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TEST Luftmatratzen: SOS


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2010 vom 09.06.2010

Mit Luftmatratzen können Kinder viel Spaß haben. Angesichts der Ergebnisse unseres Tests geht man aber besser ohne Plastik zum Planschen. Nur ein Produkt war halbwegs in Ordnung.


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Foto: irisblende.de

An die drei Wochen Urlaub am Mittelmeer, als ich sieben Jahre alt war, habe ich eine Erinnerung, die alle anderen uberstrahlt: das kleine, aufblasbare „Surfbrett“. Es hatte einen blauen und einen roten Streifen und konnte eigentlich nur ein, bestenfalls zwei Kinder tragen. Meine Freundinnen und ich verbrachten trotzdem ganze Tage damit, zu versuchen, zu dritt darauf zu sitzen oder – noch besser – zu stehen. ...

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An die drei Wochen Urlaub am Mittelmeer, als ich sieben Jahre alt war, habe ich eine Erinnerung, die alle anderen uberstrahlt: das kleine, aufblasbare „Surfbrett“. Es hatte einen blauen und einen roten Streifen und konnte eigentlich nur ein, bestenfalls zwei Kinder tragen. Meine Freundinnen und ich verbrachten trotzdem ganze Tage damit, zu versuchen, zu dritt darauf zu sitzen oder – noch besser – zu stehen. Immer, wenn wir es fast geschafft hatten, flutschte das „Brett“ weg oder sank oder es kam eine Welle, die uns alle drei plus Unterlage einmal kraftig wurfelte. Es war einer der besten Urlaube.

Kinder lieben Wasser. Wenn es in diesen Sommerferien also nicht direkt ans Meer oder an den See geht, werden Ausfluge an einen Badesee oder ins Freibad fur die meisten zu den Highlights gehoren. Wasserspielzeuge wie aufblasbare Tiere und Luftmatratzen gehoren einfach dazu.

Leider haben sich Luftmatratzen und ahnliche Produkte in vergangenen Tests fast immer als hoch schadstoffbelastet erwiesen. So strotzten die Luftmatratzen und Schlauchboote in unserem letzten grosen Test vor funf Jahren geradezu vor gesundheitlich bedenklichen Weichmachern. Wir wollten wissen, ob sich die Lage mitt lerweile gebessert hat und haben 13 Luftmatratzen in die Labore geschickt.

Das Testergebnis

■ … konnte wirklich schlechte Laune machen. Bis auf eine Matratze fallen alle mit „ungenugend“ durch. Obwohl die bedenklichen Phthalatweichmacher inzwischen in Spielzeug gesetzlich reglementiert sind, wurden sie in einigen Produkten wieder in rauen Mengen nachgewiesen. Und die von OKO-TEST beauftragten Labore deckten noch allerlei andere Probleme auf.
■ In jeweils vier Luftmatratzen stecken erhohte und stark erhohte Gehalte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Viele PAK gelten als krebserregend. Sie konnen uber die Haut aufgenommen werden. In Produkten mit Hautkontakt haben sie deshalb nichts zu suchen, schon gar nicht, wenn fast der ganze Korper mit der Luftmatratze in Beruhrung kommt.


Manche Luftmatratzen bestehen zu mehr als 20 Prozent aus bedenklichen Phthalaten


■ DieThe Wet Set 18-Taschen Liege-Matratze , dieBlue Shark Fun Luftmatratze und dieSevylor Wasser-Hängematte Fisch enthalten grose Mengen des bedenklichen Weichmachers Diisononylphthalat (DINP). Die untersuchten Mischproben aus Matratzenmaterial und Ventil bestanden zu 20 bis uber 30 Prozent aus DINP. In dem Produkt vonSevylor wurden auch noch mehr als 0,1 Prozent des als fortpflanzungsgefahrdend eingestuften Phthalats DEHP nachgewiesen. DINP darf in Spielzeug, das in den Mund genommen werden kann, DEHP in Spielzeug generell nicht zu mehr als 0,1 Prozent enthalten sein. Welche Luftmatratzen als Spielzeug gelten und welche nicht, ist allerdings nicht klar geregelt. Manche Untersuchungsbehorden wurden die Frage nach der Grose der Luftmatratze beurteilen, andere schauen sich die Aufmachung an, und ob das Produkt etwa in einer Spielwarenabteilung angeboten wird. Wir sind der Ansicht, dass alle Luftmatratzen im Test fur Kinder ansprechend sind. Unabhangig von der Frage, ob gegen Gesetze verstosen wird, oder nicht, werten wir die stark erhohten Gehalte an den bedenklichen Phthalaten deshalb um funf Noten ab.
■ Anders als noch vor funf Jahren stecken Phthalate immerhin nicht mehr in allen PVC-Luftmatratzen. Acht Pruflinge waren frei davon. Die Anbieter haben auf alternative Weichmacher wie DINCH oder DEHT umgestellt. Diese sind im Vergleich die bessere Alternative, allerdings losen auch sie sich wieder aus dem Kunststoff, und die Wirkung auf Mensch und Umwelt ist noch nicht hinreichend klar, weshalb wir auch diese Weichmacher abwerten, aber nur um eine Note.


Aus vielen Produkten löste sich nervengiftiges Phenol und das Lösemittel Isophoron


■ Aus neun Luftmatratzen loste sich Phenol, das zu Nervenstorungen fuhren kann. Das Losemittel Isophoron kritisieren wir in acht Produkten. Im Zusammenhang mit Babybuchern hat das Bundesinstitut fur Risikobewertung bereits 2002 festgestellt, dass man ein krebserzeugendes Potenzial von Isophoron nicht ausschliesen kann und es in Spielzeug so weit wie moglich reduziert werden soll.
■ Die mit Baumwolle beschichtete Gummimatratze, die wir auf der Suche nach weniger schadstofftrachtigen Materialien mit in den Test genommen hatten, entpuppte sich als grose Enttauschung. Zwar ist dieRoyalbeach Gewebe-Sitz-Liegematratze tatsachlich frei von Phthalaten. Dafur ist sie am starksten mit PAK belastet, darunter die besonders kritische Leitsubstanz Benzo(a)pyren. Auserdem loste sich im Labor das bedeutende Allergen 2-Mercaptobenzothiazol.


Viele Luftmatratzen wurden in China hergestellt. Nicht alle Anbieter informieren über das Produktionsland


■ Einzig dieSun & Sea Polyester-Liegematratze , die ausen mit textilem Polyester-Material uberzogen ist, schneidet nicht katastrophal ab. In puncto Inhaltsstoffe bekommt sie nur fur PVC/PVDC/ chlorierte Kunststoffe und den alternativen Weichmacher DINCH Punktabzug. Gabe es nicht auch noch einen Kritikpunkt bei der Deklaration, hatten wir ihr sogar ein Gesamturteil „befriedigend“ gegeben. Auf der Luftmatratze fehlt uns – wie auf einigen anderen auch – der sinnvolle Hinweis, dass Kinder sie nur unter Aufsicht und nur in flachem Wasser benutzen sollten. Dass die Warnung bei derSun & Sea in der Bedienungsanleitung auftaucht, reicht aus unserer Sicht nicht aus, weil nicht davon auszugehen ist, dass Verbraucher den Zettel aufbewahren und mit an den Strand nehmen werden.
■ Nur bei knapp der Halfte der Produkte war das Herstellungsland angegeben. Wir fragten bei den Anbietern nach: Zwei gaben uns die Information, von dreien kam diesbezuglich keine Antwort. Bei allen Luftmatratzen, deren Herstellungsland wir nun kennen (siehe Tabelle), ist es China.Meike Meyer

Unsere Empfehlungen

• Von den Luftmatratzen im Test ist nur dieSun & Sea Polyester-Liegematratze relativ wenig belastet.

• Es lohnt sich, bei Luftmatratzen grundsätzlich ein Handtuch unterzulegen, um weniger Hautkontakt zu haben.

• Wasserspielzeug nicht mit dem Mund aufpusten – lieber einen kleinen Blasebalg mit an den Strand nehmen.

• Auch Schwimmhilfen sind nach Erfahrung von ÖKO-TEST meist aus schadstoffbelastetem PVC. Eine gute Alternative sind Schwimmkissen aus Baumwolle. Auch Produkte aus EVA-Schaumstoff schneiden in den ÖKO-TESTs häufig besser ab als aufblasbare PVC-Artikel.

So baden Kinder sicher mit Luftmatratzen

Aufblasbare Wasserspielzeuge und Luftmatratzen sind keine sicheren Hilfsmittel zum Baden oder Schwimmen, warnen Experten. Besonders Kindern können Luftmatratzen ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln, oder sie vergessen in der Begeisterung über ein großes Wassertier, wie weit sie sich schon vom Ufer entfernt haben. Auch Erwachsene lassen sich häufig von der Gemütlichkeit der Luftmatratze dazu verleiten – und einfach treiben. „Unsere Einsatzkräfte berichten in jeder Sommersaison von abgetriebenen Luftmatratzen mit Personen, die erschöpft und weit vom Ufer entfernt mit Motorrettungsbooten gerettet werden müssen“, sagt Martin Janssen von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). „Kinder auf Luftmatratzen müssen in jedem Fall gute Schwimmer sein, und ein erwachsener guter Schwimmer sollte immer in Griffweite sein.“ Und auch dann sollten Luftmatratzen nur in niedrigem Wasser genutzt werden, in dem die Kinder noch stehen können.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben gängige Modelle für Wasser und Strand eingekauft, die Eltern auch für ihre Kinder aussuchen könnten. Eine „Sonnenbräuner“- Matratze, die durch Spiegelungen noch mehr schädliche UV-Strahlung auf die Haut werfen soll, gehört nicht dazu — auch wenn es sie bei einem Spielzeugversender gegeben hätte. Die meisten Luftmatratzen zum Einsatz im Wasser bestehen nach wie vor aus PVC. Als mögliche Alternative haben wir eine Gummimatratze mit Baumwollbezug mit in den Test genommen. Die Preise der getesteten Luftmatratzen bewegen sich zwischen 3,99 und 23,50 Euro.

Die Inhaltsstoffe

Das Prüfprogramm war umfangreich: Nicht immer ist auf Luftmatratzen das Material angegeben. Wir haben also als Erstes analysieren lassen, ob in den Matratzen PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe stecken. Ohne Weichmacher wäre PVC hart und spröde, weshalb wir natürlich nach Phthalaten und anderen Weichmacher fahnden ließen. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) werden manchmal absichtlich eingesetzt, etwa als Schädlingsbekämpfungsmittel während des Transports, oder verbleiben als Rückstände aus billigeren Weichmacherölen in den fertigen Kunststoffen. Isophoron ist ein (technisch eigentlich weitgehend vermeidbarer) Rückstand aus Druckfarben. Giftige zinnorganische Verbindungen werden in PVC unter anderem eingesetzt, um den Kunststoff stabil gegen die Einwirkung von Licht und Hitze zu machen.

Die Bewertung

Bei stark erhöhten Gehalten von Phthalaten oder PAK war klar: Die Luftmatratze ist durchgefallen und definitiv nicht empfehlenswert, auch wenn sie den gesetzlichen Anforderungen genügt. Andere Substanzen bewerteten wir weniger streng, zumal sich die Gehalte, etwa an zinnorganischen Verbindungen, noch in Grenzen hielten. Unter Weitere Mängel gab es Punktabzüge, wenn auf der Luftmatratze der wichtige Warnhinweis fehlte, dass Kinder sie nur in flachem Wasser und unter Aufsicht von Erwachsenen nutzen sollten.