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TEST KURKUMA: Würzt, färbt und enttäuscht


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 23.06.2022

RATGEBER

1 Kurkuma dunkel lagern, da das Gewürz am Licht schnell verblasst und sein Aroma verliert.

2 Statt fertig gemahlenen Kurkuma zu verwenden, bietet sich frischer Kurkuma an. Äußere Korkschicht entfernen, mit Messer zerkleinern. Dabei Handschuhe tragen, ansonsten leuchten die Finger tagelang gelb.

3 Kurkuma kann den teuren Safran ersetzen, um zum Beispiel Reis einzufärben.

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M itseinem aromatischen Geruch und der leichten Schärfe und Bittere eignet sich Kurkuma in der Küche, um Fisch, Geflügel, Eintöpfe und orientalischen Gerichte zu verfeinern. Außerdem gilt Kurkuma als gesundheitsfördernd. Doch nach unserem Test von 21 Marken gemahlenem Kurkuma haben wir wenig Anlass die Produkte hochzuloben: Nur das Dennree Kurkuma gemahlen, Naturland erreicht ein „sehr gut“, zwei Produkte landen auf einem „befriedigend“, der Rest fällt durch, vor allem wegen aus unserer Sicht zu hoher Belastung mit ...

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... Mineralölbestandteilen. Dazu kommen Pestizide in vier Marken und das krebserregende Benzo[a]pyren – ausgerechnet in einem Bio-Produkt.

„Verunreinigt mit Mineralöl: Das ist beim nur gelegentlichen Würzen mit Kurkuma zwar unschön. Aber grundsätzlich müssen die Hersteller die Belastung verringern.“

WISSEN

Von Indien bis nach Hessen

Importiertes Kurkuma

5.696 Tonnen Kurkuma wurden laut Statista im Jahr 2020 nach Deutschland importiert, zwölf Jahre zuvor waren es erst knapp 2.100 Tonnen. Mit Abstand wichtigstes Lieferland mit mehr als 4.200 Tonnen war Indien.

Heimisches Kurkuma?

Kurkumaanbau kann sich lohnen – dieses Fazit zieht das Gartenbauzentrum des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen in Geisenheim nach einem ersten Anbauversuch. Nach rund 40 Wochen, angefangen mit dem Auslegen von Bio-Handelsware bis zur Kultur in Kisten, habe sich eine „anbauwürdige Erntemenge an qualitativ hochwertigen Rhizomen gebildet“.

Kurkuma Latte

Nach der ayurvedischen Lehre soll sie anregend und reinigend wirken: goldene Milch, hipp auch Kurkuma-Latte genannt. Dazu im Mixer Pflanzenmilch, Kurkuma, Ingwer, Pfeffer, weitere Gewürze wie Zimt und Muskatnuss, Kokosöl und eventuell etwas Ahornsirup zum Süßen gut miteinander verrühren.

In allen getesteten Kurkuma-Pulvern stecken gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe, kurz MOSH, ergab die Laboranalyse – zum Teil in erheblichen Mengen von mehr als 10 mg/kg. Die Stoffe reichern sich im menschlichen Körper an. Was das für die Organe bedeutet, ist noch unklar. Bislang gibt es nur Orientierungs-, aber keine Grenzwerte für MOSH. Wir kategorisieren die gemessenen Gehalte daher genau so streng wie in anderen Lebensmitteln auch: mehr als 4 mg/kg Mineralölbestandteile halten wir für „stark erhöht“ und ziehen vier Noten ab. Das trifft hier 18 der 21 getesteten Produkte. Die Bewertung mag streng erscheinen, wenn man von einem sporadischen und sehr sparsamen Einsatz als Gewürz ausgeht. Für Curry oder goldene Milch braucht es aber ordentlich Kurkuma und es kommen entsprechende Mineralökohlenwasserstoffe zusammen.

Dass es auch anders geht, zeigt das Dennree Kurkuma gemahlen, Naturland, welches nur Spuren dieser Verunreinigung enthält. Die völlig unerwünschten aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), unter denen sich auch krebserregende Verbindungen finden können, hat das Labor nur in einem Produkt gemessen, im Edora Kurkuma gemahlen „Indischer Safran“.

Woher stammen die Belastungen? Viele Anbieter sprechen von einer „ubiquitären Grundbelastung des eingesetzten Rohstoffs“, auch gelängen „MOSH/MOAH über Migration aus Jutesäcken, die vielfach in den Ursprungsländern eingesetzt würden, in die Gewürze“. Die Firma Lebensbaum nennt als weitere Variante „POSH (Eintragsweg aus Kunststoffen)“. Etliche Anbieter schreiben uns, sie seien sich der Problematik bewusst, würden an „Minimierungsstrategien“ arbeiten. Einen Schritt weiter geht Norma: Da die von ÖKO-TEST ermittelten Ergebnisse nicht den hohen Ansprüchen an die Eigenmarkenprodukte entsprächen, sei die berücksichtigte Charge dieses Produkts aus dem Verkauf genommen worden.

Krebsgift über Grenzwert

Etliche polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, gelten als krebserregend oder zumindest krebsverdächtig. Die Verbindungen können beim Trocknen des Kurkumas über offenem Feuer in das Gewürz übergehen. Das Sonnentor Kurkuma gemahlen fiel bei dieser Laboruntersuchung völlig aus dem Rahmen: Es riss nicht nur den Grenzwert von 10 µg/kg für das krebserregende Benzo[a]pyren (BaP) deutlich, sondern auch den für die Summe der krebserregenden PAK-4 (außer BaP noch Chrysen, Benzo[a]anthracen und Benzo[b] fluoranthen) von 50 µg/kg, jeweils gültig für getrocknete Gewürze. Anbieter Son-nentor reagierte prompt auf unsere Herstellerinformation mit diesen Analysenergebnissen: Er nahm die betroffene Charge aus dem Verkehr.

Pestizide in Bio-Produkten

Für Pestizide ziehen wir in vier Fällen Noten ab, drei davon sind Bio-Produkte. Das ist ungewöhnlich und ärgerlich. Denn Verbraucher greifen zu Bio, um Pestizidbelastungen zu umgehen. Im Lebensbaum Kurkuma gemahlen, einem Bio-Produkt, fand das Labor geringe Menge Ethylenoxid. Bei dem auch zur Entkeimung eingesetzten Begasungsmittel handelt es sich um ein in der EU schon lange nicht mehr zugelassenes Pestizid. Aus gutem Grund, gilt es doch als wahrscheinlich krebserregend und erbgutverändernd.

Wenig Tröstliches

Immerhin: Schimmelpilzgifte wie Aflatoxine und Ochratoxin A sind kein Problem. Auch die gemessenen Spurengehalte des Schwermetalls Blei sind unproblematisch. Zudem hat das beauftragte Labor keine Hinweise auf krebserregendes Bleichromat gefunden. In einer 2019 veröffentlichten Arbeit fanden Wissenschaftler Anzeichen für die leuchtend gelbe, aber giftige Verbindung Bleichromat in verschiedenen Kurkuma-Produkten aus Bangladesh. Offenbar waren die Proben damit gefärbt worden. Dieses Gift ist aktuell in unserem Test kein Thema. Das ist trotz der vielen schlechten Ergebnisse eine gute Nachricht.

So haben wir getestet

Für unseren Kurkuma-Test haben wir 21 Produkte, davon elf in Bio-Qualität, in (Bio-)Supermärkten, Discountern und Drogerien eingekauft. Für 50 g gemahlenen Kurkuma zahlten wir zwischen 47 Cent und 9,98 Euro.

Wir ließen alle Kurkumaprodukte in spezialisierten Laboren testen, unter anderem auf die Schwermetalle Blei und Chrom und auf das als Pestizid oder zur Begasung eingesetzte Ethylenoxid. Wir ließen die Proben auf Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen (MOSH/MOAH) untersuchen, auf Pestizide, auf die Schimmelpilzgifte OTA und Aflatoxine sowie auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Auch die mikrobiologische Qualität haben wir analytisch überprüfen lassen. Ein weiteres Labor untersuchte, ob in den Verpackungen umweltschädliche chlorierte Verbindungen stecken.