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TEST Küchenrollen: Einfach weg


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 25.02.2021

Küchenkrepp ist praktisch. Aber unser Test zeigt: Die wenigsten Küchenpapiere sind komplett sauber. Das ist beim Kontakt mit Lebensmitteln problematisch. Außerdem wünschen wir uns mehr Altpapier in den Rollen.


RATGEBER

1 Bevorzugen Sie Küchenrollen aus Altpapier, am besten zertifiziert mit dem Blauen Engel: Im Test haben wir davon eines mit „sehr gut“ und etliche mit „gut“ zu bieten.

2 Malheur in der Küche? Es muss nicht immer Küchenkrepp sein. Öfter mal an den guten alten Putzlappen denken.

3 Küchenkrepp muss im Hausmüll entsorgt werden. Es gehört weder in die Toilette noch ins Altpapier.

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Schnell die Auberginen trocken tupfen. Mal eben das Fett aus der Pfanne aufsaugen. Ups, die Sahne ist auf dem Boden verschüttet? Küchenkrepp steht immer bereit, und das Malheur ist behoben. Die Einweghelfer von der Rolle sind aus unserem Haushalt nicht mehr wegzudenken.

Doch sie sind Wegwerfprodukte und verschwenden Ressourcen. Wir haben in diesem Test erstmals Küchenrollen bewertet. Uns interessierte, wie viel Altpapier sie enthalten, wie praxistauglich sie sind und ob sie schädliche Chemikalien abgeben. Ein Ergebnis: Nicht jedes Küchenkrepp können wir guten Gefühls für den Kontakt mit Lebensmitteln empfehlen.

Chlorpropanole in zwölf Küchenkrepps

Am Ende reichte es nur bei einem Produkt für ein „sehr gut“: Die Rewe Beste Wahl Eco Recycling Küchentücher erfüllen alle unsere Kriterien bestens. 13 Küchenkrepps sind immerhin noch gut. Ein Produkt aber fällt aus der Rolle: Die Budni Küchentücher Recycling gehen weit abgeschlagen mit „ungenügend“ ins Ziel. Der Grund: In diesem Produkt steckt zu viel des Chlorpropanols 3-MCPD. Eine halogenorganische Verbindung, die die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) als „möglicherweise krebserregend für den Menschen“ einstuft und die im Tierversuch Nieren und Hoden schädigte. Das von uns beauftragte Labor fand das Chlorpropanol in insgesamt zwölf der 20 untersuchten Produkte – jedoch nur bei den Budni-Tüchern in einer Menge, die über dem vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) festgelegten Richtwert liegt.

Das Problem 3-MCPD ist bekannt und Untersuchungsämter haben deswegen schon häufiger Strohhalme oder Muffinförmchen aus dem Verkehr gezogen: Es ist ein Spaltprodukt jener Kunstharze, mit denen die Hersteller Papierprodukte stabilisieren, damit sie sich beim Kontakt mit Wasser nicht umgehend in ihre Bestandteile auflösen. Dass nennt sich Nassverfestigung – und alle Hersteller verwenden dafür die gleichen Substanzen, sogenannte Epichlorhydrinharze. Doch manche tun es offenbar sorgfältiger als andere.


„Lebensmittel mit feuchtem Küchenkrepp frisch halten? Werde ich künftig lieber sein lassen.“
Heike Baier ÖKO-TEST-Redakteurin


Kein Grund zur Panik. Zur Vorsicht schon

Besteht nun eine akute Gesundheitsgefahr beim Kontakt von Lebensmitteln mit Küchenkrepp, das den BfR-Richtwert überschreitet? Bei den von uns gefundenen Mengen wohl eher nicht. Das BfR rechnet so: Liegen rund zwei Blatt Küchentuch für 24 Stunden in einem Liter kaltem Wasser, dürfen sich höchstens 12 Mikrogramm 3-MCPD lösen. Diese 12 Mikrogramm würden dann bei einem 60 Kilo schweren Menschen ein Zehntel des TDI (tolerable tägliche Aufnahmemenge) ausschöpfen. Der Richtwert lässt also noch Luft für andere Quellen, aus denen wir ebenfalls 3-MCPD aufnehmen können. Und: es ist ungeklärt, wie viel Chlorpropanol tatsächlich bei einem kurzen Kontakt vom Küchenkrepp ins Lebensmittel übergeht. Andererseits sind zwei Blatt schnell verbraucht und wir meinen: Was technisch vermeidbar ist, sollten Hersteller auch vermeiden. Neben Chlorpropanol können noch weitere halogenorganische Verbindungen in den Küchenkrepps stecken. Sie können beispielsweise aus der Chlorbleiche oder aus dem eingesetzten Altpapier ins Küchenkrepp gelangen. Um welche Verbindungen es sich genau handelt, lässt sich mit der eingesetzten Untersuchungsmethode nicht bestimmen. Viele halogenorganische Verbindungen gelten als allergisierend, fast alle reichern sich in der Umwelt an.

Abzüge für Ressourcenverschwendung

Apropos Umwelt: Küchenkrepp wird bei Weitem nicht nur im Lebensmittelkontakt eingesetzt, sondern vermutlich sehr viel häufiger als Wischlappen. Die Einweg- Tücher sind aber nicht recycelbar und deshalb für den Papierkreislauf ein für allemal verloren – unter anderem wegen der eingesetzten Kunstharze. Wir finden: Wenn schon Saubermachen mit Einwegtüchern, dann wenigstens mit solchen aus Altpapier. Darum haben wir bevorzugt das Recyclingprodukt eingekauft, wenn die Marke eines anbietet. Neun Küchenkrepps sind aus Frischholz hergestellt: Das quittieren wir mit zwei Noten Abzug.

Im Praxistest sind fast alle gut

In die Gesamtnote der Küchenrollen fließt auch ihre Praxistauglichkeit ein. Ein Labor hat für uns getestet, wie saugfähig die Tücher sind und wie reißfest jeweils in nassem und trockenem Zustand. Hier zeigte sich, dass alle Rollen solide arbeiten – die meisten bestehen in der Praxis mit „gut“. Spitze waren Daunasoft, Zewa, Floralys und Happy End. Immerhin: Unter diesen vier im Praxistext „sehr guten“ Fabrikaten ist auch eines aus Altpapier.

So haben wir getestet

Wir haben 20 Küchenrollen in Drogerien, (Bio-)Supermärkten und bei Discountern eingekauft. Gab es von den Marken eine Altpapiervariante, so haben wir diese genommen – falls nicht griffen wir zur Zellstoffvariante, die direkt aus Holz gemacht ist. Zudem wählten wir ein Produkt aus Bambus-Zellstoff aus, dass als „nachhaltig“ beworben wird.
Wir wollten wissen, wie alltagstauglich die Küchentücher sind. Deshalb hat ein Praxislabor für uns getestet, wie saugfähig die Produkte sind, wie reißfest im trockenen und nassen Zustand und schließlich wie gut sie nass und trocken einer punktuellen Belastung standhalten („Festigkeit im Gebrauch“). Lassen sich die Blätter problemlos abreißen? Natürlich haben wir alle Produkte auch im Labor auf Problemstoffe analysieren lassen, etwa auf Formaldehyd. Zudem ließen wir auf gefährliche Chlorpropanole prüfen. Sie können mit Epichlorhydrinharzen hineinkommen, die Küchenrollen gegen Nässe stabil machen: Löst sich das Chlorpropanol 3-MCPD, wenn die Prüfer Küchenkrepp in kaltes Wasser legen? Wir wollten auch wissen: Sind die Produkte aus Altpapier hergestellt? Kommt das Material von hier oder weiter her? Welche Holzarten stecken in den Zellstoffpapieren? Notenabzüge gibt es für frische Fasern, fehlende Angaben zur Materialherkunft und für Schadstoffe im und aus dem Papier. Das Testergebnis Inhaltsstoffe fließt zu 60 Prozent ins Gesamturteil ein, die Praxisprüfung zu 40 Prozent.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: A = Österreich, B = Belgien, BRA = Brasilien, CH = Schweiz, CHN = China, CZ = Tschechien, D = Deutschland, E = Spanien, EST = Estland, F = Frankreich, FIN = Finnland, GB = Großbritannien, L = Luxemburg, LT = Litauen, LV = Lettland, NL = Niederlande, P = Portugal, PL = Polen, S = Schweden, URY = Uruguay.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 142.
Anmerkungen: 1) Die rechnerische Note in der Praxisprüfung ist 1,45 und damit noch „sehr gut“. 2) Laut Anbieter wurde bei dem Küchenpapier im Juli 2020 die Prägetechnik von der FAN-Prägung, erkennbar an dem Markenschriftzug Dick & Durstig, auf die Pin-to-Pin-Prägung umgestellt, um die Saugfähigkeit und die Reißfestigkeit zu verbessern. 3) Laut Anbieter wird das Produkt unter der neuen Marke Favora in verändertem Design ab März 2021 in den Märkten erhältlich sein.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: Richtwert für lösliches 3-MCPD von 12 μg/l nach der XXXVI. BfR-Empfehlung für Papiere, Kartons und Pappen für den Lebensmittelkontakt überschritten. Zur Abwertung um zwei Noten führt: Produkt besteht nicht zu 100 % aus Altpapier. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 mg/kg halogenorganische Verbindungen; falls nicht schon wegen 3-MCPD um vier Noten abgewertet wurde; b) keine vollständige Angabe zur Herkunft des Materials.
In das Testergebnis Praxisprüfung gehen zu je 20 % die Reißfestigkeit und die Nassreißfestigkeit, zu je 15 % die Festigkeit im Gebrauch und die Nassfestigkeit im Gebrauch, zu 20 % die Saugfähigkeit und zu 10 % das Abreißen der Blätter ein. Die Ergebnisse werden kaufmännisch gerundet. 1. Reißfestigkeit: sehr reißfest = sehr gut; reißfest = gut; noch reißfest = befriedigend. In die Reißfestigkeit gehen zu 60 % die Bruchkraft längs und zu 40 % die Bruchkraft quer ein: Bruchkraft längs in Newton (N): > 25 = sehr gut; 20 bis 25 = gut; 15 bis 19,9 = befriedigend. Bruchkraft quer in N: > 12 = sehr gut; 8 bis 12 = gut; 6,0 bis 7,9 = befriedigend. 2. Nassreißfestigkeit: sehr nassfest = sehr gut; nassfest = gut; noch nassfest = befriedigend. In die Nassreißfestigkeit gehen zu 60 % die Nassbruchkraft längs und zu 40 % die Nassbruchkraft quer ein: Nassbruchkraft längs in Newton (N): > 5,5 = sehr gut; > 3,5 bis 5,5 = gut; > 2,5 bis 3,5 = befriedigend. Nassbruchkraft quer in N: > 2,5 = sehr gut; > 1,5 bis 2,5 = gut; > 0,9 bis 1,5 = befriedigend. 3. Die Festigkeit im Gebrauch beruht auf der Durchstoßfestigkeit in Newton: > 7,0 (sehr stabil) = sehr gut; > 5,0 bis 7,0 (stabil) = gut; 3,5 bis 5,0 (noch stabil) = befriedigend. 4. Die Nassfestigkeit im Gebrauch beruht auf der Durchstoßfestigkeit in Newton: > 3,0 (sehr nass-stabil) = sehr gut; > 1,4 bis 3,0 (nass-stabil) = gut; > 0,9 bis 1,4 (noch nass-stabil) = befriedigend. 5. Saugfähigkeit: sehr saugfähig = sehr gut; saugfähig = gut; noch saugfähig = befriedigend: In die Saugfähigkeit gehen zu 60 % die Wasseraufnahmekapazität und zu 40 % die Absinkdauer ein: Wasseraufnahmekapazität in g/g: > 9,5 = sehr gut; 8,0 bis 9,5 = gut. Absinkdauer in Sekunden: < 2 = sehr gut; 2 bis 5 = gut; > 5 = befriedigend. 6. Abreißen der Blätter: Die Effektivität der Perforation beruht auf der Perforationseffizienz in %: 55 und mehr (leicht) = gut. Das Gesamturteil beruht zu 60 % auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 40 % auf dem Testergebnis Praxisprüfung. Es wird kaufmännisch gerundet. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als „mangelhaft“, wenn das Testergebnis Inhaltsstoffe „mangelhaft“ ist.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2103.
Einkauf der Testprodukte: Oktober 2020. Preise können aufgrund der befristeten Mehrwertsteuersenkung geringfügig abweichen.

Klimasünder Papier

Weniger als jede zehnte Küchenrolle ist in Deutschland aus Altpapier hergestellt. Das ist ein Jammer. Denn ist der Zellstoff erst zum Küchenkrepp geworden, kann es nie wieder recycelt werden. Dabei könnte man aus altem Papier theoretisch über 25 Mal wieder neues Papier herstellen, besagt eine Studie der TU Darmstadt. Die Herstellung von Recyclingpapier hat viele Vorteile für die Umwelt: Der wichtigste ist, dass weniger Bäume gefällt werden müssten. Laut WWF fällt fast jeder zweite Baum für die Papierindustrie. Doch unsere Wälder sind nicht nur komplexe Lebensräume. Sie speichern weltweit 662 Milliarden Tonnen CO₂ und drosseln damit die Klimaerwärmung. Außerdem: Die Herstellung von Recyclingpapier verbraucht nur die Hälfte an Energie im Vergleich zum Aufbereiten frischen Holzes zu Zellstoff. Und weniger als ein Drittel der Wassermenge. Hinzu kommt, dass Altpapier meist aus lokalen Kreisläufen stammt, also der Rohstoff dafür in Deutschland oder angrenzenden Staaten gesammelt wird. Da hat der Zellstoff für manche Primärfaserprodukte unseres Tests sehr viel weitere Wege zurückgelegt: Wir haben Eukalyptus aus Uruguay oder Brasilien dabei und Nadelhölzer, die in Skandinavien oder Osteuropa gewachsen sind. Ein Rohstoff im Test stammt sogar aus China: der als nachhaltige beworbene Bambus.


Foto: Anja Wägele Illustration: noun project