drittel der Produkte können wir mit „sehr gut“ und „gut“ empfehlen. Der Rest ist „befriedigend“.

Nur wenige Recyclingprodukte

Nur 6 von 20 Produkten sind aus Recyclingfasern – aus Umweltsicht ist das bedauerlich. Im Hinblick auf Ressourcenverbrauch, Abwasserbelastung, Wasser-und Energieverbrauch schneidet Recyclingpapier wesentlich günstiger ab als Produkte aus Primärfasern, also frisch gewonnenen Fasern. Das Umweltbundesamt nennt dazu folgende Vergleichszahlen: Energieeinsparung etwa 50 Prozent, Wassereinsparung rund 67 Prozent, Holzeinsparung von bis zu 2,4 Kilogramm pro Kilogramm Papier.

Kosmetiktücher landen nach Gebrauch als Schminkhilfe, Taschentuch oder Serviette im Restmüll. Damit verschwindet ihr Papier aus dem Recyclingkreislauf. Schon allein deshalb ist in die Verwendung von Primärfasern in solchen Wegwerfprodukten eine Umweltsünde.

ÖKO-TEST bewertet hier streng: Ist die Herkunft eines Produkts nicht zu 100 Prozent aus Altpapier, werten wir das unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe um zwei Noten ab.

Auch Recyclingpapier ist reißfest

Die Tücher sind zwar weich und dünn, jedoch erstaunlich reißfest und saugfähig, wie unser Praxistest zeigt. Unter dem Prüfpunkt Saugfähigkeit erzielten alle Produkte „gute“ bis „sehr gute“ Ergebnisse. Auch in der Reißfestigkeit und Stabilität im Gebrauch gab es überwiegend Bestnoten –von einigen wenigen „befriedigenden“ Ergebnissen abgesehen.

Im Labor mussten die Tester übrigens keine Tücher mit den Händen zerreißen. Die Prüfungen liefen maschinell nach standardisierten Verfahren, wozu die Labormitarbeiter die Proben in spezielle Vorrichtungen einspannten. Bei der Prüfung der Festigkeit durchstößt eine Kugel von 16 Millimeter Durchmesser die Tücher. Um die Saugfähigkeit zu ermitteln, senkten die Mitarbeiter die Tücher im Drahtkorb in einen Wasserbehälter, maßen mit einer Stoppuhr die Zeit bis zum vollständigen Durchfeuchten und wogen ab, wie viel Flüssigkeit das Material fassen kann.

WISSEN

Sauberes Recycling

Bedenken zur Sicherheit sind unbegründet

Recyclinghygienepapier ist nicht stärker mit Schadstoffen belastet, nur weil dafür Fasern aus bereits gebrauchtem Papier verwendet werden. Die Anforderungen für die Wiederaufbereitung sind hoch.

Strenge Empfehlung für Papiere

Das Umweltbundesamt schreibt dazu: „Die Papiere und die eingesetzten chemischen Zusätze entsprechen der Empfehlung Papiere, Kartons und Pappen für den Lebensmittelkontakt des Bundesinstituts für Risikobewertung. Farbmittel, die Schwermetalle wie Quecksilber, Blei, Cadmium oder Chrom(VI) enthalten, sind ebenso verboten wie Stoffe, die als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind.“

Auf Blauen Engel achten

Laut UBA gelten für Hygienepapier mit dem Blauen Engel schärfere Maßstäbe als für Hygienepapiere aus Primärfasern.

Recyclingpapier steht im Ruf, es zerreiße schneller als neues Papier. Unser Praxistest zeigt: Recyclingpapier ist stabil. In puncto Reiß-und Durchstoßfestigkeit schnitten die Recyclingprodukte genauso gut ab wie Frischfasertücher. Auch die vier zweilagigen Produkte im Test schlugen sich so gut wie die dreilagigen. Je weniger Lagen das Papier hat, desto mehr Ressourcen schont es.

„Recyclingprodukte sind so stabil und unbelastet mit Schadstoffen wie Tücher aus frischen Fasern.“

Lisa-Marie Karl ÖKO-TEST-Redakteurin

Holz aus der ganzen Welt

Brasilien, Uruguay, Kanada, Russland, Schweden, Spanien: Das Holz für die Primärfasern stammt größtenteils von sehr weit her. Sehr häufig aus Südamerika, in den seltensten Fällen aus Deutschland und Mitteleuropa. Auch das ist ein Argument für Recyclingpapier: Hier stammen die Fasern aus der Wertstoffsammlung, vorwiegend aus Deutschland und den benachbarten Beneluxländern. Selbst wenn das Holz darin ursprünglich auch einmal von weit herkam: Im Recyclingpapier durchläuft es einen zweiten oder weiteren Zyklus. Machten die Anbieter uns gegenüber keinerlei Angaben zur Herkunft der Hölzer und anderen Ausgangsmaterialien, zogen wir eine Note unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe ab.

Wenig problematische Inhaltsstoffe

Wir haben die Tücher auf ein großes Spektrum an umstrittenen Inhaltsstoffen prüfen lassen. Insgesamt haben die Labore wenig beanstandet. Allerdings: In sechs Produkten stecken halogenorganische Verbindungen (AOX) in Mengen, die ÖKO-TEST abwertet. Sie können als Rückstände aus der Chlorbleiche in das Papier gelangt sein. In unserem jüngsten Test von Toilettenpapier im August 2020 waren besonders häufig Recyclingprodukte davon betroffen, in denen die Verbindungen aus dem Altpapier stammen können. Das ist diesmal nicht der Fall. In den sechs Recyclingtüchern wurden lediglich geringe Spuren an AOX nachgewiesen. Ein Grund mehr, zu Kosmetiktüchern aus Recyclingfasern zu greifen.

Fett gedruckt sind Mängel.

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 128.

Anmerkungen: 1) Laut Anbieter wurde der Artikel inzwischen durch die Verbundmarke Favora ersetzt. 2) Laut Anbieter wird der Artikel jetzt auch bei Budni vertrieben . 3) Laut Anbieter wird der Artikel derzeit überarbeitet und das Plastik im Entnahmebereich entfernt. Die neuen Artikel sollen Mitte/Ende des Jahres einfließen. 4) Laut Anbieter wird die Anzahl der Tücher pro Packung von 80 auf 72 Tücher verringert.

Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: Produkt besteht nicht zu 100 Prozent aus Altpapier. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 mg/kg halogenorganische Verbindungen; b) keine vollständige Angabe zur Herkunft des Materials. In das Testergebnis Praxisprüfung gehen zu je 30 Prozent die Reißfestigkeit und die Festigkeit im Gebrauch und zu 40 Prozent die Saugfähigkeit ein. Die Ergebnisse werden kaufmännisch gerundet. 1. Reißfestigkeit: sehr reißfest = sehr gut; reißfest = gut; noch reißfest = befriedigend. In die Reißfestigkeit gehen zu 50 Prozent die Bruchkraft längs und zu 50 Prozent die Bruchkraft quer ein: Bruchkraft längs in N: > 19,5 = sehr gut; 13 bis 19,5 = gut; 10 bis < 13 = befriedigend. Bruchkraft quer in N: > 10 = sehr gut; 6 bis 10 = gut; 4 bis < 6 = befriedigend.

2. Die Festigkeit im Gebrauch beruht auf der Durchstoßfestigkeit in N: > 5 (sehr stabil) = sehr gut; 3 bis 5 (stabil) = gut; 2,5 bis < 3 (noch stabil) = befriedigend. 3. Saugfähigkeit: sehr saugfähig = sehr gut; saugfähig = gut. In die Saugfähigkeit gehen zu 60 Prozent die Wasseraufnahmekapazität und zu 40 Prozent die Absinkdauer ein: Wasseraufnahmekapazität in g/g: > 8,5 = sehr gut; 7 bis 8,5 = gut. Absinkdauer in s: < 2 = sehr gut; 2 bis 4 = gut. Das Gesamturteil beruht zu 60 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 40 Prozent auf dem Testergebnis Praxisprüfung. Es wird kaufmännisch gerundet.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/T2204

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 9/2021 und Jahrbuch Kinder & Familie für 2022. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

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