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TEST Lippenpflege mit UV-Schutz: Sonnenschutz in neuem Licht


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 27.12.2021

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RATGEBER

1 Sechs Lippenpflege-Stifte im Test sind „gut" oder „sehr gut": Sie enthalten weder bedenkliche UV- Filter noch sonstige Problemstoffe.

2 Der Preis ist in diesem Test kein Indiz für Qualität: Der günstigste Lippenpflegestift im Test ist „sehr gut", der teuerste „ungenügend".

3 Gerade beim Skifahren in den Bergen daran denken, UV-Schutz regelmäßig neu aufzutragen. Auf der Unterlippe ist die Gefahr für Sonnenbrand besonders hoch.

Der Schnee glitzert, die Sonne scheint, die Piste ist frei – wenn der Winter sich von dieser schönen Seite zeigt, ist UV-Schutz dringend angesagt. Denn die Schneekristalle verstärken die Wirkung der Sonne. Gerade an den Lippen, die kaum Eigenschutz gegen UV-Strahlen besitzen, ist die Gefahr für Sonnenbrand besonders hoch.

Ein Pflegestift mit UV-Schutz ist dann eine praktische Sache, denn er ist schnell aus der Tasche gezogen und schützt die Lippen auch gleich vor dem ...

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... Austrocknen. Allerdings verengt sich derzeit die Auswahl an UV-Filtern, die wir für diesen Einsatzzweck empfehlen können. Der Grund: Den mineralischen UV-Filter Titandioxid (TiO 2 ) müssen wir in neuem Licht betrachten, denn die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat ihn im vergangenen Sommer für die orale Aufnahme über Lebensmittel als möglicherweise erbgutschädigend eingestuft. Darum sollte auch Lippenpflege in unseren Augen vorsorglich auf Titandioxid verzichten. Denn einen Teil der Lippenkosmetik verschlucken wir: Bis zu 57 Milligramm pro Tag können es sein. Das sagen Berechnungen des für die Bewertung von Kosmetika zuständigen EU-Gremiums SCCS.

Alle drei Pflegestifte im Test, die ein Naturkosmetik-Siegel tragen, setzen aber ausschließlich auf den UV-Filter Titandioxid. Sie schneiden deshalb unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe nur „befriedigend“ ab.

Labello fällt mit „ungenügend“ durch

Die besten sowie die schlechtesten Produkte finden sich dieses Mal in der Tabelle der Lippenpflege ohne Naturkosmetikzertifizierung: Vier dieser Pflegestifte sind „sehr gut“; zwei aber nur „mangelhaft“, sieben sogar „ungenügend“ -darunter der Labello Sun Protect Lippenpflegestift LSF 30 sowie vier Pflegestifte aus der Apotheke.

In unserem vorigen Test von Pflegestiften mit UV-Schutz im Januar 2019 haben wir Titandioxid noch nicht abgewertet. Aber nun gerät der Stoff immer stärker in die Kritik. Schon länger gilt TiO 2 als kritisch, wenn es als ganz feiner Staub in Nano-Größe eingeatmet wird. Kosmetische Sprays dürfen deshalb keine Partikel enthalten, die kleiner sind als 100 Nanometer. In den vergangenen Jahren gab es dann auch immer mehr Hinweise auf eine Gesundheitsgefahr, wenn Titandioxid als Lebensmittelzusatz in den Darm gelangt. Im Sommer 2021 prüfte die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit die Datenlage und kam zum Schluss, dass E171 – so der Name von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff – als „nicht sicher“ eingestuft werden müsse. Weil bei derzeitiger Studienlage eine Genotoxizität des Stoffes zwar nicht bewiesen, aber auch nicht ausgeschlossen werden könne. Klartext: E171 kann möglicherweise das Erbgut schädigen.

Naturkosmetik enthält mehr Titandioxid Inwieweit sich die Daten zu E171 auf kosmetisches Titandioxid übertragen lassen, ist bisher nicht geklärt. Die EFSA betont, in ihrer Bewertung die orale Aufnahme von Titandioxid aus Kosmetik nicht berücksichtigt zu haben. Dennoch halten wir es aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes für richtig, Titandioxid in Kosmetika, die teilweise verschluckt werden können, abzuwerten. Insgesamt enthalten neun Pflegestifte im Test Titandioxid als UV-Filter oder als Farbstoff. Als Farbpigment taucht es in der Inhaltsstoffliste unter dem Namen CI 77891 auf, als UV-Filter steht es als Titanium Dioxide dort. Die höchsten Gehalte an TiO 2 hat das beauftrage Labor übrigens in den drei Naturkosmetik-Stiften gemessen.

„Unverbesserlich: Drei Stifte enthalten potenziell krebserregende Mineralölbestandteile.“

Christine Throl

ÖKO-TEST-Redakteurin

Weiterer Kritikpunkt: Die Deklaration der mineralischen UV-Filter. Wenn mehr als die Hälfte der Titandioxid- oder Zinkoxid-Partikel in Nano-Größe vorliegt, müsste laut Kosmetik-Verordnung hinter den Stoffen der Zusatz „nano“ in der Liste der Inhaltsstoffe stehen. Wir haben die Partikel im Labor nachmessen lassen. Demnach fehlt auf sechs Produkten die Auslobung „nano".

Chemische UV-Filter mit Risiken Bei aller Aufregung um Titandioxid: Mindestens ebenso kritisch sehen wir einige chemische UV-Filter in den Pflegestiften. Diese Filter dringen in tiefere Hautschichten vor und wandeln dort die UV-Strahlen in Wärme um. Ein Teil der Filter gelangt dabei in die Blutbahn.

Das EU-Bewertungsgremium SCCS ist ständig dabei, neue Daten zum Gefahrenpotenzial der UV-Filter zu sichten. Ganz neu ist die Empfehlung, die zugelassene Höchstmenge des Filters Homosalat drastisch auf 0,5 Prozent herabzusetzen. Anlass sind neue Daten aus Tierversuchen, die auf eine mögliche Schädigung von Nieren, Leber und Schilddrüse hinweisen. Unter dem Verdacht, wie ein Hormon zu wirken, steht Homosalat schon länger, ebenso wie einige andere UV-Filter: Für Ethylhexylmethoxycinnamat und Benzophenon-3 gibt es Hinweise aus Tierstudien, für Octocrylen aus Zellversuchen.

Alle Paraffine mit MOAH verunreinigt Und damit ist die Liste der Stoffe, die wir in den Lippenpflegestiften bemängeln, noch lange nicht zu Ende: In fünf Produkten wies das beauftragte Labor halogenorganische Verbindungen nach. Viele Vertreter dieser Stoffgruppe können Allergien auslösen. Drei Pflegestifte enthalten Paraffine, also Fette aus der Erdölindustrie. Sie können sich in den Organen anreichern. In allen drei Fällen sind diese Paraffine mit aromatatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) verunreinigt. Unter den MOAH können krebserregende Substanzen sein. Zu den belasteten Stiften gehören auch die der Apotheken-Marken Eucerin und La Roche- Posay. Von Pflege aus der Apotheke dürften Verbraucher zu recht mehr erwarten.

TEST

Wir haben getestet Ò

Zinkoxid: UV-Schutz der Zukunft?

Stärken im UVA-Schutz Weil Titandioxid in die Kritik geraten ist, weichen Hersteller nun vermehrt auf den zweiten zugelassenen mineralischen UV-Filter Zinkoxid aus . Gerade in der Naturkosmetik ist er wichtig, da chemische UV-Filter hier tabu sind. Eins zu eins gegeneinander austauschen lassen sich die Filter jedoch nicht. Zinkoxid hat seine Stärken in der Streuung der langwelligen UVA-Strahlen. Es schützt gegen die kurzwellige UVB-Strahlung aber sehr viel schwächer als Titandioxid.

Hoher LSF braucht viel Zink Lange war deshalb ein sehr hoher mineralischer UV-Schutz ohne Titandioxid gar nicht machbar. Seit wenigen Jahren sind aber neue verbesserte Zinkoxid-Filter auf dem Markt, die sogar Lichtschutzfaktor 50 erreichen. Dafür muss Zink dann jedoch sehr hoch konzentriert werden – nahe der zugelassenen Höchstmenge von 25 Prozent.

Zink hat außerdem in höheren Konzentrationen eine gewisse austrocknende Wirkung.

In Windelcremes ist genau das erwünscht – in Lippenpflege nicht.

Wir haben 21 Mal Lippenpflege mit UV- Schutz in Drogerien, (Bio-)Supermärkten und Apotheken eingekauft. Dabei landeten Produkte mit LSF zwischen 20 und 50+ in unserem Einkaufskorb.

Die Liste der Inhaltsstoffe haben wir auf Problemstoffe wie bedenkliche UV-Filter, umstrittene PEG/PEG-Derivate und Plastikverbindungen gecheckt. Zusätzlich haben wir die Produkte in Speziallaboren analysieren lassen; auf halogenorganische Verbindungen und allergieauslösende Duftstoffe etwa. Ist die krebsverdächtige Verbindung Benzophenon in Lippenpflege mit dem UV-Filter Octrocrylen nachweisbar? Welche Menge des in Verruf geratenen Stoffs Titandioxid steckt in den Produkten? Enthalten die mineralischen UV-Filter Titandioxid und Zinkoxid eventuell Nanomaterial und ist das entsprechend deklariert? Das hat ein Labor nach einer im EU-Projekt „NanoDefine“ beschriebenen Methode überprüft.

Schließlich haben wir darauf geachtet, ob die Hersteller ausreichende Anwendungsund Warnhinweise auf den Hülsen und Kartons abdrucken, die helfen Hautkrebs zu vermeiden. Wir haben die Anbieter auch gefragt, ob sie in Kunststoffverpackungen recyceltes Plastik einsetzen. Dafür wollten wir Belege sehen.

Fett gedruckt sind Mängel. Abkürzungen: MOAH = aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe. Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 126.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Weiterer Mangel: ein Umkarton ohne weitere Sonnenschutzhinweise. 3) Weiterer Mangel: keine ausreichenden Sonnenschutz-Empfehlungen. 4) Weiterer Mangel: fehlende Angabe „nano“ bei Titandioxid, CI 77891 oder Zinkoxid in der Liste der Inhaltsstoffe. 5) Laut Anbieter wird das Produkt seit Mitte November 2021 ohne Mineralöl und mit einem LSF von 20 produziert. 6) Laut Anbieter wird das Produkt ab März 2022 mit überarbeiteter Rezeptur, die frei von BHT ist, produziert. 7) Laut Anbieter hat das Produkt mittlerweile eine geänderte Rezeptur, erkennbar an der Nummer 885419 2 vor der Liste der Inhaltsstoffe. 8) Laut Anbieter handelt es sich bei dem Produkt um Restbestände aus der Saison 2021. In der Saison 2022 werde das Produkt kein Synthetic Beeswax mehr enthalten. 9) Laut Anbieter geht das Produkt innerhalb der Saison 2022 aus dem Sortiment. 10) Laut Anbieter hat eine Analyse der eingesetzten Rohstoffe gezeigt, dass minimale technisch unvermeidbare Spuren an halogenorganischen Verbindungen im Synthetic Beeswax enthalten sein können. Das Produkt werde voraussichtlich ab Februar 2022 mit neuer Rezeptur, die kein Titandioxid und Synthetic Beeswax mehr enthalte, und dem neuen EAN-Code 4058172621468 angeboten.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) PEG/PEG-Derivate; b) halogenorganische Verbindungen; c) bedenkliche UV-Filter (hier: Benzophenon-3, Ethylhexylmethoxycinnamat, Homosalat); d) Titandioxid als UV-Filter oder Farbpigment CI 77891 in Pflegemitteln für die Lippen; e) Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe; f) MOAH.

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) bedenkliche UV-Filter, falls nicht schon wegen bedenklicher UV-Filter um zwei Noten abgewertet wurde (hier: Octocrylen); b) BHT; c) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal); e) Tartrazin (CI 19140).

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: a) Silikone und/oder synthetische Polymere als Kunststoffverbindungen (hier: Dimethicone, Hydrogenated Polydecene, Phenyl Trimethicone, Polyethylene, Silica Dimethyl Silylate, Simethicone, Triacontanyl PVP). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) fehlende Angabe „nano“ bei Titandioxid bzw. Zinkoxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU-Kosmetik-Verordnung 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterial, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid bzw. Zinkoxid zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt; c) keine ausreichenden Sonnenschutz-Empfehlungen: mindestens die Hinweise„mehrfach auftragen, um den Lichtschutz aufrecht zu erhalten“ und „Sonnenschutzmittel großzügig auftragen“ fehlen; d) ein Umkarton, ohne weitere Sonnenschutzhinweise.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.

Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2201 Einkauf der Testprodukte: August – September 2021.

Dieser Test löst den Test Lippenpflege mit UV-Schutz aus dem ÖKO-TEST Magazin 1/2019 und dessen Neuveröffentlichung im Ratgeber Kosmetik 2019 und im Jahrbuch für 2020 ab.

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