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TEST Krabbelschuhe: Schlecht gelaufen


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2013 vom 27.09.2013

Schuhe sind echte Schadstoffschleudern. Das gilt leider auch schon für die Modelle der Allerkleinsten. Vier der 14 Modelle im Test überschreiten gesetzliche Grenzwerte. Aber kleine Krabbler haben einen großen Vorteil: Meistens geht es auch ohne.


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Foto: istockphoto/©Thinkstock

Wenn es an die ersten Schuhe geht, ist bei Eltern, Patentanten, Omas und Opas vor allem eines gefragt: Geduld. Denn so niedlich kleine Turnschuhe und Lederschläppchen sind, gebraucht werden sie nicht. Erst wenn der Nachwuchs schon so standfest ist, dass er auch draußen erste Schritte machen kann, werden Schuhe fällig – dann aber ...

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... richtige.

Ärzte und Orthopäden werden nicht müde, es zu wiederholen: Für Kinderfüße ist Barfusslaufen das Allerbeste, je mehr Freiheit sie in den ersten Monaten und Jahren haben, desto besser. Die Kinder lernen so, den Fuß richtig abzurollen, die Muskulatur wird dort gestärkt, wo sie gebraucht wird. Aus einem weichen, speckigen Füßchen kann sich so langsam ein richtig strapazierfähiger Fuß entwickeln.


Barfusslaufen ist für die Kleinen das Allerbeste


Auch für die Entwicklung der Feinmotorik ist der direkte Kontakt zum Boden immens wichtig. Klar: Auf rutschigen Fliesen oder im Winter geht es nun mal nicht ohne Überzieher. Hier genügen eigentlich Anti-Rutsch-Socken. Doch der Trend geht zum schicken Lederschläppchen mit griffiger Wildledersohle. Leider ist Leder lange nicht so natürlich und schadstoffarm, wie viele Eltern denken. Denn in der Regel haben die samtweichen und knallbunten Leder eine heftige Behandlung hinter sich. Durch das Gerben mit Chrom etwa kann krebserregendes Chrom VI eingebracht werden. So kommt es immer mal wieder vor, dass die Behörden Krabbelschuhe aus dem Verkehr ziehen müssen, weil der Grenzwert überschritten ist. Im August traf es Modelle von Sterntaler und Maximo.

Sind Krabbelschuhe aus pflanzengegerbtem Leder womöglich die bessere Alternative? Wie steht es um die Schadstoffbelastung von Schuhen aus Synthetik und Textil? Wir wollten’s wissen und haben 14 Modelle ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

■ Mehr Chrom VI, Phthalate und Cadmium als der Gesetzgeber erlaubt! Die Krabbelschuhe von Playshoes und Sterntaler überschreiten den gesetzlichen Grenzwert für krebserregendes Chrom VI. DerInch Blue Apple und derConverse First Star enthalten mehr Phthalate, als der Gesetzgeber in Kinder- und Babyprodukten erlaubt. Und dann kommt noch die Verpackung derPlayshoes Marienkäfer-Schuhe dazu, die zuviel Cadmium enthält. Einziger Lichtblick: das ModellAlana Ecopell Blüte orange/terra, bei dem nur eines stört: Es färbt recht stark ab.
■ Chrom VI und kein Ende. Die meisten Lederschläppchen im Test wurden mit Chrom gegerbt. In der Regel kommen hier Chrom-III-Salze zum Einsatz. Diese können Chrom VI als Verunreinigung enthalten - es ist aber auch möglich, dass die krebserregende Substanz erst während der Verarbeitung entsteht. Der Gesetzgeber versteht hier keinen Spaß. Chrom VI ist in Lederprodukten verboten. Dennoch enthalten sechs von zehn Lederschläppchen im Test Gehalte, die wir abwerten. Bei Pololo und Dm (Alana) wird beim Gerben von vornherein auf Chrom verzichtet, die Hersteller arbeiten mit pflanzlichen Alternativen. Dass am Ende auch der Pololo-Schuh durchfällt, liegt vor allem am Anilin, das über das Färben in den Schuh gelangt ist. Anilin ist bei Naturleder nicht tabu. Doch es handelt sich hier um einen Farbstoffbestandteil, der unter Krebsverdacht steht, weswegen wir streng abwerten.
■ Lederfreie Schläppchen sind auch nicht besser. Vier Krabbelschuhe im Test bestehen aus Textil und Synthetik. Doch auch diese Modelle von Toys „R“ Us, Converse, H&M und KiK schneiden mit „ungenügend“ ab, weil jeder von ihnen einen individuellen Schadstoffmix enthält - etwa giftiges Dioktylzinn, das inConverse First Star nachgewiesen wurde, oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die in den anderen drei Modellen stecken.
■ Phthalate über Grenzwert. DieInch Blue Apple ziert ein pink getupfter Apfel. Er enthält mehr DEHP, als der Gesetzgeber in Babyprodukten erlaubt. In denConverse First Star wies das Labor das Phthalat DINP nach, das in Babyartikeln, die in den Mund genommen werden können, verboten ist. Nun werden Krabbelschuhe nicht im engeren Sinn zu den Babyartikeln gezählt, erklärte uns dazu das Landesuntersuchungsamt Sachsen. Aber es sei allgemein bekannt, dass Babys beliebige Gegenstände in den Mund nehmen. Und nach dem Produktsicherheitsgesetz dürften nur Produkte auf dem Markt bereitgestellt werden, wenn sie bei vorhersehbarer Verwendung die Sicherheit und Gesundheit von Personen nicht gefährden. Im Klartext: Krabbelschuhe wandern im normalen Babyalltag auch mal in den Mund. Dementsprechend sollten auch sie die Anforderungen, die für Babyprodukte festgelegt wurden, einhalten.
■ Da löst sich was! Bei vielen Schläppchen löst sich schnell Farbe. Die Hersteller der pflanzlich gegerbten Modelle wissen um dieses Problem. Ein Abfärben könne man nur durch die Behandlung mit starker Chemie vermeiden, erklärt Franziska Kuntze von der Firma Pololo. Darauf wird verzichtet. Stattdessen enthalten die Schuhe von Pololo und Dm einen Hinweis, dass man mit dem Abfärben rechnen muss.
■ Cadmium in der Verpackung. Cadmium ist ein hochgiftiges Schwermetall, wird aber gerne in Kunststoffen als Stabilisator eingesetzt - so auch in den Taschen, in denen die Krabbelschuhe von Aapie und Playshoes geliefert werden. Playshoes knackt sogar den Grenzwert, der seit 2012 gilt: mehr als 0,01 Prozent Cadmium sind seitdem in Kunststoffen verboten.

So reagierten die Hersteller

■ Playshoes stoppte die Auslieferung ihresMarienkäfer-Schuhs. Firmenchef Kai Schreyeck legte uns Gutachten vor, wonach in den Schühchen nach Alterungstests kein Chrom VI nachweisbar war. Die Schuhe, die wir testen ließen, enthalten hingegen deutlich erhöhte Chrom-VI-Gehalte. Das muss kein Widerspruch sein. Je nachdem, wie die Tierhaut gegerbt, das Rohmaterial und die fertigen Schuhe gelagert wurden, kann sich auch später noch Chrom VI bilden. Alterungstests si mulieren dies - eine Garantie, dass nicht doch noch Chrom VI entsteht, sind sie nicht. Da hilft nur eins: pflanzlich gerben.
■ H&M hat die grauen Jersey-Schuhe aus dem Verkauf genommen - der Schuh halte die hausinternen Regularien, was chlorierte Verbindungen angehe, nicht ein. Auch KiK verkauft dieOkay BabySchuhe nicht mehr. Auch wenn man betont, dass der Schuh keine gesetzlichen Grenzwerte überschreite. Aber: „Sicherheit und Zufriedenheit unserer Kunden steht für uns an erster Stelle.“

ÖKO-TEST rät

► Eine gute Alternative zu Krabbelschuhen sind Stoppersocken. Da herkömmliche Noppen häufig Phthalatweichmacher enthalten, besser zu Modellen mit Silikonnoppen greifen.
► Kinder, bei denen es nicht ohne Krabbelschuhe geht, sollten auf jeden Fall Söckchen in den Schuhen tragen.
► Manche Schuhe werden in schicken PVC-Täschchen geliefert. Auch wenn die Kinder drauf stehen: Die Taschen haben nichts im Kinderzimmer verloren – zwei der Modelle in unserem Test enthielten hohe Cadmiumgehalte.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Krabbelschuhe mit extraweichen Sohlen gibt’s nicht nur in Babyfachgeschäften und Onlineshops, sondern auch in Drogeriemärkten, bei H&M und KiK. Dort haben wir eingekauft – zehn Lederschläppchen und vier Modelle aus Kunstleder oder Textil.

Die Inhaltsstoffe
Um aus Tierhäuten robustes Leder herzustellen, muss gegerbt und konserviert werden. Ein altbekanntes Problem bei der Gerbung mit Chrom ist die Belastung mit krebserregendem Chrom VI. Auch Formaldehyd kann über die Gerbung in die Leder gelangen. Zur Konservierung werden häufig hautreizende Chlorkresole oder Isothiazolinone, die nicht selten Allergien auslösen, eingesetzt. Bei lederfreien Babyschuhen sind die Probleme etwas anders gelagert: In den Sohlen und im Kunstleder können sich beispielsweise Weichmacher und Stabilisatoren wie zinnorganische Verbindungen verbergen. Ob Leder oder sonstige Materialien: polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die bei der Verbrennung organischen Materials entstehen, sind in allen Materialien ein Problem. Meist sind die Babyschläppchen auch knallbunt eingefärbt, eine mögliche Quelle für problematische Farbstoffe wie Azofarben, al lergisierende Dispersionsfarben und halogenorganische Verbindungen.

Die Materialeigenschaften
Babys sind gelenkig und nehmen alles in den Mund, was sie erreichen können. Und sie haben gerne mal Schweißfüßchen. Wir ließen prüfen, wie speichelund schweißecht die bunten Schuhe sind.

Die Weiteren Mängel
Manche Krabbelschuhe stecken in einer schicken, festen Kunststofftasche. Wir ließen prüfen, ob diese aus PVC oder PV-Cähnlichem Kunststoff besteht. War das Ergebnis positiv, ließen wir untersuchen, ob hier Cadmium als Stabilisator zum Einsatz kommt – ein giftiges Schwermetall, das seit 2012 in einer Vielzahl von Kunststoffprodukten verboten ist.

Knallbunte Schuhe, knallbunte Füßchen? Das Labor prüfte, was sich unter Einfluss von Speichel und Schweiß so aus den Schuhen löst. Und es ist viel.


Fotos: Labor

Die Bewertung
Damit das Lederschläppchen den Kindern nicht unter den Füßen wegschimmelt, muss es ordentlich gegerbt und konserviert werden. Das geht nicht ganz ohne Chemie – der große Nachteil am Naturprodukt Leder. Synthetische Materialien und Textilien sind hier deutlich im Vorteil. Wir verlangen von Leder, was es bei umweltund gesundheitsbewusster Behandlung realistischerweise auch erreichen kann. Wenn es um problematische Färbemittel geht, etwa Anilin, sind wir aber bei allen eingesetzten Materialien gleich streng.