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TEST Kräutertee: Mir kraut vor dir


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2014 vom 24.10.2014

Kräutertees sind aromatische Durstlöscher. Leider waren alle konventionellen Produkte in unserem Test mit Schadstoffen belastet, acht dieser 15 Tees enthielten lebergiftige und krebserregende Substanzen über dem Tagestoleranzwert. Von Jürgen Steinert und Birgit Hinsch


Artikelbild für den Artikel "TEST Kräutertee: Mir kraut vor dir" aus der Ausgabe 11/2014 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 11/2014

Die höchsten Absatzzahlen aller Zeiten“ vermeldete kürzlich die Wirtschaftsvereinigung Kräuter- und Früchtetee (WKF): 38.844 Tonnen Kräuter- und Früchtetee seien 2013 abgesetzt worden und damit 1.058 Tonnen mehr als im Jahr davor. Rein statistisch hat damit jeder Deutsche in 2013 rund 160 Tassen Kräuter- und Früchtetee getrunken. Am ...

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... beliebtesten sind die Aufgüsse aus Pfefferminze, Fenchel, Kamille, Hagebutte und Rotbusch.

Mischungen holen allmählich auf und haben laut WKF inzwischen einen Anteil von 44,2 Prozent am Gesamtverbrauch. Sie enthalten häufig sieben und mehr Bestandteile, von Brombeer- und Himbeerblättern bis hin zu Melisse, Rosmarin und Süßholz. Wer es koffeinfrei liebt, ist mit diesen Tees gut bedient, zudem sind sie praktisch frei von Zucker und Kalorien.

Zum aromatischen Duft und Geschmack eines Kräutertees tragen vor allem die ätherischen Öle bei. Sie gehören zur großen Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe. Diese sind für die Pflanze zwar nicht lebensnotwendig, erfüllen aber dennoch viele Funktionen: Sie wehren Schädlinge ab, dienen als Abwehrgifte gegen Pilze, locken Insekten an, schützen vor UV-Licht, bilden Farb-, Duft- und Aromastoffe.

Im Juli 2013 geriet eine Gruppe von sekundären Pflanzenstoffen ins Gerede, als das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Alarm schlug: „Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees und Tees sind zu hoch“, war eine Pressemitteilung überschrieben. Viele Pflanzen bilden diese Substanzen zum Schutz vor Fraßfeinden. Das BfR veröffentlichte erste nicht repräsentative Ergebnisse eines Forschungsprojekts, in welchem von null bis 3,4 Milligramm Pyrrolizidinalkaloide (PA) pro Kilogramm handelsüblicher Kräutertee- und Teeproben ermittelt wurden.


Mitgeerntete Beikräuter tragen giftige Substanzen in Kräutertees


„Da sich einige der Pyrrolizidinalkaloide im Tierversuch als genotoxische Kanzerogene erwiesen haben, sind diese Gehalte zu hoch und sollten möglichst gesenkt werden“, empfahl BfR-Präsident Professor Andreas Hensel schon damals. Genotoxische Kanzerogene heißt: Die Stoffe verändern das Erbgut und können Krebs verursachen. Zudem ist bekannt, dass sie lebergiftig wirken, die langfristige Aufnahme kann in einer Leberzirrhose enden.

Analysiert wurden unter anderem Kräuter-, Pfefferminz-, Fenchel- und Babyfenchel-, Brennnessel- und Melissentee. Die höchsten Werte wurden in Kamillentees gefunden. Zwar sei trotz der in Einzelfällen unerwartet hohen Gehalte in den Proben eine akute Gesundheitsschädigung bei kurzfristiger Aufnahme für Erwachsene und Kinder unwahrscheinlich, erklärt das BfR. Anders sehe das aber bei längerfristigem Verzehr hoher Mengen von Produkten mit den derzeit gemessenen mittleren und hohen Gehalten an PA aus. Dann könnten insbesondere Kinder, Schwangere und Stillende gefährdet sein. Es gebe „für Teetrinker keinen Grund zur Beunruhigung“, wiegelten daraufhin die WKF und der Deutsche Teeverband in einer gemeinsamen Pressemitteilung ab. „Es sind keine Fälle bekannt, bei denen Verbraucher durch den Konsum von handelsüblichen Tees gesundheitlich beeinträchtigt wurden.“

Quelle der giftigen PA sind übrigens nicht die eigentlichen Zutaten der Kräutertees, sondern mitgeerntete Pflanzen, vor allem solche aus den Familien der Korbblütler, Borretschgewächse und Hülsenfrüchte, zum Beispiel das gelb blühende Jakobskreuzkraut oder der violett bis blau blühende Gewöhnliche Natternkopf. „Bereits etwa fünf PA-bildende Beikräuter pro 50.000 bis 60.000 Nutzpflanzen auf einem Hektar Anbaufläche reichen aus, um nachweisbare Gehalte im Erntegut zu erzeugen. Aufgrund des natürlichen Ursprungs von PA können Erzeugnisse aus ökologischen sowie aus konventionellem Anbau gleichermaßen betroffen sein“, heißt es vonseiten des Deutschen Teeverbands und der WKF.

ÖKO-TEST rät

• Die getesteten Bio-Kräutertees können Sie bedenkenlos genießen. Um mit konventionellen Produkten auf der sicheren Seite zu sein, sollten Kräutertees abwechselnd mit anderen Flüssigkeiten getrunken werden.
• Die Tasse mit dem frisch aufgegossenen Kräutertee mit der Untertasse abdecken, damit das Aroma nicht so leicht entweicht. Immer mit sprudelnd kochendem Wasser aufgießen, um eventuell vorhandene krankmachende Keime zu beseitigen.
• Krautertees dunkel, trocken und nicht länger als ein Jahr lagern. Lose Teemischungen vor Gebrauch kräftig durchschütteln, da sie sich entmischen können.

Foto: angelakatharina/©Shutterstock

ÖKO-TEST hat sich dem Thema Pyrrolizidinalkaloide erstmalig im Frühjahr 2014 angenommen. Im aktuellsten ÖKO-TEST von 15 Stilltees (ÖKO-TEST Spezial Mein Baby 4/2014) fielen zwei konventionell hergestellte und drei Bio-Tees mit PA auf. Jetzt haben wir uns gängigen Kräutertees angenommen. Im ÖKO-TEST: 23 Kräutertees, davon acht Bio-Produkte. Bei neun Produkten handelt es sich um Kräutermischungen, sechs Kamillen- und acht Pfefferminztees komplettieren das Testfeld. Alle Tees wurden unter anderem auf PA und Pestizide untersucht.

Das Testergebnis

Bio-Tees top: Von den Inhaltsstoffen her gibt es an den Bio-Kräutertees nichts zu bemäkeln. Hingegen sorgen mehr oder weniger hohe Pestizidrückstände sowie erhöhte Mengen an lebergiftigen und potenziell krebserregenden Pyrrolizidinalkaloiden dafür, dass zehn der 15 konventionellen Kräutertees nur mit „mangelhaft“ oder gar „ungenügend“ abschneiden.
Es geht auch ohne Pyrrolizidinalkaloide (PA) . Während in den Bio-Kräutertees allenfalls Spuren der giftigen Substanzen nachweisbar waren, kann es beim Genuss von acht konventionellen Testprodukten (vier Kräutertees, drei Pfefferminztees und ein Kamillentee) zu einer Überschreitung des Tagestoleranzwertes kommen, wenn vier oder mehr Tassen pro Tag getrunken werden und unter der auch vom BfR gemachten Annahme, dass beim Aufguss die gesamte Menge an PA in den Tee übergeht. Die höchsten PA-Gehalte wies der King’s Crown Kräutertee Feine Kräuter, Beutel von Rossmann auf. Nach einer Empfehlung des BfR sollte die Tageszufuhr 0,007 Mikrogramm PA pro Kilogramm (μg/kg) Körpergewicht nicht überschrei- ten. Das entspricht bei dem von uns zugrundegelegten 60-kg-Menschen 0,42 μg PA pro Tag. Da zwölf Proben im Test unbelastet sind, ist es durch eine sorgfältige Auswahl des Ernteguts offensichtlich möglich, eine Verunreinigung des Tees durch PA-haltige Beikräuter zu vermeiden.

Kompakt

Frische oder getrocknete Kräuter
Fast aus allem, was da wächst und gedeiht, lässt sich ein Kräutertee zubereiten. Doch nicht jedes Kraut kann man trocknen und aufbewahren. So eignen sich Pimpinelle, Liebstöckel oder Sauerampfer nicht oder kaum für das Trocknen, da sie nach dem Pflücken ziemlich schnell ihr Aroma verlieren. Gut trocknen lassen sich hingegen Rosmarin, Salbei, Thymian, Pfefferminze oder auch Kamille. Kräuter zum Trocknen zu kleinen Bündeln binden und an einem warmen, windgeschützten und schattigen Ort aufhängen.

Problem Jakobskreuzkraut
„Eine ernste Gefahr für die Landwirtschaft“ sieht die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in der Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts. Da es sich um eine Giftpflanze handele, darf das Kraut nicht verfüttert werden. Die Pflanze ist nicht nur im frischen Zustand giftig, die leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloide werden auch während der Heu- und Silagebereitung nicht abgebaut. Chronische Erkrankungen drohen insbesondere Pferden und Rindern.

Giftige Grüne Soße?
Der Frankfurter liebt seine Grüne Soße, die traditionell aus sieben Kräutern besteht: Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer, Schnittlauch – und Borretsch. Letzterer enthält größere Mengen an Pyrrolizidinalkaloiden, haben Wissenschaftler des Instituts für pharmazeutische Biologie der Uni Braunschweig herausgefunden. Bei gelegentlichem Verzehr der Spezialität sind aber keine Gesundheitsgefahren zu befürchten.

Borretsch


Foto: imago/blickwinkel

Viele Spritzgifte . Nur drei der getesteten konventionellen Kräutertees waren in der chemischen Analyse frei von Pestiziden. Die Tegut Teegarten Kräuter, Beutel enthielten mehr von dem Antischimmelmittel Imazalil als zulässig, beim Goldmännchen-Tee Pfefferminze, Beutel überschritt das Unkrautvernichtungsmittel Bentazone die zulässige Rückstandshöchstmenge. Unter Berücksichtigung der messbedingten Toleranzgrenze sind die beiden Produkte jedoch trotzdem verkehrsfähig. In vier weiteren Pfefferminztees steckte Bentazone in „erhöhten“ oder „stark erhöhten“ Mengen. In vier Kamillentees wurden „erhöhte“ oder „stark erhöhte“ Mengen des Herbizids 2,4- D gefunden, das als Bestandteil des Entlaubungsmittels Agent Orange traurige Berühmtheit im Vietnamkrieg erlangte. Das häufig gefundene Fungizid Carbendazim steht im Verdacht, erbgutverändernd, fortpflanzungsgefährdend und krebserregend zu sein.
Erfreulich: Zwar wurde in allen untersuchten Proben Perchlorat nachgewiesen, die Belastungen sind jedoch so gering, dass sie als unbedenklich einzuordnen sind. Gleiches gilt für die in den Kräutertees gemessenen Nitratgehalte.

So reagierten die Hersteller

▀.AnbieterAldi Nord hatte die von uns mitgeteilten Analysenergebnisse „in Bezug auf Konzentration und Anzahl der Pestizidrückstände nicht erwartet“. Man habe sich entschieden, „Ware der untersuchten Charge aus dem Verkauf zu nehmen. Die von Ihnen ermittelten Pestizidrückstände entsprechen bezüglich Wirkstoffanzahl und Ausschöpfung der zulässigen Höchstgehalte nicht unserer internen Spezifikation“.
▀.Zu den Pyrrolizidinalkaloiden (PA) in den Tees Lord Nelson Pfefferminze und Meßmer Kräuter Pur schrieb dieOstfriesische Teegesellschaft, PA seien „natürliche Pflanzeninhaltsstoffe, die in Beikräutern/Unkräutern vorkommen und unbeabsichtigt Pestizidins Lebensmittel gelangen. (…) Daher sei die Verteilung der PA-Beikräuter im Erntegut auf keinen Fall als homogen anzusehen.“ Von der OTG beauftragte Messungen der Tees ergaben knapp 40 Prozent der PA-Menge, die das von ÖKO-TEST beauftragte Labor ermittelte. Die Behauptung der OTG, der Richtwert des BfR werde von dieser Charge „somit bei Weitem unterschritten“, ist insofern übertrieben, als man nur mit einer Tasse pro Tag rechnet.
▀ AuchEdeka betont, die PA würden durch Beikräuter gebildet: „Am geernteten Tee, oder in den darauffolgenden Verarbeitungsschritten, lassen sich diese Stoffe leider nicht mehr entfernen. Es muss also beim Anbau angesetzt werden, um diese Beikräuter zu eliminieren. Der Einsatz von flächendeckenden Pestiziden ist nicht das Mittel der Wahl. Es muss vielmehr versucht werden, im Anbau und bei der Ernte dafür zu sorgen, dass diese Beikräuter nicht in die Rohware Tee gelangen.“ Man habe die Teelieferanten verpflichtet, sich der Thematik anzunehmen und mit den Produzenten für eine Lösung zu sorgen. Als Maßnahmen nennt die von Edeka um eine Stellungnahme gebeteneOstfriesische Teegesellschaft unter anderem die Schulung der Anbauer und Erntehelfer sowie die Überprüfung der Erntetechniken.

Experte: Die Risiken sind derzeit schwer abzuschätzen

Foto: privat

„Die Risiken einer chronischen Aufnahme von Pyrrolizidinalkaloiden (PA) in niedrigen Dosen sind derzeit nur schwer abschätzbar, da aussagekräftige epidemiologische Studien fehlen. Dennoch haben sich PA in Tierversuchen als eindeutig kanzerogen herausgestellt. Insofern ist es in unser aller Interesse, wenn Lebensmittel wie Kräutertees in Zukunft verstärkt auf diese Stoffe überprüft werden. Auch ist es wichtig, Studien voranzutreiben, um offene Fragen zu den langfristigen Auswirkungen für den Menschen zu klären.“

Prof. Dr. Ralf Stahlmann, Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Bei dem Wirkungsverstärker handelt es sich um Piperonylbutoxid. Er verstärkt die Wirkung von Pyrethroiden und hat selbst keine Pestizidwirkung. 2) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 3) Weiterer Mangel: Folie ist als kompostierbar ausgelobt. 4) Laut Anbietergutachten wurden in einer chargengleichen Probe weder Pestizide noch Pyrrolizidinalkaloide nachgewiesen. 5) Laut Anbieter wurde der Artikel ausgelistet und nur noch Restbestände abverkauft. 6) Laut Anbieter fließt das Produkt seit September 2014 in einer neu gestalteten Verpackung in den Handel (Hinweis auf Bio 7 Initiative auf der Frontseite, das deutsche Bio-Siegel auf der Rückseite, zusätzlich die Vegan-Blume aufgebracht). 7) Laut Anbietergutachten wurden in einer annähernd chargengleichen Probe acht der neun von ÖKO-TEST nachgewiesenen Pestizide in gleicher Größenordnung ermittelt, ein Pestizid wurde nicht nachgewiesen. Pyrrolizidinalkaloide wurden in geringerer Menge nachgewiesen. In einem Aufguss (ein Beutel auf 200 ml Wasser) der annähernd chargengleichen Probe waren weder Pestizide noch Pyrrolizidinalkaloide nachweisbar. 8) Laut Anbietergutachten waren in chargengleichen Proben zwei der fünf von ÖKO-TEST nachgewiesenen Pestizide nicht, die anderen drei Pestizide in ähnlicher Größenordnung nur in einigen Analysen nachweisbar.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt . Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) ein Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden, der den vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen Tagestoleranzwert von 0,42 μg für einen 60 kg schweren Menschen (0,007 μg/kg Körpergewicht) bei einer Trinkmenge von vier Tassen pro Tag überschreitet. Berechnung mit einem Teebeutel pro Tasse bzw. 2 g Tee bei loser Ware unter der Annahme, dass die gesamte Menge an PA in den Tee übergeht; b) ein Pestizidgehalt, der die gesetzliche Rückstandshöchstmenge überschreitet. Zur Abwertung um zwei Noten führt: ein Pestizidins gehalt, der über 50 Prozent der gesetzlichen Rückstandshöchstmenge erreicht, wenn diese bei 0,02 mg/kg oder höher liegt (in der Tabelle „stark erhöht“); Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Pestizidgehalt, der über 10 bis 50 Prozent der gesetzlichen Rückstandshöchstmenge erreicht, wenn diese bei 0,1 mg/kg oder höher liegt (in der Tabelle „erhöht“); b) ein Pestizidgehalt, der über 20 bis 50 Prozent der gesetzlichen Rückstandshöchstmenge erreicht, wenn diese bei 0,05 mg/kg oder höher liegt (in der Tabelle „erhöht“); c) mehr als fünf bis neun Pestizide in Spuren. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) eine als kompostierbar ausgelobte Folie, die aber auch PVDC enthält. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlech- tert das Gesamturteil um eine Note. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“ bedeutet dies: „Unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.“

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unterwww.oekotest.de → Suchen → „M1411“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Juli 2014.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

So haben wir getestet

Foto: PlusONE/Shutterstock

Der Einkauf

In Biomärkten, Drogerien, Super- und Discountmärkten haben wir Kräutertees eingekauft, die sich hierzulande besonderer Beliebtheit erfreuen und außerdem in einem Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) durch hohe Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden aufgefallen waren. So landeten 23 Tees – sowohl in Beuteln als auch lose – in den Einkaufskörben: Kräutermischungen, Pfefferminz- und Kamillentees.

Die Inhaltsstoffe

Zuvorderst wollten wir wissen, wie belastet aktuelle Ware mit den lebergiftigen und potenziell krebserregenden Pyrrolizidinalkaloiden ist. Nicht aus den Augen gelassen haben wir natürlich die Pestizide, die eingesetzt werden können, um Insekten, Schimmelpilze oder Unkräuter zu vernichten. Weitere Parameter waren Chlorat, Perchlorat und Nitrat. Die Anwendung des früher zur Unkrautbekämpfung eingesetzten Chlorats ist heute in der EU nicht mehr zulässig. Es kann aber bei der Verwendung von chlorhaltigen Substanzen zur Reinigung oder Desinfektion als Nebenprodukt entstehen. Über Dünger könnte Perchlorat in die Teekräuter gelangen, welches in hohen Dosen die Jodaufnahme der Schilddrüse beeinträchtigt. Blatttees können viel Nitrat enthalten. Im Körper kann daraus Nitrit werden, welches zu krebserregenden Nitrosaminen reagieren kann.

Die Bewertung

Mangels gesetzlicher Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide haben wir uns an der vom BfR vorgenommenen vorläufigen Bewertung des gesundheitlichen Risikos orientiert. Obgleich die dort angenommene Dosis (0,007 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht) als wenig bedenklich angesehen wird und nicht jede höhere Dosis sofort eine akute Gesundheitsgefahr bedeutet, wertet ÖKO-TEST aus vorbeugendem Verbraucherschutz jede Überschreitung dieses Tagestoleranzwertes streng um vier Noten ab. Aus dem gleichen Grund werden Pestizidgehalte gegebenenfalls bereits dann abgewertet, wenn die gesetzliche Höchstmenge zwar unterschritten, aber doch zu mehr als zehn Prozent ausgeschöpft wird.


Foto: iStock/©Thinkstock