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TEST Lehmfarben/-putze: Guter Ton?


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2014 vom 25.07.2014

Erfüllen auch die dünnen Lehmanstriche aus dem Heimwerkerbereich die hohen Erwartungen an den natürlichen Baustoff Lehm? Die Inhaltsstoffe der von uns untersuchten Produkte sind meist akzeptabel und vor allem nicht verstrahlt. Doch das Raumklima verbessern die Lehmanstriche nur teilweise. Von Anna Mai


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Foto: imago/imagebroker

Lehm ist ein uralter natürlicher Baustoff. Mit gestampftem Lehm oder mit Lehmziegeln wurde schon vor Jahrtausenden gebaut und mit ihm die ersten massiven Wände errichtet. In älteren Häusern finden sich noch Innenwände aus Lehm. Auch in Geschossdecken und zum Verputzen wurde Lehm ...

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... verarbeitet. Doch dann geriet der Baustoff bei uns ziemlich in Vergessenheit.

Seit einigen Jahren nun hat Lehm als ökologisches Material ein beachtliches Comeback hingelegt – vor allem in der Fachwerksanierung, als Putz und neuerdings auch als Anstrich. Grund für die Renaissance des Baustoffes ist die Tatsache, dass Lehm Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen, speichern und nach und nach wieder abgeben kann. So werden für die Schleimhäute ungesund niedrige oder schimmelfördernde hohe Luftfeuchtespitzen ausgeglichen und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Luftfeuchtigkeit auf 45 bis 55 Prozent einpegelt – ein für den Menschen optimal verträgliches Raumklima. Die enthaltenen Tonmine rale können zudem Schadstoffe und Gerüche binden, hat die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Prüfkammern festgestellt. „Die Schadstoffe werden aber nicht aufgespalten und nur zu geringen Anteilen dauerhaft angelagert; sie werden langsam wieder in geringen Konzentrationen abgegeben“, erläutert der von uns beauf tragte Lehmexperte Professor Christof Ziegert aus Berlin. Die Tonminerale haben aber immerhin eine puffernde Wirkung. Ein weiterer Grund für die neue Beliebtheit von Lehm: Räume lassen sich mit natürlichen Farbtönen und je nach Art des Auftrags mit besonderen Strukturen gestalten.

Lehm ist ein Gemisch aus Ton und unterschiedlichen sandigen Anteilen. Mit Wasser versetzt, entsteht eine plastische formbare Masse. Ton und Sand werden an vielen Orten in Deutschland gewon nen. Sie finden sich in verschiedenen geologischen Schichten. So ist zum Beispiel der Westerwald in Hessen ein Gebiet mit bedeutenden Vorkommen. Der dort ansässige Hersteller Maroton verwendet, wie er uns erläuterte, verschiedenfarbige Lehme und Sande aus der Region, die er selbst selektiv abbaut, sodass er ohne weitere Pig mente unterschiedliche Putze anbieten kann. Andere Hersteller greifen zu mineralischen Pigmenten, möglicherweise auch in die chemische Trickkiste, um ein großes Spek trum mit kräftigen Farbtönen anbieten zu können.


Lehm ist ein Puffer für Feuchtigkeit und Schadstoffe


Lehmputz wurde in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Es stehen heute verschiedenste Pro dukte zur Verfügung. Als dicke Grundputze schaffen sie eine ebene Grund lage und dienen als Trägerschicht für Oberputze, Fein- oder Edelputze, die dann die Optik ausmachen. Aber erst ab einer Stärke von etwa einem Zentimeter in einem durchschnittlich großen Raum kann der Lehm nach Aussagen von Fachleuten seine positiven Eigen schaften voll ausspielen. Bei den richtigen Lehmputzen ist allerdings handwerkliches Können vonnöten und sie sind teurer als normaler Gips- oder Zementputz. Deshalb oder weil bereits ein anderer Putz vorhanden ist, begnügen sich Bauherren oft mit einem Lehmanstrich, der aber aufgrund der minimalen Stärke nur noch wenig oder gar nicht zum Raumklima beitragen kann. Weitere Nachteile: Lehmanstriche gelten im Vergleich zu Dispersio nen als weniger strapazierfähig, was sich zum Beispiel in einem höheren Abrieb zeigen kann.

Für Heimwerker sind Lehmfarben und Lehmstreich putze relativ einfach zu verarbeiten, ähnlich anderen Wandfarben. Lehmanstrichstoffe enthalten neben Ton noch ein weiteres Bindemittel zur Stabilisierung, zum Beispiel Stärke oder Zellulose. Lehmfarben gibt es bereits fertig angemischt, in Weiß mit Kreiden, Marmormehl oder Titan dioxid – oder in zahlreichen Farben. Sie müssen mit einem oft synthetischem Konservierungsmittel haltbar gemacht werden. Als Streichputze bezeich nen sich Lehmfarben mit Kornanteilen, die oft noch angerührt werden und quellen müssen. Mit solchen Produkten können Oberflächen erstellt werden, die fein geriebenen Putzen ähnlich sind, vor allem wenn sie mit Bürste oder Quast aufgetragen werden.

Wir wollten wissen, wie es um die Qualität von Lehmanstrichen bestellt ist, die von Heimwerkern verarbeitet werden. Dazu haben wir sieben weiße, fertig angerührte Lehmfarben eingekauft sowie zehn farbige Lehmstreichputze, die bis auf eine Ausnahme als Pulver geliefert werden. Wir ließen ihre Inhaltsstoffe und ihre Praxiseigenschaften untersuchen.

Das Testergebnis

Nicht schlecht, aber keine Wunderwaffe. Auch wenn kein Produkt auf ganzer Linie überzeugen kann, so schnei-det doch rund die Hälfte der Anstriche im Gesamturteil „gut“ ab. Der Rest ist mittelmäßig. Lediglich eine Lehmfarbe fällt wegen bedenklicher Inhaltsstoffe durch.
Problematische Borverbindungen und Blei. Die Hersteller Maroton und in noch größerem Umfang Livos setzen in ihren Produkten Borax beziehungsweise Borax und Borsäure ein. Diese Borverbindungen stehen bei der europäischen Chemikalienagentur ECHA auf der Kandidatenliste der besonders Besorgnis erregenden Stoffe, weil sie im begründeten Verdacht stehen, die Fortpflanzung zu gefährden. Die Borverbindungen werden unter anderem als Konservierungsmittel eingesetzt. Durchaus natürlichen Ursprungs können die nachgewiesenen Schwermetalle sein. Das nervengiftige Blei werten wir in fünf Lehmstreichputzen ab. Zwei Anstriche enthalten Antimon und Chrom beziehungsweise Nickel in deutlichen Konzentrationen, die vermutlich aus den verwendeten Pigmenten stammen. In den flüssigen Wandfarben werden mehrfach Isothiazolinone als Topfkonservierer eingesetzt. Sie können Allergien auslösen, weshalb wir Gehalte, die höher sind als die Grenzwerte des Blauen Engels für Wandfarben, kritisieren.
Keine nennenswerte radioaktive Strahlung. Wir können Entwarnung geben. Auch bei vollflächiger Belegung der Wände ist mit kei-ner relev anten zusätzlichen Jahres dosis durch Radioaktivität und Radon zu rechnen. Die Produkte weisen nur geringe Werte auf. Ledig lich beim Casa Natura Ravenna Lehmstreichputz ist die Strah lung etwas deutlicher, was aller dings nur bei größeren Schichtdicken zu leicht erhöhten Werten führen würde.

Teilweise Verbesserung des Raumklimas. Vor allem die Lehmstreichputze können die Fähigkeit einer Wand zur Wasserdampfaufnahme verbessern, sofern sie vorher – etwa bei Gipskarton – nur mäßig vorhanden war. Wenn jedoch schon ein sehr aufnahmefähiger Lehmputz vorhanden ist, verschlechtert sich diese Eigenschaft in den meisten Fällen. Sie ist aber immer noch in die höchste Wasserdampfsorptionsklasse III einzuordnen, weshalb wir sieben Produkte noch mit „gut“ bewerten können. Am besten schneidet bei dieser Eigenschaft der Rapido-Lehmstreichputz ab, der sogar die Feuchtigkeitsaufnahme eines feuchteaktiven Lehmputzes noch verbessert. Der Casa Natura Ravenna Lehmstreichputz und der Maro ton Lehmstreichputz sind ebenfalls noch „sehr gut“. Am wenigsten überzeugen konnte die Green line Lehm farbe, die selbst auf Gipskarton schlechtere Werte lieferte.
Anwendung ging oft nicht von der Hand. Ein Lehmstreichputz und drei Lehmfarben haben hier die Nase vorn. Sie ließen sich leicht verar-beiten und hatten gleichzeitig einen geringen und damit akzep tablen Abrieb. Nicht so recht glücklich waren unsere Tester beim Anrühren und Streichen der Livos Elerkos Lehmfarbe, das ging recht schwer von der Hand. Beim Kreidezeit Vega Lehmstreichputz und bei der Pronatur Lehmfarbe trocknete die Farbe bereits beim Auftragen sehr schnell ab und ließ sich deshalb schwer verstreichen. Und der Abrieb des Rapido-Lehmstreichputzes war nach Aussagen unserer Tester viel zu hoch für einen Lehmstreichputz. Auch die Marken Casa Natura, Pro Crea und Tierrfino zeigten noch einen hohen Abrieb. Eine unliebsame Überraschung ereilte unsere Tester beim Öffnen des ersten Eimers der Leinos Lehm farbe: Hier hatte sich im oberen Bereich Schimmel gebildet – alle übrigen Gebinde waren jedoch in Ordnung.

Mit Lehmstreichputzen lassen sich verschiedene Strukturen und Farbeff ekte erzeugen.


Foto: epr/Leinos

So reagierten die Hersteller

Baufan: Unsere Tester hatten bei der Pronatur Lehmfarbe die Verarbeitung bemängelt. Der Hersteller hat dafür eine Erklärung: „Wenn der Untergrund stark saugfähig ist, penetriert die frische Farbe zügig in das saug fä hige Substrat. Die Folge ist ein schwergängiger Pinselstrich und ein schnelles Abtrocknen der Farbe. Wir empfehlen in diesem Fall die Vorbehandlung mit der Pronatur Grundierung.“ Seit Dezem ber 2013 würden Etikett und Technisches Merkblatt diese Information ausweisen. Auf unseren Testprodukten gab es die Empfehlung noch nicht.
Maroton: Der Hersteller teilte uns mit, dass in seiner Rezeptur Borax dazu diene, Kasein aufzuschließen. Er sei dabei, Borax zu ersetzen; die Versuche seien aber noch nicht abgeschlossen. Er hatte auch eine Erklärung, warum die angegebene Wassermenge zu knapp bemessen war: Das „lindgrüne“ Tonmineral könne mehr Wasser binden als andere Minerale. Deshalb beträfe die Kritik nur diesen Farbton.

Fett gedruckt sind Mängel.
Anmerkungen: 1) Laut Anbieter wurde „im Rahmen der Recherchen zum Einsatz von Borax/Borsäure in Wandfarben“ die Konservierung geändert, ab Charge 42788 würden Isothiazolinone eingesetzt. 2) Laut Anbieter wurden im Dezember 2013 Etikett und Technisches Merkblatt überarbeitet, sodass nun für stark saugende Untergründe eine Vorbehandlung mit einer Pronatur Grundierung empfohlen wird, um das Streichverhalten zu verbessern. 3) Laut Anbieter findet aktuell ein Relaunch des gesamten Programms statt, weshalb das Produkt vermutlich nur noch bis Mitte 2015 erhältlich sein wird. Es werde durch eine Neuentwicklung ersetzt. 4) Der errechnete Preis basiert auf einem 25-Liter-Sack. 5) Weiterer Mangel: Ein Testgebinde wies nach dem Öffnen im oberen Teil des Eimers Schimmel auf. 6) Weiterer Mangel/Deklarationsmangel: Keine oder unpräzise Angabe des Konservierungsstoff s. 7) Weiterer Mangel/Deklarationsmangel: Keine Angabe einer Allergiker-Hotline, obwohl Isothiazolinone enthalten sind. 8) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 9) Laut Hersteller ist die Rezeptur der Schulz Lehmfarbe identisch mit der Hornbach Lehmfarbe. 10) Fertig angemischt.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein stark erhöhter Gehalt von Borax/Borsäure (mehr als 1.000 mg/kg Bor). Zur Abwertung um zwei Noten führt: ein erhöhter Gehalt von Borax (mehr als 100 bis 1.000 mg/kg Bor). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Antimon und Nickel (hier: 2.100 mg/ kg und 800 mg/kg); b) Antimon und Chrom (hier: 1.600 mg/kg und 460 mg/kg); c) mehr als 20 mg/kg Blei; d) mehr als 200 mg/kg Isothiazolinone.
Unter dem Testergebnis Raumklimatische Wirkung führt zur Abwertung um zwei Noten: Wasserdampfaufnahme von Gipskarton wird durch Anstrich noch verschlechtert. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Wasserdampfaufnahme von Gipskarton wird durch Anstrich wenig beeinflusst; b) Wasserdampfaufnahme von Lehmputz wird durch Anstrich etwas verschlechtert. Unter dem Testergebnis Anwendung führt zur Abwertung um vier Noten: ein sehr hoher Abrieb von mehr als 500 mg (auf der von der Norm-Abriebbürste erfassten Prüffläche von ca. 20 cm2 ). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein hoher Abrieb von mehr als 100 bis 500 mg (Prüffläche siehe oben); b) eine „schwierige“ Verarbeitung mit deutlichen Mängeln. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein mittlerer Abrieb von mehr als 50 bis 100 mg (Prüfläche siehe oben); b) eine „noch gute“ Verarbeitung, jedoch mit Mängeln. Das Testergebnis Anwendung setzt sich zu gleichen Teilen aus den Noten für Abrieb und Verarbeitung zusammen und ist kaufmännisch gerundet.
Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) keine oder unpräzise Angabe des Konservierungsstoffs bei fertig angemischten Anstrichen (Deklarationsmangel); b) Schimmel in einem Testgebinde. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) keine Angabe einer Allergiker-Hotline, obwohl Isothiazolinone enthalten sind (Deklarationsmangel); b) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.
In das Gesamturteil gehen das Testergebnis Inhaltsstoffe, das Test ergebnis Raumklimatische Wirkung und das Testergebnis Anwendung zu gleichen Teilen ein. Es kann nicht besser sein, als das Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Produkt mit einem Testurteil Raumklimatische Wirkung oder einem Testurteil Anwendung, das nur „ausreichend“ ist, kann im Gesamturteil nicht besser sein als „befriedigend“. Ein Testurteil Weitere Mängel, das „mangelhaft“ ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um zwei Noten. Ein Testurteil Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1408“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: März bis April 2014.
Preisangaben für fertig angerührte Lehmanstriche beruhen auf 10-Liter-Eimern, für Lehmstreichputze (Pulver) auf Gebindegrößen von 5–25 kg, zzgl. der Preise für Pigmente oder Abtönfarben (falls noch nicht enthalten), und der vom Hersteller angegebenen Reichweite für einen Anstrich. Je nach Untergründen und Verarbeitungsart kann der Materialverbrauch deutlich variieren.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Kompakt

Verarbeitung

Grundierung
Bei Lehmstreichputzen wird von den Herstellern in der Regel eine Grundierung vorgeschrieben. Diese ist vor allem bei saugfähigen Untergründen wichtig. Die Angaben der Anbieter beachten.

Anrühren
Die Lehmstreichputze werden meist als Trockenmaterial geliefert, das in etwa mit der gleichen Menge Wasser angerührt wird; die exakte Menge gibt der Hersteller an. Eventuell separat gelieferte Pigmente werden zugemischt. Falls die Masse noch zu zäh und schwer zu streichen ist, etwas mehr Flüssigkeit zugeben. Am besten gelingt das Anrühren mit einem Bohrmaschinenquirl, danach muss der Streichputz 30 bis 60 Minuten ruhen, dann noch einmal durchrühren. Die angemischten Putze sind etwa 24 bis 48 Stunden verwendbar, am besten jedoch nur so viel anrühren, wie am Tag verbraucht werden kann.

Aufbringen und Streichen
Der Anstrich in ein bis zwei Durchgängen erfolgt mit Flächenpinsel oder Bürste/Quast, Lehmfarben können auch noch mit der Rolle aufgebracht werden. Wegen der Körnung muss vor allem der Lehmstreichputz zwischendurch aufgerührt werden. Wenn man zwei Farb töne verwendet, die nass mit der Bürste miteinander verwischt werden, lassen sich besondere Farbeffekte erzielen. Der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Manche Hersteller oder Handwerker bieten auch Kurse zur Verarbeitung von Lehmputzen an. Auch im Internet findet man Anleitungen, zum Beispiel auf www.casanatura24.de

Reinigung der Werkzeuge
Pinsel und Bürste sind unkompliziert zu reinigen, sofort nach Gebrauch mit Wasser, eventuell noch mit Seife.

ÖKO-TEST rät

■ Lehmfarben und Lehmstreichputze können auf fast allen Untergründen verwendet werden. Auch Raufaser kann man mit Lehmfarben streichen, allerdings wirkt das anders als auf glatten Flächen.
■ Je dicker die Lehmschicht, umso mehr wirken sich die puff ernden Eigenschaften auf das Raumklima aus. Dafür ist ein richtiger Lehmgrundputz die beste Wahl.
■ Die schönsten Oberflächen kann man mit einem mehrere Millimeter dicken Feinputz erzielen. Allerdings ist er schwieriger zu verarbeiten, er wird mit der Kelle aufgebracht und kann dann mit verschiedenen Werkzeugen strukturiert werden.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Sofern im Angebot haben wir in Baumärkten, Naturbaumärkten und über den Versandhandel sieben weiße, fertig angemischte Lehmfarben eingekauft, außerdem noch zehn farbige Lehmstreichputze. Bis auf eine Ausnahme sind diese in Pulverform und werden vor der Verarbeitung angemischt. Teilweise mussten die Pigmente für die Farbtöne separat gekauft werden, bei anderen hatte das Pulver schon den entsprechenden Farbton.

Die Musterflächen der Lehmstreichputze zeigen zehn verschiedene, aber ähnlich intensive Farben.


Foto: Labor

Die Inhaltsstoffe
Baustoffe aus der Erde können von Natur aus mit Schwermetallen belastet sein, das gilt auch für mineralische Pigmente, die zum Teil in Lehmfarben/-putzen verwendet werden. Teilweise werden auch noch synthetische Stoffe zugesetzt. So enthalten die fertig angerührten Lehmanstriche möglicherweise problematische Konservierungsstoffe. All das ließen wir prüfen, ebenso die natürliche radioaktive Eigenstrahlung der Produkte und den Übergang von Radon und Thoron in die Raumluft. Denn in der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte über radioaktive Belastungen in Lehmhäusern.

Die raumklimatische Wirkung
Lehmbaustoffe gelten als besonders förderlich für ein gutes Raumklima. Diese Eigenschaft lässt sich im Labor anhand des Pufferverhaltens gegenüber Wasserdampf bewerten. Lehmputze der besten Normklasse weisen beispielsweise ein fünffach höheres Speichervermögen auf als ein Gipsputz, ein wesentliches Kaufargument für die meist teueren Lehm putze. Aber haben auch dünne Lehmfarben und Lehmstreichputze diese Eigenschaft? Die Lehmexperten „Ziegert/Seiler Ingenieure“ aus Berlin testeten, wie sich diese Lehmanstriche auswirken. Als vergleichsweise schlechter Untergrund wurde dazu eine Gipskartonplatte und als guter Untergrund ein Lehmputz der besten Klasse ausgewählt. Kann man eine Gipskartonwand raumklimatisch aufwerten? Bleiben die guten Eigenschaften des Lehm putzes auch nach dem Auftrag der Lehmfarbe erhalten oder wird der eigentliche Puffer durch eine zu dichte Lehmfarbe abgeblockt?

Die Anwendung
Wie gut lässt sich die Lehmfarbe aufrühren und das Lehmpulver anrühren? Wie leicht lässt sich der Anstrich aufbringen und verstreichen? Wie tauglich ist das Produkt also für Heimwerker? Unsere Tester erstellten Probeflächen und verglichen die Produkte untereinander. Sie untersuchten auch, wie viel Farbe und Körnung sich im Gebrauch abreiben. Denn das wird an Lehmprodukten immer wieder kritisiert.

Die Weiteren Mängel
Wir nahmen auch die Deklarationen unter die Lupe, vor allem die der fertig angerührten Lehmfarben. Der Verbraucher sollte erfahren, welche Konservierungsmittel eingesetzt werden, und im Falle von allergieauslösenden Inhaltsstoffen eine Allergiker-Hotline anrufen können, um sich beraten zu lassen.

Die Bewertung
Stoffe, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken können, sollten auch in natürlichen Baustoffen nicht vorhanden sein. Wir halten sowohl die Inhaltsstoffe, die raumklimatische Wirkung und die Anwendung für wichtig, allerdings haben die Inhaltsstoffe die höchste Priorität, weshalb das Gesamturteil nicht besser sein kann als das Testergebnis Inhaltsstoffe.

Foto: Labor

Um den Abrieb zu ermitteln, wurde eine rotierende Bürste auf eine Musterfläche aufgesetzt.


Foto: Labor