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TEST Make-up: In Deckung gehen


ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 5/2017 vom 11.05.2017

Pickel, Pigmentflecken und Ungleichheiten im Gesicht lassen sich mit Make-up abdecken und kaschieren. Wir haben 20 Produkte unter die Lupe genommen. Alle Produkte, die als Naturkosmetik zertifiziert sind, kommen ohne problematische Stoffe aus. Von den konventionellen Make-ups ist gerade einmal ein Produkt empfehlenswert.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness, Ausgabe 5/2017

Wenn Nachrichten- und Talkshowmoderatoren vor die Fernsehkameras treten, wirken sie im besten Fall ausgeschlafen, haben weder Augenringe noch Pickel und sehen trotz HD-Auflösung völlig natürlich aus. Da allerdings auch Moderatoren ganz normale Menschen mit einem ganz normalen Alltag ...

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... sind, der auch in ihren Gesichtern ganz normale Spuren hinterlässt, helfen für den makellosen Teint Profis nach: die Maskenbildner. Machen sie ihren Job gut, gelten sie mit Fug und Recht als Künstler – nicht umsonst heißen sie im Englischen Make-up Artists. Und doch bemisst sich die Qualität ihrer Arbeit abseits der Spezialeffektsparte nicht daran, wie viel, sondern wie wenig zum Schluss von ihr zu erkennen ist.


Der gezielte Einsatz von Rottönen hilft, einen Maskeneffekt zu vermeiden


Aber was macht eigentlich eine gute Profischminke aus? Bernd Bauer kennt die Herausforderungen, die mit der Einführung hochauflösender Kameratechnologien noch gestiegen sind. Der Maskenbildner und seine Kollegen aus der Agentur Die Maske in Köln (www.diemaske. de) schminken regelmäßig Menschen, die für TV-Produktionen jeglicher Art vor die Kameras treten. Entsprechend hohe Ansprüche hat Bauer an seine Arbeitsmaterialien: „Wir benutzen Spezialprodukte, HD-Make-ups, die speziell für Film und Fernsehen entwickelt wurden. Diese Make-ups sind so fein, dass man sie eigentlich kaum sehen kann – die Hautstrukturen sollen sichtbar bleiben und nicht zugepappt werden“, erklärt der Profi.

Während Frauen im asiatischen Raum für einen hellen, porzellanartigen Teint nicht selten sogar zur Bleichpaste greifen und US-Amerikanerinnen gar keinen Hehl daraus machen, ordentlich in die kosmetische Trickkiste zu greifen, ist in unseren Breiten eher Natürlichkeit angesagt: „Bei der deutschsprachigen Frau ist immer der Wunsch da, so geschminkt zu sein, dass man die Schminke nicht erkennt. Der Traum jeder Frau: Man soll zu ihr sagen, sie sehe gut aus, nicht ‚das Make-up sieht gut aus‘“, sagt Bauer.

Für TV-Moderatoren sei das ein besonders wichtiger Aspekt, der den Anspruch an die Maskenbildner noch verstärkt: „Bei Schauspielern, die in eine Rolle geschminkt werden, sind Veränderungen üblich. Aber ein Moderator ist er selbst und kann niemand anderen spielen – deshalb mag er es nicht, wenn er sich verfremdet vorkommt.“

Für eine möglichst natürliche Wirkung verwenden die Profis deshalb mehrere Farbtöne – mindestens drei verschiedene Nuancen. „Wir arbeiten immer mit einer Grundierung, einer Aufhellung und einer Schattierung – dann gibt es meistens noch eine Belebung, indem wir einen Rotton hinzufügen. Auch wenn das für viele schwer vorstellbar ist: Rot wird überall mit hineingearbeitet, wie ein Zwischenton, der verhindert, dass das Gesicht wie eine Maske wirkt.“

Damit das auch zu Hause gelingt, bietet der Kosmetikhandel ein riesiges Sortiment an Produkten, in dem sich ebenfalls der Wunsch nach Natürlichkeit spiegelt: „Hauttonangleichende“ Foundations im „Nude-Look“ sollen einen möglichst natürlich wirkenden Teint zaubern und Rötungen und Unregelmäßigkeiten trotzdem wirkungsvoll kaschieren. Wir haben 20 solcher Flüssig-Make-ups eingekauft und ihre Rezepturen in den Laboren genau untersuchen lassen.

Das Testergebnis

■.Naturkosmetik überzeugt – wieder einmal: Alle sieben zertifizierten Make-ups schaffen es zur Bestnote, wohingegen nur eines von 13 konventionellen Produkten wenigstens ein „gutes“ Gesamturteil erhält. Das wurde allerdings aus dem Verkauf genommen. Weitere zwei erreichen noch die Note „ausreichend“, ganze zehn konventionelle Make-ups rasseln aber mit bis zu zwölf Minuspunkten auf ganzer Linie durch.
■.Pfui! Weder auf noch in die Nase gehören die Make-ups von Artdeco, Douglas, Essence und Manhattan. Sie enthalten Duftkomponenten wie künstlichen Moschusduft, der sich im menschlichen Fettgewebe anreichert und der verdächtigt wird, Leberschäden zu verursachen. Auch den Duftstoff Lilial, der sich in der Inhaltsstoffliste hinter dem sperrigen Begriff Butylphenyl Methylpropional verbirgt, beanstanden wir, denn er hat sich im Tierversuch als fortpflanzungsgefährdend erwiesen.
■.Hormone steuern viele Prozesse im menschlichen Körper. Werden sie aber von außen zugeführt, zum Beispiel über Kosmetikinhaltsstoffe, können sie den empfindlichen körpereigenen Hormonhaushalt stören. Propyl- und Butylparaben, die im Maybelline Fit me! Luminous + Smooth, 120, Classic Ivory enthalten sind, oder die chemischen UV-Filter Ethylhexylmethoxycinnamat und Octocrylen, wie sie gleich in sieben konventionellen Make-ups stecken, haben in wissenschaftlichen Untersuchungen solches Potenzial gezeigt. Wir kritisieren den Einsatz dieser Stoffe – umso mehr, wenn es unbedenkliche Alternativen gibt.
■.Haftbar gemacht. Fast schon unspektakulär wirkt da einer der Hauptbestandteile fast aller konventionellen Makeups: Silikonöle. Sie sorgen zwar für eine weiche Textur und dafür, dass die Abdeckcreme möglichst lange auf der Haut haftet. Aber sie stören auch das empfindliche Hautgleichgewicht. ÖKO-TEST rät deshalb, lieber zu Varianten mit natürlichen Ölen und Wachsen zu greifen.
■.Einträglich? Durch PEG/PEG-Derivate, die in zwölf von 13 konventionellen Produkten im Test enthalten sind, können die anderen Schadstoffe unter Umständen leichter die Hautbarriere passieren. Diese sogenannten penetrationsfördernden Eigenschaften sind bei Salben für die medizinische Anwendung oft erwünscht, um den Wirkstoff in den Körper einzubringen – bei Kosmetikprodukten sehen wir sie jedoch kritisch.
■.Silberstreifen gibt es hier höchstens am Horizont: Metalle wie Blei, Chrom, Nickel oder Aluminium, die als mehr oder weniger starke Verunreinigungen in natürlichen Inhaltsstoffen wie Titandioxid oder Eisenoxid enthalten sein können, wies das Labor in den getesteten Make-ups nur in geringen Mengen nach, die wir nicht abwerten.
■.Im Konjunktiv. Wenn eine allgemein gehaltene „May-contain“-Deklaration verhindert, dass die in der von uns getesteten Nuance eingesetzten Farbbestandteile genau ersichtlich werden, haben wir nachgefragt. Verschiedene Hersteller hielten es nicht für nötig, uns gegenüber die Farbbestandteile ihrer Produkte aufzuschlüsseln. Für diese Intransparenz gibt es Punktabzug unter den Weiteren Mängeln.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 208.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 2) Weiterer Mangel: Konkret eingesetzte Farbbestandteile für das getestete Produkt („may contain“) nicht aufgeschlüsselt. 3) Der Duftstoff Cumarin, der Allergien auslösen kann, ist deklariert, konnte aber im Labor nicht nachgewiesen werden. 4) Die Duftstoffe Farnesol und Eugenol, die Allergien auslösen können, sind deklariert, konnten aber im Labor nicht nachgewiesen werden. 5) Enthält den UV-Filter Ethylhexylmethoxycinnamat. 6) Enthält den UV-Filter Octocrylen. 7) Laut Anbieter wurde die gesamte Produktserie Rival de Loop Liquid Make-up im April 2017 aus dem Sortiment genommen. 8) Der Duftstoff Citral, der Allergien auslösen kann, ist deklariert, konnte aber im Labor nicht nachgewiesen werden. 9) Laut Anbieter befindet sich das Produkt Essence Pure Nude Make-up, 20, Pure Sand seit Februar 2017 nicht mehr im Sortiment. 10) Laut Anbieter hat das Produkt (ab Charge 7020255) seit Anfang 2017 eine veränderte Rezeptur.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) PEG/PEG-Derivate; b) der bedenkliche UV-Filter Ethylhexylmethoxycinnamat; c) mehr als 10 mg/kg bis 1.000 mg/kg künstlicher Moschusduft (hier: Galaxolid [HCCB]); d) halogenorganische Verbindungen; e) Butylphenyl Methylpropional (in der Tabelle: Lilial). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1 Prozent Paraffine/

Erdölverbindungen/Silikone; b) der bedenkliche UV-Filter Octocrylen, wenn nicht bereits wegen des UV-Filters Ethylhexylmethoxycinnamat um zwei Noten abgewertet wurde; c) Propyl- und/oder Butylparaben; d) mehr als 10 mg/kg bis 1.000 mg/kg Diethylphthalat (DEP). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: Konkret eingesetzte Farbbestandteile für das getestete Produkt („may contain“) nicht aufgeschlüsselt. Zur Abwertung um eine Note führt: Umkarton, der kein Glas schützt. Das Gesamturteil basiert auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de  Suchen  „N1705“ eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 04/2017. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

■.Preis-Leistung stimmt bei der Naturkosmetik. Selbst das teuerste Make-up ist hier günstiger als manch „ungenügendes“ konventionelles Produkt.
■.Auch wenn modernes Make-up die Poren nicht mehr so verstopft wie frühere reismehlhaltige Produkte: Abschminken am Abend ist wichtig, damit sich die Haut über Nacht erholen kann.
■.Wenn Sie im Bereich des Kinnund Mundbereichs verstärkt zu Hautunreinheiten und Pickeln neigen, könnte es sich um eine sogenannte Kosmetikakne handeln, die behandelt werden muss. Verzichten Sie in diesem Fall möglichst auf alle Kosmetikprodukte und fragen Sie Ihren Hautarzt um Rat.

Kompakt

Was ist eigentlich …Camouflage?

Als Camouflage bezeichnet man Abdeckcremes mit einer höheren Pigmentdichte. Damit lassen sich selbst deutliche optische Veränderungen wie Feuermale, Pigmentveränderungen oder Tätowierungen überdecken.

Foto: Veles-Studio/iStock/Thinkstock

Contouring?

Beim Contouring wird mit hellen und dunklen Akzenten die Gesichtsform optisch modelliert. Dunkle Schattierungen, etwa unterhalb der Wangenknochen, seitlich des Nasenbeins oder am oberen Rand der Stirn heben danebenliegende, hellere Partien hervor. Diese Stellen lassen sich dann mit sogenannten Highlightern noch weiter betonen.

Foto: Albina Glisic/Shutterstock

Colour Correction?

Hier wirken Komplementärfarben gegen farbliche Unregelmäßigkeiten im Hautbild: Rötungen wie Pickel oder Aknenarben lassen sich mit grüner Abdeckpaste kaschieren, dunklen Augenringen rückt man mit Apricot-Tönen zu Leibe, Violett hilft gegen einen gelbstichigen Teint und Gelb lässt bläulich durch die Haut schimmernde Venen verschwinden.


Foto: altrendo images/digital vision/Thinkstock