Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 7 Min.

TEST Lippenpflege mit UV-Schutz: Lippenbekenntnis


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2015 vom 24.04.2015

Wer länger in der Sonne ist, braucht eine Extraportion Schutz für die Lippen. Fünf der von uns getesteten Lippenpflegeprodukte enthalten jedoch UV-Filter, die Wissenschaftler für besonders besorgniserregend halten.


Artikelbild für den Artikel "TEST Lippenpflege mit UV-Schutz: Lippenbekenntnis" aus der Ausgabe 5/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Emely/picture-alliance/Cultura RM

Kiss my lips: Die Lippen laden die Sonne geradezu ein, als „Sonnenterrasse“ sind sie der UV-Strahlung besonders ausgesetzt. Zudem sind sie von Haus aus nicht gut geschützt: Sie haben keine Zellen, die Melanin bilden – der Stoff, der unsere Haut bräunen lässt. Und sie bilden keine Lichtschwielen, verdicken also nicht. Beim Wandern, Sport oder einem ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 5/2015 von Leserbriefe: Schreiben Sie uns. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe: Schreiben Sie uns
Titelbild der Ausgabe 5/2015 von Nachwirkungen: REAKTIONEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: REAKTIONEN
Titelbild der Ausgabe 5/2015 von Elektroschrott Das alte Handy, der ausgediente. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Elektroschrott Das alte Handy, der ausgediente
Titelbild der Ausgabe 5/2015 von Elektroschrott: Giftige Geschäfte: Film-Tagebuch. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Elektroschrott: Giftige Geschäfte: Film-Tagebuch
Titelbild der Ausgabe 5/2015 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Titelbild der Ausgabe 5/2015 von TEST Mehl Flinte ins Korn. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Mehl Flinte ins Korn
Vorheriger Artikel
Veganer Alltag: Konsequenz ist nicht leicht
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Meldungen
aus dieser Ausgabe

... längeren Spielplatzbesuch heißt es deshalb: die Lippen mit einer Portion Sonnenschutz versorgen, sie werden es uns danken.

Meist setzen die Hersteller auf eine Mischung von UVFiltern, damit das Produkt den UVA- und UVB-Schutz erreicht. Auf der Liste der in der EU zugelassenen UV-Filter finden sich 27 Substanzen. Ein paar dieser Filter stehen jedoch im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken. Von einigen chemischen Filtern weiß man das aus Zell- oder Tierversuchen. Zudem hat man UV-Filter auch schon in Muttermilch nachgewiesen – die Filtersubstanzen hatten also ihren Weg in den Körper gefunden. Das wissenschaftliche Beratergremium zu Kosmetikfragen der EU, kurz SCCS, sieht bisher allerdings lediglich bei einem Filter wegen der möglichen hormonellen Wirkung den sogenannten „Sicherheitsabstand“ als zu gering an – somit gilt der Filter als nicht sicher.

Und die anderen chemischen Filter – alles gut? Ausschließen lassen sich unerwünschte Effekte auch bei anderen UV-Filtern nicht. Denn viele sind wenig erforscht auf ihre möglichen Auswirkungen auf unseren Hormonhaushalt. Das Centre of Endocrine Disrupters in Dänemark – was übersetzt so viel wie Zentrum für hormonwirksame Stoffe heißt – bewertete 2013 den Forschungsstand zu den UV-Filtern. Das traurige Ergebnis: „spärlich“. Für die Mehrheit der untersuchten UV-Filter konnten die Wissenschaftler sehr wenige Informationen zum hormonellen Risiko finden. Lediglich vier Substanzen bescheinigten sie, dass es ausreichend Informationen gibt und diese keine Hinweise auf eine hormonelle Wirksamkeit liefern. Auch die Umwelttoxikologin Margret Schlumpf, die sich seit Jahren mit UV-Filtern beschäftigt, sieht das Problem: „Weitere Forschung zu den UV-Filtern ist dringend notwendig, diese Arbeiten finden jedoch wenig Unterstützung.“

Als mineralischer Schutz steht Titandioxid auf der Liste der erlaubten UV-Filter. Manche Anbieter ergänzen damit den chemischen UVSchutz, vor allem die Naturkosmetik setzt allein auf die physikalischen Filter. Das Prinzip: Die Filtersubstanzen sollen nicht in die Haut einziehen, sondern die Strahlung schon vor dem Eindringen in die Haut an der Oberfläche reflektieren. Einen kleinen optischen Haken gibt es dabei: Die physikalischen Filter können auch heute noch zu einer weiß schimmernden Schicht auf den Lippen führen.


Wir wissen wenig: Viele Filter sind kaum erforscht auf ihre hormonelle Wirkung


Zudem wird Titandioxid oft in Nanogröße eingesetzt Verbraucher können dies auf der Verpackung erkennen, denn die Anbieter in der EU müssen den Einsatz von Nanomaterial auf Kosmetika deklarieren. Und „Nano“ wird viel diskutiert. Diese kleinen Partikel stecken beispielsweise in Kosmetika, in Sportklamotten und Fassadenfarben. Wissenschaftler warnen vor Nanoteilchen, die eingeatmet werden. Dann könnten die Partikel in die Lunge gelangen und hier beispielsweise Entzündungen hervorrufen. Deshalb – so die Ansage – sollten Anbieter etwa auf den UV-Filter Titandioxid in Nanogröße in entsprechenden Sonnensprays verzichten. In Cremes oder Lippenpflege stellt sich die Frage des Einatmens nicht. Sie landen auf der Haut. Und hier sehen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sowie andere Wissenschaftler zurzeit kein Problem: Das Eindringen „durch die gesunde menschliche Haut kann nach derzeitigen Stand des Wissens weitgehend ausgeschlossen werden“, beurteilt das BfR.

Sinnlich und sensibel : Die Lippen freuen sich über Pflege und ausreichend Schutz an Sonnentagen.


Foto: Image Point Fr/Shutterstock

Die Inhaltsstoffe von Lippenpflegestiften werden jedoch von den Lippen gelutscht und verschluckt. Das gilt für alle UV-Filter. Zu Nanoteilchen erläutert das BfR: Ob es Risiken über den Magen-Darm-Trakt gibt, sei bislang nicht klar. Speziell mit Titandioxid als UV-Filter in Nanogröße hat sich das wissenschaftliche Beratergremium der EU beschäftigt. Eine akut toxische Auswirkung über die Haut oder durch ungewolltes Verschlucken hält es für unwahrscheinlich.

Bei den vielen Fragezeichen gilt es in der Zwischenzeit aber, Risiko und Nutzen abzuwägen. Ja, es macht mehr als Sinn auf unnötige Nanopartikel zu verzichten – keiner braucht sie beispielsweise in Kleidung, damit diese nicht nach Schweiß riecht. Sonnenschutz – auch mit Nanopartikeln – hingegen erfüllt eine essenzielle Aufgabe: Er schützt vor Hautkrebs. Deshalb gilt die Empfehlung für Sonnengenießer weiterhin: Sonnenbrand vermeiden, ordentlich cremen und schmieren und dabei auch die Lippen berücksichtigen.

Es sollten aber keine Filter sein, bei denen es ernstzunehmende Hinweise aus Versuchen gibt, dass sie hormonell wirken. Wir wollten wissen, welche Substanzen die Anbieter auf dem Markt einsetzen, und haben uns 20 Lippenpflegeprodukte mit UV-Schutz angeschaut.

Das Testergebnis

Durchmischt . Von „sehr gut“ bis „ungenügend“ ist alles im Test dabei. Gut ein Drittel kann sich sehen lassen, darunter auch die zwei Naturkosmetika, ein Drittel landet im Mittelfeld und der Rest ist durchgefallen.
Fragwürdiger Schutz . In zwölf Produkten haben die Hersteller UV-Filter eingesetzt, für die es aus Versuchen Hinweise gibt, dass sie wie ein Hormon wirken. In Bepanthol Lipstick, Carmex Classic Lippenbalsam, Daylong Ultra Sonnenschutz-Stick, Maybelline Baby Lips und Neutrogena Lippenpflege steckt sogar mindestens ein Filter, der aus Sicht von dänischen und schweizerischen Wissenschaftlern „eine besonders besorgniserregende Substanz für die menschliche Gesundheit“ darstellt. Die Filter verstecken sich hinter den für Nichtchemiker fast unaussprechlichen Namen Ethylhexyl, Methoxycinnamate und Benzophenone-3.
Paraffine . Diese Erdölprodukte finden sich in mehr als der Hälfte der Produkte. Von einigen Paraffinen weiß man, dass sie sich in Leber, Niere und Lymphknoten anreichern können.
Rat-los . Auf neun Produkten stehen keine weiteren Hinweise bezüglich des Sonnenschutzes, auf dem Stift von Piz Buin ist nur ein kleiner Hinweis auf Englisch zu finden – das schlägt sich in den Weiteren Mängeln nieder.

ÖKO-TEST rät

• Sie haben eine reichliche Auswahl an empfehlenswerten Produkten – eine sehr gute Lippenpflege bekommen Sie schon für 95 Cent.

• Die Lippen vor dem Aufenthalt in der Sonne gründlich einschmieren. Da man den Schutz auch mal ablutscht, den Stift besser öfters zücken.

• Produkte mit rein mineralischen Filtern werben meist auf der Packung damit. In unsrem Test steht auf den Stiften, die auf chemische UV-Filter verzichten, „mineralischer Schutz“ beziehungsweise „mit rein mineralischen Filtern“.

• Wer lediglich seine trockenen Lippen pflegen will, dem reicht ein herkömmliches Pflegeprodukt ohne UV-Filter. In unserem Test Lippenpflegestifte (ÖKO-TEST 11/2010) finden Sie Varianten ohne UV-Schutz, darunter acht „sehr gute“ Produkte. Erhältlich auf www.oekotest.de

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen : n. u. = nicht untersucht, weil sich dieser Parameter durch die Zusammensetzung des Produkts erübrigt.
Glossar: Erläuterung zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 174.
Anmerkungen 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Weiterer Mangel: Umkarton ohne weitere Information zum Sonnenschutz. 3) Produkt enthält eine Aluminiumverbindung, ihr Gehalt ist jedoch geringer als der von der französischen Gesundheitsbehörde AFSSAPS empfohlene Grenzwert für Kosmetika von 0,6 Prozent. 4) Produkt enthält Titandioxid in Nanogröße. 5) Produkt enthält Methylene Bis-Benzotriazolyl Tetramethylbutylphenol in Nanogröße. 6) Produkt enthält den bedenklichen UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamate. 7) Produkt enthält den bedenklichen UV-Filter Benzophenone-3. 8) Produkt enthält den bedenklichen UVFilter Octocrylene. 9) Produkt enthält den bedenklichen UV-Filter Homosalate. 10) Laut Anbieter ist das Produkt auch ohne Umkarton erhältlich. 11) Laut Anbieter wurde die Verpackung inzwischen geändert und enthält Hinweise zum Sonnenschutz. 12) Auf dem Piz Buin In Sun Lipstick steht nur ein Hinweis zum Sonnenschutz auf Englisch.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) die bedenklichen UV-Filter Ethylhexyl Metoxycinnamate und/oder Benzo - phenone-3; b) Paraffine/Erdölprodukte; c) PEG/PEG-Derivate. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) die bedenklichen UV-Filter Octocrylene und/oder Homosalate, falls nicht schon wegen anderer UV-Filter abgewertet wurde; b) der Farbstoff Tartrazin (CI 19140); c) Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal); b) Silikone, falls nicht schon wegen Paraffine/Erdölprodukte um zwei Noten abgewertet wurde. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) keine ausreichenden Sonnenschutz-Empfehlungen; c) Umkarton ohne weitere Sonnenschutz-Hinweise. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf, dass wir die (vom Hersteller versprochene) Wirkung der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de  Suchen  „M1505“ eingeben.

Einkauf der Testprodukte: Januar / Februar 2015.

Test und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspieler in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Verwirrende Empfehlung

„Mehrfach, reichlich, im Voraus“, diese Empfehlungen erwarten wir auf den Lippenpflegeprodukten. So mancher Hersteller ist zwar der Meinung, dass man ja kein Sonnenschutzprodukt im eigentlichen Sinn anbietet, sondern ein Lippenpflegeprodukt mit UV-Schutz, auf dem keine Angaben nötig sind. Aus unserer Sicht macht das aber nur in der Theorie einen Unterschied. Denn Kunden, die ein Produkt kaufen, auf dem ein Lichtschutzfaktor ausgelobt ist, erwarten auch einen Sonnenschutz. Aber natürlich reicht die Anwesenheit von Tipps alleine nicht aus, auch auf den Inhalt kommt es an: In unserem Test beispielsweise finden wir den Hinweis von Carmex verwirrend „Besonders vor oder nach Sonneneinwirkung (…) auftragen“. Was bitteschön hilft denn der ausgelobte Lichtschutzfaktor nach dem Sonnen?

So haben wir getestet

Der Einkauf

In Drogeriemärkten, Apotheken und im Naturwarenhandel haben wir 20 Lippenpflegeprodukte eingekauft. Auf allen ist ein Lichtschutzfaktor zwischen 15 und 50+ ausgelobt, zwei sind als Naturkosmetik zertifiziert.

Die Inhaltsstoffe

Welche UV-Filter setzen die Hersteller ein? Stecken im Produkt Paraffine, die meist aus Erdöl hergestellt sind? Und duften hier Stoffe, die Allergien auslösen können? Um diese Fragen zu klären, haben wir umfangreiche Laboranalysen in Auftrag gegeben. Auf einen Praxistest haben wir hingegen bewusst verzichtet, denn um den Lichtschutzfaktor zu testen, werden in der Regel Probanden künstlichem UV-Licht ausgesetzt – das finden wir ethisch bedenklich.

Paraffine oder natürliche Öle – was wird eingesetzt?


Foto: wikipedia/Gmhofmann

Die Weiteren Mängel

Damit die Lippenpflege mit Lichtschutzfaktor vor schädlicher UVStrahlung schützen kann, sollte sie frühzeitig, reichlich und mehrfach auf die Lippen geschmiert werden. Solche Hinweise erwarten wir auf den Produkten, dafür nehmen wir sogar einen Umkarton in Kauf.

Die Bewertung

Lippen brauchen in der Sonne einen Schutz – bedenkliche Filter, von denen es Hinweise gibt, dass sie hormonaktiv sein könnten, sollten es aber nicht sein. Stecken sie in der Lippenpflege, gibt es Punktabzug. Kommen dazu noch andere bedenkliche oder umstrittene Inhaltsstoffe, werten wir weiter ab.