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TEST Lackfarben: Glanz mit Nebenwirkungen


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 94/2014 vom 09.05.2014

Im Zweifel besser wasser- als lösemittelbasiert – diese Regel gilt für alle, die zu Hause einigermaßen schadstoffarm Lackierarbeiten vornehmen wollen. Unser Test ergab aber: Leider ist nicht überall, wo „wasserbasiert“ draufsteht, auch „schadstoffarm“ drin.


Artikelbild für den Artikel "TEST Lackfarben: Glanz mit Nebenwirkungen" aus der Ausgabe 94/2014 von ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Monkey Business/Thinkstock

Im Fernsehen sieht’s immer furchtbar einfach aus: Die alten Küchenstühle wechseln von Kiefer natur auf zartgrau, die Bilderrahmen werden umbra, das Bücherregal taubenblau umlackiert. Innerhalb einer Stunde wird so aus der rumpeligen Küche ein echtes Schmuckstück.

Wer zu Hause schon einmal ähnliche Projekte in Angriff ...

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... genommen hat, kann da nur müde lächeln. Die neue Farbe für ein Möbelstück ist in der Regel ein ganz schön zeitraubendes Projekt. Erst muss der alte Lack ab, dann braucht’s nach der ersten Lackrunde meist noch einen Zwischenschliff, erst dann kann der Endanstrich aufgebracht werden. Und wenn’s nicht glattläuft, hat man auch noch mit dicken Nasen zu kämpfen. Wer nicht in die Garage ausweichen kann, hat dazu noch ein zweites Problem: Die ganze Bude riecht auch noch zwei Wochen später nach Lackierwerkstatt.

Weil die meisten Heimwerker diese Geruchsbelästigung so gut es geht vermeiden wollen, kaufen sie vor allem wasserbasierte Lacke ein, sogenannte Dispersionslacke. Diese gelten als schadstoffärmer, umweltfreundlicher und beim Verdünnen und Reinigen kann man Wasser statt etwa stinkendes Terpentin hernehmen. Ganz ohne Lösemittel kommen diese Farben zwar auch nicht aus, doch der Anteil liegt in der Regel unter zehn Prozent.

Über eine Million Tonnen Lösemittel konnten allein in den Jahren 1996 bis 2006 eingespart werden. Dass dieser Trend sich fortsetzt, ist Ziel der „Decopaint“-Richtlinie, deren zweite Stufe 2010 in Kraft getreten ist, die Lösemittelgrenzwerte für Lacke wurden noch einmal verschärft. Aber halten sich alle Hersteller daran? Kann man großmundigen Versprechungen wie „lösemittelfrei“ trauen? Wir haben 16 weiße, seidenmatte oder -glänzende Lacke eingekauft und geprüft, was drin steckt, was beim Lackieren ausdampfen kann und wie gut die Hersteller auf den Etiketten über ihre Produkte informieren.

Das Testergebnis

■ „Wasserbasiert“ heißt nicht, dass ein Produkt schadstofffrei ist. Gerade Mal für sieben Lacke trifft das tatsächlich zu. Wieder einmal schaffen es viele günstige Baumarkteigenmarken in den „sehr guten“ und „guten“ Bereich, aber auch Alpina und die Naturfarbenhersteller Auro, Bio Pin und Ecotec sind bei den Besten dabei.
■ Beim Lackieren entfleuchen häufig problematische Verbindungen. In der Summe dünsten die Lacke zwar nur sehr wenig aus, die Vorgaben der Decopaint-Richtlinie werden eingehalten. Manche flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) bereiten allerdings schon in sehr kleinen Gehalten Probleme, etwa weil sie als krebserregend eingestuft sind, wie der aromatische Kohlenwasserstoff Benzol. Aus einigen Lacken gasen Ethylenglykole aus, die zu Bindehautreizungen oder Nierenschäden führen können, auch Acrylate, die sensibilisierend wirken können, sind häufig unter den VOC zu finden. Aromaten, eine Stoffgruppe, zu der auch Benzol und Styrol zählen, können das zentrale Nervensystem schädigen, manche gelten als fruchtschädigend. Sie gasen aus dem Biofa Aqualux Decklack Innen aus, auf dessen Etikett der Hersteller groß damit wirbt, dass das Produkt „lösemittelfrei“ sei. Auch der Auro Weißlack Seidenmatt Nr. 260- 90 wird als „lösemittelfrei“ bezeichnet. Aber auch das stimmt leider nicht so ganz.
■ Die Labore wiesen weder halogenorganische Verbindungen noch Formaldehyd/-abspalter nach. Statt chlorierter Isothiazolinone, die ein besonders hohes sensibilisierendes Potenzial haben, kommen ausschließlich die etwas „milderen“ Methyl- und Benzisothiazolinone zum Einsatz. Hier halten sich die meisten Hersteller an die Grenzen, die der Blaue Engel seit Sommer 2010 vorgibt und an denen auch wir uns orientieren. Ausnahme: der Primaster Acryl Weisslack Seidenmatt von Globus.
■ Für Allergiker ist es wichtig, dass über die enthaltenen Isothiazolinone informiert wird. Doch diese Info sowie die Telefonnummer einer entsprechenden Allergikerhotline sucht man auf vielen Produkten noch immer vergebens – vor allem die Profimarken Sikkens aus dem Hause Akzo Nobel und EinzA schneiden hier schlecht ab.
■ In den Lacken der Naturfarbenhersteller Bio Pin und Biofa werden Kobaltsalze eingesetzt. Im Lack selbst ist Kobalt ein Kontaktallergen. Ab bestimmten Gehalten fordert der Gesetzgeber deshalb einen Hinweis. Kobaltstaub, der beim Schleifen des getrockneten Lacks entsteht, ist krebserregend – Hersteller sollten also auf dem Etikett deutlich darauf hinweisen, dass beim Zwischenschliff eine Atemschutzmaske unabdingbar ist. Schade, dass hier nur Biofa umfassend über die enthaltenden Kobaltsalze informiert.

ÖKO-TEST rät

■ Ein bisschen was gast auch bei den empfehlenswerten Lacken aus. Deshalb in jedem Fall während des Lackierens und Trocknens ordentlich lüften!
■ Wo lackiert wird, muss meist auch geschliffen werden. Es empfiehlt sich, dabei eine Staubmaske zu tragen – man weiß nie, was in alten Lacken steckt. Holzstaub kann Krebs erzeugen, ebenso die Kobaltsalze, die in einigen Lacken enthalten sind.
■ Allergiker sollten die Deklaration eines Lackes prüfen, bevor sie loslegen. Wenn der Hersteller nicht die Infos liefert, die Sie brauchen: Produkt im Regal stehen lassen oder beim Produzenten anrufen und nachfragen.

Fett gedruckt sind Mängel.

Glossar: siehe Seite 162. Anmerkungen: 1) In der Summe mehr als 100.000 mg/kg flüchtige organische Verbindungen. 2) Laut Etikett wurden auch chlorierte Isothiazolinone (MCI) eingesetzt, das beauftragte Labor konnte sie jedoch nicht nachweisen. 3) Mehr als 100 mg/kg flüchtige Acrylate. 4) Mehr als 10.000 mg/kg Butoxyethanol. 5) Mehr als 1.000 mg/kg flüchtiges Dimethylaminoethanol. 6) Mehr als 100 bis 1.000 mg/kg flüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe. 7) Mehr als 1.000 mg/kg flüchtige Ethylenglykole. 8) Laut Anbieter wurde die Produktion ab 2014 auf einen Eisentrockenstoff umgestellt.

Die neuen Chargen seien erkennbar an der Deklaration von „Eisenkomplex“. ÖKO-TEST konnte im Februar 2014 nur die alten, kobalthaltigen Produkte im Handel finden. 9) Keine Angabe einer Hotline für Isothiazolinonallergiker, wenn Isothiazolinone enthalten, oder nur Angabe der Zentrale. 10) Enthält flüchtige Terpene. 11) Mehr als 200 mg/kg Isothiazolinone. 12) Mehr als 100 mg/kg Kobalt. 13) Deklarationsmangel: keine Angabe zu Inhaltsstoffen auf dem Etikett. 14) Deklarationsmangel: Angabe von Inhaltsstoffen nur im Technischen Merkblatt. 15) Deklarationsmangel: keine Angabe zu Konservierungsstoffen auf dem Etikett bzw. lediglich der Begriff „Konservierungsmittel“. 16) Deklarationsmangel: eine Deklaration „lösemittelfrei“ trotz eines TVOC-Gehalts (Summe flüchtiger organischer Verbindungen) von mehr als 0,1 % = 1.000 mg/kg. 17) Dekla rationsmangel: kein Warnhinweis Kobaltsalze („Enthält Kobalt …[Name des Stoffs] – kann allergische Reaktionen auslösen“) auf dem Etikett bzw. nur im Sicherheitsdatenblatt. 18) Laut Anbieter enthalten aktuelle Etiketten Informationen zu Inhaltsstoffen, Konservierungsmitteln sowie den Hinweis auf eine Hotline für Isothiazolinon-Allergiker.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 10.000 mg/kg Butoxyethanol. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 100 bis 1.000 mg/kg aromatische Kohlenwasserstoffe (Aromaten); b) mehr als 1.000 mg/kg problematische Glykole (Ethylenglykole); c) mehr als 100 mg/ kg Acrylate; d) mehr als 100 mg/kg Kobalt; e) deutlich mehr als 200 mg/kg Isothiazolinone; f) mehr als 1.000 mg/ kg Dimethylaminoethanol; g) in der Summe mehr als 100.00 mg/kg flüchtige organische Verbindungen. Unter dem Testergebnis Deklaration führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) keine Angaben zu Konservierungsstoffen auf dem Etikett bzw. lediglich der Begriff „Konservierungsmittel“; b) keine Angabe zu Inhaltsstoffen auf dem Etikett. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) kein Warnhinweis „Enthält Kobalt …[Name des Stoffes] –kann allergische Reaktionen auslösen“ bei einem Gehalt von über 0,1 bis 1 Prozent Kobaltsikkative auf dem Etikett, wenn nicht schon fehlende Angaben von Schutzmaßnahmen bei kobalthaltigen Lacken abgewertet wurden; b) keine Angabe einer Hotline für Isothiazolinonallergiker, falls Isothiazolinone enthalten, oder nur Angabe der Zentrale; c) eine Deklaration „lösemittelfrei“ trotz eines TVOC-Gehalts von mehr als 0,1 % = 1.000 mg/kg; d) Angabe der Inhaltsstoffe nur im Technischen Merkblatt. In das Gesamt urteil gehen das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 70 Prozent und das Test ergebnis Deklaration zu 30 Prozent ein.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis fi nden Sie unter www.oekotest.de Suchen „N1494“ eingeben.

Bereits veröff entlicht: ÖKO-TEST Handbuch Bauen für 2013. Aktualisierung der Angaben, sofern die Anbieter Produktveränderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Preisberechnung basiert auf Gebindegrößen zwischen 500 und 750 Millilitern und der durchschnittlichen, vom Hersteller angegebenen Reichweite.