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TEST KRÄUTERTEE: DREI TEES MIT DER BESTNOTE


ÖKO-TEST Jahrbuch - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 17.10.2019

Besonders enttäuscht hat der Tee vom Bremer Teehandelskontor: Er ist teuer und stark mit Pestiziden belastet. Günstig und gut sind die konventionellen Produkte von Aldi Süd, Lidl, Penny und Kaufland.


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Foto: gradyreese/getty images

Echte Kräuterteemischungen ohne zugesetzte Aromen liegen im Trend. Wir haben 23 Produkte aus dem konventionellen und ökologischen Anbau auf problematische Inhaltsstoffe prüfen lassen und die Hersteller befragt, was sie tun, um akzeptable Arbeitsbedingungen in den Ernteländern sicherzustellen.
Die gute Nachricht zuerst: Giftige Pflanzenstoffe sind in den Kräutertees in diesem ...

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... Test kein Thema. In bisherigen Tests waren sie häufig ein Problem. 13 Produkte weisen überhaupt keine dieser Stoffe auf und die anderen sind nur sehr gering belastet. Pyrrolizidinalkaloide – kurz PA – können die Leber schädigen und gelten als erbgutschädigend und krebsauslösend. Grenzwerte gibt es nicht, jedoch eine sogenannte maximale Aufnahmemenge. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat diese kürzlich überarbeitet. Bezogen auf diese Menge liegen alle PAGehalte im Spurenbereich. Die Produkte von Bünting und Holzapfel kassieren dafür am meisten Notenabzüge. Besonders negativ fällt der Teehandelskontor Bremen Kräutertee Kräutermond (Holzapfel) auf. Zwei der gefundenen Spritzgifte sind besonders bedenklich: Carbendazim gilt als schädlich für die Fruchtbarkeit und Chlorpyrifos ist stark bienengiftig. Auch krebsverdächtiges Anthrachinon fand das Labor in diesem Tee in einer größeren Menge. Dieser Stoff, der früher als Pestizid erlaubt war, gelangt heute vermutlich während der Trocknung oder umweltbedingt in Teeprodukte. Auch Bio kann mit Pestiziden belastet sein. Oft handelt es sich nur um Spuren. Nicht so bei Alnatura und Sonnentor. Ihre Tees schneiden sogar schlechter ab als viele konventionelle. Kann das noch Bio sein? Ja. Denn die Regeln des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren halten beide Produkte ein.

ÖKO-TEST RÄT

► Kräutertee sollte möglichst unbelastet und verantwortungsvoll produziert sein. Das erfüllen zwei Bio-Tees und das konventionelle Produkt von Aldi Süd am besten.
► Trotz der guten Ergebnisse hinsichtlich der Belastung mit Pflanzengiften empfehlen wir Kindern, Schwangeren und Stillenden, vorsichtshalber nicht ausschließlich Kräutertee zu trinken und die Sorten zu wechseln.

Aus aller Welt. Kräuterteemischungen bestehen aus vielen Zutaten. Fünf bis zwölf verschiedene Kräuter haben wir in den Testprodukten gezählt. Fastimmer sind dabei: Pfefferminze, Melisse und Zitronengras. Seltener enthalten: Zutaten wie Grünhafer, Silberlindenblüten oder Sonnenhutkraut. Die Zutaten kommen meist von vielen Produzenten.
Faire Arbeitsbedingungen? Anders als Tee, der meist auf großen Plantagen wächst, kommen die Kräuter für unsere Kräutertees oftmals aus weit verstreut liegenden kleinbäuerlichen Betrieben. Manche Pflanzen stammen auch aus Wildsammlung. Zugleich liegen die Marktpreise häufig unter den Produktionskosten. Für die Menschen bedeutet dies, dass sie und ihre Familien von dem Anbau kaum leben können. Die großen Teefirmen müssen sich daher dafür einsetzen, dass die Produzenten zumindest gesetzliche Mindestlöhne erhalten und grundlegende Arbeitnehmerrechte, wie sie in den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verankert sind, zum Alltag gehören. Elementar sind darüber hinaus langfristige Handelsbeziehungen. Nur so haben Kleinbauern Planungssicherheit und können sich finanziell stabilisieren. Zertifizierungsstandards wie Fairtrade, Fairwild, Naturland oder UTZ tragen daher auch im Kräuterteeanbau zu Verbesserungen der Lebensund Arbeitsbedingungen bei.
Blumige Versprechen reichen uns nicht. Immerhin: Auf unsere Fragen nach Kernarbeitsnormen und Mindestlöhnen haben alle Anbieter geantwortet. Etliche von ihnen verweisen jedoch lediglich auf einen Lieferantenkodex und legen keine unabhängigen, produktbezogenen Nachweise vor. Das ist zu wenig, das werten wir als fehlenden Nachweis.
Es geht auch anders. Die aussagekräftigsten Belege erhielten wir zu den Produkten von Lebensbaum, Aldi, Lidl und Meßmer. Dabei zeigte sich, dass vielfältige Lieferantenbeziehungen und Transparenz sich nicht ausschließen müssen: Aldi Nord etwa schickte für den Gut Bio Kräuter-Tee Zertifikate von 25 Produzenten aus elf Ländern. Aldi Süd, Lidl und Meßmer ließen die Testcharge bis in den Ursprung extern überprüfen. Danach enthält der Westcliff Kräuter-Genuss 84 Prozent zertifizierte Zutaten, im Meßmer 6-Kräuter-Mischung stecken 52 Prozent und im Lord Nelson 6 Kräuter knapp 50 Prozent (49,77 Prozent).

Anmerkungen: 1) Ein Pestizid erhöht, fünf Pestizide in Spuren. Bei einer der angegebenen Pestizidspuren handelt es sich um den Wirkverstärker Piperonylbutoxid. Arbeitsbedingungen und Transparenz: Kein Nachweis bezüglich Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen, zu Mindestlöhnen sowie langfristigen Lieferantenbeziehungen. 2) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 3) Arbeitsbedingungen und Transparenz: Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen und zu Mindestlöhnen teilweise belegt. Das Produkt ist mit dem UTZ-Label 30 % gekennzeichnet. 4) Zwei Pestizide erhöht, sechs Pestizide in Spuren. Arbeitsbedingungen und Transparenz: Keine konkrete Angabe zur Herkunft der Teezutaten, Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen und zu Mindestlöhnen teilweise belegt. Das Produkt ist mit dem UTZ-Label 30 % gekennzeichnet. Laut Anbietergutachten wurde nur ein Pestizid nachgewiesen. 5) Arbeitsbedingungen und Transparenz: Kein Nachweis bezüglich Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen und zu Mindestlöhnen. Laut Anbieter wird das Produkt ausgelistet. 6) Arbeitsbedingungen und Transparenz: Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen und zu Mindestlöhnen überwiegend belegt. 7) Ein Pestizid erhöht, es handelt sich um das im Bio-Anbau erlaubte Spritzmittel Spinosad. Arbeitsbedingungen und Transparenz: Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen und zu Mindestlöhnen teilweise belegt. Der Anbieter legte ein Zertifikat über ein Lieferkettenmanagement vor, ohne einen konkreten Bezug zu den einzelnen Zutaten des Produkts herzustellen. 8) Arbeitsbedingungen und Transparenz: Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen und zu Mindestlöhnen überwiegend belegt. Das Produkt ist mit dem UTZLabel 50 % gekennzeichnet. 9) Zwei Pestizide erhöht, fünf Pestizide in Spuren. Arbeitsbedingungen und Transparenz: Keine konkrete Angabe zur Herkunft der Teezutaten, Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen und zu Mindestlöhnen teilweise belegt. Das Produkt ist mit dem UTZ-Label 30 % gekennzeichnet. 10) Arbeitsbedingungen und Transparenz: Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen und zu Mindestlöhnen teilweise belegt. 11) Arbeitsbedingungen und Transparenz: Kein Nachweis bezüglich Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen, zu Mindestlöhnen sowie langfristigen Lieferantenbeziehungen. 12) Zwei Pestizide erhöht. Arbeitsbedingungen und Transparenz: Kein Nachweis bezüglich Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen, zu Mindestlöhnen sowie langfristigen Lieferantenbeziehungen. 13) Ein Pestizid erhöht. Arbeitsbedingungen und Transparenz: Regelungen zu ILOKernarbeitsnormen und zu Mindestlöhnen überwiegend belegt. 14) Zwei Pestizide erhöht. Arbeitsbedingungen und Transparenz: Regelungen zu ILOKernarbeitsnormen und zu Mindestlöhnen teilweise belegt. 15) Vier Pestizide erhöht. Arbeitsbedingungen und Transparenz: Keine Angabe zur Herkunft der Teezutaten, kein Nachweis bezüglich Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen, zu Mindestlöhnen sowie langfristigen Lieferantenbeziehungen. 16) Ein Pestizid stark erhöht, zwei Pestizide erhöht, darunter zwei besonders bedenkliche Pestizide; Antrochinon stark erhöht. Keine Angabe zur Herkunft der Teezutaten, kein Nachweis bezüglich Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen, zu Mindestlöhnen sowie langfristigen Lieferantenbeziehungen.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein stark erhöhter Gehalt an Anthrachinon, der mehr als 50 Prozent der gesetzlichen Rückstandshöchstmenge von 0,02 mg erreicht; b) ein stark erhöhter Gehalt eines Pestizids, der mehr als 50 Prozent der gesetzlichen Rückstandhöchstmenge erreicht. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein erhöhter Gehalt eines Pestizids, der mehr als 10 bzw. mehr als 20 Prozent der gesetzlichen Rückstandhöchstmenge erreicht, wenn diese bei 0,1 mg/kg oder höher bzw. bei 0,05 bis 0,1 mg/kg liegt; b) fünf bis neun in Spuren nachgewiesene Pestizide und/oder Wirkverstärker (hier: Piperonylbutoxid); c) ein als besonders bedenklich eingestuftes Pestizid in Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (unter Berücksichtigung eines Trocknungsfaktors von 5), hier Carbendazim und Chlorpyrifos. Bei der Beurteilung der Pestizidgehalte haben wir uns an den jeweils höchsten EU-Rückstandhöchstmengen für Kräuterteezutaten aus Blüten, Blättern und Kräutern, Wurzeln und anderen Pflanzenteilen sowie den Unterkategorien orientiert, unabhängig von der Zusammensetzung der Tees.

Unter dem Testergebnis Arbeitsbedingungen und Transparenz führen zur Bewertung mit jeweils vier Minuspunkten: a) Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen für das Produkt insgesamt nicht unabhängig nachgewiesen; b) Regelungen zu Mindestlöhnen für das Produkt insgesamt nicht unabhängig nachgewiesen; c) langfristige Lieferantenbeziehungen nicht unabhängig nachgewiesen (als Nachweis reichten exemplarisch zur Verfügung gestellte Lieferscheine für Zutaten des Produkts, unabhängige Nachweise für die Einhaltung entsprechender Lieferantenanforderungen oder eine UTZ-Zertifizierung). Zur Bewertung mit jeweils zwei Minuspunkten führen: a) Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen teilweise belegt, d. h. für bis zu 50 Prozent der Teezutaten unabhängig nachgewiesen und/oder durch das Packungssiegel UTZ 30 % belegt; b) Regelungen zu Mindestlöhnen teilweise belegt, d. h. für bis zu 50 Prozent der Teezutaten unabhängig nachgewiesen und/oder durch das Packungssiegel UTZ 30 % belegt; c) ILO-Kernarbeitsnormen und Mindestlöhne teilweise belegt, d. h. durch ein Zertifikat über ein Lieferkettenmanagement, ohne einen konkreten Bezug zu den einzelnen Zutaten des Produkts herzustellen. Zur Bewertung mit jeweils einem Minuspunkt führen: a) Regelungen zu ILO-Kernarbeitsnormen überwiegend nachgewiesen, d. h. für mehr als 50 bis unter 100 Prozent der Teezutaten unabhängig nachgewiesen; b) Regelungen zu Mindestlöhnen überwiegend nachgeweisen, d. h. für mehr als 50 bis unter 100 Prozent der Teezutaten unabhängig nachgewiesen; c) keine oder keine konkrete Angabe zur Herkunft der Teezutaten. In der Summe resultieren folgende Testergebnisse: 0 Minuspunkte: „sehr gut“; 1 und 2 Minuspunkte: „gut“; 3 und 4 Minuspunkte: „befriedigend“; 5 und 6 Minuspunkte: „ausreichend“; 7 und 8 Minuspunkte: „mangelhaft“; 9 bis 13 Minuspunkte: „ungenügend“. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Arbeitsbedingungen und Transparenz, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Arbeitsbedingungen und Transparenz, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein „gutes“ Testergebnis Arbeitsbedingungen und Transparenz sowie ein „gutes“ Testergebnis Weitere Mängel haben keinen Einfluss auf das Gesamturteil.
Testmethoden, Glossar und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest. de → Hefte → ÖKO-TEST Jahrbücher. Wählen Sie das vorliegende Jahrbuch aus und scrollen Sie ans Seitenende.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 10/2018. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.