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TEST Laufshirts: Zum Davonlaufen


ÖKO-TEST Spezial Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 5/2014 vom 02.05.2014

Wer läuft, tut dies meist in Kunstfasern. Anbieter moderner Laufshirts versprechen mit ihren Textilien einen angenehmen Tragekomfort. Doch sechs Shirts in unserem Test zeigten sich nicht eben in Bestform.


Artikelbild für den Artikel "TEST Laufshirts: Zum Davonlaufen" aus der Ausgabe 5/2014 von ÖKO-TEST Spezial Kosmetik und Wellness. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: imago/Sportimage

Wenn Rocky Balboa alias Sylvester Stallone in den diversen Teilen des Boxermärchens zum Trainingslauf startet, trägt er diesen betongrauen Schlabber-Jogginganzug. Und wenn Rocky seinen Lauf quer durch Philadelphia schließlich nach dem Sprint über die Treppenstufen hoch zum Philadelphia Museum of Art in Jubelpose beendet, ist der Anzug nass – schweißnass.

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... Industrievereinigung Chemiefaser, des Zusammenschlusses von Kunstfaserherstellern in Deutschland, Österreich und der Schweiz, kennen den Grund: Rockys Trainingsanzug besteht aus Baumwolle. Und mit dieser Naturf aser am Leib wird der ambitioniert trainierende Boxer zum Wasserträger. Denn wenn Schweiß auf Baumwolle trifft, saugt die sich wie ein Schwamm voll und klebt am Körper. Die Fasern quellen auf und werden undurchlässig. Ganz anders jene Fasern, aus denen die Sportbekleidungsanbieter heute ihre Funktionstextilien komponieren. Laufshirts aus Polyester oder Polyamid leiten die Feuchtigkeit, die beim Schwitzen entsteht, nach außen ab, bevor sie sich als Schweißfilm auf der Haut ablagert. An der Laufshirtoberfläche kann der Schweiß dann trocknen.

Wer sich jetzt fragt, warum er oder sie dann bei der jüngsten Karnevalsparty im Supermannkostüm oder Catwoman-Catsuit aus Polyester so unheldenhaft geschwitzt hat, findet die Antwort im Herstellungsprozess von Kunstfasern. Denn Fadengröße, -form und -textur entscheiden über die Fähigkeiten des eingesetzten Polyesters oder Polyamids.

Um Chemiefasern herzustellen, benötigt man eine zähe Flüssigkeit: die Spinnmasse. Deren Ausgangsstoffe werden zu spinnbarem Material aufbereitet – dem Polymer. Synthetische Polymere sind zum Beispiel Polyamid-, Polyester- und Elastanfasern. Damit aus der Spinnmasse Garn entsteht, wird das Material durch feine Öffnungen einer Spinndüse gepresst. Die Form der Düsen löcher ist für die unterschied liche Faserquerschnittsform verantwortlich. Denn ob der Faden rund, dreieckig oder sternchen förmig ist, hat Einfluss auf die Eigenschaften der daraus hergestellten Textilien.


Hersteller setzen auf feine Fasern gegen Feuchtigkeit und Scheuern


Die Textuierung, ein weiterer Verarbeitungsschritt, erhöht das Volumen und die Elastizität des Garns. Sie beeinflusst Weichheit, Wärmeisolierungs- und Feuchtetransportvermögen des Garns und der daraus hergestellten Artikel. Und hier stecken Chemiefaserhersteller auch Know-how, das heißt letztlich Geld, rein. Polyesterlaufshirt ist also nicht gleich Poly esterlaufshirt. Zum Beispiel wenn das eine aus Mikrofasern gewebt ist. Diese feinsten Fäden sind doppelt so fein wie Seide. Knapp drei Kilogramm eines solchen Fadens reichen aus, um die Welt am Äquatorkreis zu umwickeln. Der Einsatz solch feiner Fäden bedeutet größere Oberfläche bei gleichem Gewicht. Eine größere Oberfläche verbessert die Verdunstung von Schweiß. Ein aus feinstem Garn produziertes Laufshirt fasst sich auch weicher, die Chemiefaserhersteller schwärmen „seidiger“, an.

Neben dem Faden macht aber auch die Verarbeitung den Unterschied. Hersteller Adidas etwa wirbt mit Climacool-Zonen. Da sind sichtbar offener gewebte Zonen am Rückenteil und den Ärmeln. Wendelin Hübner, Brand-PR-Manager im Unternehmen, erklärt: „Das Climacool-Gewebe ist offener als das Gewebe im Vorderteil des Shirts, sodass hier Feuchtigkeit und Wärme besonders gut vom Körper nach außen gelangen, während kühlende Luft durchgelassen wird.“ Dieses offener gewebte Material setzt der Hersteller übrigens nicht im Vorderteil und an den oberen Flächen der Ärmel ein, damit der Körper beim Laufen nicht durch den Wind auskühlt.

Man setzt auf Polyester, da es nicht nur sehr wenig Feuchtigkeit aufnimmt, schnell trocknet und Wärme vom Körper nach außen lässt. Es knittert auch kaum. Davon verspricht sich Adidas Tragekomfort, da Knitterfalten am Körper reiben und die Haut reizen könnten. Wendelin Hübners Tipp, wie ein Verbraucher ein gutes Laufshirt erkennt? „Das Produkt sollte ausreichend Belüftungskanäle, also offener gewebte Zonen, haben. Das Material sollte sich gut auf der Haut anfühlen. Fließendes, weiches Polyestermaterial eignet sich grundsätzlich besser zum Laufen als festes, dickes.“

André Kossmann, Anbieter der Kossmann-Laufkleidung, setzt Polyamid und nicht Polyester ein. Polyamid sei zwar teurer, aber auch weicher als Polyester. Außerdem rieche Polyamid auch bei starkem Schwitzen nicht so unangenehm, wie es häufig bei Polyester der Fall ist, erklärt Kossmann. Er weiß: „Es gibt tolle Stoffe, die viel können, aber meist aus Kosten gründen nicht eingesetzt werden.“ Als „eher hochpreisiger Anbieter“ habe er es da besser. Er könne Stoffe verarbeiten, „die wirklich etwas können“. Sein Tipp für Verbraucher: „Ich würde Haptik und Geruch prüfen.“ Weich deute auf ein feines Garn hin. Und: „Der gute Geruch sortiert dann weiche Stoffe aus, die chemisch behandelt wurden, um weich zu werden, es von Haus aus aber nicht sind.“ Die chemische Ausrüstung sei außer dem nach 20-mal waschen weg, verrät Kossmann. „Und dann scheuert das Shirt.“

Um die „Ausrüstung“, die schon vor dem ersten Waschen nichts in Laufshirts zu suchen hat, hat sich ÖKO-TEST gekümmert. Wir schickten 15 Laufshirts in die Labore und ließen sie auf Schadstoffe und Materialeigenschaften untersuchen.

Das Testergebnis

■ Mehr als die Hälfte der getesteten Laufshirts können wir empfehlen. Noch besser fällt das Ergebnis hinsichtlich Materialeigenschaften aus: Beim Test, ob Reibung oder Schweiß die Farbe des Shirts verblassen lässt oder ob ein feuchtes Shirt auf andere Texti lien abfärbt, gab es fast nichts zu meckern.
■ In den Laufshirts Oxylane Kalenji Essentials T-Shirt und Tao Running Womens Cobalt Shirt Zentourion fand ein Labor Dioktylzinn (DOT). Diese zinnorganische Verbindung wird als Stabilisator oder Katalysator in Textilien ein-gesetzt. DOT hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit, es kann zum Beispiel eine Immuntoxizität verursachen und sich im Körper anreichern. Dioktylzinn ist seit 2012 in vielen Produkten wie Baby artikeln, Textilien mit Hautkontakt oder Schuhen und Handschuhen verboten, sobald der Gehalt an Zinn 0,1 Prozent übersteigt. Auch wenn weniger in den beiden Laufshirts steckt: Wir werten trotzdem ab.
■ Anbieter Thoni Mara hat sein Runner’s Wear Herren Basic Ti-Shirt mit Silber ausgestattet. Sport- und Funktionsbekleidungshersteller machen das gern, da Silberfäden oder kleinste Nanosilberpartikel im Laufshirt antimikrobiell wirken können und so zum Beispiel Keime töten – auch solche, die Schweiß zu unangenehm riechenden Abbauprodukten zersetzen. Das Problem: Durch inflationären Einsatz von Silber in Alltagstextilien gelangen Silberpartikel in die Umwelt. Der medizinische Nutzen des Edelmetalls im Kampf gegen Keime kann aber geschwächt werden, da sich silberresistente Keime entwickeln können. So kommt Silber im Produkt letztlich der Gesundheit teuer zu stehen. Silber gehört in die Wundauflage, das Laufshirt schlicht in die Waschmaschine. Forscher der ETH Lausanne und der ETH Zürich haben außerdem in Experimenten nachgewiesen, dass Silber ionen im Wasser die Fotosynthese- und Wachstumsraten der Zellen von Grünalgen auch bei niedrigen Silberkonzentrationen bereits nach 15 Minuten um bis zu 50 Prozent sinken lassen. Die Forscher interpretieren dies als Reaktion der Algen auf den Stressfaktor, um Schäden zu reparieren. Bei niedrigen Silberkonzentrationen erholten sich die Fotosynthesekraftwerke in der Zelle innerhalb von fünf Stunden. Bekannt ist jedoch nicht, ob es einen Mechanismus gibt, der das Silber aktiv aus den Zellen hinaustransportieren kann. Fehlt ein solcher Mechanismus, könnte Silber in höheren Organismen zu negativen Effekten führen.
■ Pink, Kiwi, Azur, Shocking Orange: Die Laufshirtproduzenten setzen auf kräftige Farben. Noch schöner ist es, wenn die Farben auch im T-Shirt bleiben, sich nicht abreiben lassen oder durch Kontakt mit Schweiß verblassen. Ärgerlich ist es auch, wenn das farbenfrohe Shirt auf andere Textilien abfärbt. Beim Test Materialeigenschaften zeigten sich 14 der 15 Produkte in Bestform. Sie sind reibecht, schweißecht und färbten gar nicht oder wie die Produkte Asics Inner Muscle 1/2 Zip Top Men und Thoni Mara Runner’s Wear Herren Basic Ti-Shirt kaum ab. Lediglich das Laufshirt Falke Women Zip Shirt Shortsleeve Experience bekam für eingeschränkte Reibechtheit eine Note Abzug.

Fett gedruckt sind Mängel.
Anbieterverzeichnis: siehe Seite 142.
Glossar: siehe Seite 144.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Nonylphenolethoxylate. 2) Laut Hersteller kommen ab Sommer 2014 keine optischen Aufheller mehr in den Etiketten zum Einsatz. Laufshirts der neuen Kollektion ohne optische Aufheller im Etikett sind laut Anbieter die Shirts ESSENTIAL speed blue und ESSENTIAL 2600 blaze orange.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 100 μg/ kg bis 1.000 μg/kg der zinnorganischen Verbindungen Dibutylzinn (DBT), Tributylzinn (TBT), Triphenylzinn (TPT) oder Dioktylzinn (DOT) (hier: Dioktylzinn [DOT]). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) mehr als 10 mg/kg bis 1.000 mg/kg phosphororganische Verbindungen (hier: Triphenylphosphat und Phenylkresylphosphate); c) Silber; d) optische Aufheller in Materialien mit Hautkontakt; e) Antimon.
Unter dem Testergebnis Materialeigenschaften führt zur Abwertung um eine Note: eine eingeschränkte Reibechtheit (trocken und/oder nass), diese entspricht auf der Skala Note 5 = beste Note bis Note 1 = schlechteste Note einer Bewertung schlechter als Note 4.

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: Nonylphenolethoxylate. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und dem Testergebnis Materialeigenschaften. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note.
Testmethoden: siehe www.oekotest.de → Suchen → „T1405“ eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 04/2014. Aktualisierung der Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

ÖKO-TEST rät

■ Achten Sie auf Ausrüstungshinweise wie „antibakteriell“ oder „geruchshemmend“. Oft sind diese Laufshirts mit Silber oder anderen Bakterienkillern ausgerüstet, die in einem Laufshirt völlig überflüssig und manchmal sogar schädlich sind.

Einfach loslaufen

Wer mit dem Laufen anfangen will, braucht nicht viel, um loszulegen. Wichtig sind die Schuhe. Laut einer Studie der schottischen Dundee University müssen es aber nicht die Premiummodelle für 200 Euro sein. Denn die Forscher haben herausgefunden, dass teure Sportschuhe die Füße nicht besser schützen als günstige Treter. Schuhe, die auf den eigenen Fuß und die Lauftechnik abgestimmt sind, eignen sich am besten. Einen ersten Hinweis auf die Fußstellung liefert der Abnutzungsgrad der Sohlen eines Alltagsschuhs: Ist die Schuhinnenseite stark betroff en, so knickt der Innenrand der Fußes beim Laufen zu stark zur Innenseite ab. Ist hingegen die Schuhaußenseite im vorderen Bereich stark abgenutzt, steht der gesamte Fuß beim Verlassen des Bodens in Richtung Innenseite. Für beide Fußstellungen gibt es entsprechend gedämpfte und konstruierte Schuhe oder auch Einlagen bei stärkeren Fußfehlstellungen. Eine – verbunden mit einem Schuhkauf kostenlose – Laufanalyse im Sportgeschäft liefert weitere Details zu Laufstil und Fußstellung.

Foto: © Dan Race/Fotolia.com

Licht an!
Stirnlampen sind nicht wirklich kleidsam. Doch wer im Dunkeln läuft oder in schlecht ausgeleuchteten Parks, lernt die Beleuchtung der kommenden Laufmeter zu schätzen. Und: Auch die anderen Verkehrsteilnehmer freuen sich!

Olles T-Shirt oder Funktionsshirt?
Wer in der wärmeren Jahreszeit mit dem Lauftraining startet, der kann auch im alten Baumwollshirt rennen. Mit steigender Intensität und vermehrtem Schwitzen bietet eine Funktionsfaser aber Vorteile wie Feuchtigkeitstransport, schnelleres Trocknen und leichte Pflege.

Bloß keinen Wolf rennen
Für die Hose gilt: Egal ob kurz oder lang, weit oder eng – man sollte raue Nähte vermeiden, die beim Laufen im Schritt oder am Schenkel scheuern.

Foto: Ridofranz/iStock/Thinkstock

Foto: © sad dogg design – Fotolia.com

Braucht der Puls eine Uhr?
Hightech am Handgelenk und um den Brustkorb muss nicht sein. Wer mit dem Laufen beginnt, sollte auf seinen Körper hören. Für den Anfang gilt der Spruch: „Laufen, ohne zu schnaufen.“ Wer zu zweit startet und sich beim Joggen unterhalten kann, verhindert ebenfalls, sich zu überfordern.